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Business

Steigendes Sicherheitsbedürfnis

Die Branche der Sicherheitstechnik wächst rasant. Neue Technologien eröffnen Privatleuten und Unternehmern zusätzliche Möglichkeiten, Eigentum und Personen zuverlässig zu schützen.

Bild oben: (Foto: © klenger – stock.adobe.com)
Das The­ma Sicher­heit nimmt ei­nen im­mer größeren Stel­len­w­ert in Un­terneh­men ein. Auf der ei­nen Seite ist die An­zahl der Ein­brüche seit Jahren auf einem ho­hen Niveau. Auf der an­deren Seite legt der Ge­set­zge­ber die Sicher­heit­s­latte im­mer höher. Let­zteres wird vor allem beim Brand­schutz be­son­ders deut­lich. Der ver­heerende Brand in einem bri­tischen Hoch­haus zeigt wie wichtig es ist, wirk­same Sicher­heitsvorschriften zu en­twick­eln und umzusetzen. Deut­lich gestie­gen sind außer­dem die Hack­eran­griffe. Zusät­zlich eröff­nen neue Tech­niken, un­ter an­derem Droh­nen, weitere Schlupflöch­er für kriminelle Ak­tiv­itäten.

Der Markt wächst

(Foto: © klenger – stock.adobe.com)
(Fo­to: © klenger – stock.adobe.com)

Für Un­terneh­men wird es deswe­gen wichtiger, sich best­möglich abzu­sich­ern. Das spürt auch die Sicher­heits­branche. „Der Markt der elek­tronischen Sicher­heit­stech­nik hat sich 2016 bess­er en­twick­elt als er­wartet. Der Um­satz der Un­terneh­men in Deutsch­land ist im Ver­gleich mit dem Vor­jahr um 6,2 Prozent auf knapp 3,95 Mil­liar­den Eu­ro gestie­gen“, heißt es in ein­er Mit­teilung des Zen­tralver­ban­des Elek­trotech­nik- und Elek­tronikin­dus­trie (ZVEI), Fachver­band Sicher­heit. Das sie­ht auch der Bun­desver­band Sicher­heit­stech­nik e.V. (BHE) so. Be­son­ders starke Zuwächse von jew­eils acht Prozent verzeich­neten die Ein­bruch­melde­tech­nik und der Ein­bau von Video-Sicher­heitssys­te­men. Mit einem Zuwachs von acht Prozent auf 511 Mil­lio­nen Eu­ro legte die Videos­parte 2016 am stärk­sten zu.
Im­mer mehr Be­triebe setzen auf ihrem Gelände auf Videotech­nik. Sie nimmt auch bei der Überwachung von öf­fentlichen Plätzen ei­nen im­mer größeren Raum ein. „Das Im­age der Videoüberwachung hat sich in den let­zten Jahren verän­dert“, erk­lärt Dr. Ur­ban Brauer, Geschäfts­führ­er des BHE. „Durch die anges­pan­nte Sicher­heit­s­lage fin­d­et die Video-Überwachung ger­ade im öf­fentlichen Bereich eine höhere Akzep­tanz und wird als wichtiges In­stru­ment der pol­izeilichen Aufk­lärungs- und Präven­tion­sar­beit ver­s­tan­den“, so Brauer weit­er. Die Aus­sicht­en für Video-Sicher­heit­san­bi­eter seien pos­i­tiv. Dazu trägt auch der Besch­luss der Bun­des­regierung bei, die Videoüberwachung bun­desweit auszuweit­en. Im neuen Bun­des­daten­schutzge­setz ve­r­ank­ert der Ge­set­zge­ber mehr Freiräume für den Videoein­satz und seine Zuläs­sigkeit. Das wird, davon ge­ht die Branche aus, die Nach­frage weit­er er­höhen. Abzuwarten bleibt, welche Auswirkun­gen der Gesicht­serken­nungsver­such der Ber­lin­er Pol­izei mit sich bringt. Am Ber­lin­er Bahn­hof Süd­kreuz testet die Pol­izei seit An­fang Au­gust eine spezielle Soft­ware, die Per­so­n­en gezielt erken­nen kann. Sie kön­nte für Zutrittssys­teme rel­e­vant wer­den.

Stei­gen­des Sicher­heitsbedürf­nis


Be­son­ders das Seg­ment Ein­bruch­melde­tech­nik pro­f­i­tiert seit Jahren von stei­gen­den Ein­bruch­szahlen. „Bei den Bürg­ern steigt das Sicher­heitsbedürf­nis, gleichzeitig wirkt sich die Förderung der Kred­it­bank für Wied­er­auf­bau (KfW) sehr pos­i­tiv aus“, erk­lärt Nor­bert Schaaf, Vor­s­tand­vor­sitzen­der des BHE. Allein in 2016 seien von der KfW mehr als 40.000 Zuschus­san­träge für Ein­bruch­schutz­maß­nah­men gewährt und somit rund 50.000 Woh­nein­heit­en mit Sicherung­stech­nik aus­ges­tat­tet wor­den. Doch auf Elek­tronik allein soll­ten sich Un­terneh­men nicht ver­lassen. Sch­lecht gesicherte Fen­ster und Türen sind noch im­mer die häu­fig­sten Ein­fall­tore für unge­betene Gäste. Je bess­er der mech­anische Schutz ist, des­to größer die Sicher­heit. Pilzkopf­sicherun­gen und Sicher­heits­glas ver­hin­dern Ein­brüche, bei de­nen es vor allem um sch­nell um­setzbare Ware oder Bargeld ge­ht. Die neuen An­forderun­gen im Brand­schutz führten nach BHE-An­gaben in der Sparte Brand­melde­tech­nik zu ein­er Um­satzsteigerung auf rund 1,81 Mil­liar­den Eu­ro in 2016 (+6,8 Prozent ge­genüber 2015). Durchaus pos­i­tiv en­twick­el­ten sich auch die Sprachalarm­sys­teme (+ 5,3 Prozent).

Schwach­stelle Mi­tar­beit­er


Neue Tech­niken führen oft zu neuen Proble­men. Droh­nen zählen in­zwischen dazu. Neben der Ausspähung kön­nen sie auch für Sab­o­tageakte genutzt wer­den. Doch hi­er hängt der Ge­set­zge­ber beim Ei­gen­schutz noch nach. Dem Ein­satz von Störsen­dern ste­hen fer­n­melde­tech­nische Regelun­gen ent­ge­gen. Eine wie auch im­mer geart­ete Zer­störung der Droh­nen stellt eine Sachbeschädi­gung dar und kann zu Scha­den­er­satzan­sprüchen führen. Wer­den beim Ab­schuss auch noch Per­so­n­en ver­let­zt, greift das Strafrecht: Denn ei­nen Notwehr­tatbe­s­tand muss der Aus­ge­spähte nach­weisen. Ein filmisch­er Be­weis kann dabei helfen – allerd­ings soll­ten die Per­sön­lichkeit­s­rechte Drit­ter nicht ver­let­zt wer­den. Aber nicht nur von außen dro­ht Ge­fahr. Viel­fach nutzen Mi­tar­beit­er Sicher­heit­s­lück­en in Un­terneh­men aus. Die Palette reicht vom Warendieb­s­tahl bis hin zur Weit­er­gabe von Un­terneh­men­sun­ter­la­gen. Das führt zu der Frage, wer wann welch­es Fir­menare­al be­treten darf und wie Per­so­n­en sich­er iden­ti­fiziert wer­den kön­nen. Die oft noch beste­hen­den Karten­sys­teme lassen sich leicht überlis­ten. Viele Un­terneh­men haben das erkan­nt. De­ment­sprechend stieg 2016 der Um­satz im Seg­ment der Zutritt­skon­trolle um 4,8 Prozent auf 307 Mil­lio­nen Eu­ro. Oft sind dabei biometrische Sys­teme im Ein­satz.

Gute Aus­sicht­en


Die Zukunft der Sicher­heit­stech­nik sie­ht Uwe Bart­mann, Vor­sitzen­der des Fachver­bands Sicher­heit im ZVEI, in der weit­eren elek­tronischen Ver­net­zung. „Die elek­tronische Sicher­heit­stech­nik wird in­te­graler Be­s­tandteil im Smart Home und Smart Build­ing. Sen­soren der Sicher­heit­stech­nik bi­eten neue Möglichkeit­en zur Daten­er­he­bung.“ Wo­hin die Reise in Sachen Sicher­heit ge­ht, muss jedes Un­terneh­men für sich entschei­den. Das führt sch­nell zu der Frage, was in­di­vi­du­ell nötig ist. Für kleinere und mittlere Un­terneh­men sind die Präven­tion­skom­mis­sari­ate der örtlichen Pol­izei eine gute An­schrift. Die Be­r­a­tung ist kosten­frei und bi­etet ei­nen guten Über­blick. Ein Blick in die DIN VDE 0833-3, DIN VDE 0834 und DIN EN 50131-1 kann eben­falls nicht scha­den. Der BHE hat zu­dem Check­lis­ten en­twick­elt.
Wer oh­ne­hin bauliche Verän­derun­gen vorn­immt, sollte ein Sicher­heit­skonzept mit ein­pla­nen. Grund­sät­zlich war­nen alle Sicher­heitsver­bände da­vor, An­la­gen von der „Stange“ einzubauen. Der Ein­satz bes­timmter Tech­niken bedürfe un­ter Um­stän­den der Zus­tim­mung des Be­trieb­s­rates. An­gesichts der Kom­plex­ität der Sys­teme und der un­ter­schiedlichen In­teressen von Ein­drin­glin­gen, sollte die Sicher­heit­s­pla­nung Chef­sache sein. Die Ver­bände rat­en zu­dem, sich von Ex­perten be­r­at­en zu lassen. Dirk Heuer | re­dak­tion@­sued­west­falen-ma­n­ag­er.de

Ausgabe 08/2017