Schließen TEILEN MIT...

RANKINGS
Schließen
Schließen
Management

Unternehmenspraxis

PER­SO­N­AL & KAR­RIERE

Ar­beits­markt en­twick­elt sich weit­er pos­i­tiv

Das IAB-Ar­beits­markt­barom­e­ter verzeich­net im Septem­ber ge­genüber dem Vor­mo­nat ei­nen ger­ingfügi­gen Rück­gang um 0,1 Punkte. Den­noch liegt der Frühindika­tor des In­sti­tuts für Ar­beits­markt- und Berufs­forschung (IAB) nach wie vor auf ho­hem Niveau. Der aktuelle Wert von 103,5 Punk­ten ste­ht für gute Aus­sicht­en am Ar­beits­markt. Der pos­i­tive Beschäf­ti­gungstrend halte an und es zeichne sich auch weit­er­hin kein An­stieg der Ar­beit­s­losigkeit ab. Let­zteres sei ger­ade de­shalb nicht selb­stver­ständlich, weil mehr und mehr Flüchtlinge aus den In­te­gra­tion­skursen in den Ar­beits­markt ein­treten wür­den. Die Ar­beit­s­losigkeit­skom­po­nente des IAB-Ar­beits­markt­barom­e­ters verzeich­net ein ger­ingfügiges Mi­nus von 0,1 Punk­ten, liegt mit 100,7 Punk­ten aber weit­er im leicht pos­i­tiv­en Bereich. Die Kom­po­nente für die Beschäf­ti­gung befin­d­et sich mit 106,2 Punk­ten auf sehr ho­hem Niveau, ging ge­genüber dem Vor­mo­nat allerd­ings eben­falls ger­ingfügig um 0,1 Punkte zurück. Die Ar­beit­sa­gen­turen er­warteten an­gesichts viel­er of­fen­er Stellen und nie­driger Ent­las­sungszahlen eine stei­gende Beschäf­ti­gung. Dass die Beschäf­ti­gungskom­po­nente seit mehr als einem hal­ben Jahr er­st­mals et­was ge­sunken sei, deute aber da­rauf hin, dass sich die ge­gen­wärtige En­twick­lung nicht zusät­zlich ver­stärken werde. Das IAB-Ar­beits­markt­barom­e­ter ist ein Frühindika­tor, der auf ein­er mo­natlichen Um­frage der Bun­de­sa­gen­tur für Ar­beit un­ter allen lokalen Ar­beit­sa­gen­turen basiert. Der Mit­tel­w­ert aus den Kom­po­nen­ten „Ar­beit­s­losigkeit“ und „Beschäf­ti­gung“ bildet den Ge­samtw­ert des IAB-Ar­beits­markt­barom­e­ters. Die Skala des IAB-Ar­beits­markt­barom­e­ters reicht von 90 (sehr sch­lechte En­twick­lung) bis 110 (sehr gute En­twick­lung).

KON­JUNK­TUR

Deutsche Wirtschaft gut aus­ge­lastet

Die deutsche Wirtschaft befin­d­et sich in einem mod­er­at­en Auf­sch­wung, der von einem sta­bilen Ar­beits­markt und kräfti­gen Kon­sum gestützt wird. Davon ge­hen die an der Ge­mein­schafts­di­ag­nose beteiligten Wirtschafts­forschungsin­sti­tute aus. Das Brut­toin­land­spro­dukt wird dem­nach im näch­sten Jahr um 1,4 Prozent und im Jahr 2018 um 1,6 Prozent wach­sen. Für das laufende Jahr wird ein Wach­s­tum von 1,9 Prozent er­wartet. Der Ar­beits­markt sei nach wie vor in ein­er guten Ver­fas­sung und trage den pri­vat­en Ver­brauch, darüber hi­naus macht­en sich beim öf­fentlichen Kon­sum Aufwen­dun­gen für die In­te­gra­tion von Flüchtlin­gen be­merk­bar, so­dass die Bin­nenkon­junk­tur außeror­dentlich gut daste­he. Die Ar­beit­s­losen­quote dürfte im näch­sten Jahr auf ihrem his­torischen Tief von 6,1 Prozent ver­har­ren. Die Beschäf­ti­gung steige weit­er kräftig, es ent­stün­den fast eine halbe Mil­lion neue Stellen. Die In­dus­trie leiste, an­ders als in früheren Er­hol­ungsphasen, ei­nen un­ter­durch­sch­nittlichen Bei­trag. Die bere­its seit Län­gerem schwachen In­vesti­tio­nen und die Ex­porte wür­den im Laufe des Jahres aber et­was anzie­hen. Ein Risiko kön­nte die Entschei­dung der Briten sein, aus der Eu­ropäischen Union auszutreten: Die Kon­fron­ta­tion zwischen der EU und Großbri­tan­nien kön­nte die Un­terneh­men verun­sich­ern. Auch die Skep­sis an­der­norts ge­genüber in­ter­na­tio­naler wirtschaftlich­er Zusam­me­nar­beit kön­nte ver­stärkt Ein­fluss auf die Pol­i­tik und damit auf die Kon­junk­tur neh­men. Die Di­ag­nose ist ein Ge­mein­schaft­spro­jekt vom Deutschen In­sti­tut für Wirtschafts­forschung (DIW Ber­lin) in Ko­op­er­a­tion mit dem Öster­reichischen In­sti­tut für Wirtschafts­forschung (Wi­fo); Ifo In­sti­tut - Leib­niz-In­sti­tut für Wirtschafts­forschung an der Uni­ver­sität München e.V. in Ko­op­er­a­tion mit der Kon­junk­tur­forschungsstelle der ETH Zürich; RWI – Leib­niz-In­sti­tut für Wirtschafts­forschung in Ko­op­er­a­tion mit dem In­sti­tut für Höhere Stu­di­en Wien, dem Leib­niz-In­sti­tut für Wirtschafts­forschung Halle (IWH) und dem In­sti­tut für Weltwirtschaft Kiel (IfW).

Un­ter­schiedliche Fol­gen beim Min­dest­lohn

Ob der ge­set­zliche Min­dest­lohn zu Ent­las­sun­gen führt, wird sich erst auf mittlere Sicht zei­gen. Welche In­dus­triezweige je­doch vo­raus­sichtlich be­son­ders von neg­a­tiv­en Beschäf­ti­gungs­ef­fek­ten be­trof­fen sein wer­den, er­mit­telt eine Anal­yse des RWI – Leib­niz-In­sti­tut für Wirtschafts­forschung. Im Ho­tel- und Res­tau­rant­gewerbe, im Einzel­han­del und in der Land­wirtschaft sind dem­nach nicht zwin­gend Beschäf­ti­gungsver­luste auf­grund des Min­dest­lohns zu er­warten. Hi­er kön­n­ten die Ar­beit­ge­ber die höheren Kosten auf­fan­gen, weil sie bis­lang die Lohn­höhe stark vorgegeben hat­ten. Ein er­höht­es Risiko des Job­ver­lusts haben hinge­gen Beschäftigte in der Nahrungs­mit­tel­pro­duk­tion und in an­deren Ser­vice­berufen, et­wa aus der Un­ter­hal­tungs­branche oder bei per­sön­lichen Di­en­stleis­tun­gen wie dem Friseurhand­w­erk und Wäschereien. Die Wahrschein­lichkeit eines Stel­len­ab­baus hänge nicht nur davon ab, wie viele Mi­tar­beit­er in ein­er Branche von der Loh­n­er­höhung be­trof­fen waren, son­dern auch, ob der vorher gezahlte Lohn dem Pro­duk­tiv­ität­s­niveau der jew­eili­gen Mi­tar­beit­er ent­sprochen hat. Die Forschungsergeb­nisse sind u.a. in der RWI Im­pact Note „Min­dest­lohn: Nach In­dus­triezweig un­ter­schiedliche Fol­gen zu er­warten“ als zwei­seitiger Pol­i­cy Brief auf­bereit­et. Diese ist un­ter www.rwi-es­sen.de/pub­lika­tio­nen/rwi-im­pact-notes/ ver­füg­bar.

RECHT UND FI­NANZEN

Masse­nent­las­sung – Kon­sul­ta­tionsver­fahren mit dem Be­trieb­s­rat

Ein Ar­beit­ge­ber darf das Kon­sul­ta­tionsver­fahren nach § 17 Abs. 2 KSchG als been­det anse­hen, wenn der Be­trieb­s­rat keine weitere Ver­hand­lungs­bere­itschaft über Maß­nah­men zur Vermei­dung oder Ein­schränkung von Masse­nent­las­sun­gen erken­nen lässt. Zu dies­er An­sicht kam das Bun­de­sar­beits­gericht in einem Urteil vom 22. Septem­ber 2016. Die einzige Auf­tragge­berin der Bek­lagten kündigte sämtliche Aufträge zu Ende März 2015. Nach dem Scheit­ern eines In­teresse­naus­gleichs leit­ete die Bek­lagte ein Kon­sul­ta­tionsver­fahren nach § 17 Abs. 2 KSchG ein und entschied, ihren Be­trieb zum 31. März 2015 stil­lzule­gen. Nach Er­s­tat­tung ein­er Masse­nent­las­sungsanzeige (§ 17 Abs. 1 i.V.m. Abs. 3 KSchG) kündigte sie alle Ar­beitsver­hält­nisse. Die Bek­lagte entschloss sich, erneut Kündi­gun­gen zu erk­lären, nach­dem einige Kündi­gungsschutzk­la­gen we­gen vermeintlich­er Män­gel im Ver­fahren nach § 17 KSchG er­stin­s­tan­zlich er­fol­greich gewe­sen waren. Sie leit­ete im Ju­ni 2015 ein weit­eres Kon­sul­ta­tionsver­fahren ein und beri­et mit dem Be­trieb­s­rat über eine mögliche „Wied­er­eröff­nung“ des Be­triebs. Eine solche kam für sie al­len­falls bei ein­er Ab­senkung der bish­eri­gen Vergü­tun­gen in Be­tracht. Der Be­trieb­s­rat ließ keine Bere­itschaft erken­nen, an ent­sprechen­den Maß­nah­men mitzuwirken. Da­raufhin kündigte die Bek­lagte – nach ein­er erneuten Masse­nent­las­sungsanzeige – die ver­bliebe­nen Ar­beitsver­hält­nisse vor­sor­glich ein zweites Mal. Die Klägerin hat sich frist­gerecht ge­gen beide Kündi­gun­gen ge­wandt und hilf­sweise ei­nen Nachteil­saus­gleich (§ 113 Abs. 3 i.V.m. Abs. 1 Be­trVG) ver­langt. Das Lan­de­sar­beits­gericht hat beide Kündi­gun­gen für un­wirk­sam er­achtet. Die Re­vi­sion der Bek­lagten hatte vor dem Zweit­en Se­nat des Bun­de­sar­beits­gerichts nur teil­weise Er­folg. Die er­ste Kündi­gung ist gemäß § 17 Abs. 3 Satz 3 KSchG i.V.m. § 134 BGB nichtig. Die Bek­lagte hat in der dies­bezüglichen Masse­nent­las­sungsanzeige den Stand der Be­r­a­tun­gen mit dem Be­trieb­s­rat nicht ko­r­rekt dargelegt. Hinge­gen ist die zweite Kündi­gung wirk­sam. Die Bek­lagte hat das er­forder­liche Kon­sul­ta­tionsver­fahren auch un­ter Beach­tung der union­s­rechtlichen Vor­gaben ord­nungs­gemäß durchge­führt. Sie hat dem Be­trieb­s­rat alle er­forder­lichen Auskünfte erteilt, um auf ihren Entsch­luss, an der Be­triebsstil­l­le­gung festzuhal­ten, ein­wirken zu kön­nen. Die Bek­lagte durfte die Ver­hand­lun­gen als gescheit­ert anse­hen. Da sie seit April 2015 kei­nen Be­trieb mehr un­ter­hielt, hat sie die zweite Masse­nent­las­sungsanzeige zu Recht bei der für den Un­terneh­mens­sitz zuständi­gen Agen­tur für Ar­beit er­s­tat­tet. Die zweite Kündi­gung war auch nicht aus an­deren Grün­den un­wirk­sam. Die Klägerin hat kei­nen An­spruch auf Nachteil­saus­gleich. Die Bek­lagte hat den Be­trieb­s­rat ord­nungs­gemäß über die be­ab­sichtigte Be­triebsstil­l­le­gung un­ter­richtet und nach dem Scheit­ern ihr­er Ver­hand­lun­gen die Eini­gungsstelle angerufen. (Bun­de­sar­beits­gericht, Urteil vom 22. Septem­ber 2016 - 2 AZR 276/16 – Vorin­s­tanz: Lan­de­sar­beits­gericht Ber­lin-Bran­den­burg, Urteil vom 24. Fe­bruar 2016 - 15 Sa 1953/15).

MA­N­AGE­MENT

Vorteile der pri­vat­en Beteili­gung

Öf­fentlich ge­plante Großbaupro­jekte wer­den oft viel teur­er und dauern länger als ge­plant. Eine gute Al­ter­na­tive sie die Beteili­gung pri­vater In­ve­s­toren, wie ein Gu­tacht­en des In­sti­tuts der deutschen Wirtschaft (IW) Köln und des Ge­samtver­ban­des der Deutschen Ver­sicherungswirtschaft (GDV) zeigt. Rund 135 Mil­liar­den Eu­ro müssten die Kom­mu­nen in den kom­men­den Jahren in ihre In­fras­truk­tur in­vestieren, u.a. in Straßen und Schulen – und der Be­trag steigt. Die Beteili­gung pri­vater In­ve­s­toren an In­fras­truk­tur­pro­jek­ten könne die Pol­i­tik dabei ent­las­ten. So lä­gen beispiel­sweise die Pro­jek­tkosten beim Au­to­bahn­bau über ei­nen Zei­traum von 30 Jahren bei Öf­fentlich-Pri­vat­en Part­n­er­schaften (ÖPP) selbst bei vor­sichti­gen An­nah­men um rund zehn Prozent nie­driger als bei kon­ven­tioneller Beschaf­fung. Dabei plant, baut und be­treibt ein pri­vater In­ves­tor die In­fras­truk­tur und er­hält dafür vom Staat eine Vergü­tung. Das sorge für mehr Ef­fizienz, da alles aus ein­er Hand komme. Die Schätzung basiert auf 14 Au­to­bahn-Pro­jek­ten im Wert von ins­ge­samt drei Mil­liar­den Eu­ro, die seit 2007 in Deutsch­land als ÖPP re­al­isiert wur­den. Dabei zeigt sich: Durch­sch­nittlich sinken die Kosten für Baupro­jekte, zu­dem wurde bei allen ÖPP auch die ver­traglich vere­in­barte Bauzeit einge­hal­ten. Viele ÖPP-Pro­jekte wür­den so­gar sch­neller fertig als ge­plant. Dabei gleichen die Eins­parun­gen durch kürzere Bauzeit­en und sel­tenere Re­para­turen die höheren Fi­nanzierungskosten des pri­vat­en In­ves­tors aus. Bis­lang seien 3,6 Prozent aller deutschen Au­to­bah­nen als ÖPP re­al­isiert wor­den.

EN­ERGIEWIRTSCHAFT

Erneuer­bare En­ergien fördern neg­a­tive Strom­börsen-Preise

Am­bi­tionierte Aus­bauziele für erneuer­bare En­ergien wer­den nach Ein­schätzung des RWI – Leib­niz-In­sti­tut für Wirtschafts­forschung in Zukunft vo­raus­sichtlich dazu führen, dass es an der Strom­börse wesentlich häu­figer neg­a­tive Preis­spitzen geben wird. Im Mit­telpunkt der em­pirischen Anal­yse für die Jahre 2009 bis 2013 stand die Frage, ob und wie die zuneh­mende Stromerzeu­gung aus erneuer­baren Quellen und die gerin­geren nuk­learen Ka­paz­itäten das Auftreten von so­ge­nan­n­ten „neg­a­tiv­en Preis­spitzen“ bee­in­flussen wer­den. Neg­a­tive Preis­spitzen haben weitreichende Fol­gen für das Funk­tionieren des Strom­marktes, weil sie beispiel­sweise die Pro­f­ita­bil­ität von Grund­lastkraftw­erken stark beein­trächti­gen kön­nen. Si­m­u­la­tio­nen der Strom-Großhan­del­spreise für un­ter­schiedliche Sze­narien eines Aus­baus des An­teils der erneuer­baren En­ergien am Strom-Mix le­g­en na­he, dass am­bi­tionierte Ziele die Häu­figkeit des Auftretens von neg­a­tiv­en Preis­spitzen weit­er er­höhen. Im De­tail er­mit­teln die Si­m­u­la­tio­nen, dass ein An­teil von 80 Prozent der erneuer­baren En­ergien an der Stromver­sor­gung den An­teil der un­pro­f­itablen Han­delss­tun­den für mod­erne Braunkoh­lekraftw­erke von acht auf 47 Prozent und für mod­erne Steinkoh­lekraftw­erke von 39 auf 77 Prozent stei­gen lassen würde. Ein gleichzeitiger voll­ständi­ger Ato­m­ausstieg kön­nte die­sen An­stieg auf 20 Prozent für mod­erne Braunkoh­lekraftw­erke und auf 43 Prozent für mod­erne Steinkoh­lekraftw­erke be­grenzen. Auch ein Aus­bau von et­wa 10 Gi­gawatt an Speicherka­paz­itäten zur Ver­lagerung von Strom aus Nacht- in Tags­tun­den hätte ei­nen dämpfen­d­en Ef­fekt und kön­nte den An­stieg un­pro­f­itabler Han­delss­tun­den auf 25 Prozent für Braunkoh­le- und 48 Prozent für Steinkoh­lekraftw­erke ab­mildern.

Ste­fan Mülders | re­dak­tion@re­vi­er-ma­n­ag­er.de

Ausgabe 09/2016