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Management

Unternehmenspraxis

PER­SO­N­AL & KAR­RIERE

Rück­gang ger­ingfügiger Beschäf­ti­gung in neuen Bun­des­län­dern

Viele Ökono­men haben prog­nos­tiziert, dass die An­zahl der ger­ingfügi­gen Beschäf­ti­gungsver­hält­nisse (Mini­jobs) als Folge des flächen­deck­en­den ge­set­zlichen Min­dest­lohns deut­lich zurück­ge­hen wird. Tat­säch­lich hat sich die An­zahl der gewer­blichen Mini­jobs im Ju­ni 2015 um cir­ca 190.000 Beschäf­ti­gungsver­hält­nisse ge­genüber dem Vor­jahr re­duziert, wie eine Darstel­lung des Leib­niz-In­sti­tuts für Wirtschafts­forschung Halle (IWH) zeigt. Der Rück­gang ist durch­sch­nittlich um­so größer, je mehr Per­so­n­en in einem Bun­des­land vor Ein­führung des Min­dest­lohns weniger als 8,50 Eu­ro brut­to je Stunde ver­di­en­ten. Un­ter Min­dest­lohn­be­trof­fen­heit sind Ar­beitsver­hält­nisse zu ver­ste­hen, bei de­nen die Ein­führung des flächen­deck­en­den Min­dest­lohns am 1. Jan­uar 2015 di­rekte Loh­n­ef­fekte zur Folge hatte. Es han­delt sich al­so um Beschäf­ti­gungsver­hält­nisse, in de­nen Ar­beit­neh­mer vor Jahres­be­ginn ei­nen Brut­tos­tun­den­lohn von weniger als 8,50 Eu­ro erziel­ten. Pro­fes­sor Oliv­er Hol­temöller, Leit­er der Abteilung Makroökonomik am IWH, er­läutert: „Es ist auf­fäl­lig, dass Bun­des­län­der mit ein­er ho­hen Min­dest­lohn­be­trof­fen­heit ei­nen stärk­eren Rück­gang an Mini­jobs zu verzeich­nen haben als solche mit ver­gleich­sweise nie­driger Be­trof­fen­heit.“ Em­pirische Stu­di­en, die kausale Ef­fekte des Min­dest­lohns auf die ger­ingfügige Beschäf­ti­gung wis­sen­schaftlich bele­gen, sind ge­gen­wärtig noch nicht ver­füg­bar.
Demge­genüber verzeich­net die Bun­de­sa­gen­tur für Ar­beit ei­nen Rück­gang der Ar­beit­s­losen­quote im Ju­ni 2015 um 0,3 Prozent auf 6,2 Prozent im Ver­gleich zum Vor­jahres­mo­nat. In­wie­fern sich dies­er Rück­gang durch ei­nen Über­gang von Mini­jobs in reg­uläre Beschäf­ti­gungsver­hält­nisse erk­lären lässt, ist noch nicht aus­führ­lich un­ter­sucht wor­den.

Ar­beit­neh­mer­feiern von der Steuer ab­setzen

Wer als Ar­beit­neh­mer ein Ju­biläum, eine be­s­tan­dene Prü­fung oder auch das Ausschei­den aus dem Di­en­stver­hält­nis feiert und dafür Aufwen­dun­gen hat, kann diese ganz oder teil­weise als Wer­bungskosten in der jähr­lichen Einkom­men­s­teuer­erk­lärung gel­tend machen. Das hat der Bun­des­fi­nanzhof in seinem am 21.10.2015 veröf­fentlicht­en Urteil Az: VI R 46/14 vom 08.07.2015 entschie­den, so der Hin­weis von Di­pl.-Fi­nanzwirt W. Stein­ert von der Ha­gen­er Steuer­ber­a­tungs­ge­sellschaft Stein­ert.

KON­JUNK­TUR

HWWI-Roh­stoff­preisin­dex ver­har­rt auf nie­drigem Niveau

Der HWWI-Roh­stoff­preisin­dex (Ham­bur­gisch­es Welt Wirtschafts In­sti­tut) stieg im Ok­to­ber im Ver­gleich zum Vor­mo­nat nur ger­ingfügig. In Dol­lar-No­ta­tion be­lief sich der An­stieg des Ge­samtin­dex auf +0,4 Prozent (in Eu­ro: +0,3 Prozent). Somit ver­blieb der In­dex auch im Ok­to­ber na­he seines im Au­gust er­reicht­en 6,5-Jahres-Tief­s­tan­des. Damit schei­nen die Preise für Ro­h­waren vor­läu­fig eine un­tere Niveau­grenze er­reicht zu haben. Im Ver­gleich zum Vor­jahres­mo­nat notiert der HWWI-Roh­stoff­preisin­dex um 39,9 Prozent (in Eu­ro: –32,2 Prozent) geringer. Die Preise für Ro­höl zeigten sich im ver­gan­ge­nen Mo­nat ge­festigt und der In­dex für En­ergieroh­stoffe stieg mit +0,8 Prozent (in Eu­ro: +0,7 Prozent) lediglich mod­er­at an. In­dus­trieroh­stoffe hinge­gen wur­den im Ok­to­ber gün­stiger ge­han­delt, so­dass sich der be­tr­ef­fende In­dex um 2,4 Prozent (in Eu­ro: –2,6 Prozent) ver­ringerte. Für Nahrungs- und Genuss­mit­tel musste im Ok­to­ber mehr als im Vor­mo­nat bezahlt wer­den. Der zuge­hörige In­dex stieg als Folge um 2,8 Prozent (in Eu­ro: +2,7 Prozent).
Der HWWI-Roh­stoff­preisin­dex kann abon­niert wer­den un­ter www.hwwi-ro­hin­dex.de.

Deutsche Wirtschaft hält Tem­po

Die deutsche Wirtschaft dürfte ihr Tem­po bis zum Jahre­sende hal­ten: Dies sig­nal­isiert das Kon­junk­tur­barom­e­ter des Deutschen In­sti­tuts für Wirtschafts­forschung (DIW) Ber­lin, das nach einem Zuwachs von (knapp) 0,4 Prozent im drit­ten Viertel­jahr auch für das Sch­lussquar­tal ein Plus von (gut) 0,4 Prozent ge­genüber dem vo­range­gan­ge­nen Quar­tal anzeigt. Der In­dex liegt mit nun 103 Punk­ten zwei Punkte über dem Wert des drit­ten Quar­tals und damit auch weit­er­hin über dem Sch­wel­len­w­ert von 100 Punk­ten, der ein durch­sch­nittlich­es Wach­s­tum der deutschen Wirtschaft anzeigt. Die Lage auf dem deutschen Ar­beits­markt bleibt gün­stig: Der Beschäf­ti­gungsauf­bau setze sich bei spür­baren Lohnzuwäch­sen fort. Der pri­vate Ver­brauch werde da­her wohl weit­er merk­lich aus­geweit­et, allerd­ings mit leicht ab­neh­men­dem Tem­po, denn der kaufkraft­steigernde Ef­fekt der ge­sunke­nen En­ergiepreise falle im Sch­lussquar­tal weg. Un­ter dem Strich wür­den die kon­sum­na­hen Di­en­stleis­ter die deutsche Kon­junk­tur weit­er­hin deut­lich an­schieben. Sor­gen gebe es den­noch, denn die deutsche In­dus­trie dürfte ihre derzeitige Sch­wächep­hase nur allmäh­lich über­win­den. Zulet­zt sei die Pro­duk­tion so­gar leicht un­ter das Vol­u­men vom Jahres­be­ginn zurück­ge­fall­en, wozu auch die kon­junk­turelle Ab­sch­wächung in Chi­na beige­tra­gen haben dürfte. Zu­dem sind die Ex­porte jüngst spür­bar ge­fall­en – wenn auch von einem ho­hen Niveau. Im weit­eren Ver­lauf weit­et das ve­rar­bei­t­ende Gewerbe seine Pro­duk­tion wohl nur wenig aus, im Ge­gen­satz zum drit­ten Quar­tal wird da­durch allerd­ings nicht mehr die kon­junk­turelle En­twick­lung ins­ge­samt ge­bremst. Dies­er ver­hal­tende Aus­blick spiegelt sich auch in der an­hal­tend schwachen En­twick­lung der Auf­trag­se­ingänge und der et­was eingetrübten Stim­mung in der In­dus­trie wider.

MA­N­AGE­MENT

Pos­i­tive Ef­fekte durch In­te­gra­tion von Flüchtlin­gen


Die Flüchtlings­mi­gra­tion stellt Pol­i­tik und Ge­sellschaft vor enorme Her­aus­forderun­gen. Gel­ingt die In­te­gra­tion der neu nach Deutsch­land kom­men­den Men­schen, be­deutet dies je­doch langfristig ei­nen Gewinn für alle. Das ist das Ergeb­nis ein­er Si­m­u­la­tion von Ökono­men des Deutschen In­sti­tuts für Wirtschafts­forschung (DIW) Ber­lin. Die ge­gen­wärtige Diskus­sion um Flüchtlinge fokussiere sich meist viel zu sehr auf die Kosten. Das sei zu kurz ge­dacht. Selbst wenn viele Flüchtlinge auf­grund feh­len­der Qual­i­fika­tio­nen kurzfristig ver­gleich­sweise sch­lechte Aus­sicht­en am Ar­beits­markt hät­ten, wür­den langfristig die pos­i­tiv­en wirtschaftlichen Im­pulse für Deutsch­land die Kosten übertr­ef­fen. Neben einem Ba­sis­sze­nario sk­izzierten die bei­den Au­toren des Berichts ein op­ti­mis­tischeres und ein pes­simis­tischeres Sze­nario. Am Ende über­steigt je­doch in allen drei Fällen der Gewinn die an­fänglichen Kosten. Die­jeni­gen Flüchtlinge, die Ar­beit fän­den, sti­m­ulierten die Wirtschaft. „Sie stärken die Ange­bots­seite, auch in­dem sie zum Er­folg und den Erträ­gen der Un­terneh­men bei­tra­gen, und er­höhen gleichzeitig die Nach­frage. In­dem sie selbst zu Kon­su­men­ten wer­den, tra­gen sie zu mehr In­vesti­tio­nen und höheren Einkom­men für an­dere pri­vate Haushalte bei“, heißt es in der Mit­teilung des DIW. Während am An­fang klar die Kosten für den Steuerzah­ler über­wö­gen, wird dies­er laut Si­m­u­la­tion länger­fristig pro­f­i­tieren. Selbst im angenomme­nen pes­simis­tischen Sze­nario er­höhe sich das Pro-Kopf-Einkom­men der bere­its in Deutsch­land leben­den Men­schen nach gut zehn Jahren. Es sei allerd­ings kaum abzuse­hen, in welchem Maße der Ar­beits­markt insbe­son­dere Ger­ingqual­i­fizierte aufneh­men könne.


KOM­MU­NALE WIRTSCHAFT

Staat ver­drängt Mit­tel­ständler

Im­mer mehr re­gio­nale Di­en­stleis­tun­gen ge­hen zurück in die Hände der Städte und Ge­mein­den. Statt weit­er zu ver­s­taatlichen, soll­ten lie­ber An­reize für eine ef­fiziente Wett­be­werb­s­lö­sung geschaf­fen wer­den, fordert das In­sti­tut der deutschen Wirtschaft Köln (IW) in ein­er Studie. Zwischen 2000 und 2012 wurde der Pri­vatisierungstrend der 1990er-Jahre umgekehrt und die Zahl der kom­mu­nalen Un­terneh­men in Deutsch­land stieg um fast ein Vier­tel. Die Um­sätze dies­er Un­terneh­men haben sich im gleichen Zei­traum auf mehr als 278 Mil­liar­den Eu­ro ver­dop­pelt. Haup­tar­gu­ment für die Rekom­mu­nal­isierung: Nur die öf­fentliche Hand könne eine flächen­deck­ende und diskri­minierungs­freie Ver­sor­gung zu gün­sti­gen Preisen gewähr­leis­ten. Zu­dem ließen sich mit den Gewin­nen, die bei der Wasserver­sor­gung oder der Mül­lab­fuhr an­fall­en, ver­lust­trächtige Leis­tun­gen wie der öf­fentliche Nahverkehr quer­fi­nanzieren. Doch nach An­sicht der IW-Mit­tel­s­tand­s­ex­perten wider­sprechen sich die Ar­gu­mente der Be­für­worter. Gewinne abzuschöpfen ge­he auf Kosten der Ge­bühren­zah­ler, denn ho­he Gewinne bei gleichzeitig nie­dri­gen Preisen wür­den nicht funk­tionieren. Die IW-Studie zeigt, dass durch die Rekom­mu­nal­isierung mit­tel­ständische Un­terneh­men wie Mül­lent­sorg­er und IT-Di­en­stleis­ter aus dem Markt ge­drängt wür­den. Statt die­sen Prozess vo­ranzutreiben, müsse die öf­fentliche Hand den fairen Wett­be­werb zwischen pri­vat­en und kom­mu­nalen Un­terneh­men fördern. Dafür muss der Ge­set­zge­ber laut IW Köln die Priv­i­legien für kom­mu­nale Un­terneh­men bei der Um­satzs­teuer ein­schränken und stren­gere Rechen­schaft­spflicht­en etablieren. Denn wenn der neue Para­graf zur Kom­mu­nalko­op­er­a­tion im Um­satzs­teuerge­setz in Kraft tritt, der es öf­fentlichen An­bi­etern er­lauben soll, künftig bun­desweit zu agieren, würde der Druck auf pri­vate Un­terneh­men weit­er ver­stärkt.

EX­IS­TEN­Z­GRÜN­DUNG

Grün­der-Förderung loh­nt sich
Knapp 90 Prozent der von den Ar­beit­sa­gen­turen mit einem Grün­dungszuschuss ge­förderten Ex­is­ten­z­grün­der waren rund 18 Mo­nate nach dem Be­ginn der Förderung noch selb­st­ständig. 7,5 Prozent der ehe­mals Ge­förderten waren sozialver­sicherungspflichtig beschäftigt, weniger als 2,5 Prozent ar­beit­s­los. Das ge­ht aus ein­er Studie des In­sti­tuts für Ar­beits­markt- und Berufs­forschung (IAB) her­vor.
Nach der Re­form des Grün­dungszuschuss­es Ende 2011 ist die Nach­haltigkeit der Grün­dun­gen damit leicht gestie­gen. Vor der Re­form la­gen die ent­sprechen­den An­teile bei rund 80 Prozent Selb­st­ständi­gen. Das IAB weist aber da­rauf hin, dass die Grün­der für den An­stieg durchaus auch auf die gün­stigere kon­junk­turelle Lage zurück­zuführen sein kön­nte. Während vor der Re­form des Grün­dungzuschuss­es ein Recht­san­spruch auf die Förderung be­s­tand, muss der Grün­dungswil­lige jet­zt den Ar­beitsver­mittler davon überzeu­gen, dass seine Ex­is­ten­z­grün­dung förderungswürdig ist. Die Förderung ein­er Ex­is­ten­z­grün­dung kommt dabei erst dann in Be­tracht, wenn die Ver­mittlung in Ar­beit oder Aus­bil­dung nicht aus­sicht­s­reich er­scheint. Die mit der Re­form angestrebten Aus­gabens­parziele wur­den er­füllt: Die Zahl der Ge­förderten sank von gut 130.000 im Jahr 2011 auf rund 20.000 im Jahr 2012 und damit um mehr als 80 Prozent, auch die Aus­gaben pro Ge­fördertem gin­gen im Zuge der Re­form zurück. Die Aus­gaben für den Grün­dungszuschuss ver­ringerten sich von 1,7 Mil­liar­den Eu­ro auf rund 220 Mil­lio­nen (2013).

Ste­fan Mülders | re­dak­tion@­sued­west­falen-ma­n­ag­er.de

Ausgabe 10/2015