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Business

Reklame zum Anfassen

Innovationen wie LED-Technik und Digital Signage eröffnen der Werbetechnik neue Wege.

Bild oben: Lichtreklame auf dem New Yorker Times Square
Wer­betech­nik – der Be­griff um­fasst die ges­tal­terische und prak­tische Um­set­zung von Wer­bung im Bereich Schilder- und Lichtrek­lame. Er sch­ließt aber auch Di­en­stleis­tun­gen mit ein, die mittler­weile von vielen klei­nen und mit­tel­ständischen Fir­men über­nom­men wer­den, deren un­terneh­merisch­er Sch­w­er­punkt ei­gentlich auf an­deren Auf­gaben liegt. „Seit die Meis­terpflicht wegge­fall­en ist, le­g­en sich beispiel­sweise auf Au­to­tun­ing spezial­isierte Be­triebe Sch­nei­de­plot­ter zu, um ihren Kun­den auch Folienbeschrif­tung für ihre Wa­gen bi­eten zu kön­nen“, erk­lärt Tim Rehse, Vor­sitzen­der des Ausschuss­es für Öf­fentlichkeit­sar­beit beim Zen­tralver­band Wer­betech­nik (ZVW) mit Sitz in Dort­mund. Der 40-Jährige ist Geschäfts­führ­er der Rehse Rek­lame GmbH in Tönisvorst und Obermeis­ter der Wer­betech­nik­er-In­nung Düs­sel­dorf. Ger­ade die Tat­sache, dass viele Fir­men die Wer­betech­nik erst als zweites oder drittes Stand­bein ins Leis­tungs­port­fo­lio mi­taufgenom­men haben, er­sch­w­ert hand­feste Aus­sa­gen über die An­zahl der bun­desweit täti­gen Un­terneh­men in dies­er Branche. „In der Hand­w­erk­s­rolle einge­tra­gen sind rund 2.800 Be­triebe mit durch­sch­nittlich fünf bis acht Mi­tar­beit­ern. One-Man-Shows oder bei der IHK angemeldete Be­triebe, die neben­bei noch Folienbeschrif­tung oder Tex­til­be­flock­ung an­bi­eten, entzie­hen sich meis­tens den statis­tischen Er­he­bun­gen", sagt Rehse.

Ins rechte Licht gerückt

Lichtreklame auf dem New Yorker Times Square
Lichtrek­lame auf dem New York­er Times Square

Der ZVW-Sprech­er schätzt, dass es deutsch­land­weit rund 150 Wer­betech­nik-Un­terneh­men in der Größenord­nung zwischen 20 und 50 Angestell­ten gibt – sie sind es, die größere Ob­jekte mit rie­si­gen Wer­betür­men, Großwer­bean­la­gen und Leucht­buch­staben auss­tat­ten und oft auch eu­ro­paweit im Ein­satz sind. Bei ihren Kun­den han­delt es sich zumeist um die großen Filial­is­ten, die auf der grü­nen Wiese schon von Weit­em auf sich aufmerk­sam machen wollen. „Die großen Aufträge sind da sicher­lich die Um­flag­gun­gen“, sagt Tim Rehse – kauft et­wa ein Einzel­han­del­s­riese den an­deren auf, müssen die neu er­wor­be­nen Märkte natür­lich umges­tal­tet und die Wer­bung ent­sprechend ange­passt wer­den. „Das sind lukra­tive Aufträge, wenn man da auf ei­nen Sch­lag 30 Märkte um­rüsten soll. Allerd­ings ist das ein hart umkämpftes Geschäft, der Er­trag wird im­mer knap­per.“ Man gewinne im­mer mehr den Ein­druck, dass sich bei den Auf­tragge­bern eine Art „Geiz ist geil“-Men­tal­ität bre­it­mache, eben weil diese Um­flag­gun­gen an der Tage­sord­nung sind. „Der Einkauf weiß schon jet­zt: ‚Bald heißen wir eh wied­er an­ders‘ – da nimmt man ungern das große Geld in die Hand“, erk­lärt Tim Rehse. Bei ein­er Markt-Über­nahme muss dann alles sch­nell ge­hen – oft ge­ht die ge­samte Um­rüs­tung in­n­er­halb von drei Mo­nat­en über die Bühne. Die Wer­be­flächen wer­den dann erst kurz vor der Eröff­nung in An­griff genom­men, die Zeit sitzt den Wer­betech­nik­ern dabei im­mer im Nack­en.

LED-Tech­nik und Dig­i­tal Sig­nage

Digital Signage ermöglicht den flexiblen Einsatz von Werbebotschaften
Dig­i­tal Sig­nage er­möglicht den flex­i­blen Ein­satz von Wer­be­botschaften


Die wohl wichtig­ste In­no­va­tion der ver­gan­ge­nen Jahre war wohl die Ein­führung der LED-Tech­nik: Statt die Leucht­buch­staben und -kästen wie bish­er mit an­fäl­ligem und stro­m­in­ten­sivem, mundge­blasen­em Neon auszus­tat­ten, greift man heute zu Ket­ten mit LED-Mo­d­ulen, die ver­schraubt oder verk­lebt wer­den kön­nen. LEDs sparen Strom und lassen sich deut­lich leichter ver­bauen und bei Aus­fall re­pari­eren.
„Zu­dem kann man die Hel­ligkeit reg­ulieren“, erk­lärt Tim Rehse. In der Däm­merung ge­he man dazu über, die An­lage sehr hell schei­nen zu lassen, um sich von der noch sicht­baren Umge­bung abzuheben. Im Dun­klen kann die Hel­ligkeit dann wied­er zurück­ge­fahren wer­den.
Die Zukunft ste­ht ganz im Zeichen von Dig­i­tal Sig­nage: elek­tronische Plakate und Verkehrsschilder, dig­i­tale Türbeschilderun­gen oder Groß­bild­pro­jek­tio­nen wer­den nach und nach das Gesicht der Städte verän­dern. „Aber keine Sorge: Wie in Las Ve­gas wird es bei uns auch in 20 Jahren nicht ausse­hen“, ist sich der Wer­betech­nik­er sich­er. Vide­owände, ganz klein oder mehrere Qua­drat­me­ter groß, er­möglichen ei­nen viel flex­i­bleren Ein­satz von Rek­lame als beispiel­sweise ein fest in­s­tal­liertes Ban­n­er. Da kann et­wa die Wasch­s­traße, die bei Re­gen von den Kun­den eher links lie­gen ge­lassen wird, spon­tan auf die Wet­ter­lage reagieren und ihre Di­en­ste bei sch­lechtem Wet­ter über ein Dis­play et­wa zu gün­stigeren Tar­ifen an­preisen. Richtige Videobotschaften über die dig­i­tal­en Lein­wände zu schick­en, birgt allerd­ings ein zu ho­h­es Ge­fahren­potenzial allein im Straßen­verkehr. „Da sind auch die Bauämter re­strik­tiv. Tech­nisch ist alles mach­bar, aber schon aus Sicher­heits­grün­den wird es bei uns wohl kaum Las-Ve­gas-like.“ Mo­men­tan zeige man vor allem Stand­bilder, die ei­nan­der auf den dig­i­tal­en Rek­lametafeln ab­wech­seln. Noch sei die neue Tech­nik allerd­ings auch noch an­fäl­lig für „Kin­derkrankheit­en“, wie es Tim Rehse aus­drückt: Mit Tem­per­a­tursch­wankun­gen, Feuchtigkeit und Sonnenein­s­trah­lung hat man in den kom­men­den Jahren wohl noch ein wenig zu kämpfen.
Das Stich­wort „Bauamt“ ist für Tim Rehse un­weiger­lich auch mit zahl­reichen Au­fla­gen ver­bun­den: Schon für ein un­beleuchtetes Schild,
das mehr als ei­nen Qua­drat­me­ter misst, muss ein An­trag bei der zuständi­gen Kom­mune, Ge­meinde oder Stadt gestellt wer­den. Da gilt es, Ges­tal­tungs­satzun­gen zu beacht­en, die Be­fes­ti­gung muss statisch ab­gesichert und das Ganze doku­men­tiert wer­den. Ganz egal, was der Kunde sich wün­scht und die Wer­betech­nik möglich machen kann – im sch­limm­sten Fall wird das Schild nicht aufge­hängt. Regeln und Stan­dards sind natür­lich richtig und sin­n­voll, sagt Tim Rehse. Aber manch­mal habe er doch den Ein­druck, dass die Entschei­dung für oder ge­gen die Außen­wer­bung let­ztlich vom Gesch­mack des zuständi­gen Sach­bear­beit­ers ab­hänge. Vor allem kleine Be­triebe kön­nen die an­fal­l­en­den Ge­bühren für zusät­zliche Doku­men­ta­tio­nen und Prü­fun­gen kaum noch stem­men. Zu­mal die oft erst im Nach­hinein an­fall­en, wenn die Wer­bung schon längst sitzt bzw. hängt. Qual­itäts­s­tan­dards wie et­wa die CE-Kennzeich­nung brin­gen wiederum auch dem Wer­betech­nik­er neben zusät­zlichem Ar­beit­saufwand auch Sicher­heit: Es muss ge­nau doku­men­tiert wer­den, welche elek­tronischen Bauteile beispiel­sweise in einem Leuchtkas­ten ver­baut wur­den oder welche Garan­tien auf die einzel­nen Kom­po­nen­ten es gibt – auch die Rück­ver­fol­gung über Se­rien­num­mern muss sichergestellt wer­den.

Ab­wech­s­lungs­reich­es Jobpro­fil

Schneideplotter für Folienbeschriftungen
Sch­nei­de­plot­ter für Folienbeschrif­tun­gen

Der Beruf bi­etet Viel­falt: Let­ztlich fin­d­en sich in der Wer­betech­nik Tätigkeit­en von Sieb­druck­ern, Ver­gold­ern, Schrift­setz­ern, Elek­trik­ern, Schlossern, Malern, Lackier­ern und auch Me­di­enges­tal­tern. Viele Aufträge sind Einze­lan­fer­ti­gun­gen, Lö­sun­gen von der Stange eher sel­ten ge­fragt. Jede Lichtrek­lame, jede Au­tobeschrif­tung ist sch­ließlich ein Unikat. „Es ist ein sehr spezieller Job – und es wird im­mer sch­wieriger, Auszu­bil­dende zu fin­d­en“, klagt Tim Rehse. Er selbst bildet im ei­ge­nen Be­trieb jähr­lich drei Lehr­linge aus, drei Jahre dauert die Aus­bil­dung. „Vor eini­gen Jahren kon­nte ich aus 60 Be­wer­bun­gen wählen – heute muss ich neh­men, was ich krie­gen kann.“ All­ge­mein sei das Im­age hand­w­erk­lich geprägter Berufe im Keller – dabei sind die Zukunftsper­spek­tiv­en für die Wer­betech­nik gut, glaubt Tim Rehse. Wer sich weit­erqual­i­fizieren will, kann beispiel­sweise die Meis­ter­prü­fung able­gen – trotz Ab­schaf­fung der Meis­terpflicht im­mer noch ein geschätztes Qual­ität­skri­teri­um oder auf­grund der prak­tischen Er­fahrung mit den Pro­duk­ten im Ver­trieb ein­stei­gen und Wer­bean­la­gen ges­tal­ten und
verkaufen. Christi­na Spill | re­dak­tion@­sued­west­falen-ma­n­ag­er.de

Ausgabe 07/2015



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