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Kombination aus Funktion und Gestaltung

Ofen- und Luftheizungsbauer erleben einen Boom: Auch in den Zeiten von Erdwärme und Solarenergie haben Kamine und Kachelöfen ihre Berechtigung.

Bild oben: Gemütliche Stunden am Kamin
Als der Men­sch das Feuer zum Wär­men und Kochen in seine Woh­nung trug, er­richtete er be­festigte Feuer­stellen. Im Laufe der Jahr­tausende ver­fein­erte die Men­sch­heit die Kunst, Flam­men zu bändi­gen: Öfen wur­den ge­mauert, Rauch­gase durch Schorn­steine abgeleit­et, statt Holz auch Koh­le als Bren­n­ma­te­rial ver­wen­det. Der Ofen- und Kam­in­bau zählt somit zu den äl­testen und wichtig­sten Kul­turtech­niken. Ar­beitsweise und Ges­tal­tungs­form haben sich im Laufe der Zeit geän­dert; doch der alte Hand­w­erks­geist, der hand­w­erk­liche Ar­beit zu Qual­ität­sar­beit wer­den ließ, ist ge­blieben. Die geübte Hand ist al­len­thal­ben nötig und wird es auch in Zukunft bleiben, wenn es heißt, en­ergies­parend und umwelts­cho­nend Wärme zu erzeu­gen. Of­fiziell heißt die Berufs­bezeich­nung heute „Ofen- und Luftheizungs­bauer“. Die bish­erige Aus­bil­dungsverord­nung wurde an Weit­er­en­twick­lun­gen wie neue En­ergi­eträger, die elek­tronische Schad­stoffmin­imierung und die kom­plexere Lüf­tung­stech­nik ange­passt. Der Beruf ist sehr jung und ex­istiert in dies­er Form erst seit 2006. Er ist her­vorge­gan­gen aus den Vorgänger­berufen Back­ofen­bauer/-in und Kach­elofen- und Luftheizungs­bauer. Mit dem Beruf des Zen­tral­heizungs- und Lüf­tungs-bauers, der et­wa eine Zen­tral­heizung in ein Haus ein­baut, hat der Job des Ofen­bauers nichts zu tun. Der Ofen- und Luftheizungs­bauer baut Einzel­raum­feuer­stät­ten, die sich auf ei­nen Raum konzen­tri­eren und ihn mit Wärme ver­sor­gen. Er baut Öfen, die heizen, aber auch Be­s­tandteil der Woh­nung­sein­rich­tung und damit quasi ein Mö­bel­stück sind. Ak­teure des Hand­w­erks wer­den auch „Ofensetz­er“ ge­nan­nt, nen­nen sich sel­ber auch „Kam­in­bauer“, ob­wohl sie mit der „Es­se“ oder dem „Schorn­stein“ nicht viel zu tun haben. Für die­s­es Gew­erk ist der Mau­r­er zuständig oder der Feuerungs- und Schorn­stein­bauer, der für In­dus­triean­la­gen Kamine, Es­sen und Rauch­gasan­la­gen er­richtet und mit dem Schorn­ste­in­feger für das ord­nungs­gemäße Funk­tionieren des Rauch­abzugs Sorge trägt. In Süd­deutsch­land, Öster­reich und der Sch­weiz bi­etet der „Hafn­er“ seine Di­en­ste an: Kein Wun­der, dass sich der größte Ver­bund deutsch­er Kach­elofen- und Luftheizungs­bauer­be­triebe mit über 1.100 Mit­glieds­be­trieben „Ha­gos“ („Hafn­er“ und „Genossen­schaft“) nen­nt. Der Zen­tralver­band Sanitär Heizung Kli­ma (ZVSHK) küm­mert sich als Stan­de­s­or­gan­i­sa­tion, Wirtschaftsver­band und In­teressen­vertre­tung um die An­lie­gen der Hand­w­erks­be­triebe aus dem Bereich der Ofen- und Luftheizungs­bauer. Wie die Statis­tik zu den Ar­beits­marktzahlen deut­lich aufzeigt, hat sich in die­sem Beruf die An­zahl der Beschäf­ti­gungsver­hält­nisse deut­lich re­duziert. Aktuell ge­ht das Statis­tische Bun­de­samt von 2.500 Fachun­terneh­men und Hand­w­erks­be­trieben mit gut 8.000 Beschäftigten aus, die ei­nen Um­satz von 838 Mil­lio­nen Eu­ro generi­eren.

Jed­er Vierte will ei­nen Kamin

Gemütliche Stunden am Kamin
Gemütliche Stun­den am Kamin

Den­noch: Die Branche boomt. „Die Kom­bi­na­tion aus Funk­tion und Ges­tal­tung ist die Kunst im Ofen­bauer­hand­w­erk“, er­läutert Michael Hieck­mann. Für den Vor­sitzen­den der Ar­beits­ge­mein­schaft der deutschen Kach­elofen­wirtschaft ste­ht fest, dass es die natür­liche Wärme ist, die vielen Men­schen den Wun­sch nach einem Ofen im­pl­iziert: „Wer diese Wärme ein­mal ge­spürt hat, wird auf sie nicht mehr verzicht­en wollen.“ Auch das Bild des Feuers ge­höre für viele Men­schen zur richti­gen Be­haglichkeit dazu, erk­lärt Hieck­mann den Trend zum Ofen. „Der Branche ge­ht es gut, tat­säch­lich hat jed­er vierte Deutsche den Wun­sch nach einem Ofen“, bi­lanziert Hieck­mann, der sich für Holz als „natür­lich­es Heiz­ma­te­rial“ stark­macht. „In Deutsch­land wächst mehr Holz nach, als wir ver­brauchen. Mod­erne Tech­nik er­möglicht na­hezu schad­stoff­freie Nutzung. Klar ist aber, dass die al­ten Öfen nach und nach aus dem Verkehr ge­zo­gen wer­den sollen. Wir ge­hen davon aus, dass nur zwei Mil­lio­nen Öfen und Kamine dem heuti­gen Stan­dard ent­sprechen. Die übri­gen pro­duzieren zu viel Fein­s­taub.“ Michael Hiek­mann erin­n­ert auch an die Viel­falt der Branche: Kamine aus Stahl, aus Guss, mit Speck­stein oder Kacheln, dre­h­bar, in der Wand ein­ge­lassen und frei ste­hend. Beispiele dafür lie­ferte in die­sem Jahr der er­ste eu­ropäische Wett­be­werb, bei dem „hand­w­erk­lich er­stellte Feuer­stät­ten mit dem gewis­sen Et­was“ ge­sucht wur­den. „Ofen­flamme 2015“ hieß die­s­es Branchen­tr­ef­fen, bei dem Trends, aber auch die Krea­tiv­ität des Hand­w­erks deut­lich wur­den. Ofen- und Luftheizungs­bauer haben heute längst nicht mehr nur mit Kacheln und Mauer­stei­nen zu tun. Sie sind ge­fordert, wenn es darum ge­ht, kom­plexe und kom­plett elek­tronisch ges­teuerte Heizungssys­teme und Raum­luf­tan­la­gen zu in­s­tal­lieren. „Die Zukunft wird zwei­gleisig sein“, sagt Man­fred Vohs, stel­lvertre­ten­der Geschäfts­führ­er des Zen­tralver­ban­des Sanitär Heizung Kli­ma (ZVSHK) in Sankt Au­gustin. „Es wird den klas­sischen Kam­in­bauer geben und den Sys­te­man­bi­eter, der ei­nen Kach­elofen als Heizkes­sel und Warmwasser­lie­fer­ant gleich noch in Verbin­dung mit ein­er So­laran­lage ein­baut“, ist er überzeugt.

Tra­di­tionelle Werte

Vierseitiger Kamin von David Muhl
Vier­seitiger Kamin von David Muhl


Dabei set­zt die Branche durchaus auf tra­di­tionelle Werte und kann auf His­to­rie ver­weisen: Ofenkacheln aus dem 8./9. Jahrhun­dert sind im El­sass, in Ba­den-Würt­tem­berg und in der Nord­westsch­weiz ge­fun­den wor­den. Ver­mut­lich stam­men sie von Öfen, die als so­ge­nan­nte Vorder­lad­er in ein­er Zim­merecke stan­den. Erst im 11. Jahrhun­dert en­twick­elte sich da­raus der Hin­ter­lad­er-Kach­elofen, der von der Rück­seite, meist von der Küche aus, be­feuert wurde. Durch das Hin­ter­lad­er-Prinzip blieb der Raum, in dem der Kach­elofen stand, rauch­frei. Die Stube, der zen­trale Lebens- und Ar­beit­s­raum des Hoch­mit­te­lal­ters, war ent­s­tan­den. Nun trat der Kach­elofen in ganz Mit­teleu­ro­pa ei­nen unaufhalt­sa­men Siegeszug an. Neben of­fe­nen Feuer­stellen sorgten vor allem in Klöstern, Sch­lössern und Bürg­er­häusern Kachelöfen für Wärme und Be­haglichkeit. Im 16. Jahrhun­dert er­oberten die gewärmten Kacheln, deren Wortbe­deu­tung auf „ir­d­en­er Topf“ zurück­ge­ht, auch viele Bauern­s­tuben und hiel­ten sich bis Mitte des vori­gen Jahrhun­derts als wichtig­ste Wärme­quelle. „Auch in den Zeit­en von Erd­wärme und So­laren­ergie haben Kamine und Kachelöfen ihre Berech­ti­gung“, ist Ha­gos überzeugt. Dafür sor­gen nicht zulet­zt Neuen­twick­lun­gen: Die Tech­nik ent­spricht dem neuesten Stand, so­wohl was Ef­fizienz als auch was CO2 -Auss­toß be­t­rifft. Kamine und Kachelöfen – so der Trend – wer­den z.B. mit der Warmwasserver­sor­gung gekop­pelt und mit So­lar- oder Er­den­ergie ergänzt. Da­durch ent­ste­ht ein per­fektes Heizsys­tem, mit dem man ohne Weit­eres ein ganzes Haus be­heizen kann. Dabei bi­etet sich der Vorteil, im Kamin das of­fene Feuer zu se­hen oder sich am Kach­elofen wär­men zu kön­nen. Neben dem Bau von Grundöfen und Warm­luftkachelöfen für feste Brenn­stoffe, Heizöl oder Gas oder von Elek­tro-Speicheröfen pla­nen und bauen Ofen- und Luftheizungs­bauer auch of­fene Kamine als Heizkamine oder in tra­di­tioneller Bauweise: Warm­luftheizun­gen, Be- und Entlüf­tungsan­la­gen, orts­fest ge­set­zte Kachel­herde, Flächen­heizun­gen wie Wand- und Fuß­bo­den­heizun­gen für die Heizme­di­en Wass­er, Strom, Heißluft. Sie be­fassen sich mit der In­s­tal­la­tion von kach­elofen­spez­i­fischen Kami­nen und Kachelöfen mit zen­tralen Heizölver­sor­gungsan­la­gen und für Erd- oder Flüs­sig­gas. Einige Be­triebe kon­struieren auch Back­öfen, zusät­zliche So­larsys­teme oder Wärmepum­pen. Dabei fordern Markt­trends. „Im Mo­ment lie­gen vor allem im nord­deutschen Raum die klas­sischen of­fe­nen Kamine wied­er im Trend“, erk­lärt Man­fred Vohs. Im Sü­den wer­den dage­gen eher Speich­er-Kachelöfen ge­baut. Unge­brochen sei auch das In­teresse an Kam­inöfen mit gus­seis­er­nen Ein­sätzen und ein­er Scheibe vorm Bren­n­raum.
Rein­hold Häken | re­dak­tion@­sued­west­falen-ma­n­ag­er.de

Ausgabe 09/2015



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