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Business

Mehr als nur sparsam

LED kann mehr als Energie sparen: Mit Human Centric Lighting, Fernwartung und Positionssystemen im Handel sind neue Technologien im Anmarsch.

Bild oben: Ohne Licht funktioniert die moderne Gesellschaft nicht (Foto: licht.de)
Die LED ist in der Beleuch­tungs­branche seit Jahren auf dem Siegeszug. So berichtete der Deutsche La­den­bau Ver­band in sein­er Pub­lika­tion „La­den­bau“ im Früh­jahr darüber, dass bei sei­nen Beleuch­tungsspezial­is­ten der LED-Ab­satz mittler­weile zwischen 65 und 100 Prozent liegt. Auch bei licht.de, der Branchenini­tia­tive des Zen­tralver­bands Elek­trotech­nik- und Elek­tronikin­dus­trie (ZVEI), sind sich die Ak­teure einig: LEDs sind der neue Stan­dard. Aber dies­er Er­folg hat auch seine Schat­ten­seit­en, wie Dr. Jür­gen Wal­dorf, Geschäfts­führ­er von licht.de, zu bericht­en weiß: „Im Fokus stand in den ver­gan­ge­nen Jahren meist das En­ergies­paren, die Lichtqual­ität trat dabei in den Hin­ter­grund.“ Habe der pro­fes­sionelle Ver­brauch­er eine Lampe mit 90 Lu­men/Watt und eine mit 92 Lu­men/Watt zur Auswahl ge­habt, so sei die Entschei­dung über­wie­gend auf die licht­stärkere ge­fall­en. Kri­te­rien wie Blen­dung, Farbtem­per­a­tur oder -wied­er­gabe seien dabei weniger beachtet wor­den. An die­sem Punkt leis­tet die Branchenini­tia­tive Aufk­lärungsar­beit, denn: Ger­ade LEDs kön­nen so viel mehr als nur En­ergie sparen. Dank ihr­er be­son­deren licht­tech­nischen Ei­gen­schaften bi­etet sie viele Chan­cen, die Beleuch­tung noch bess­er an die Bedürfnisse des Men­schen anzu­passen und den Sehkom­fort zu er­höhen.

Der Men­sch im Fokus

Ohne Licht funktioniert die moderne Gesellschaft nicht (Foto: licht.de)
Ohne Licht funk­tioniert die mod­erne Ge­sellschaft nicht (Fo­to: licht.de)

Die vielleicht ein­sch­nei­den­ste Tech­nolo­gie, die die Branche derzeit beschäftigt, ist das so­ge­nan­nte „Hu­man Cen­tric Light­ing“. Im All­ge­mei­nen wird darun­ter ein Lichtkonzept ver­s­tan­den, das der bi­ol­o­gischen Uhr des Men­schen fol­gt. Das Licht bildet al­so das natür­liche Licht des Tages in In­nen­räu­men nach. Maßgebend sind dabei u.a. Licht­stärke und -farbe. Die Beleuch­tungsstärke nimmt im Laufe des Tages zu und ge­gen Abend dann wied­er ab, bei der Licht­farbe neh­men Blauan­teile zu bzw. ab. Der Ef­fekt: Die Men­schen fühlen sich auch in In­nen­räu­men deut­lich fit­ter und konzen­tri­ert­er. Aber damit en­det das The­ma Hu­man Cen­tric Light­ing für Dr. Jür­gen Wal­dorf noch nicht: „Der Be­griff sagt es: Das Licht ist für den Nutz­er in­di­vi­d­u­al­isiert.“ Das heiße je­doch auch, dass sich die Leucht­en auf die jew­eili­gen Be­nutz­er ein­stellen müssten. Eine äl­tere Per­son brauche beispiel­sweise mehr Licht zum Le­sen als eine junge, ver­schie­dene Nutz­er hät­ten un­ter­schiedlich­es Farbempfin­d­en. Mit der Nachah­mung des natür­lichen Lichts ste­ht die Tech­nolo­gie al­so erst noch am An­fang.

War­tung aus der Ferne

Beim Human Centric Lighting verändert sich das Licht ähnlich dem Tageslicht (Foto: licht.de)
Beim Hu­man Cen­tric Light­ing verän­dert sich das Licht ähn­lich dem Tages­licht (Fo­to: licht.de)


Auch bei der War­tung eröffnet die LED-Leuchte neue Möglichkeit­en. Die Proble­matik mag dem Laien auf den er­sten Blick nicht be­wusst sein: „Mit der Zeit ver­liert eine LED langsam an Leuchtkraft, fällt aber kaum aus“, weiß der Geschäfts­führ­er. Kri­tisch wird das z.B. bei Ar­beitsstät­ten, für die ein gewiss­es Beleuch­tungs­niveau vorgeschrieben ist. Ver­liert die LED an Strah­lkraft, fällt auch das Licht­niveau. Die Vorschriften wer­den nicht mehr einge­hal­ten. Um bei jed­er Leuchte ge­nau zu wis­sen, wann sie ge­wartet wer­den muss, braucht es ver­schie­den­ste In­for­ma­tio­nen: Wie lange leuchtet sie pro Tag, in welch­er Umge­bung leuchtet sie et cetera. Ist eine LED beispiel­sweise über einem Ofen in­s­tal­liert, wird sie sch­neller weniger Licht abgeben. Denn die Wärme ge­ht zu­las­ten der Lebens­dauer. Eine Leuchte, die nur zwei Stun­den am Tag bren­nt, hält lo­gischer­weise länger als eine an­dere Lampe, die durchge­hend leuchtet.
Mittler­weile gibt es er­ste An­sätze, die Leucht­en zu ver­netzen und somit aus der Ferne auf alle Dat­en zu­greifen zu kön­nen. Da­durch kann ohne ei­nen Tech­nik­er vor Ort her­aus­ge­fun­den wer­den, welche Lichtquelle wo erset­zt wer­den muss. Hi­er gibt es er­ste Pi­lot­pro­jekte bei der Straßen­beleuch­tung. Set­zt sich diese Tech­nik durch, hat das auch ei­nen Vorteil für den An­wen­der: „Eine War­tung sorgt ja auch im­mer für ei­nen gewis­sen Pro­duk­tion­saus­fal­l“, so Dr. Wal­dorf.
Auch in Zukunft bi­eten sich mit der LED neue Möglichkeit­en, beispiel­sweise beim Einkauf: In einem dem Käufer un­bekan­n­ten La­den et­was Bes­timmtes zu suchen kann zur Qual wer­den. Wird der ge­suchte Ge­gen­s­tand nicht sch­nell ge­fun­den, fol­gen Frust­mo­mente – eine All­t­ags­si­t­u­a­tion. Klas­sische GPS-Ap­p­lika­tio­nen sind an dies­er Stelle keine Lö­sung, gibt es doch in Ge­bäu­den kei­nen Emp­fang. Ger­ade LED-Leucht­en kön­nen an dies­er Stelle helfen. Die neue Tech­nolo­gie nutzt ein­fach den Licht­sen­sor am Handy: „Das LED-Licht kann so­wohl zur All­ge­mein­beleuch­tung als auch zur Über­tra­gung von In­for­ma­tion genutzt wer­den. Die hoch­fre­quente Mo­d­u­la­tion des Lichts zur Sig­nalüber­tra­gung kann der Men­sch nicht wahrneh­men“, erk­lärt Dr. Wal­dorf. Das Handy weiß da­durch aber ex­akt, an welch­er Stelle der La­denbe­such­er sich ger­ade befin­d­et und kann ihn ziel­ge­nau zum gewün­scht­en Pro­dukt führen. Der Be­nutz­er wiederum braucht dafür nicht mehr als eine Mo­bi­lan­wen­dung. In er­sten Pi­lot­pro­jek­ten wird die­s­es „In­door Po­si­tion­ing Sys­tem“ bere­its aus­pro­biert. Ger­ade für größere Lä­den, in de­nen sich der Kunde nicht ausken­nt, könne die neue Tech­nik viel be­wirken, ist der Fach­mann überzeugt.

In­nen­beleuch­tung liegt vorn

(Foto: licht.de)
(Fo­to: licht.de)

Of­fizielle Branchenkenn­zahlen, wie groß die Branche derzeit ist, gebe es dem Geschäfts­führ­er nach derzeit nicht. Nach sei­nen An­gaben pro­duzierte die Branche im Jahr 2016 je­doch Waren im Wert von 4,6 Mil­liar­den Eu­ro. Das Statis­tik-Por­tal Statis­ta ge­ht so­gar von einem Um­satz von 6,9 Mil­liar­den Eu­ro in der deutschen Beleuch­tungsin­dus­trie im Jahr 2016 aus. Den größten Um­satz macht die In­nen­beleuch­tung, die wiederum in die ver­schie­den­sten Ap­p­lika­tio­nen wie Shop, Büro und In­dus­trie un­terteilt ist. Die Außen­beleuch­tung, un­ter der so­wohl die Straßen­beleuch­tung als auch die deko­ra­tive Beleuch­tung (An­s­trah­lun­gen von Ge­bäu­den, Platz­beleuch­tung) sub­su­miert sind, ist de­ment­sprechend klein­er. An­ders sie­ht es beim Wach­s­tum aus: Die In­nen­beleuch­tung wächst in Deutsch­land nach An­gaben von Dr. Wal­dorf zurzeit im mittleren ein­stel­li­gen Bereich, die Außen­beleuch­tung im zweis­tel­li­gen Bereich. „Die stei­gen­den Um­sätze bei der Außen­beleuch­tung lie­gen zum Teil an Förder­pro­gram­men. Es kom­men mehr Aufträge von Kom­mu­nen“, weiß der Fach­mann.
Wer auf die Kom­pe­tenzen der Beleuch­tungs­branche zurück­greifen will, der sollte nach Mei­n­ung des Ex­perten einiges beacht­en. „In der Tat ist Beleuch­tung eine Wis­sen­schaft für sich“, so Dr. Wal­dorf. Um sein Un­terneh­men op­ti­mal aufzurüsten, bedürfe es erst ein­mal ein­er Be­s­tand­sauf­nahme: Welche Räum­lichkeit­en habe ich? Wo bren­nt das Licht wie lange? Schon dabei sollte der Käufer auf ver­sierte Hand­w­erks­be­triebe, Licht­plan­er oder Elek­tro­plan­er zurück­greifen. Auch bei der Ausar­bei­tung eines guten Lichtkonzepts brauche es ei­nen Fach­mann. Denn in die Rech­nung für op­ti­males Licht spielen die ver­schie­den­sten Fak­toren hinein: Wie re­flek­tieren Wände, Deck­en und Fen­ster, welch­er Bo­den ist ver­baut, wie sind die Wände gestrichen, wie groß die Räume et cetera. Eben­so sch­wierig ges­talte sich die Wahl der für die jew­eilige An­wen­dung op­ti­malen Leucht­en, denn jed­er Raum habe an­dere Gegeben­heit­en. Ein Licht­plan­er ar­beite jew­eils mit den Dat­en ver­schie­den­er Leucht­en un­ter­schiedlich­er Her­steller und könne so das op­ti­male Ergeb­nis für je­den Raum in­di­vi­du­ell festle­gen. Dann di­ent das Licht auch für mehr als nur als En­ergies­par­er. Natha­nael Ull­mann | re­dak­tion@­sued­west­falen-ma­n­ag­er.de

Ausgabe 09/2017



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Dr. Jürgen Waldorf, Geschäftsführer licht.de
Dr. Jürgen Waldorf, Geschäftsführer licht.de