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Hoch, höher, sicherer

Die bundesdeutschen Gerüstbauer sehen positiv in die Zukunft. Sie sind gut gerüstet, die künftigen Anforderungen zu meistern.

Bild oben: (Foto: © laguna35 – stock.adobe.com)
Sie sind Teil na­hezu jed­er Baustelle: Gerüste. Seit Jahr­tausen­den er­möglichen sie außergewöhn­liche Bauw­erke – von der Pyra­mide über römische Via­dukte bis hin zu heuti­gen Wolkenkratz­ern. Ohne Gerüste ist ein sch­nelles, kostengün­stiges und sicheres Bauen nicht möglich. Mod­erne Gerüste mit Ein­hau­sun­gen sor­gen heute für ein wet­terun­ab­hängiges Ar­beit­en: Sie schützen vor ex­tre­men Tem­per­a­turen, Re­gen, Eis oder Sch­nee. Dank aus­ge­feil­ter Tech­nik stellen Gerüste zu­dem im­mer häu­figer eine Al­ter­na­tive zu teuren Zwischen­lö­sun­gen dar: Sie ste­hen für höch­st­mögliche Flex­i­bil­ität – ob als Ab­stützung, als Trep­pen­turm, der während der Bauphase den Fluchtweg sich­er­stellt, oder als Fußgänger­brücke. Die ho­hen Stan­dards hi­erzu­lande er­möglichen ein sicheres Ar­beit­en für die ent­sprechen­den Gew­erke: in­nen wie außen, in denk­malgeschützten Ge­bäu­den wie Um­baut­en bei laufen­d­er Pro­duk­tion. Für na­hezu je­den Bereich ste­ht den Gerüst­bauern ent­sprechen­des Ma­te­rial zur Um­set­zung zur Ver­fü­gung. Die Kom­plex­ität der Gerüste fol­gt den im­mer weit­er­stei­gen­den An­forderun­gen an die Gerüst­bauer, die in den ver­gan­ge­nen Jahrzeh­n­ten stetig gewach­sen sind. Stahl- und Alu­mini­um­sys­teme sor­gen heute für die nötige Festigkeit im jew­eili­gen Ar­beits­bereich. Die Hol­zleit­erg­erüste von einst kön­nen mit den Stahl­gerüsten längst nicht mehr mithal­ten. Und Bam­bus­gerüste, seit Jahr­tausen­den in Afri­ka und Asien ver­wen­det, er­füllen in Eu­ro­pa nicht die tech­nischen An­forderun­gen an die Las­te­nauf­nahme. Nicht der Werk­stoff als solch­es, son­dern das Verbin­den der Stan­gen durch ein­fache Plas­tik­bän­der er­weist sich sch­nell als Problem: Die ein­fache Be­fes­ti­gung hält den Hor­i­zontalkräften nicht aus­reichend stand und ge­fährdet somit die Sicher­heit. Der Bam­bus selbst ist als Baustoff nicht sch­lechter als Stahl.

Ein­satz in vielen Bereichen

(Foto: © laguna35  – stock.adobe.com)
(Fo­to: © la­gu­na35 – stock.adobe.com)

Den klas­sischen Bau­bereich haben „Gerüste“ in­zwischen längst ver­lassen: Wer Konz­erte be­sucht, weiß, dass ohne aufwendige Büh­nen nichts mehr ge­ht. Dank tragfähiger Gerüstkon­struk­tio­nen er­füllen sie die An­forderun­gen, die ton­nen­sch­were Tech­nik sich­er auf der Bühne und un­ter dem Büh­nen­dach zu in­s­tal­lieren. Neben der Sicher­heit ste­ht vor allem der sch­nelle Auf- und Ab­bau und ein kostengün­stiger Tran­s­port im Fokus der Ve­r­an­s­tal­ter. Höch­ste Sicher­heit er­fordern auch tem­poräre Zuschauer­tribü­nen, die den Kräften von Ju­bel­bekun­dun­gen der Be­such­er stand­hal­ten müssen. Ei­nen weit­eren Gerüst­bau­bereich außer­halb des Bausek­tors stellen Wer­betafeln dar, die ge­naue Ken­nt­nisse von Statik und Wind­las­ten er­fordern.
Das bun­des­deutsche Gerüst­bauhand­w­erk schaut an­gesichts der zuneh­men­den Ein­satzmöglichkeit­en pos­i­tiv ins laufende Jahr. „Wir er­warten 2017 ein Um­satz­plus von rund einem Prozen­t“, prog­nos­tiziert Di­plom-Be­trieb­swirt Gui­do Uer­schels vom Bun­desver­band Gerüst­bau die Lage in der Branche. Damit set­zt sich die pos­i­tive En­twick­lung der ver­gan­ge­nen Jahre fort. Das sch­lägt sich auch im Um­satz nied­er: Von 2012 bis 2014 stieg dies­er von 1,945 Mil­liar­den Eu­ro auf 2,165 Mil­liar­den Eu­ro an. „Die Beschäf­ti­gungs­lage im Gerüst­bau en­twick­elte sich de­ment­sprechend eben­falls gut.“ 2015 beschäftigte die Branche rund 31.000 gewer­bliche Mi­tar­beit­er und 5.300 Angestellte und damit zuneh­mend mehr als in den Vor­jahren. Demge­genüber liege die An­zahl der Gerüst­bau­be­triebe bun­desweit sta­bil bei rund 3.000 Un­terneh­men. Während sich der in­dus­trielle Gerüst­bau in den ver­gan­ge­nen Jahren leicht rück­läu­fig en­twick­elte, kom­pen­siert die Branche dies durch den Auf­tragsan­stieg im Fas­sa­dengerüst­bau. Dazu beige­tra­gen hat die gute Auf­trags­lage im Neubau­bereich sowie im Ge­bäudebe­s­tand. Die Prog­nosen über den zusät­zlichen Be­darf an Woh­nun­gen in den kom­men­den Jahren wer­den ihren pos­i­tiv­en Nied­er­sch­lag auch im Gerüst­bau fin­d­en. Allein in Es­sen prog­nos­tiziert die Stadt ei­nen zusät­zlichen Woh­nungsbe­darf von 16.000 bis 20.000 Woh­nun­gen in den kom­men­den fünf Jahren. Große Zuwächse er­warten auch Köln, Düs­sel­dorf und Aachen. Der Trend zurück in die Großstädte füllt auch die Auf­trags­büch­er der Gerüst­bauer.
Die Ak­tiv­itäten viel­er Woh­nungs­bauge­sellschaften in der Ge­bäude­sanierung sowie die beste­hende gute Kon­junk­tur­lage stützen die pos­i­tive Wach­s­tum­sprog­nose. Der Bun­desver­band ge­ht deswe­gen davon aus, dass ger­ade im Seg­ment Fas­sa­dengerüst­bau der Trend für ein solides Um­satzwach­s­tum über das laufende Jahr an­hält.

Pro­fis für sicheres Ar­beit­en

Die Anforderungen an die Branche wachsen weiter – es geht immer höher hinaus (Foto: © johnmerlin – stock.adobe.com)
Die An­forderun­gen an die Branche wach­sen weit­er – es ge­ht im­mer höher hi­naus (Fo­to: © joh­n­mer­lin – stock.adobe.com)

Der Trend des zuneh­men­den Preis­drucks set­zt sich allerd­ings eben­falls fort. „Es herrscht ein schar­fer Wett­be­werb in­n­er­halb der Branche“, stellt Uer­schels fest. Trotz des Wett­be­werbs sei die An­zahl der In­sol­venzen im Ge­gen­satz zu an­deren Branchen rel­a­tiv ger­ing. Das zeugt von der Qual­ität der Un­terneh­men. „Die er­fol­greiche Über­nahme des Gerüst­baus in den Kreis der Voll­hand­w­erke 1998 hat sich be­währt“, be­tont Uer­schels. Gut aus­ge­bildete Gerüst­bauer sor­gen dafür, dass qual­i­ta­tiv hoch­w­ertige und den Nor­men ent­sprechende Gerüste aufge­baut wer­den. Seit 1991 gibt es den Aus­bil­dungs­beruf Gerüst­bauer. Der Aus­bil­dungs­beruf eröffnet seit­dem zusät­zliche Chan­cen für junge Men­schen. „Allerd­ings müssen sie nach wie vor kör­per­lich sowie geistig fit und vor allem sch­win­del­frei sein“, so Uer­schels. Denn die eingerüsteten Ob­jekte wür­den im­mer höher und die An­forderun­gen durch die Auf­tragge­ber im­mer spezieller. Trotz der guten Aus­bil­dungsvergü­tung bereit­et der Nach­wuchs­man­gel den Un­terneh­men zuneh­mend Sorge, ob­wohl die Zukunft­saus­sicht­en in der Branche gut seien. Be­dauer­licher­weise sei die An­zahl der Azu­bis von rund 1.000 (2011) auf 718 im Jahr 2015 ge­sunken. Bun­desweit bi­eten rund 400 Un­terneh­men eine Aus­bil­dung zum Gerüst­bauer an. Nach er­fol­greichem Ab­sch­luss der Aus­bil­dung ste­hen den jun­gen Ge­sellen mehrere Auf­stiegs­möglichkeit­en zur Ver­fü­gung: geprüfte Gerüst­bau-Kolon­nen­führ­er, geprüfte Gerüst­bau-Ober­mon­teure und/oder die Meis­ter­aus­bil­dung. Ein er­fol­greich abgeschlossen­er Meis­ter­ti­tel ent­spricht dabei dem Bach­e­lor-Ab­sch­luss und er­möglicht es, damit auch ohne Abi­tur studieren zu kön­nen. „Ei­nen weit­eren Schritt, den Man­gel an Fachkräften auszu­gleichen, haben wir als Ver­band in­zwischen zusät­zlich auf den Weg ge­bracht und in die­sem Jahr qual­i­fizierte Weiter­bil­dun­gen für Querein­steiger einge­führt.“ Hin­ter­grund sei die Tat­sache, dass viele Ar­beit­neh­mer gern in die Gerüst­baubranche wech­sel­ten. Dies­er Trend sei seit Jahren unge­brochen. Allerd­ings fehl­ten bis­lang die Auf­stiegs­möglichkeit­en für die Querein­steiger. „Diese Lücke be­gin­nen wir jet­zt zu sch­ließen.“ Damit eröffnet sich Querein­steigern der Weg bis hin zum Meis­ter. Wie in an­deren Branchen auch böten zusät­zliche Fort­bil­dun­gen die Möglichkeit, gutes Per­so­n­al durch fach­liche und per­sön­liche Weit­er­en­twick­lung an das Un­terneh­men zu bin­den, wenn an­dere An­reize aus­geschöpft sind. In den ver­gan­ge­nen Jahren reagierte die Branche rasch auf die Verän­derun­gen am Markt. Insbe­son­dere die An­forderun­gen der en­er­getischen Sanierung im Be­s­tand wie im Neubau meis­terten die Gerüst­bauer er­fol­greich eben­so wie die Nutzung neuer Tech­nolo­gien. Trotz allem Höch­st­maß an Flex­i­bil­ität und großem Spezial­wis­sen bleibt das Ge­spür für das Mach­bare weit­er ein gewichtiger Er­fol­gs­fak­tor.

Hängegerüste ermöglichen Arbeiten an schwer zugänglichen Bauteilen wie hier am Kölner Dom (Foto: © hydebrink – stock.adobe.com)
Hängegerüste er­möglichen Ar­beit­en an sch­w­er zugänglichen Bauteilen wie hi­er am Köl­n­er Dom (Fo­to: © hy­de­brink – stock.adobe.com)

Dirk-R. Heuer | re­dak­tion@­sued­west­falen-ma­n­ag­er.de

Ausgabe 04/2017