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Management

GmbH oder AG?

Die Gründung einer Aktiengesellschaft ist aufwendig und kostenintensiv. Die sogenannte kleine AG bietet vor allem mittelständischen Unternehmen eine vereinfachte Gründung.

Bild oben: Die kleine AG ist für mittelständische Unternehmen oft vorteilhaft (Foto: © Gina Sanders - stock.adobe.com)
Mehr als 3.250.000 Un­terneh­men (Stand 2015) gibt es laut Statis­tischem Bun­de­samt in Deutsch­land. Zwei Drit­tel von ih­nen sind Einzelun­terneh­men, ein Sech­s­tel Kap­i­talge­sellschaften. Auf das ver­bleibende Sech­s­tel kom­men Per­so­n­enge­sellschaften, Genossen­schaften und weitere Rechts­for­men. „Die klas­sischen Kap­i­talge­sellschaften in Deutsch­land sind die Ak­tienge­sellschaft, AG, und die Ge­sellschaft mit beschränk­ter Haf­tung, Gmb­H“, sagt Pro­fes­sor Dr. Tho­mas Siegel. Pro­fes­sor Siegel ist Steuer­ber­ater und Fach­ber­ater für In­ter­na­tio­nales Steuer­recht sowie stel­lvertre­ten­der Vor­sitzen­der des Ver­wal­tungs­rats des Deutschen Grün­derver­bands. „Eine Ak­tienge­sellschaft ist eine hoch­pro­fes­sionelle Rechts­form. Der Grün­der und Fir­men­in­hab­er sig­nal­isiert damit, wie ernst er es meint.“ Aber auch eine GmbH agiert auf einem mit­tel­pro­fes­sionellen Niveau. Während eine Ge­sellschaft bürg­er­lichen Rechts, kurz: GbR, ohne Min­dest­s­tartkap­i­tal und mit weni­gen for­malen An­forderun­gen sch­nell ge­grün­det wer­den kann, sie­ht es bei Kap­i­talge­sellschaften an­ders aus. Im Ge­gen­satz zu Per­so­n­enge­sellschaften, bei de­nen die Per­sön­lichkeit der Ge­sellschafter im Vorder­grund ste­ht, ist es bei Kap­i­talge­sellschaften ihr Ver­mö­gen.

Grundle­gende Un­ter­schiede

Die kleine AG ist für mittelständische Unternehmen oft vorteilhaft (Foto: © Gina Sanders - stock.adobe.com)
Die kleine AG ist für mit­tel­ständische Un­terneh­men oft vorteil­haft (Fo­to: © Gi­na San­ders - stock.adobe.com)

Die Höhe des Stammkap­i­tals, das zur Grün­dung ein­er GmbH oder AG in die Hand genom­men wer­den muss, ist un­ter­schiedlich. Die Ein­la­gen für eine GmbH be­tra­gen 25.000 Eu­ro, für eine AG 50.000 Eu­ro. „Generell ist Un­terneh­mens­grün­dern eher von ein­er AG abzu­raten“, ergänzt Siegel. Das liegt weniger an den höheren Ein­la­gen, son­dern vielmehr an dem aufwendi­gen und kom­pl­izierten Grün­dungsver­fahren. Im Ak­tienge­setz sind die Vorschriften ge­nau fest­gelegt, des Weit­eren müssen auch viele Schrift­stücke und Vorgänge no­tariell beurkun­det sein. „Wer als Grün­der eine AG als Rechts­form wählt, muss auch von An­fang an sei­nen Auf­sicht­s­rat bericht­en“, fügt Pro­fes­sor Siegel hinzu. Zwar un­ter­liegt der Vor­s­tand ein­er AG nicht den Wei­sun­gen des Auf­sicht­s­rats – im Ge­gen­satz zu den Geschäfts­führ­ern ein­er GmbH ge­genüber den Ge­sellschaftern. Die Vorstände sind aber dazu verpflichtet, die Geschäfte der AG or­dentlich und gewis­sen­haft zu leit­en. Der Geschäfts­führ­er oder der Ge­sellschafter ein­er GmbH ist außer­dem nicht kom­plett da­vor geschützt, ge­genüber Gläu­bigern im Falle ein­er In­sol­venz mit seinem Pri­vatver­mö­gen zu haften. Ein Vorteil der AG ge­genüber ein­er GmbH liegt darin, dass die AG sch­neller Kap­i­tal beschaf­fen kann, beispiel­sweise durch ei­nen Börsen­gang oder eine kurzfristige Kap­i­taler­höhung. Auch sind die Ak­tien ein­fach­er an an­dere zu über­tra­gen als in ein­er GmbH, bei der die über­tra­ge­nen An­teile beurkun­det wer­den müssen. Und: Egal, wie sich das Per­so­n­enkarus­sell dre­ht, die AG ist un­ab­hängig von den Ei­gen­tümern. Geschäfts­führung, al­so der Vor­s­tand, und die Geschäft­skon­trolle, der Auf­sicht­s­rat, sind vonei­nan­der ge­tren­nt und un­ab­hängig. „Vor allem für Un­terneh­men beispiel­sweise aus dem High­tech-Bereich, die viel Kap­i­tal benöti­gen, ist eine AG über­aus in­teres­san­t“, sagt Pro­fes­sor Siegel. „Un­terneh­men, die auf­grund ihr­er Tätigkeit wie Ver­leih von Baukrä­nen oder Gast­stät­ten den Ret­tungsschirm ein­er beschränk­ten Haf­tung benöti­gen, ist die Rechts­form ein­er GmbH zu empfehlen.“

„Kleine“ AG


Neben der Ak­tienge­sellschaft gibt es auch die so­ge­nan­nte kleine Ak­tienge­sellschaft, die eben­falls über die Or­gane des Vor­s­tan­des und des Auf­sicht­s­rats ver­fügt. Allerd­ings ist diese kleine Sch­west­er der AG nicht börsen­notiert und auch vom Grün­dungsaufwand nicht so um­fan­greich. Auch die Ein­beru­fung zur Hauptver­samm­lung ist hi­er ein­fach­er, außer­dem müssen nicht alle Besch­lüsse der Hauptver­samm­lung no­tariell beurkun­det wer­den, son­dern nur solche, die beispiel­sweise eine Dreiviertelmehrheit ver­lan­gen oder eine Auf­s­tock­ung bzw. Min­derung des Grund­kap­i­tals be­tr­ef­fen. Da­her ist diese AG als Rechts­form auch für mit­tel­ständische Un­terneh­men in­teres­sant: Sie pro­f­i­tieren von dem pos­i­tiv­en Im­age ein­er Ak­tienge­sellschaft, den ver­schie­de­nen Kap­i­tal­maß­nah­men, den Möglichkeit­en, Kap­i­tal zu beschaf­fen, sowie der Mi­tar­beiterbin­dung durch Beteili­gung. Um im Wett­be­werb mithal­ten und mi­tun­ter ex­pandieren zu kön­nen, benöti­gen Un­terneh­men im­mer wied­er Kap­i­tal. Der Vorteil auch von klei­nen AGs ist, dass sie von Banken un­ab­hängiger sind. Die AG kann jed­erzeit Ak­tien beispiel­sweise an Kap­i­ta­lan­leger oder Mi­tar­beit­er verkaufen, ohne dass sich das Un­terneh­men von ein­er Bank prüfen und be­w­erten lassen muss. Wer Mi­tar­beit­er mit­tels Ak­tie­nan­teilen an dem Un­terneh­men beteiligt, muss weniger Angst haben, dass der qual­i­fizierte Mi­tar­beit­er bei einem höheren Ge­halt­sange­bot den Ar­beit­ge­ber wech­selt – vo­raus­ge­set­zt, der Mi­tar­beit­er glaubt an die Zukunft des Un­terneh­mens. In der klei­nen AG kön­nen darüber hi­naus auch stimm­lose Vorzugsak­tien an Mi­tar­beit­er her­aus­gegeben wer­den. Das ist vor allem für fam­i­lienge­führte Un­terneh­men in­teres­sant, die ihren Ein­fluss auf Geschicke des Un­terneh­mens nicht aus der Hand geben wollen. Zwar hat der Mi­tar­beit­er dann kein Stimm­recht, doch pro­f­i­tiert er von ein­er bevorzugten, sprich höheren Divi­dende. Bei Ak­tienge­sellschaften, die weniger als 500 Mi­tar­beit­er haben, sind keine Ar­beit­neh­mervertreter im Auf­sicht­s­rat laut Ge­setz notwendig.

Formwech­sel zur AG


Mit­tel­ständische GmbHs kön­nen sich durch ei­nen Formwech­sel in eine AG ver­wan­deln. Vol­l­zo­gen ist der Wech­sel mit einem Ein­trag ins Han­del­s­reg­is­ter. Trotz Wech­sel bleibt der Recht­sträger iden­tisch, es fin­d­et keine Ver­mö­gen­süber­tra­gung von dem ei­nen Recht­sträger auf den an­deren statt. Da die AG als Recht­s­nach­fol­gerin der GmbH auftritt, bleiben die bere­its beste­hen­den Verträge gültig und wer­den über­nom­men. Zunächst müssen die Ge­sellschafter der GmbH mehrheitlich die Umwand­lung besch­ließen; dies­er Besch­luss muss eben­so wie die Satzung von einem No­tar beurkun­det sein. Im zweit­en Schritt müssen die – möglicher­weise – ausste­hen­den Ein­la­gen für das Stammkap­i­tal eingezahlt wer­den. Darüber hi­naus wer­den nun auch der Vor­s­tand und der Auf­sicht­s­rat be­nan­nt. Des Weit­eren ist ein Wirtschaft­sprüfer für den Grün­dungsprü­fungs­bericht notwendig. Im let­zten Schritt wer­den die Un­ter­la­gen beim Han­del­s­reg­is­ter ein­gereicht, das die Akte an das Reg­is­terg­ericht weit­er gibt. Karin Bün­nagel | re­dak­tion@­sued­west­falen-ma­n­ag­er.de

Ausgabe 08/2017