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Wachstum bei stationärer Versorgung

In den letzten Jahren ist bei der stationären Pflege ein Trend zu immer mehr Kurzzeit-Pflegeplätzen zu erkennen. Auch die Definition von Pflegebedürftigkeit ist mit dem neuen Pflegestärkungsgesetz im Wandel.

Dass der Al­ters­durch­sch­nitt der Bevölkerung durch die Ver­ket­tung von stei­gen­der Lebenser­war­tung und gerin­gen Nach­wuch­szahlen in Deutsch­land im­mer stärk­er steigt, das ist wei­thin bekan­nt. In der Folge wächst auch die Zahl der pflegebedürfti­gen, kranken und al­ten Men­schen, wie wir bere­its in unserem „Branchen­re­port zur am­bu­lan­ten Pflege“ beleuchtet haben. Im Jahr 2013 zähl­ten 2,63 Mil­lio­nen Men­schen hi­erzu­lande zur Gruppe der Pflegebedürfti­gen im Sinne des Pflegev­er­sicherungs­ge­setzes (SGB XI). Die Prog­nose von Bun­des­ge­sund­heits­min­is­ter Her­mann Gröhe: „Zurzeit sind bei uns rund 2,6 Mil­lio­nen Men­schen aus den un­ter­schiedlich­sten Grün­den auf Pflege angewie­sen. In den kom­men­den einein­halb Jahrzeh­n­ten wird sich die Zahl, Schätzun­gen zu­folge, um knapp eine Mil­lion Men­schen ver­größern, so­dass im Jahr 2030 rund 3,5 Mil­lio­nen Men­schen auf pflegerische Hilfe angewie­sen sein wer­den.“ Zulet­zt wur­den rund 71 Prozent der Pflegebedürfti­gen zu Hause von Ange­höri­gen oder am­bu­lan­ten Pflege­di­en­sten ver­sorgt, so das Statis­tische Bun­de­samt in der aktuellen Pfleges­tatis­tik, die seit 1999 alle zwei Jahre veröf­fentlicht wird. Das heißt, rund 29 Prozent fin­d­en ge­gen­wärtig Hilfe und Für­sorge in einem sta­tionären Pflege­heim. Im Dezem­ber 2013 gab es rund 13.000 voll- bzw. teil­s­ta­tionäre Pflege­heime, von de­nen sich 7.100 bzw. 54 Prozent in so­ge­nan­n­ter „freige­mein­nütziger“ Träger­schaft be­fan­den, al­so von sozialen Ein­rich­tun­gen wie der AWO, der Di­akonie oder der Car­i­tas geleit­et wur­den. Die öf­fentliche Hand war nur bei fünf Prozent der Pflege­heime ve­r­ant­wortlich­er Träger. Im Ge­gen­satz zur „am­bu­lan­ten Pflege“, die zum über­wie­gen­den Teil pri­vatwirtschaftlich or­gan­isiert ist, dre­hen sich hi­er al­so die Ver­hält­nisse um. Im Ver­gleich zu 2011 verzeich­nete die sta­tionäre Ver­sor­gung ein Wach­s­tum von 5,5 Prozent bei der Zahl der Heime ins­ge­samt.

Deut­lich mehr Tage­spflege


10.900 der 2013 gezähl­ten Ein­rich­tun­gen boten an ihren Stan­dorten eine voll­s­ta­tionäre Dauerpflege. In Plätzen ausge­drückt: Von ins­ge­samt 903.000 Pflege­plätzen waren 848.000 (94 Prozent) für die sta­tionäre Dauerpflege vorge­se­hen, und hier­bei wur­den wiederum 529.000 Dauerpflege­plätze als Ein-Bett-Zim­mer ange­boten sowie 314.000 Plätze in Zwei-Bett-Zim­mern. Das Wach­s­tum lag hi­er bei zwei Prozent bzw. 17.000 Plätzen im Ver­gleich zur Pfleges­tatis­tik 2011. Ei­nen über­durch­sch­nittlich großen An­stieg verzeich­net die Pfleges­tatis­tik bei der Zu­nahme der Plätze für die teil­s­ta­tionäre Tage­spflege. Mit rund 10.000 Plätzen wur­den hi­er um 29,8 Prozent mehr Möglichkeit­en ge­boten, Ange­hörige kurzzeitig pro­fes­sionell pfle­gen zu lassen. Ein Zeichen dafür, dass viele Ange­hörige mit den pri­vat­en Pflegemöglichkeit­en zeitlich und kör­per­lich an ihre Grenzen stoßen? Die Zahl der teil­s­ta­tionär be­treuten Pflegedürfti­gen nahm um 30,6 Prozent (13.000 Plätze) zu. Bei den Pflegebedürfti­gen waren es zu 94 Prozent alte Men­schen, die in den Häusern ver­sorgt wur­den. Die Zahl der Heime für die Pflege von Be­hin­derten oder aber für psychisch kranke Men­schen war im Ver­gleich dazu mit zwei bzw. drei Prozent ver­sch­win­dend ger­ing. Hinge­gen hatte nur rund jedes fünfte Pflege­heim ein un­mit­tel­bar angeschlossenes Al­ten­heim oder bot Möglichkeit­en für be­treutes Woh­nen an. Diese Si­t­u­a­tion zeigt, dass Al­ten­heime und Se­nioren­häus­er für Men­schen ohne Pflegestufe eine über­wie­gend ei­gen­ständig or­gan­isierte Kat­e­gorie sind.

Ken­n­größe Pflegestufe

Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (Foto: BMG/Jochen Zick (action press))
Bun­des­ge­sund­heits­min­is­ter Her­mann Gröhe (Fo­to: BMG/Jochen Zick (ac­tion press))


Die „Pflegestufe“ ist derzeit noch die entschei­dende Ken­n­größe bei der Fest­stel­lung der Pflegebedürftigkeit. Sie wird durch den Medizinischen Di­enst der Krankenkassen (MDK) er­mit­telt. Durch ärztliche Be­funde und Ge­spräche mit dem al­ten Men­schen stellt der MDK fest, wie groß der Be­darf an dauer­hafter Beauf­sich­ti­gung und Be­treu­ung ist oder ob Maß­nah­men der Präven­tion, Re­ha­bil­i­ta­tion sowie Kranken­be­hand­lung durchge­führt wer­den kön­nen, um die Pflegebedürftigkeit zu ver­min­dern. Die Pflegekassen sind verpflichtet, spätestens fünf Wochen nach einem Pa­tien­ten-Ter­min des MDK zu entschei­den, für welche Pflegestufe der jew­eilige Pa­tient ein An­recht auf Zah­lung ein­er Un­ter­stützung hat. Gestaf­felt nach dem Grad der Pflegebedürftigkeit wird un­ter­schie­den zwischen der Pflegestufe I (er­he­blich Pflegebedürftige), Pflegestufe II (Sch­w­erpflegebedürftige) sowie Pflegestufe III (Sch­w­er­stpflegebedürftige) mit ein­er ent­sprechend gestaf­fel­ten Höhe der fi­nanziellen Leis­tun­gen. Bei die­sen Leis­tun­gen un­ter­schei­den die Pflegekassen zwischen dem Pflegegeld, den Pflege­sach­leis­tun­gen und den Leis­tun­gen für die teil- oder voll­s­ta­tionäre Pflege. Pflegegeld ist eine Un­ter­stützung, wenn Grundpflege und häus­liche Ver­sor­gung in der ei­ge­nen Woh­nung, insbe­son­dere durch Ange­hörige, er­fol­gen kön­nen. Pflege­sach­leis­tun­gen sind eine Hilfe bei der Deck­ung von Kosten für ei­nen am­bu­lan­ten Pflege­di­enst, und die höch­sten Pflegesätze wer­den gezahlt, wenn keine häus­liche oder teil­s­ta­tionäre Pflege mehr möglich ist. Im sta­tionären Bereich sind Pflege, medizinische Be­hand­lungspflege sowie auch die soziale Be­treu­ung mit den mo­natlichen Be­trä­gen ab­gesichert.

Per­so­n­al wird im Sch­nitt jünger

Prof. Dr. h.c. Herbert Rebscher, Vorsitzender des Vorstandes der DAK-Gesundheit (Foto: DAK-Gesundheit / Wigger)
Prof. Dr. h.c. Her­bert Reb­sch­er, Vor­sitzen­der des Vor­s­tan­des der DAK-Ge­sund­heit (Fo­to: DAK-Ge­sund­heit / Wig­ger)

Von den ins­ge­samt 2,63 Mil­lio­nen Pflegebedürfti­gen wur­den im Jahr 2013 764.000 Men­schen in Pflege­hei­men sta­tionär be­treut. Der An­stieg lag hi­er bei 4,4 Prozent. Damit ver­sorgte ein Pflege­heim im Sch­nitt rund 60 Per­so­n­en, wobei sich Un­ter­schiede zwischen pri­vat­en sowie ge­mein­nützig bzw. öf­fentlichen Ein­rich­tun­gen zeigten: Die pri­vat­en Träger be­treiben eher die kleineren Ein­rich­tun­gen. Die Si­t­u­a­tion beim Pflegeper­so­n­al zeigt in sta­tionären Ein­rich­tun­gen eine ähn­liche En­twick­lung wie in der pri­vat­en oder am­bu­lan­ten Pflege – der über­wie­gende Teil der hi­er beschäftigten Per­so­n­en ist wei­blich (85 Prozent). 2013 waren in den Pflege­hei­men 685.000 Pflegerin­nen und Pfleger in Teilzeit (62 Prozent) und Vol­lzeit (31 Prozent) beschäftigt, was umgerech­net einem Vol­lzeitäqui­va­lent von 491.000 Stellen ent­spricht. Auszu­bil­dende und (Um-)Schüler/-in­nen ka­men hi­er mit sieben Prozent stärk­er zum Ein­satz als in der am­bu­lan­ten Pflege, und sie machen, zusam­men mit ein­er wach­sen­den Zahl an Prak­tikantin­nen und Prak­tikan­ten, mit 38,4 Prozent ei­nen im­mer größeren Teil der Belegschaften aus. Vor dem Hin­ter­grund, dass in der gleichen Zeit die Zahl der Vol­lzeitkräfte um 4,1 Prozent sank und die Quote der Teilzeitbeschäftigten um 4,7 Prozent an­stieg, zeigt sich eine deut­liche Ver­jün­gung und Flex­i­bil­isierung der Ar­beitsver­hält­nisse. Eine En­twick­lung, deren Ver­lauf künftig zu beobacht­en sein wird, denn er­st­mals wur­den mit der Pfleges­tatis­tik 2013 auch Dat­en zur Al­tersstruk­tur der Beschäftigten er­hoben. Es zeigte sich, dass rund ein Fünf­tel (19 Prozent) der Belegschaften un­ter 30 Jahre alt waren, 43 Prozent zwischen 30 und 49 Jahre und im­mer­hin noch mehr als ein Drit­tel (38 Prozent) waren derzeit 50 Jahre oder äl­ter.

Neues Pflegestärkungs­ge­setz


Bei den Kosten für ei­nen voll­s­ta­tionären Dauerpflege­platz in der höch­sten Pflegestufe III er­gab sich 2013 ein durch­sch­nittlich­er Tages­satz von 78 Eu­ro für die Pflege sowie noch ein­mal 21 Eu­ro für die Un­ter­brin­gung und die Verpfle­gung in einem Pflege­heim. Auf den Mo­nat hochgerech­net fall­en al­so regelmäßig Pflegekosten von rund 3.017 Eu­ro an, die durch die oben beschriebe­nen Ent­gelte nach dem Pflegestufen­mod­ell selbst in der höch­sten Stufe nicht gän­zlich gedeckt sind. Es sind al­so pri­vate Zuzah­lun­gen der Se­niorin­nen und Se­nioren oder ihr­er Ange­höriger er­forder­lich, um ei­nen be­hüteten Lebens­abend in ein­er Pflegeein­rich­tung ver­brin­gen zu kön­nen. Zu­mal natür­lich un­k­lar ist, wie sich die Kosten im Pflege­sek­tor künftig en­twick­eln wer­den. Mit dem Zweit­en Pflegestärkungs­ge­setz beschloss der Deutsche Bun­des­tag im Dezem­ber 2015 erst ein­mal die künftige Neuregelung des Be­griffs der Pflegebedürftigkeit und eine Än­derung des Begu­tach­tungsver­fahrens durch den MDK ab Jan­uar 2017. Prof. Dr. h.c. Her­bert Reb­sch­er, Vor­s­tandsvor­sitzen­der der DAK-Ge­sund­heit: „Diese Re­form ist nach 20 Jahren sozialer Pflegev­er­sicherung ein zwar längst über­fäl­liger, aber her­aus­ra­gen­der Schritt zur Verbesserung der Ver­sor­gung. Die kom­plett neue Def­i­ni­tion der Pflegebedürftigkeit be­deutet ei­nen enor­men Fortschritt. Endlich wird die soziale und psychische Si­t­u­a­tion der pflegebedürfti­gen Men­schen in gleich­er Weise wie ihre kör­per­lichen Ge­brechen bei der Begu­tach­tung berück­sichtigt.“
Em­rich Wels­ing I re­dak­tion@­sued­west­falen-ma­n­ag­er.de

Ausgabe 04/2016