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Business

Morgenluft in Südwestfalen

„Top Performer“ sind innovativ, schaffen und sichern Arbeitsplätze, wirtschaften nachhaltig, engagieren sich in sozialen und gesellschaftlichen Belangen und begeistern ihre Kunden.

Bild oben: Die Richtung ist klar: Unternehmen wollen nach oben
Regen­schirm­pro­duzen­ten setzen auf sch­lech­tes Wet­ter, Brauereien auf die Fußball­welt­meis­ter­schaft, Einzel­händler auf das Weih­nachts­geschäft: „Son­der­ef­fek­te“ kön­nen über­raschen, sind aber sel­ten so nach­haltig, dass sie auch den Um­satz eines Un­terneh­mens grund­sät­zlich puschen kön­nen. Zwei von drei mit­tel­ständischen Un­terneh­men in Deutsch­land be­tracht­en Wach­s­tum den­noch als sehr wichti­gen Fak­tor. 55 Prozent der Un­terneh­men wollen in den näch­sten drei bis fünf Jahre um zehn Prozent wach­sen, er­gab eine Um­frage der Deutschen Treuhandge­sellschaft. Ziel der meis­ten Un­terneh­men: Wach­s­tum aus ei­gen­er Kraft.
Das schaf­fen „Wach­s­tum­swelt­meis­ter“ im­mer wied­er, „Um­satz-Cham­pi­on­s“ mit Über­raschungs­ef­fekt „Top-Per­former“ er­fol­greich auch in der Re­gion. Un­terneh­men wit­tern Mor­gen­luft und schal­ten um auf Um­satzwach­s­tum: Oft haben sie dann harte Jahre der Kon­so­li­dierung und Kostensenkung hin­ter sich, und ah­nen, dass dies der richtige Zeit­punkt ist, die Ziele höher zu steck­en. Das Startsig­nal er­fol­gt aber nicht per Knopf­druck, eine Un­ter­suchung der größten börsen­notierten Un­terneh­men in Deutsch­land und der Sch­weiz er­gab, dass nur jedes zeh­nte Un­terneh­men es geschafft hat, in einem Zeh­n­jahreszei­traum Um­satz und Gewinn deut­lich zu steigern und gleichzeitig die Kap­italkosten zu ver­di­e­nen. Insbe­son­dere in der ver­gan­ge­nen Dekade heizte die Glob­al­isierung die Cham­pi­ons des deutschen Mit­tel­s­tands an: Nach Finn­land, Däne­mark und Ja­pan hat Deutsch­land in den ver­gan­ge­nen 30 Jahren am stärk­sten von der In­ter­na­tio­n­al­isierung der Wirtschaft pro­f­i­tiert, sagt das Wirtschafts­forschungsin­sti­tut Prog­nos. Gute Zeit­en insbe­son­dere für Deutsch­lands große Fam­i­lie­nun­terneh­men: Sie legten 2014 bei Um­satz, Gewinn und Mi­tar­beit­ern zu. 959 Mil­liar­den Eu­ro – eine beein­druck­ende Zahl. So viel Um­satz macht­en Deutsch­lands 50 größte Fam­i­lie­nun­terneh­men zusam­men­gerech­net. Ein­er aktuellen Anal­yse des Stutt­garter In­sti­tuts für Fam­i­lie­nun­terneh­men (IFF) zu­folge sind das 30 Mil­liar­den Eu­ro mehr als im Jahr zu­vor.
Wach­s­tum­scham­pi­ons mit ein­er zweis­tel­li­gen Um­satzsteigerung waren Knorr Bremse (17 Prozent), Fre­se­nius (14 Prozent), Bauhaus (12 Prozent), Droege, Hel­la und Brose (jew­eils elf Prozent). Eine Gruppe von weit­eren zehn Un­terneh­men wuchs im Bereich sechs bis zehn Prozent. Volk­swa­gen führt mit einem Um­satz von er­st­mals über 200 Mil­liar­den Eu­ro (202 Mil­liar­den Eu­ro, Wach­s­tum plus drei Prozent) auch 2014 die Ran­gliste der größten deutschen Fam­i­lie­nun­terneh­men an, ge­fol­gt von BMW mit 80 Mil­liar­den Eu­ro (plus 6 Prozent), der Sch­warz-Gruppe mit 74 Mil­liar­den Eu­ro (plus ne­un Prozent) und Metro mit 63 Mil­liar­den Eu­ro (mi­nus vi­er Prozent).
Allerd­ings macht das Um­satzwach­s­tum keine Aus­sage über die Pro­f­ita­bil­ität eines Un­terneh­mens, son­dern lediglich über die Ab­satzen­twick­lung. Aber was machen diese Wach­s­tums-Welt­meis­ter an­ders als die Durch­sch­nitt­sun­terneh­men? Die Ant­worten sind kom­plex, müssen al­so all­ge­mein bleiben: Er­fol­greiche Un­terneh­men sind in­no­va­tiv, schaf­fen und sich­ern Ar­beit­s­plätze, wirtschaften nach­haltig, en­gagieren sich in sozialen und ge­sellschaftlichen Be­lan­gen und begeis­tern ihre Kun­den.
Für Han­dels­blatt.com hat der Ber­lin­er Wirtschaft­spro­fes­sor Bernd Venohr die 100 kom­men­den Welt­markt­führ­er zusam­mengestellt.
Er analysiert Ei­gen­schaften und Ma­n­age­ment­meth­o­d­en der ex­trem wach­s­tumss­tarken Mit­tel­ständler, die zu mehr als 70 Prozent noch voll­ständig im Fam­i­lienbe­sitz sind. Venohr kommt zu dem Ergeb­nis, dass sich die er­fol­greichen Un­terneh­men auf eine kleine Nische fokussieren und diese dank tech­nisch­er Spitzen­leis­tung weltweit do­minieren. Kun­den­bin­dung er­folge durch eng geknüpfte Ver­triebs- und Ser­vicenetze, zu­dem wür­den op­ti­male Fer­ti­gungsprozesse vorge­hal­ten.
In der Anal­yse wird dargestellt, dass die High-Tech-Branchen, et­wa Medizin- und Lasertech­nik oder Soft­wares­tark sowie der Maschi­nen­bau stark vertreten sind. Ge­o­gra­fisch siedelt Venohr die kom­men­den Welt­meis­ter eher im Sü­den Deutsch­lands an. Dort seien sie häu­figer zu fin­d­en als im Nor­den und eher im West­en als im Os­ten. Ba­den-Würt­tem­berg, Bay­ern und Nor­drhein-West­falen seien die Hei­mat des Er­fol­gs.
Eine breite Branchen- und Pro­dukt­palette macht Süd­west­falen be­son­ders ro­bust ge­gen kon­junk­turelle Sch­wankun­gen. Neben bekan­n­ten Marke­nar­tikel­her­stellern weist Süd­west­falen eine große Zahl von „Hid­den Cham­pi­on­s“ auf.
Aber auch viele kleine Un­terneh­men zählen in Süd­west­falen zu den „Top Per­formern“ und Um­satz­dy­namik­ern. Darun­ter fin­d­en sich Maschi­nen- und Werkzeug­bauer eben­so wie Ver­sicher­er, Baumärkte, Tran­s­por­tun­terneh­men, Kfz-Werk­stät­ten oder Steuer­ber­ater.
Neue Tech­nolo­gien, der krea­tive Ein­satz von Ar­ma­turen oder tech­nische En­twick­lun­gen im Kom­mu­nika­tions­bereich fin­d­en Wider­hall in er­fol­greichen Star­tups, führen aber auch zu beachtlichen Um­satzen­twick­lun­gen tra­di­tioneller Hand­w­erk­sun­terneh­men. Mit ein­er guten Idee kön­nen junge Un­terneh­men ger­ade in der Grün­dungsphase sehr er­fol­greich sein und über­wälti­gende Um­satzsteigerun­gen präsen­tieren,
zeigt die Anal­yse.
Auf­fäl­ligkeit­en und Konzen­tra­tio­nen auf bes­timmte Branchen lassen sich in Süd­west­falen aber nicht definieren.

Blick in die Ta­belle

Die Richtung ist klar: Unternehmen wollen nach oben
Die Rich­tung ist klar: Un­terneh­men wollen nach oben

Wie nicht an­ders zu er­warten, ist sind die Un­terneh­men des pro­duzieren­den Gewerbes in unserem Rank­ing der Top Per­former stark vertreten: Mit 29 von 80 Top Per­formern, stellen sie die stärk­ste Branche dar, ge­fol­gt von den Bereichen Han­del und Di­en­stleis­tun­gen mit je 20 Vertretern. Ge­mein­sam ist den Teil­neh­mern unseres Rank­ings, dass sie ihren Um­satz in 2014 um mehr als 50 Prozent steigern kon­n­ten – und das bei einem Aus­gang­sum­satz in 2013 von min­destens 500.000 Eu­ro. Sch­ließlich ist es deut­lich leichter den Um­satz eines klei­nen Un­terneh­mens von 10.000 auf 100.000 Eu­ro zu verzeh­n­fachen als von ein­er auf zehn Mil­lio­nen. Das Un­terneh­men mit dem stärk­sten Um­satzwach­s­tum ist das Han­del­shaus Ham­mecke Edel­s­tahl, das erst vor zwei Jahren in Plet­ten­berg ge­grün­det wurde (+537 Prozent), ge­fol­gt von Au­then­tic Sports & Toys (+521 Prozent), die sich auf den Ver­trieb von Tretrollern (Scootern) spezial­isiert haben. Auf Rang 3 fol­gt der Far­ben- und Lack­händler Pro­sol (+371 Prozent).
Eben­falls in den Top 10 zu fin­d­en ist die ge­mein­nützige Ge­mein­schaft der Franziskanerin­nen zu Olpe (+141 Prozent). Die Pi­onierar­beit der Or­denssch­west­ern und die über viele Jahre prak­tisch gelebte Näch­sten­liebe hät­ten ihre Ein­rich­tun­gen so er­fol­greich ge­macht, dass die Grün­dung der Ge­sellschaft unausweich­lich wurde, erk­lären die Sch­west­ern das langjährige Wach­s­tum der Ge­sellschaft. Heute be­treiben die Sch­west­ern di­verse Kranken­häus­er und Ein­rich­tun­gen der Kin­der- und Ju­gend sowie auch Al­ten­hilfe an 19 Stan­dorten in NRW.
Rein­hold Häken | re­dak­tion@­sued­west­falen-ma­n­ag­er.de.

Ausgabe 07/2015



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Prof. Dr. Bernd Venohr
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