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Business

Geld wächst nicht auf Bäumen …

… und um ihre Liquidität sicherzustellen, müssen Unternehmen ihre Innen- finanzierung langfristig verbessern. Dabei geht es nicht um das bloße Abarbeiten von Rechnungen: Effektives Forderungsmanagement setzt schon viel früher ein.

Unterneh­men gewähren ihren Kun­den kurzfristige Lie­fer­an­tenkredite, in­dem sie Zah­lungsziele ein­räu­men. Wer­den diese Zah­lungsziele nicht einge­hal­ten, ent­ste­hen Mehrkosten. Doch vor allem klei­nen und mit­tel­ständischen Un­terneh­men fehlt oft das Be­wusst­sein dafür, dass sie zu Kred­it­ge­bern wer­den, wenn sie in Vor­leis­tung treten. Die Gewährung und Ver­wal­tung dies­er Kredite durch Un­terneh­men ist Auf­gabe des Forderungs­ma­n­age­ments. Ziel ist es, das Risiko von Forderungsaus­fällen zu min­imieren und die Liquid­ität des Un­terneh­mens zu jed­er Zeit zu gewähr­leis­ten. Ef­fek­tives Forderungs­ma­n­age­ment be­gin­nt aber nicht erst beim Aus­bleiben von Zah­lun­gen. Wie wichtig das für die ei­gene Liquid­ität ist, verdeut­licht der Deb­i­tos-In­dex 2013: Dem­nach lassen sich deutsche Un­terneh­men jähr­lich mehr als 23 Mil­liar­den Eu­ro ent­ge­hen, weil Forderun­gen zwar ti­t­uliert, aber dann nicht weit­er­ver­fol­gt wer­den.

Risiko­min­imieren


Die Bonität­sprü­fung ist die er­ste der vi­er Säulen im Forderungs­ma­n­age­ment. Wichtige In­for­ma­tion­squellen sind hier­bei Wirtschaft­sauskunfteien: Sie lie­fern Dat­en über die fi­nanziellen Ver­hält­nisse natür­lich­er und ju­ris­tisch­er Per­so­n­en; viele An­bi­eter bi­eten zu­dem Risiko­a­nal­y­sen, bei de­nen mögliche Kun­den in Risiko­grup­pen eingestuft wer­den. Auskunfteien greifen u.a. auf öf­fentlich zugängliche Bonitäts­in­for­ma­tio­nen wie das In­sol­ven­zverzeich­nis oder die Schuld­n­er­reg­is­ter der Amts­gerichte zurück. Die Risikok­lasse des Kun­den entschei­det darüber, ob und in welchem Aus­maß Sicherungs­maß­nah­men notwendig sind. Dazu ge­hört et­wa die Ver­gabe von Kred­itlim­its, Lie­fersper­ren sind eine weitere denk­bare Maß­nahme. Zu­dem kann sich der Ab­sch­luss ein­er Warenkred­itver­sicherung (WKV) als sin­n­voll er­weisen.
Eine weitere Ab­sicherung kann schon bei der Ver­trags­ges­tal­tung er­fol­gen, Baustein Num­mer zwei des Forderungs­ma­n­age­ment – z.B. durch die Vere­in­barung ein­er Fäl­ligkeit­sk­lausel. Zah­lungskon­di­tio­nen kön­nen auch die Gewährung von Skon­to ein­sch­ließen – ein An­reiz für Kun­den, ihre Rech­nun­gen möglichst sch­nell zu be­gleichen. Mit der Gerichts­s­tand­k­lausel et­wa kann das zuständige Gericht im Falle eines Rechtsstre­its schon im Vor­feld fest­gelegt wer­den. Auch die Vere­in­barung von Sicher­heit­en ist ein wichtiger Teil der Ver­trags­ges­tal­tung. Dazu ge­hört u.a. der so­ge­nan­nte Ei­gen­tumsvor­be­halt: Dabei ge­ht die Ware bei der Über­gabe zwar in den Be­sitz des Kun­den über, Ei­gen­tümer bleibt aber das beauf­tragte Un­terneh­men bis zur Bezah­lung.
Die Deb­i­toren­buch­hal­tung ist die dritte Säule des Forderungs­ma­n­age­ments. Sie um­fasst die Kon­trolle und Ver­wal­tung der of­fe­nen Forderun­gen, al­so auch die Rech­nungs­bear­bei­tung, und fungiert quasi als Früh­warn­sys­tem. Die Rech­nungs­bear­bei­tung sollte möglichst sch­nell er­fol­gen, um die Kred­it­fi­nanzierungskosten zu senken, denn die Zah­lungs­frist be­gin­nt erst ab dem Zu­gang der Rech­nung.

Der richtige Part­n­er

Dr. Alexander M. Moseschus, Geschäftsführer des Deutschen Factoring-Verbands (DFV)
Dr. Alexan­der M. Mos­eschus, Geschäfts­führ­er des Deutschen Fac­tor­ing-Ver­bands (DFV)


Im Mahn- und Inkas­sowe­sen un­ter­schei­det man zwischen außerg­erichtlichem Mah­nen und gerichtlichem Mah­n­ver­fahren. Außerg­erichtliche Schritte kann ein Un­terneh­men selbst ein­leit­en – oder ei­nen Recht­san­walt oder ein Inkas­so-
büro beauf­tra­gen. „Bei der Suche sollte man da­rauf acht­en, dass das be­tr­ef­fende Un­terneh­men im Rechts­di­en­stleis­tungs­reg­is­ter einge­tra­gen ist“, rät Mar­co We­ber, Sprech­er des Bun­desver­bands Deutsch­er Inkas­so-Un­terneh­men (BDIU). So sch­ließe man die weni­gen sch­warzen Schafe aus, die sich in der Branche tum­meln. Inkas­soun­terneh­men ver­ste­hen sich als Mittler zwischen Gläu­biger und Schuld­n­er. Sie ge­hen dabei auf die in­di­vi­du­elle Si­t­u­a­tion des Schuld­n­ers ein, vere­in­baren et­wa Raten­zah­lun­gen oder fi­nanzielle Aus­gleiche. Ziel soll es sein, dass Gläu­biger und Schuld­n­er auch weit­er­hin zusam­me­nar­beit­en kön­nen. Die Mit­glied­er des BDIU, derzeit 560 Inkas­soun­terneh­men, haben sich zur Ein­hal­tung eines Ehrenkodex­es verpflichtet. Bei Ver­stößen dro­hen Sank­tio­nen, die vom Ver­weis über eine Geld­buße bis hin zum Ver­band­saussch­luss reichen, zu­dem gibt es eine Besch­w­erdestelle. Eine Mit­glied­erliste fin­d­et sich on­line un­ter www.inkas­so.de. Pro Jahr vertreten die Mit­glied­er des BDIU die In­teressen von über 500.000 Auf­tragge­bern aus na­hezu allen denk­baren Branchen – vom Hand­w­erk­er über Ver­sand­di­en­stleis­ter bis hin zu Ver­mi­etern und Ärzten. Viele der bun­desweit et­wa 750 Inkas­so­fir­men überneh­men auch Bonität­sprü­fun­gen.

Vorteile von Inkas­sobüros

Marco Weber, Sprecher des Bundesverbands Deutscher Inkasso-Unternehmen (BDIU)
Mar­co We­ber, Sprech­er des Bun­desver­bands Deutsch­er Inkas­so-Un­terneh­men (BDIU)

„Forderungs­ma­n­age­ment ist in der Regel nicht die Kernkom­pe­tenz eines Un­terneh­mens. Dafür sind aber spezielle kaufmän­nische und ju­ris­tische Ken­nt­nisse von­nöten“, be­tont We­ber. Dabei ist auch das richtige und re­spektvolle Mah­nen entschei­dend. In einem er­sten Schritt richtet sich das Inkas­soun­terneh­men schriftlich an den Schuld­n­er. Zu­vor klärt eine Bonitäts­abfrage, ob sich der ganze Aufwand über­haupt loh­nt – oder ob nicht doch „gutes Geld sch­lechtem hin­ter­herge­wor­fen wird“, wie es Mar­co We­ber aus­drückt. „Manch­mal ist es ein­fach sin­n­voller, gleich ein gerichtlich­es Mah­n­ver­fahren in die Wege zu leit­en, um ei­nen voll­streck­baren Ti­tel zu er­wirken.“ Reagieren Schuld­n­er auf schriftliche Mah­nun­gen nicht, greifen die Mi­tar­beit­er des Inkas­soun­terneh­mens zum Hör­er. Sollte auch das keine Wirkung zei­gen, kann eine per­sön­liche Kon­tak­tauf­nahme via Hausbe­such der näch­ste Schritt sein. „Ser­iöse Un­terneh­men ste­hen aber nicht unangekündigt plöt­zlich vor der Tür. Die Schuld­n­er hat­ten vorab genü­gend Gele­gen­heit, ausste­hende Rech­nun­gen zu be­gleichen.“ Vorg­erichtlich bi­eten Recht­san­wälte wie Inkas­sobüros übri­gens ab­so­lut ver­gleich­bare Di­en­stleis­tun­gen. Allerd­ings kön­nen An­wälte vor Gericht eine höhere Vergü­tungs­ge­bühr ansetzen – das sollte man im Hin­terkopf be­hal­ten, wenn einem an ein­er außerg­erichtlichen Eini­gung
gele­gen ist.

Fac­tor­ing

Seriöse Inkassobüros zeichnen sich durch respektvolles Mahnen aus
Ser­iöse Inkas­sobüros zeich­nen sich durch re­spektvolles Mah­nen aus

Beim Inkas­so bleibt der Gläu­biger Ei­gen­tümer sein­er Forderun­gen – beim so­ge­nan­n­ten Fac­tor­ing wer­den diese Forderun­gen verkauft. Ein Un­terneh­men, auch Kred­i­tor ge­nan­nt, überträgt seine Forderun­gen ge­genüber einem oder auch mehr­eren Schuld­n­ern (Deb­i­tor) an den Fac­tor, beispiel­sweise ein Kreditin­sti­tut oder ein spezielles Fac­tor­ing-Un­terneh­men. Han­delt es sich dabei um „echt­es Fac­tor­ing“, wird zu­gleich auch das so­ge­nan­nte Delkred­ererisiko an den Fac­tor über­tra­gen – er übern­immt damit al­so auch das Risiko des Forderungsaus­falls. Allerd­ings ge­ht diese Über­tra­gung grund­sät­zlich nur vor Fäl­ligkeit von­s­tat­ten. „Sobald da schon eine Zah­lung über­fäl­lig ist, wird das Fac­tor­ing-Un­terneh­men sich hüten, diese Forderun­gen zu kaufen“, erk­lärt Dr. Alexan­der M. Mos­eschus, Geschäfts­führ­er des Deutschen Fac­tor­ing-Ver­bands (DFV). Der Fac­tor zahlt in der Regel 80 bis 90 Prozent des Kauf­preis­es so­fort, den Rest nach ver­traglich­er Vere­in­barung. Fac­tor­ing schafft al­so frische und so­fortige Liquid­ität für Un­terneh­men. Und wenn die Ei­genkap­i­talquote steigt, verbessert sich auch das Rank­ing des Un­terneh­mens. 2013 war ein er­fol­greich­es Jahr für die Fac­tor­ing-Branche: Der Um­satz stieg um 8,81 Prozent auf die Reko­rd­summe von 171,29 Mil­liar­den Eu­ro. Ei­nen Über­blick über die Sch­w­er­punkte der 24 Mit­glied­er des DFV fin­d­en In­teressierte auf der Home­page des Ver­bands in der Broschüre „Wer fac­tort was?“. Sch­w­er­punkt­branchen für das Fac­tor­ing sind Han­del und Han­delsver­mittlung, Di­en­stleis­tun­gen, die Her­stel­lung von Me­t­allerzeug­nis­sen und Maschi­nen­bau sowie der Ernährungssek­tor. „Vor allem im Mit­tel­s­tand er­sch­ließen sich ger­ade viele neue Tätigkeits­felder“, erk­lärt Dr. Mos­eschus.

Christi­na Spill | re­dak­tion@­sued­west­falen-ma­n­ag­er.de

Ausgabe 09/2014