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Titelstory

Im Dienste der Industrie

Der Markt der Industrieservice-Unternehmen konsolidiert sich. Die Branche sieht guten Wachstumschancen entgegen, wenngleich auch kritische Punkte gemeistert werden müssen.

Bild oben: Industrieservices übernehmen die Wartung und Instandsetzung technischer Anlagen
War­tung, In­s­tand­set­zung, Ent­sor­gung, Überwachung, En­gi­neer­ing – die Liste der Auf­gaben der in­dus­triellen Di­en­stleis­tung­sun­terneh­men ist um­fan­greich. Sie un­ter­stützen die In­dus­trie darin, ef­fizient pro­duzieren, die Flex­i­bil­ität er­höhen und die Qual­ität verbessern zu kön­nen. „Die In­dus­trie­ser­vices sind ein wichtiger Fak­tor in der Wertschöp­fungs­ket­te“, sagt Dr. Rein­hard Maaß, Geschäfts­führ­er des WVIS, dem Wirtschaftsver­band für In­dus­trie­ser­vice e. V. Zu den In­dus­trie­ser­vice-An­bi­etern zählen so­wohl reine Ser­vi­ce­provider als auch Un­terneh­men, die den Ser­vice für die ei­ge­nen Maschi­nen und An­la­gen im Port­fo­lio haben. Schätzungsweise 1.000 Di­en­stleis­ter gibt es in Deutsch­land, un­ter ih­nen sind einige wenige große, die meis­ten sind kleine und mit­tel­ständische Un­terneh­men. Das Um­satzvol­u­men der Branche liegt bei 20 Mil­liar­den Eu­ro; rech­net man die in­terne In­s­tand­hal­tung mit ein, beläuft es sich auf 115 Mil­liar­den Eu­ro. In Deutsch­land hat die Branche 2014 ein deut­lich­es Wach­s­tum er­fahren, von dem vor allem kleine und mit­tel­ständische Un­terneh­men pro­f­i­tieren kon­n­ten. Dage­gen haben die großen Un­terneh­men ihr Um­satzniveau ge­hal­ten. Im Durch­sch­nitt kon­n­ten 2014 die In­dus­trie­di­en­stleis­ter in Deutsch­land ihre Um­sätze im Ver­gleich zum Vor­jahr um knapp zehn Prozent verbessern. Weltweit ist der Um­satz um 7,5 Prozent gestie­gen. Seit 2010 führt der Ver­band jähr­lich den Branchen­mon­i­tor durch. Dabei wer­den Un­terneh­men aus der Branche zu Wach­s­tum­sprog­nosen, ihren Di­en­stleis­tungs­port­fo­lios sowie den Ar­beits­mark­ten­twick­lun­gen be­fragt. Die Ausw­er­tung dies­er repräsen­ta­tiv­en Dat­en wird in dem Branchen­mon­i­tor vorgestellt. Die aktuelle Aus­gabe bestätigt, dass der In­dus­trie­ser­vice nach wie vor zum großen Teil in der Prozessin­dus­trie nachge­fragt ist. Wichtig­ster Kunde: die chemische In­dus­trie. Fast 40 Prozent ihres Ge­sam­tum­satzes er­wirtschaften hi­er die in­dus­triellen Di­en­stleis­ter. 34 Prozent fall­en auf die Bereiche Kraftw­erke, En­ergie- und Umwelt­tech­nik, 30 Prozent auf den Au­to­mo­bil- und Fahrzeug­bau. War­tung, In­s­tand­set­zung und In­spek­tion rangieren un­ter den er­bracht­en Di­en­stleis­tun­gen auf Platz eins. Die zwei weit­eren großen Tätigkeits­felder sind Mon­tage/In­s­tal­la­tion und die tech­nische Reini­gung samt Isolierung und Gerüst­bau. Ge­fragt nach den Wach­s­tum­streibern in ihrem Port­fo­lio, geben die be­fragten Un­terneh­men an, dass neben In­s­tand­hal­tung und Mon­tage/In­s­tal­la­tion auch En­gi­neer­ing im­mer wichtiger wird.

Out­sourc­ing

Industrieservices übernehmen die Wartung und Instandsetzung technischer Anlagen
In­dus­trie­ser­vices überneh­men die War­tung und In­s­tand­set­zung tech­nisch­er An­la­gen

Der Blick der Branche in die Zukunft ist zu­ver­sichtlich. Als Wach­s­tums­märkte wer­den vor allem Nor­dameri­ka und Chi­na ange­se­hen. Deutsch­land ste­ht an drit­ter Stelle, erst da­nach kommt In­di­en. Hi­er ist die Er­war­tung­shal­tung im Ver­gleich zum Vor­jahr ge­sunken. Die Chan­cen, auf dem rus­sischen Markt eine stärkere Präsenz zu gewin­nen, wer­den auf­grund der poli­tischen En­twick­lun­gen in­zwischen eben­falls geringer eingeschätzt. Aus­baufähig se­hen die Di­en­stleis­tung­sun­terneh­men ihre Leis­tun­gen vor allem in der Au­to­mo­bilin­dus­trie und im Maschi­nen­bau. Rel­e­vant sind weit­er­hin die The­men Ar­beits- und An­la­gen­sicher­heit. Auch in punc­to Fachkräfte­man­gel rech­net der WVIS damit, dass hi­er eine in­ten­si­vere Ko­op­er­a­tion mit den In­dus­trie­ser­vices zu­s­tande kommt, beispiel­sweise bei Tur­narounds und Re­vi­sio­nen.„Be­son­ders kleine und mittlere Un­terneh­men sind op­ti­mis­tisch, mit ihren Di­en­stleis­tun­gen zusät­zlich in Branchen vorzu­drin­gen, die heute noch ei­nen gerin­gen Ser­vice­grad aufweisen“, sagt Dr. Maaß. Der Trend zum Out­sourc­ing von In­s­tand­hal­tungsauf­gaben hält an. Das gilt vor allem für die Auf­gaben, die nicht zum Kerngeschäft des Kun­den ge­hören. Darüber hi­naus fra­gen die Kun­den der in­dus­triellen Di­en­stleis­ter im­mer öfter auch Ma­n­age­men­tauf­gaben oder ein ganzheitlich­es Ma­n­age­ment an. „Neben hoch qual­i­fizierten und mo­tivierten Mi­tar­beit­ern setzen In­dus­trie­ser­vice-Un­terneh­men trotz oder ger­ade we­gen ihr­er Spezial­isierung auf den Trend, auch fachüber­greifende Di­en­stleis­tun­gen anzu­bi­eten“, berichtet Dr. Maaß. 200.000 Mi­tar­beit­er sind in Deutsch­land im In­dus­trie­ser­vice beschäftigt. Die Branche bi­etet Auf­stiegschan­cen und ho­he Qual­i­fika­tio­nen, lei­det aber an einem sch­lecht­en Im­age. Das zu än­dern ist vorder­stes An­lie­gen des Ver­ban­des. Ein weit­eres Mit­tel, die Branche nach außen zu präsen­tieren – mit­tels Best-Prac­tices-Beispielen von Mit­glied­ern, die ihre er­fol­greich abgeschlosse­nen Pro­jekte und aktuellen in­no­va­tiv­en Pro­jek­ten­twick­lun­gen auf der In­ter­net­seite des Ver­bands vorstellen kön­nen.

Rel­e­vanz der In­dus­tri­ereini­gung

Industrieservice – eine starke Branche mit 20 Milliarden Euro Umsatz
In­dus­trie­ser­vice – eine starke Branche mit 20 Mil­liar­den Eu­ro Um­satz


Als Teil­bereich des In­dus­trie­ser­vice ist die pro­fes­sionelle tech­nische Reini­gung eine Di­en­stleis­tung, die wie auch die In­dus­trie­mon­tage mit am häu­fig­sten an ex­terne Di­en­stleis­ter über­tra­gen wird. Gleichzeitig er­fordert ger­ade die Reini­gung von In­dus­triean­la­gen und tech­nischen Ein­rich­tun­gen eine ho­he Pro­fes­sio­n­al­ität bei den Ser­vice­di­en­stleis­tern. Diese müssen über ein viel­seitiges und aktuelles Fach­wis­sen ver­fü­gen, um op­ti­mal auf die speziellen An­forderun­gen der un­ter­schiedlichen Branchen vor­bereit­et zu sein, was die häu­fig sehr kom­plex­en und großflächi­gen An­la­gen und Pro­duk­tion­shallen ange­ht. Zur pro­fes­sionellen Reini­gung ge­hört eben­falls die fachgerechte Ent­sor­gung von Son­der­müll, die sich auf­grund der starken Re­gle­men­tierun­gen sehr aufwendig ges­tal­ten kann. Bei der In­dus­tri­ereini­gung han­delt es sich let­ztlich um eine Son­der­reini­gung, bei der es nicht nur darum ge­ht, In­dus­triean­la­gen von Pro­duk­tion­s­rück­stän­den zu be­freien, son­dern auch die An­la­gen­sicher­heit zu gewähr­leis­ten. In­sofern ist die Rel­e­vanz der In­dus­tri­ereini­gung für eine sichere, ef­fiziente Pro­duk­tion nicht zu un­ter­schätzen. Dabei liegt, ähn­lich wie bei der War­tung und In­s­tand­set­zung, eine zusät­zliche Her­aus­forderung in der zeitlichen Ab­s­tim­mung der Ser­vi­ce­prozesse und der Pro­duk­tion­sphasen der Un­terneh­men.

Prog­nosen und Re­al­ität


Als Ries­enchance bezeich­net Dr. Maaß die In­dus­trie 4.0 und das In­ter­net der Dinge für die In­dus­trie­ser­vices. „Hi­er ergeben sich neue Di­en­stleis­tun­gen und Geschäfts­mod­elle für die in­dus­triellen Di­en­stleis­ter“, sagt er. Mit flex­i­blen und in­di­vi­du­ellen Di­en­stleis­tun­gen kön­nen die An­bi­eter eine Ef­fizien­zsteigerung sowie Prozes­sop­ti­mierung bei ihren Kun­den her­beiführen. Beispiel­sweise durch vor­beu­gende In­s­tand­hal­tung, der Pre­dic­tive Main­te­nance. Mit­tels Soft­warelö­sun­gen kön­nen z.B. in­n­er­halb von Fab­rikan­la­gen Störun­gen in Echtzeit er­mit­telt und de­ment­sprechend auch umge­hend be­seitigt wer­den. Statt möglicher­weise lange mit der Er­mittlung des De­fekts beschäftigt zu sein, weiß der Ser­vice-Mi­tar­beit­er so­fort, wo er ansetzen muss. Das steigert nicht nur die Ef­fizienz, son­dern spart auch Kosten ein.
Karin Bün­nagel | re­dak­tion@­sued­west­falen-ma­n­ag­er.de

Ausgabe 04/2016



WEITERE INHALTE

Dr. Reinhard Maaß, Geschäftsführer des WVIS
Dr. Reinhard Maaß, Geschäftsführer des WVIS