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Business

LED bringt Farbe ins Spiel

Neue Techniken verändern eine ganze Branche: Mehrere Entwicklungszyklen und Überarbeitungsprozesse pro Jahr.

Die Lam­p­en- und Leucht­enin­dus­trie verän­dert ihr Gesicht: Der Tech­nolo­gie­wan­del hin zu LED und kom­plet­ten Beleuch­tungssys­te­men lässt die Grenzen der tra­di­tionellen Wertschöp­fungs­ket­ten zwischen Lam­p­en- und Leucht­enin­dus­trie ver­sch­win­den. Par­al­lel neh­men Gesch­windigkeit und Kom­plex­ität der Pro­duk­ten­twick­lun­gen zu. Tra­di­tionelle Leucht­en­her­steller beant­worten diese Verän­derun­gen nicht nur mit In­no­va­tion und neuen Pro­duk­ten, mittler­weile suchen sie auch neue Bünd­nisse, um den Her­aus­forderun­gen bess­er gewach­sen zu sein: Ein ge­mein­samer Ver­band ist ein Lö­sungsan­satz, „Lightingeu­rope“ agiert in Brüs­sel als poli­tisch­es Net­zw­erk der na­tio­nalen Mit­gliedsver­bände in Eu­ro­pa. Der neue Ver­band ist Platt­form für die Po­si­tio­nen der ge­samten Lichtin­dus­trie. Ver­fol­gt wird das Ziel, die Qual­ität der Beleuch­tungssys­teme in Eu­ro­pa und weltweit zu fördern. Zum er­sten Präsi­den­ten des eu­ropäischen In­dus­trie­ver­bands für Licht wurde ein bekan­n­ter Ak­teur der Re­gion gewählt: Di­et­mar Zem­brot aus Arns­berg führt den un­ter Fed­er­führung des Ver­ban­des ZVEI in Brüs­sel ge­grün­dete Ver­band. Als Geschäfts­führ­er der TRILUX-Gruppe ist Zem­brot heute ge­samtver­ant­wortlich für Forschung und En­twick­lung, Einkauf und Pro­duk­tion. Seine na­tio­nale und in­ter­na­tio­nale Er­fahrung bringt er nun in die in­haltliche und struk­turelle Ar­beit von Lightingeu­rope ein.
Dass mit Zem­brot ein Sauer­län­der an der Spitze eines eu­ropäischen Ver­ban­des ste­ht, ist kein Zu­fall: Die Her­steller von Leucht­en, insbe­son­dere Woh­n­raum­leucht­en, sind aus his­torischen Grün­den in Süd­west­falen konzen­tri­ert. 50 Prozent aller Leucht­en in Deutsch­land wer­den in Süd­west­falen hergestellt, davon die meis­ten in Arns­berg und Sun­dern. Arns­berg ist weltweit bekan­nt für seine Leucht­en, deren Fer­ti­gung in Ne­heim-Hüsten auf eine lange Tra­di­tion zurück­blick­en kann. Vom Erfin­d­er Hu­go Bre­mer über den De­sign­er Chris­tian Dell bis zu ganz aktuellen In­no­va­tio­nen setzen Arns­berg­er Fir­men hi­er Stan­dards für all die schö­nen Dinge, die den All­t­ag heller machen.
Die Pro­dukt­palette ge­ht dabei von der tech­nischen Leuchte zur Auss­tat­tung von Großpro­jek­ten bis zu den Leucht­en für den pri­vat­en Ge­brauch in den Woh­n­räu­men oder im Außen­bereich. Aber nicht nur die licht­tech­nische Auss­tat­tung von Großpro­jek­ten oder öf­fentlichen Räu­men kommt aus Arns­berg. Na­hezu jedes Haus und jede Woh­nung in Eu­ro­pa wird mit Leucht­en aus der Re­gion Arns­berg er­hellt. Die re­gio­nalen Un­terneh­men, die ge­mein­sam die Licht­woche Sauer­land als Re­gio­nalmesse für Woh­n­raum­leucht­en durch­führen, stellen ei­nen mehr als 50-prozenti­gen Mark­tan­teil in Eu­ro­pa dar.
Auch weitere Bauteile für Leucht­en wer­den in der Re­gion ge­fertigt. Die Leucht­enin­dus­trie kam mit der er­sten So­laröl­lampe nach Ne­heim: Wil­helm Brökel­mann fand 1854 ein Ex­em­plar mit amerikanischem Flach­bren­n­er im Rhein­land. Die Fir­ma Wet­zche­wald & Wilmes be­gann 1863 den Bau kom­plet­ter Lam­p­en aus Halb­fab­rikat­en. Der Fab­rikant Hu­go Bre­mer stellte Bo­gen­lam­p­en her und war Erfin­d­er des so ge­nan­n­ten „Bre­mer-Licht­s“. 1878 grün­de­ten Hül­ten­sch­midt & Co­sack eine Fab­rik, in der haupt­säch­lich Wa­gen­later­nen hergestellt wur­den. 1881 be­gann Egon Hille­brand die hand­w­erks­mäßige Her­stel­lung von Petroleum-Straßen­later­nen und Lam­p­en­teilen. Ne­heim-Hüsten stand lange in der vorder­sten Rei­he der Lam­p­en erzeu­gen­den Orte, war die be­deu­tend­ste Pro­duk­tionsstätte im Bun­des­ge­bi­et und be­saß die größte Lam­p­en­fab­rik Eu­ro­pas. Das ist schon wied­er Geschichte, auch wenn auch heute noch viele Un­terneh­men der Lam­p­en-Branche zu­ge­ord­net wer­den. Sch­ließlich set­zte sich mit der Elek­tri­fizierung die Glüh­lampe durch. Höhere Licht­stärken als mit den zu­vor ver­wen­de­ten Kerzen und Petroleum­lam­p­en waren nun möglich. Wil­helm Lenze grün­dete das heutige Un­terneh­men „Trilux“ 1912 in Men­den. Ein­fache Rohr­pen­del- und Wan­dleucht­en waren der An­fang, heute ste­ht Trilux für tech­nische Lichtlö­sun­gen und beschäftigt weltweit mehr als 5.000 Mi­tar­beit­er.
Die Ex­porte der deutschen Elek­troin­dus­trie haben im ver­gan­ge­nen Jahr ei­nen neuen Reko­rd­w­ert er­reicht. Die Branche­naus­fuhren stie­gen um 4,9 Prozent auf 165,5 Mil­liar­den Eu­ro. „Er­st­mals über­haupt wurde die Marke von 160 Mil­liar­den Eu­ro über­schrit­ten“, sagt ZVEI-Che­fvolk­swirt Dr. An­dreas Gon­ter­mann. Das bish­erige Al­lzei­thoch aus dem Jahr 2012 hatte bei 159,9 Mil­liar­den Eu­ro gele­gen. Allein im Dezem­ber 2014 wuch­sen die Ex­porte um kräftige 15,4 Prozent ge­genüber Vor­jahr auf 13,7 Mil­liar­den Eu­ro. Es war der höch­ste je­mals erzielte Dezem­ber­w­ert.
Die Aus­fuhren nach Chi­na stie­gen im ver­gan­ge­nen Jahr um 16,1 Prozent auf 14,9 Mil­liar­den Eu­ro. „Damit war die Volk­s­re­pub­lik er­st­mals der größte Ab­neh­mer deutsch­er Elek­tro­ex­porte“, so Gon­ter­mann. Die Aus­fuhren in die zweit­platzierten USA und nach Frankreich auf Rang drei legten um 4,5 Prozent auf 13,6 Mil­liar­den Eu­ro bzw. um 2,0 Prozent auf 11,8 Mil­liar­den Eu­ro zu. Für die im ZVEI or­gan­isiert mit­tel­ständisch geprägte Lichtin­dus­trie lie­gen noch keine Vor­jahreszahlen vor. 2013 wurde ein Um­satz von 3,5 Mil­liar­den Eu­ro – rund 5,8 Prozent weniger als im Jahr zu­vor er­mit­telt. Das Geschäft zog je­doch im zweit­en Hal­b­jahr merk­lich an und er­reichte im In­land zum Jahre­sende ein Plus von 2,8 Prozent. Die Her­steller pro­fes­sioneller Beleuch­tungs-Sys­tem­lö­sun­gen erziel­ten ins­ge­samt ein Um­satz­plus von 6,3 Prozent, im In­land so­gar von gut zehn Prozent. Kennzeich­nend für die Branche ist eine zuneh­mend in­ter­na­tio­n­al ver­net­zte Wertschöp­fung. Dabei blieben die Pro­duk­tion im In­land mit 4,3 Mil­liar­den Eu­ro und die Zahl der Mi­tar­beit­er von rund 32.700 in et­wa kon­s­tant.
Nor­drhein-West­falen ist das Kern­land für Licht- und In­s­tal­la­tion­stech­nik und zählt bun­desweit zu den wichtig­sten Stan­dorten der Elek­troin­dus­trie“, sagte Oliv­er Hoffmeis­ter, Vor­sitzen­der der ZVEI-Lan­desstelle NRW und Geschäfts­führ­er von Hoffmeis­ter Leucht­en. Der An­teil der LED-Tech­nolo­gie am Um­satz in Deutsch­land von heute einem Vier­tel wird weit­er­hin stark wach­sen. Bei Außen­leucht­en be­trägt der LED-An­teil bere­its jet­zt fast 50 Prozent. Weltweit strebt LED-Tech­nolo­gie zum Jahre­sende ei­nen An­teil an der Beleuch­tung von 45 Prozent an. Für 2020 so­gar schon von 70 Prozent, prog­nos­tiziert McKinsey.
Diese Ein­schätzung teilt auch Di­et­mar Zem­brot, er ver­weist aber auch auf die „neue Gesch­windigkeit“: „Wir ge­hen bei der LED von En­twick­lungszyklen von sechs bis acht Mo­nat­en aus und müssen jedes Pro­dukt min­destens ein­mal im Jahr aufw­erten, um es in den oberen Leis­tungsk­lassen zu hal­ten“. Dabei werde die Be­deu­tung der Leuchte zuneh­men: „Die Leuchte wird so­gar wichtiger, denn künftiges Licht wird viel in­tel­li­gen­ter wer­den. Es kann nicht nur die In­ten­sität, son­dern auch die Licht­farbe verän­dern. Damit ist es möglich, nicht nur en­ergie­ef­fizien­ter zu sein, son­dern szenische Licht­s­teuerung im All­t­ag umzusetzen. An­ders for­muliert: Die Leuchte als De­signele­ment tritt in den Hin­ter­grund, er­hält aber viel mehr Funk­tion als je­mals zu­vor“.

Tape­ten und Tex­tilen strahlen bei Be­darf in sanftem Licht


Auch weitere Plus­punkte sprechen für LED: En­ergie­ef­fizient und lan­gle­big sind die Leucht­dio­den, zu­dem hoch­gradig kom­pat­i­bel mit mod­er­nen Licht­s­teuerungssys­te­men. Und so­gar hin­sichtlich Lichtqual­ität und -farbe ist die LED mit dem Licht der „Glüh­birne“ in­zwischen ab­so­lut ver­gleich­bar. De­sign­er se­hen sich bei der Ges­tal­tung neuer Leucht­e­nen­twür­fen mit LED unge­woh­n­ten Her­aus­forderun­gen ge­genüber: Die Licht­punkte der LED eröff­nen völ­lig neue Frei­heit­en in der Ges­tal­tung: ihre geringe Bauhöhe und Wärmeen­twick­lung machen die alt herge­brachte Bau­form von Ko­r­pus, Gewinde und Leucht­enkopf über­flüs­sig. LED er­möglicht neue Varian­ten der Steuerung und auf­grund ihr­er Lan­gle­bigkeit von durchaus mehr­eren Jahrzeh­n­ten kann sie in ein­er Leuchte fest ver­baut wer­den – ein Aus­tausch des Leucht­mit­tels ist in der Regel nicht mehr nötig.
Und während sich die LED zuse­hends in der Welt des Lichts etabliert, ar­beit­en viele Her­steller bere­its an der näch­sten Her­aus­forderung: Der Weit­er­en­twick­lung von or­ganischen Leucht­dio­den, kurz OLED. Denn im Ge­gen­satz zum Licht­punkt der LED bildet die OLED eine Licht­fläche. Denk­bar sind leuch­t­ende Tex­tilien, Ob­jekte oder ganze Raum­flächen. Die Tape­ten und Tex­tilen strahlen bei Be­darf in sanftem Licht und wenn es draußen dunkel wird, sorgt die OLED-Folie am Fen­ster für si­muliertes Tages­licht. Das neue Licht bi­etet schon heute aufre­gende und in­no­va­tive Möglichkeit­en der Beleuch­tung und ste­ht mit­ten in einem En­twick­lungsprozess, dessen Ende nicht ab­se­h­bar ist. Es bleibt al­so span­nend zu beobacht­en, welche in­no­va­tiv­en „Er­leuch­tun­gen“ LED und OLED heute und in Zukunft brin­gen wer­den. Rein­hold Häken | re­dak­tion@­sued­west­falen-ma­n­ag­er. de

Ausgabe 02/2015



WEITERE INHALTE

Montage einer LED-Leuchte
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Dietmar Zumbrot
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Produktion bei Trilux
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Die moderne Leuchten-Welt ist voller Überraschungen (Foto: Light&Building)
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Vorher-Nachher: Arbeitsplatzbeleuchtung mit moderner LED-Technik, und es ward Licht
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