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Titelstory

Qualität, Sicherheit und Zuverlässigkeit

Geheimdienstaffären und spektakuläre Hackerangriffe haben ihre Spuren hinterlassen: Immer mehr Unternehmer setzen bei der Auswahl ihrer Firmen-Software auf einheimische Produkte.

Ohne Soft­ware sind jed­er Com­put­er und jedes Rechenzen­trum nur ein Haufen Tech­nik. In der Busi­ness-Welt gibt es heute für bei­na­he jede Auf­gabe ein Pro­gramm, das uns dabei hilft, dig­i­tal zu ein­er sch­nellen und ef­fizien­ten Lö­sung unser­er Auf­gaben zu kom­men, ein­er Lö­sung, die oft genug er­he­blich Man­pow­er spart. Nicht um­sonst wird häu­fig die Analo­gie zur in­dus­triellen Rev­o­lu­tion im 20. Jahrhun­dert ge­zo­gen: In Sachen We­gra­tio­n­al­isierung von Ar­beit macht die dig­i­tale Rev­o­lu­tion da weit­er, wo die in­dus­trielle Rev­o­lu­tion aufge­hört hat: Ein­fache Ar­beit­en wer­den künftig zuneh­mend durch soft­wareges­teuerte Maschi­nen aus­ge­führt. Dabei wird nur zu oft überse­hen, dass durch ver­net­zte Soft­warelö­sun­gen das Potenzial für in­tel­li­gente Ar­beit­s­plätze in Zukunft enorm an­steigt. Für zahl­reiche Fir­men im pro­duzieren­den Gewerbe heißt das große Trend-The­ma da­her „In­dus­trie 4.0“. Maschi­nen- und Prozess­dat­en der Pro­duk­tion wer­den von In­dus­trie- 4.0-Soft­warelö­sun­gen überwacht, was zu ein­er deut­lichen Verbesserung der wesentlichen Leis­tungskenn­zahlen führt. Als Ergeb­nis ein­er Um­frage bei 181 Pro­duk­tion­sun­terneh­men er­mit­telte die Bosch-Tochter „Bosch Soft­ware In­no­va­tion­s“ un­längst eine große Akzep­tanz für das ver­net­zte Daten­ma­n­age­ment im deutsch­sprachi­gen Wirtschaft­s­raum. 56 Prozent der be­fragten Fer­ti­gungsver­ant­wortlichen gaben an, bere­its In­dus­trie-4.0-Lö­sun­gen zu nutzen. Er­weit­ert man den Kreis auf die Un­terneh­men, die den Ein­satz für die na­he Zukunft pla­nen, er­höht sich die Akzep­tanz auf zwei Drit­tel. Bei den aktuellen Ein­satzge­bi­eten ver­net­zter Soft­ware wurde mit 72 Prozent zumeist das Mon­i­tor­ing von Maschi­nen­dat­en ge­nan­nt, wobei aber auch die Kon­trolle von Prozess- und Qual­itäts­dat­en zu 70 Prozent als wichtige An­wen­dun­gen ge­nan­nt wur­den. Für 58 Prozent war auch die Überwachung von Lo­gis­tikprozessen eine wichtige In­dus­trie-4.0-Auf­gabe. So entschei­dend gut funk­tionierende Soft­warelö­sun­gen un­ter dem Strich sind, so ger­ing ist in Deutsch­land die Zahl der Un­terneh­men, die sich auf die En­twick­lung von Soft­ware spezial­isiert haben. In ein­er Da­te­n­a­nal­yse des Statis­tischen Bun­de­samtes zählte die IT-Branche für 2013 in Deutsch­land 891 Soft­warev­er­lage – das ist lediglich ein Prozent der ge­samten Branche. Mit 16.420 Mi­tar­bei­t­erin­nen und Mi­tar­beit­ern (1,82 Prozent) erziel­ten sie ei­nen Um­satz von 4,9 Mil­liar­den Eu­ro (2,17 Prozent). Soft­ware beste­ht aber nicht nur als Stan­dard­lö­sung, wie sie von Soft­warev­er­la­gen zig­tausend­fach re­pro­duziert wer­den kann. Viel­fach sind in­di­vi­du­elle An­pas­sun­gen oder so­gar in­di­vi­du­elle Ge­samtlö­sun­gen von­nöten, die nicht in den oben ge­nan­n­ten Um­satz ein­fließen. Für den ge­samten Bereich Soft­ware rech­net der Ver­band Bitkom für 2015 mit einem Marktvol­u­men in Höhe von 20,1 Mil­liar­den Eu­ro (+5,4 Prozent ge­genüber 2014). Da die Übergänge zwischen IT-Di­en­stleis­tung und Soft­wa­reen­twick­lung fließend sind, wer­den bei­den Bereichen ge­mein­sam 770.000 Beschäftigte zugerech­net (+4,0 Prozent).

Siegel geben Ver­trauen


Un­ter der Schirmherrschaft des Bun­des­min­is­teri­ums für Wirtschaft und En­ergie (BMWi) hat der Bun­desver­band IT-Mit­tel­s­tand e.V. (BIT­Mi) bere­its 256 deutsche Soft­ware­pro­dukte von 174 Un­terneh­men zer­ti­fiziert. „Mit ,Soft­ware Made in Ger­many' kön­nen Kun­den sich­er sein, dass sie höch­ste Qual­ität, Sicher­heit und Zu­ver­läs­sigkeit er­hal­ten", erk­lärt Martin Hub­sch­nei­der, Vizepräsi­dent des BIT­Mi. Die Frage, ob Ver­triebs-, Ser­vice- und Schu­lungs­part­n­er lokal ver­füg­bar sind, spielt bei der Ver­gabe des Siegels eben­so eine Rolle wie die Er­reich­barkeit ein­er deutsch­sprachi­gen Hot­line. Dass die in Deutsch­land en­twick­elte Soft­ware auch hi­er getestet wurde und dass Pro­gram­mober­flächen sowie An­lei­tun­gen mul­ti­lin­gual bezie­hungsweise in Deutsch zur Ver­fü­gung ste­hen, sind eben­falls wichtige In­dika­toren des Siegels. Sch­ließlich ist auch die In­vesti­tions­sicher­heit bei ein­er Soft­warelö­sung ein wesentlich­er Fak­tor. Die Kom­pat­i­bil­ität von Pro­gram­men und Dat­en muss auch für die Zukunft sichergestellt sein, und für die Weit­er­en­twick­lung der Soft­ware muss eine ver­tragliche Gewähr­leis­tung vor­lie­gen. Vor dem Hin­ter­grund der sich auswei­t­en­den NSA-Af­färe startete der BIT­Mi im Som­mer 2014 auch die Sch­wes­t­erini­tia­tive „Soft­ware Host­ed in Ger­many“. Nach rund einem Jahr verzeich­net die Zwischen­bi­lanz des Ver­ban­des auch hi­er bere­its 65 zer­ti­fizierte Pro­dukte von 41 Un­terneh­men. „Die Nach­frage zeigt: Der Be­darf nach sicheren IT-Lö­sun­gen ist groß. Kun­den le­g­en Wert da­rauf, dass ihre Dat­en Deutsch­land nicht ver­lassen und dem deutschen Daten­schutzge­setz un­ter­lie­gen“, be­w­ertet Martin Hub­sch­nei­der das er­fol­greiche er­ste Jahr des zweit­en Siegels seines Ver­ban­des. Mit „Soft­ware Made in Ger­many“ kön­nen die Pro­gramm-An­bi­eter das Ver­trauen der Kun­den gewin­nen.

Un­sicher­heits­fak­tor In­ter­net

Für die einen sind dies Hieroglyphen, für Fachleute ist guter Programmiercode der Schlüssel zur Industrie 4.0
Für die ei­nen sind dies Hiero­g­lyphen, für Fach­leute ist guter Pro­gram­mier­code der Sch­lüs­sel zur In­dus­trie 4.0


Die­s­es Ver­trauen wird im­mer wichtiger, da im­mer mehr Soft­warelö­sun­gen als Cloudlö­sun­gen über das In­ter­net be­zo­gen wer­den. Aber ger­ade an die­sem Ver­trauen man­gelt es: 80 Prozent der In­ter­net­nutz­er in Deutsch­land hal­ten ihre per­sön­lichen Dat­en im In­ter­net nicht für sich­er. „Das Ver­trauen in die In­ter­net­sicher­heit er­holt sich nach der NSA-Af­färe und den im­mer neuen Cy­beran­grif­f­en nur sehr langsam“, sagt Bitkom-Haupt­geschäfts­führ­er Dr. Bern­hard Roh­led­er. Im Jahr 2011, al­so zwei Jahre vor Bekan­n­tw­er­den der Ge­heim­di­en­staf­färe, sagten nur 55 Prozent der Be­fragten, dass sie ihre Dat­en im In­ter­net für nicht sich­er hal­ten. Be­fragt wur­den 1.009 In­ter­net­nutz­er ab 14 Jahren.
Als größte Ge­fahr be­tracht­en die Be­fra­gung­steil­neh­mer die In­fizierung ihres Com­put­ers mit Schad­soft­ware. 71 Prozent be­fürcht­en Probleme durch Viren, Tro­jan­er oder an­dere schädliche Pro­gramme. Mit 55 Prozent be­fürchtet mehr als die Hälfte der Be­fragten, dass ihre Dat­en von Kriminellen il­le­gal abge­fan­gen und genutzt wer­den, z.B. durch Kred­itkarten­be­trug. 52 Prozent empfin­d­en die Ausspähung per­sön­lich­er Dat­en durch den Staat als Be­dro­hung. In dies­er Si­t­u­a­tion sie­ht der Branchen­ver­band Bitkom derzeit große Probleme für die weitere Ver­bre­i­tung in­no­va­tiv­er On­line-Di­en­ste wie Cloud Com­put­ing oder mo­bile Pay­ment.
Em­rich Wels­ing I re­dak­tion@­sued­west­falen-ma­n­ag­er.de

Ausgabe 09/2015



WEITERE INHALTE

Martin Hubschneider, Vizepräsident des Verbandes BITMi, Aachen
Martin Hubschneider, Vizepräsident des Verbandes BITMi, Aachen
Dr. Bernhard Rohleder, Hauptgeschäftsführer des Verbandes Bitkom e.V., Berlin
Dr. Bernhard Rohleder, Hauptgeschäftsführer des Verbandes Bitkom e.V., Berlin