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Titelstory

Heißkalte Vielfalt

Für die richtige Temperatur sorgen in Deutschland rund 2.800 Betriebe der Klima- und Kältetechnik. Natürliche Kältemittel und fehlende Nachwuchskräfte sind die großen Herausforderungen der Branche.

Bild oben: Einen Großteil der rund 2.800 deutschen Unternehmen stellen Handwerksbetriebe
Zwischen heiß und kalt lie­gen nicht nur ge­fühlt ganze Wel­ten: Auch das Ein­satzge­bi­et für die Kli­ma- und Käl­tetech­nik zeigt sich viel­seitig. Von An­bi­etern von Kli­maan­la­gen oder Wärmepum­pen über Fach­be­triebe, die Su­per­märkte und weitere Un­terneh­men der Lebens­mit­telin­dus­trie mit Kühl­sys­te­men ver­sor­gen, bis hin zum Spezialun­terneh­men für Ge­fri­ertrock­nung zur Ret­tung wertvoller Kun­st­güter – die Band­breite ist rie­sig. Ei­nen Großteil der rund 2.800 deutschen Un­terneh­men stellen Hand­w­erks­be­triebe, erk­lärt Herib­ert Baumeis­ter, Bun­desin­nungs­meis­ter beim Bun­desin­nungsver­band des Deutschen Käl­tean­la­gen­bauer­hand­w­erks (BIV). Dazu zählen die Her­steller ge­nau­so wie die aus­führen­den Be­triebe, die die Be­r­a­tung und die fachgerechte Mon­tage beim Kun­den überneh­men. Aber auch große Konz­erne, die beispiel­sweise Wärme­tausch­er oder an­deres Zube­hör pro­duzieren, prä­gen die Branche. Ins­ge­samt 19.000 Beschäftigte er­wirtschafteten 2015 ei­nen Um­satz von rund fünf Mil­lio­nen Eu­ro.

Wichtige Kun­den

Einen Großteil der rund 2.800 deutschen Unternehmen stellen Handwerksbetriebe
Ei­nen Großteil der rund 2.800 deutschen Un­terneh­men stellen Hand­w­erks­be­triebe

Viele denken vor allem beim Stich­wort „Käl­tetech­nik“ so­fort an Su­per­märkte und Dis­coun­ter, an me­ter­lange Kühl­truhen und Kühl­re­gale voller Tie­fküh­lkost. „Aus der Lebens­mit­telin­dus­trie kommt aber tat­säch­lich nur ein klein­er Teil unser­er Kun­den – auch, wenn das in der Öf­fentlichkeit natür­lich an­ders wahrgenom­men wird“, so der Bun­desin­nungs­meis­ter. Wichtige Auf­tragge­ber seien beispiel­sweise Kranken­häus­er und Ver­wal­tun­gen: Die richtige Tem­per­a­tur und vor allem hy­gienisch ein­wand­freie Zustände sind beispiel­sweise für Blut­banken oder Vol­lk­li­maan­la­gen auf In­ten­sivs­ta­tio­nen oder in Op­er­a­tionssälen entschei­dend. Aber auch in vielen In­dus­trie­be­trieben komme Kli­ma- und Käl­tetech­nik zum Ein­satz, sagt Herib­ert Baumeis­ter. Vor allem in der Pro­duk­tion. Von der Gal­van­otech­nik über die Ober­flächen­tech­nik bis hin zur Kun­st­stofftech­nik – ein funk­tionieren­des Kühl­wasser­sys­tem sei dort Vo­raus­set­zung. So komme et­wa eine Spritz­gus­san­lage ohne ent­sprechende Küh­lung gar nicht aus. Spezielle Kli­maan­la­gen ver­hin­dern außer­dem das Über­hitzen von Server­räu­men.

Natür­liche Käl­temit­tel

Bundesinnungsmeister Heribert Baumeister
Bun­desin­nungs­meis­ter Herib­ert Baumeis­ter


Die Diskus­sion über al­ter­na­tive natür­liche Käl­temit­tel wie CO2, Am­mo­ni­ak, Pro­pan und Bu­tan beschäftigt die Branche auch weit­er­hin. Natür­liche Käl­temit­tel tra­gen nicht zum Ab­bau der Ozon­schicht bei und haben en­twed­er kei­nen oder nur ei­nen sehr gerin­gen di­rek­ten Ein­fluss auf den Treib­haus­ef­fekt. In den 80er-Jahren geri­eten viele der bis da­to ver­wen­de­ten Käl­temit­tel in die Kri­tik: Es zeigte sich, dass chlo­ri­erte Koh­len­wasser­stoffe (FCKW) wesentlich für den Ozon­ab­bau ve­r­ant­wortlich sind und den Treib­haus­ef­fekt ver­stärken. Ihr Ein­satz in Neugeräten wurde de­shalb ver­boten. Im Laufe der 90er-Jahre erset­zte man die chlo­ri­eren Koh­len­wasser­stoffe wie FCKW und HFCKW durch flu­o­ri­erte Koh­len­wasser­stoffe (FKW, HFKW). Diese so­ge­nan­n­ten F-Gase be­sitzen zwar kein Ozon­ab­baupotenzial, dafür aber ein so­ge­nan­ntes Treib­haus­potenzial. Seit dem 1. Jan­uar 2015 gilt nun eine neue F-Gas-Verord­nung: Sie soll dazu bei­tra­gen, die Emis­sio­nen des In­dus­trie­sek­tors bis zum Jahr 2030 um 70 Prozent ge­genüber 1990 zu ver­ringern. Diese Verord­nung um­fasst viele gängige Käl­temit­tel für die Kälte- und Kli­mat­ech­nik – einige von ih­nen wer­den ab einem bes­timmten Zeit­punkt di­rekt ver­boten, an­dere wer­den durch ein so­ge­nan­ntes Phase-Down ver­teuert (die am Markt ver­füg­baren F-Gase wer­den schrit­tweise re­duziert). Um für Käl­tean­la­gen langfristig In­vesti­tions­sicher­heit zu gewähr­leis­ten, muss sich die ge­samte Branche al­so auf die Ver­wen­dung al­ter­na­tiv­er natür­lich­er Kühlmit­tel ein­stellen, deren Zu­las­sung zur Ver­wen­dung zu­min­d­est aus heutiger Sicht un­ab­hängig von der umwelt­poli­tischen Ge­set­zge­bung auf Dauer gesichert scheint. „Das be­deutet allerd­ings auch, dass wir uns mit neuen Ma­te­rialien beschäfti­gen müssen, um diese natür­lichen Kühlmit­tel nutzen zu kön­nen“, so Herib­ert Baumeis­ter.

Der cool­ste Job der Welt

Die Ausbildungszahlen steigen – auch dank gezielter Kampagnen
Die Aus­bil­dungszahlen stei­gen – auch dank geziel­ter Kam­pag­nen

Auch wenn wohl kaum ein­er mehr das Wort „Fachkräfte­man­gel“ hören mag – die Sorge um qual­i­fizierten Nach­wuchs ist vor allem im Hand­w­erk all­ge­gen­wärtig. „Hinzu kommt, dass der Beruf des Käl­tean­la­gen­bauers noch rel­a­tiv un­bekan­nt ist“, erk­lärt der Bun­desin­nungs­meis­ter. Vor drei Jahren habe man de­shalb die Kam­pagne „Der cool­ste Job der Welt“ ges­tartet: Im Netz kön­nen sich in­teressierte Ju­gendliche über die Aus­bil­dung zum Mecha­tronik­er für Käl­tetech­nik in­for­mieren. Die Lehre ist äußerst ab­wech­s­lungs­reich, weil das Berufs­bild di­verse Tätigkeit­en aus un­ter­schiedlich­sten Gew­erken vereint – vom Elek­tro­hand­w­erk über Me­t­all­berufe bis hin zur En­ergie- oder Umwelt­tech­nik. Gleichzeitig kön­nen Aus­bil­dungs­be­triebe über die Home­page In­fo- und Werbe­ma­te­rial beim BIV an­fordern, um auf ihre Branche aufmerk­sam zu machen. Ge­gen den Trend seien in den ver­gan­ge­nen Jahren die Aus­bil­dungszahlen wied­er gestie­gen, erzählt Herib­ert Baumeis­ter. „Das schreibe ich un­ter an­derem der Haben-Seite unser­er Kam­pagne zu.“ Für die Branche in Zukunft rel­e­vant wer­den kön­nte un­ter an­derem der Ein­satz von Wärmepum­pen im pri­vat­en Bereich, glaubt der Bun­desin­nungs­meis­ter – sie stellen eine gute, weil erneuer­bare En­ergie-Al­ter­na­tive zu Öl, Gas oder Pel­lets dar. „Viele in der Branche sind der An­sicht, dass wir die Wärmepum­pen nicht außer Acht lassen dür­fen, wenn wir die En­ergiewende wirk­lich wollen.“ Vor allem in unseren Breit­en­gra­den, in de­nen die Tem­per­a­turen sel­ten un­ter mi­nus zehn Grad fall­en, könne man auch für Ein­fam­i­lien­häus­er sehr gut auf eine mono­va­lente En­ergiev­er­sor­gung durch eine Wärmepumpe zurück­greifen, al­so auf eine An­lage, die den ge­samten Be­darf an Heiz-, gegebe­nen­falls auch an Wasser­wärme ab­deck­en kann.
Christi­na Spill | re­dak­tion@­sued­west­falen-ma­n­ag­er.de

Ausgabe 03/2016



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Ein Thema für die Zukunft: der Einsatz von Wärmepumpen im privaten Bereich
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Aus der Lebensmittelindustrie kommt nur ein kleiner Teil der Kunden (Foto: Tim Ohnsorge)
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