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Holz: Der natürliche Baustoff

Bundesweit werden hierzulande 200 Mio. Kubikmeter Holz verbraucht. Der nachwachsende Rohstoff ist vielseitig einsetzbar.

Bild oben: Seit Jahrhunderten bewährt: Der Rohstoff Holz
Seit Men­schenge­denken be­gleit­et der Werk­stoff Holz den Men­schen. Sch­nell erkan­n­ten unsere Vor­fahren, wie viel­seitig und halt­bar das nachwach­sende Na­tur­pro­dukt ist. Über Hun­derte von Jahren trägt es als Un­terkon­struk­tion Wände und Däch­er, ver­schönt in Form von Vertäfelun­gen In­nen­räume oder di­ent als Mö­bel­stück. Und natür­lich wird Holz bis heute zum Heizen und Kochen ver­wen­det. Doch die nachwach­sende Res­source ist in eini­gen Teilen der Welt ge­fährdet. Mit dem steti­gen Bevölkerungswach­s­tum vor allem im ver­gan­ge­nen Jahrhun­dert be­gin­nt eine noch bis heute beste­hende Feh­len­twick­lung: Die Men­schen benöti­gen mehr Holz zum Bauen und Heizen. Zu­gleich fehlt es den wach­sen­den Ge­sellschaften an Ack­er­land. Die Folge ist un­kon­trol­lierte und oft­mals il­le­gale Ab­holzung. „Das heute ge­forderte Prinzip der Nach­haltigkeit wen­det die deutsche Holzwirtschaft seit über drei­hun­dert Jahren an“, sagt Tho­mas Goe­bel, Geschäfts­führ­er des Ge­samtver­ban­des Deutsch­er Holzhan­del (GD Holz). Sein­erzeit führte der un­kon­trol­lierte Holzein­sch­lag zum Ver­lust von na­hezu 75 Prozent der deutschen Wald­fläche.

Großer Holzvor­rat in Deutsch­land

Seit Jahrhunderten bewährt: Der Rohstoff Holz
Seit Jahrhun­derten be­währt: Der Roh­stoff Holz

„Es war der Ober­berghaupt­mann Hans Carl von Car­lowitz, der 1713 den Be­griff ein­er ‚nach­halti­gen Nutzung‘ in die Holzwirtschaft ein­führte“, erk­lärt Goe­bel. Dahin­ter ver­s­tand von Car­lowitz, dass nicht mehr Holz geern­tet wer­den dürfe, als nachwachse. Seine Idee set­zte sich durch: „Heute ist rund ein Drit­tel der Deutsch­lands wied­er be­waldet. Das sind rund 11,4 Mil­lio­nen Hek­tar.“ Ten­denz: leicht stei­gend. Allein von 2002 bis 2012 sei der Holzvor­rat um sieben Prozent gewach­sen. Nach Öster­reich und der Sch­weiz ste­he Deutsch­land mit einem Holzvor­rat von 336 Ku­bik­me­ter Holz an der Spitze Wes­teu­ro­pas. „Das mag ver­wun­dern, wenn man den Blick auf die wal­dreichen Staat­en in Skan­di­navien richtet. Aber im Ge­gen­satz zu den nordeu­ropäischen Län­dern wach­sen Bäume in Mit­teleu­ro­pa sch­neller und die An­zahl pro Hek­tar ist höher.“ Seit der EU-Holzhan­delsverord­nung dürfe nur noch nach­haltig gesch­la­genes Holz in die EU einge­führt wer­den. Deutsch­land, die Nied­er­lande und Großbri­tan­nien set­zten die Verord­nung vor drei Jahren als er­ste in na­tio­nales Recht um. An­dere Län­der fol­gten „aber eben nicht alle EU-Staaten“, bek­lagt Goe­bel. Die EU-Kom­mis­sion reagiere in­zwischen mit Sank­tio­nen auf die vi­er Staat­en, die die Verod­nung noch nicht umge­set­zt haben. Sich­er gebe es noch De­fizite bei der Kon­trolle und beim il­le­galen Holzein­sch­lag. Insbe­son­dere Holz aus tropischen Län­dern ger­ate im­mer wied­er in die Sch­lagzeilen. „Wir als Ver­band leh­nen die Ver­wen­dung il­le­gal gesch­la­ge­nen Holzes kat­e­gorisch ab. Aber das be­deutet nicht, dass der Im­port von tropischen Hölz­ern im­mer aus zweifel­haften, wenn nicht il­le­galen Quellen stammt. Die deutschen Im­por­teure kon­trol­lieren mit großem Aufwand die Herkunft und Qual­ität vor Or­t“, be­tont Goe­bel. Wer in Deutsch­land Tropen­hölz­er kaufe, könne sehr sich­er sein, das es sich nur um le­gal gesch­la­genes Holz han­dele. „Die Kri­tik an der in an­deren Staat­en un­zureichen­den Um­set­zung der Holzhan­delverord­nung ist teil­weise richtig. Das darf aber nicht dazu führen, dass die deutschen Im­por­teure in die Nähe von Kriminellen gerückt wer­den. Wer bei uns mit Tropen­hölz­ern han­delt, un­ter­liegt ein­er sehr in­ten­siv­en staatlichen Kon­trolle.“ Und eines sei sich­er vielen nicht bekan­nt: „Der Han­del mit Tropen­hölz­ern, rund 70.000 Ku­bik­me­ter pro Jahr, ist im Ver­gleich zum Ge­samthan­del sehr ger­ing. Allein in Deutsch­land wur­den 2015 zir­ka 56 Mil­lio­nen Ku­bik­me­ter Holz aus nach­haltiger Pro­duk­tion gesch­la­gen.“

Ho­he Holz-Nach­frage in 2015


Die wirtschaftliche Si­t­u­a­tion des Holzhan­dels sie­ht der Geschäfts­führ­er pos­i­tiv. „Der Holzhan­del hat nach dem guten Jahr 2014 auch 2015 gut abgeschlossen.“ Der Um­satz sei im Durch­sch­nitt aller Sor­ti­mente um zwei Prozent gestie­gen. Die Ur­sache liege vor allem in der guten Baukon­junk­tur und der damit ver­bun­de­nen Nach­frage nach den Sor­ti­men­ten des Holzhan­dels. „Insbe­son­dere im 2. Hal­b­jahr 2015 hat das Geschäft merk­lich ange­zo­gen und sorgte damit für den pos­i­tiv­en Jahres­ab­sch­luss“, so Goe­bel. Über­durch­sch­nittlich zule­gen kon­n­ten nach dem GD Holz-Be­triebsver­gleich Fußbö­den mit einem Wach­s­tum von gut sechs Prozent. Die Bereiche Bauele­mente (In­nen­türen) sowie Plat­ten­w­erk­stoffe wuch­sen um drei Prozent. Demge­genüber sanken die Um­sätze in den Seg­men­ten Garten (mi­nus drei Prozent) und Sch­nit­tholz (mi­nus vi­er Prozent). Die Er­war­tun­gen für die En­twick­lung der er­sten drei Mo­nate des Jahres 2016 waren bei den be­fragten Händlern eher ver­hal­ten. „So er­warten knapp 70 Prozent ei­nen Um­satz auf Vor­jahres­niveau. Im­mer­hin 20 Prozent rech­nen in die­sem Zei­traum mit stei­gen­den Um­sätzen. Die Prog­nosen für die Bauwirtschaft 2016 wer­den all­ge­mein sehr pos­i­tiv dargestellt, so­dass sich für die bau­na­hen Sor­ti­mente des Holzhan­dels auch 2016 gute Ab­satzchan­cen ergeben dürften“, sagt Goe­bel. Der Baustoff Holz werde aber auch künftig eine rel­e­vante Rolle spielen.

Holzwirtschaft denkt langfristig


Wie sich der Kli­mawan­del auf den Han­del auswirken wird, könne derzeit noch nicht vorherge­sagt wer­den. „Der Sturm Ela hatte sich­er Ein­fluss auf die lokalen Märkte in NRW. Aber bun­desweit spielte er kaum eine Rolle. Wir stellen fest, dass der Trend zur Anpflanzung von Misch­wäldern an­hält, weil sie sturm­re­sis­ten­ter sind. In­zwischen pflanzen Waldbe­sitz­er auch vermehrt Dou­glasien an, die mit trock­enerem Kli­ma bess­er zurechtkom­men als Ficht­en. Eines darf aber man nicht vergessen: Wer heute ei­nen Baum pflanzt, kann ihn je nach Bau­mart früh­estens nach 15, 30 oder gar erst 50 Jahren nutzen. „Die Holzwirtschaft denkt in sehr viel langfristigeren Di­men­sio­nen als die ‚nor­male‘ Wirtschaft“, be­tont Goe­bel. Deswe­gen wür­den Nadel­hölz­er wie Fichte, Lärche, Tanne, Kie­fer und Dou­glasie auch weit­er ei­nen Großteil im Han­del aus­machen. Dreivier­tel des deutschen Ein­sch­lages ent­falle heute auf diese Gruppe. Ob die Pläne der Bun­des­regierung, langfristig rund fünf Prozent des deutschen Waldes un­be­wirtschaftet zu lassen, di­rekte Auswirkun­gen auf den Han­del haben wer­den, sei sch­w­er einzuschätzen. „Die Stil­l­le­gung von Wald­flächen ist vor dem Hin­ter­grund der stei­gen­den Holznutzung sorgfältig da­rauf hin zu prüfen, ob die Nutzung durch na­turgemäße Wald­be­wirtschaf­tung nicht eher dem Konsens in der Bevölkerung ent­spricht – und den An­sprüchen des Na­turschutzes gleicher­maßen gerecht wird“, sagt Goe­bel.

Baustoff mit Zukunft


Die Forderun­gen der Char­ta Holz der Bun­des­regierung von 2004 seien in­zwischen er­füllt. Sein­erzeit hatte die Bun­des­regierung eine Steigerung des Pro-Kopf-Ver­brauchs von Holz und Holzpro­duk­ten aus nach­haltiger Erzeu­gung in Deutsch­land ge­fordert. Dem­nach sollte der Ver­brauch bin­nen zehn Jahren um 20 Prozent von 1,1 auf 1,3 Ku­bik­me­ter pro Jahr gesteigert wer­den. Bere­its seit 2010 werde diese Forderung er­füllt oder so­gar über­schrit­ten. Un­ter umwelt­poli­tischen As­pek­ten sei die Ver­wen­dung von Holz mehr als sin­n­voll. „Holz speichert wie kein an­der­er Baustoff CO2. Ein weit­er­er wichtiger As­pekt ist der geringe En­ergie­ver­brauch bei der Her­stel­lung. Bei Alu­mini­um liegt dies­er zum Beispiel bei 72,5 Kilo­watt­s­tun­den pro Kilo­gramm, bei Be­ton im­mer noch bei drei Kilo­watt­s­tun­den und bei Bauholz hinge­gen nur bei 0,7 Kilo­watt­s­tun­den. Dazu kom­men in der Regel kurze Tran­s­portwege des gesch­la­ge­nen Holzes und auch bei sein­er Weit­er­verar­bei­tung wird wenig En­ergie ver­braucht, es ent­ste­ht kaum Ab­fall und ein späteres Re­cy­cling ist kein Problem. Die Wälder selbst sind es al­so, die ei­nen natür­lich nachwach­sen­den Roh­stoff mit Zukunftspotenzial pro­duzieren. Das macht Holz und Holzpro­dukte, die es in großer An­zahl und Sor­ti­ment­stiefe im deutschen Holz­fach­han­del gibt, so einzi­gartig“, be­tont Goe­bel. „Holz hat Zukunft“, ist sich Goe­bel sich­er. Dirk-R. Heuer | re­dak­tion@­sued­west­falen-ma­n­ag­er.de

Ausgabe 04/2016