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Management

Leistungsstarke Azubis erwarten mehr

Unternehmen möchten gern die besten Auszubildenden für sich gewinnen. Doch wie machen kleine und mittelständische Unternehmen auf sich aufmerksam und binden die potenziellen Bewerber an sich?

Bild oben: Vor allem kleine Handwerksunternehmen sind stark engagiert bei der Nachwuchsausbildung (Foto: © industrieblick – stock.adobe.com)
Der Mit­tel­s­tand ist die tra­gende Säule in Deutsch­land, wenn es um die Aus­bil­dung von Lehr­lin­gen ge­ht. Ne­un von zehn Azu­bis machen ihre Beruf­saus­bil­dung bei einem mit­tel­ständischen Un­terneh­men – so laut­en die Zahlen des KfW-Mit­tel­s­tand­pan­els von 2016. Vor allem die Be­triebe, die 50 oder mehr Mi­tar­beit­er beschäfti­gen, küm­mern sich am stärk­sten um den Nach­wuchs. Kleine mit­tel­ständische Be­triebe bil­den in der Regel sel­ten­er aus, es sei denn, es sind hand­w­erk­liche Be­triebe. Seit Jahren wird je­doch ein Man­gel an Auszu­bil­den­den bek­lagt, zu viele Schu­la­bgänger zie­ht es mittler­weile an die Fach­hoch­schule oder Uni. Die DGB-Studie aus dem let­zten Jahr wider­legt je­doch diese Th­ese. Vielmehr be­tont die stel­lvertre­tende DGB-Vor­sitzende Elke Han­nack: „Die Geschichte vom bun­desweit­en Azu­bi-Man­gel ent­puppt sich bei Licht be­trachtet als Märchen. Rund 283.000 Ju­gendliche, die von der Bun­de­sa­gen­tur für Ar­beit als aus­bil­dungs­reif eingestuft wur­den, haben kei­nen Aus­bil­dungs­platz bekom­men. Die Mehrheit von ih­nen wird in Er­satz­maß­nah­men ge­parkt – und wird in den kom­men­den Jahren kaum eine Chance auf ei­nen Aus­bil­dungs­ab­sch­luss haben.“ Ohne Aus­bil­dung oder Berufs­ab­sch­luss wird es sch­w­er, den ei­ge­nen Leben­sun­ter­halt ei­gen­ständig erar­beit­en zu kön­nen. „Die­sen Ju­gendlichen eine Chance auf Aus­bil­dung zu geben, wird zen­trale Auf­gabe der Bil­dungspol­i­tik in den kom­men­den Jahren.“

Sch­lechter Schüler, guter Azu­bi?

Vor allem kleine Handwerksunternehmen sind stark engagiert bei der Nachwuchsausbildung (Foto: © industrieblick – stock.adobe.com)
Vor allem kleine Hand­w­erk­sun­terneh­men sind stark en­gagiert bei der Nach­wuch­saus­bil­dung (Fo­to: © in­dus­trie­blick – stock.adobe.com)

Azu­bis sind auf dem Markt hart umkämpft. Jedes Un­terneh­men möchte leis­tungss­tarke Mi­tar­beit­er für sich gewin­nen. Doch was macht die At­trak­tiv­ität eines Un­terneh­mens aus? Die jähr­liche Per­so­n­al­s­tudie Azu­bis-Re­cruit­ingtrends mit wis­sen­schaftlich­er Be­glei­tung zeigt, dass Un­terneh­men und Be­wer­ber oft­mals an­dere Pri­or­itäten setzen, wenn es um die Auswahl des Aus­bil­dungs­platzes ge­ht. So rangiert die „Job­sicher­heit“ bei den Azu­bis weit vorn, dahin­ter kom­men Be­trieb­sk­li­ma und Über­nah­mechan­cen sowie Weiter­bil­dung­sop­tio­nen. Un­terneh­men hinge­gen über­schätzten laut der Studie die Be­deu­tung der Leis­tun­gen während der Aus­bil­dung sowie des Un­terneh­men­si­m­ages. Ver­schie­dene Branchen haben je­doch im­mense Probleme mit der er­fol­greichen Azu­bi-Rekru­tierung, wie die DGB-Studie zeigt: Ho­tel- und Gast­stät­ten­bereich, das Lebens­mit­tel­hand­w­erk, der zah­nmedizinische Bereich sowie Maler und Lackier­er. Diese Berufe sind für Schu­la­bgänger wenig at­trak­tiv. Lange Ar­beit­szeit­en, häu­fige Über­s­tun­den, man­gel­nde Aus­bil­dungsqual­ität und eine un­ter­durch­sch­nittliche Vergü­tung schreck­en da­vor ab, sich für ei­nen der Berufe zu entschei­den. Un­ter den Ju­gendlichen fin­d­en sich über­durch­sch­nittlich viele Hauptschu­la­bgänger, die kei­nen Aus­bil­dungs­platz ge­fun­den haben. Auch hi­er fordert der DGB, dass die Be­triebe den jun­gen Men­schen über alle Schu­lab­sch­lüsse hin­weg Berufsper­spek­tiv­en bi­eten.

Plus­punkte als Un­terneh­men gewin­nen

Michael Ifland, Geschäftsführer Berufliche Bildung der IHK zu Dortmund
Michael If­land, Geschäfts­führ­er Beru­fliche Bil­dung der IHK zu Dort­mund


Im west­fälischen Ruhrge­bi­et macht sich der de­mo­gra­fische Wan­del bei der Ver­gabe von Aus­bil­dungs­plätzen nicht so stark be­merk­bar. Seit sechs Jahren wer­den bei der IHK zu Dort­mund über 5.000 Lehrstel­len­verträge in der Re­gion abgeschlossen. „2016 mussten wir ei­nen leicht­en Rück­gang verzeich­nen“, berichtet Michael If­land, Geschäfts­führ­er Beru­fliche Bil­dung der IHK zu Dort­mund. Die Gründe dafür sie­ht er beispiel­sweise darin, dass viele Banken nur für den ei­ge­nen Be­darf aus­bil­den und der auf­grund der derzeiti­gen Filialsch­ließun­gen ent­sprechend geringer wird. Die Be­wer­ber­si­t­u­a­tion ist sehr branchen­ab­hängig. „Das Ho­tel- und Gast­gewerbe hat beispiel­sweise zu wenig Be­wer­ber auf die of­fe­nen Lehrstellen zu verzeich­nen, eben­so wie Sicher­heits­be­triebe.“ Das liegt bei bei­den Branchen an unat­trak­tiv­en Ar­beit­szeit­en und ein­er im Ver­gleich zu an­deren Berufen nicht so ho­hen Aus­bil­dungsvergü­tung. Vor allem das Ho­tel- und Gast­gewerbe lei­det un­ter einem sch­lecht­en Ruf bei den Auszu­bil­den­den: Nachricht­en vom rauen Um­gangs­ton in der Küche beispiel­sweise oder un­zureichende Ar­beits­pausen schreck­en die jun­gen Men­schen ab, sich für eine solche Aus­bil­dung zu entschei­den. „In der IT-Branche hinge­gen befin­d­en sich die Be­triebe in ein­er guten Be­wer­ber­si­t­u­a­tion, die eine tech­nische Aus­bil­dung an­bi­eten. Sie pro­f­i­tieren un­ter an­derem von den Stu­di­en­ab­brech­ern der Hoch­schulen in der Re­gion“, berichtet If­land.

Aufmerk­samkeit generi­eren


Um für Schu­la­bgänger at­trak­tiv zu sein, ge­ht es für kleine und mit­tel­ständische Be­triebe vor allem darum, auf sich aufmerk­sam zu machen. „Gute Er­fahrun­gen haben wir mit Schul­part­n­er­schaften machen kön­nen“, sagt If­land. Neben dem klas­sischen Prak­tikum gibt es für Be­triebe viele an­dere Maß­nah­men, wie sie den Kon­takt zu ein­er Schule aus­bauen kön­nen: Tag der of­fe­nen Tür, Un­ter­richtss­tun­den, die im Be­trieb stattfin­d­en, Ein­la­dung der Schul­band zum Be­triebs­fest, ge­mein­same Pro­jekte mit den Schülern – der Fan­tasie sind hi­er keine Grenzen ge­set­zt. Plus­punkte bekom­men Be­triebe von den Be­wer­bern, wenn sie neben ein­er vernünfti­gen Bezah­lung eine Über­nah­meper­spek­tive und Kar­ri­erewege im Un­terneh­men aufzei­gen. Auch zusät­zliche Sozialleis­tun­gen kön­nen eine Rolle spielen, ange­fan­gen vom Mo­nat­stick­et für die öf­fentlichen Verkehrs­mit­tel bis zur Über­nahme des Mit­glieds­bei­trags für ein Fit­nesss­tu­dio. „Über flex­i­ble Ar­beit­szeit­en für die Azu­bis kön­nen Be­triebe eben­falls nach­denken – vo­raus­ge­set­zt natür­lich, der Aus­bilder ist zeit­gleich an­we­send“, ergänzt der IHK-Geschäfts­führ­er. Auch Weiter­bil­dungs­maß­nah­men machen ei­nen Be­trieb für ange­hende Azu­bis at­trak­tiv. „Wichtig ist, dass sich die Un­terneh­men öff­nen“, be­tont If­land. „Leis­tungss­tarke Be­wer­ber er­warten mehr als das Übliche.“ Sch­nup­per­tage, an de­nen Schüler zum Beispiel ein­mal pro Woche nach­mit­tags im Be­trieb mi­tar­beit­en, helfen, Schüler an den Be­trieb zu bin­den und als Azu­bis zu gewin­nen. „In Nor­drhein-West­falen gibt es vielerorts den Aus­bil­dungs­botschafter – ein Azu­bi berichtet in Schulen über seine ei­gene Aus­bil­dung. Der Azu­bi und die Schüler führen ein Ge­spräch auf Au­gen­höhe. Die Be­triebe, die sich so zukünfti­gen Be­wer­bern vorstellen, haben damit gute Er­fahrun­gen ge­macht.“ Den­noch: Den ei­nen richti­gen Weg, um als at­trak­tiv­er Aus­bil­dungs­platz zu gel­ten, gibt es nicht.

Eine Kochausbildung ist unter Jugendlichen nicht besonders beliebt (Foto: © Monkey Business – stock.adobe.com)
Eine Kochaus­bil­dung ist un­ter Ju­gendlichen nicht be­son­ders be­liebt (Fo­to: © Mon­key Busi­ness – stock.adobe.com)

Karin Bün­nagel | re­dak­tion@­sued­west­falen-ma­n­ag­er.de

Ausgabe 03/2017