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Freude über Insolvenzantrag

Nachgehakt: Insolvenzanmeldung in Südwestfalen: „Endlich wieder handlungsfähig“: 100 Wohnungen vor Verfall gerettet?

Bild oben: Bleibt Eislaufen in Netphen ein Freizeitvergnügen? (Foto: © Kara – stock.adobe.com)
Eine solche Grundzufrie­den­heit über die Eröff­nung eines In­sol­ven­zver­fahren ist mehr als sel­ten: „Endlich ist ein Weg ge­fun­den, der uns op­ti­mis­tisch stimmt. Das ist ein Licht­blick“, wird Erndte­brücks Bürg­ermeis­ter Hen­n­ing Gro­nau in der Lokal­presse zi­tiert. „Die jahre­lange Odyssee der Kuhl­mann-Häus­er kön­nte noch in die­sem Jahr en­den“, set­zt auch Dr. Chris­toph Nier­ing auf das Prinzip Hoff­nung. Der An­walt, Part­n­er der Köl­n­er Kan­zlei Nier­ing Stock Tömp Recht­san­wälte, wurde im März zum In­sol­ven­zver­wal­ter bestellt und will nun kurzfristig ei­nen In­ves­tor fin­d­en, „der für Grund­stücke und Erb­bau­rechte ei­nen mit den Gläu­biger­banken abges­timmten Kauf­preis zu zahlen bere­it ist“.

Kom­pl­izierte Ei­gen­tumsver­hält­nisse

Bleibt Eislaufen in Netphen ein Freizeitvergnügen? (Foto: © Kara – stock.adobe.com)
Bleibt Eis­laufen in Net­phen ein Freizeitvergnü­gen? (Fo­to: © Kara – stock.adobe.com)
Das Dra­ma zur Sied­lung am Erndte­brück­er „Köpfchen“ ist jahre­alt und ziem­lich ver­fahren. Einst lebten in den 26 Mehr­fam­i­lien­häusern mit gut 100 Woh­nein­heit­en Bun­deswehr­sol­dat­en und ihre Fam­i­lien. Mit deren Auszug be­gann eine na­hezu un­endliche und un­würdige Geschichte, die nun mit der In­sol­venz des Ei­gen­tümer-Un­terneh­mens „Im­momerkur­fi­nanz“ möglicher­weise ein Ende fin­d­et. Längst sind die let­zten Mi­eter aus­ge­zo­gen; sie stan­den im Stre­it zwischen Ge­bäudeei­gen­tümer, dem In­hab­er der Erb­bau­rechte und den Banken auf der Ver­lier­er­seite. Ir­gend­wann wur­den Strom und Wass­er abgestellt. Seit­dem ste­hen die Häus­er leer und ver­fall­en. Die Ei­gen­tümerge­sellschaft geri­et vor gut fünf Jahren in fi­nanzielle Sch­wierigkeit­en, der angestrebte Verkauf der Im­mo­bilien zer­sch­lug sich im­mer wied­er auf­grund der kom­pl­izierten Ei­gen­tumsver­hält­nisse. Der Ei­gen­tümer der Häus­er ist nicht iden­tisch mit dem Ei­gen­tümer der Grund­stücke, die im Erb­bau­recht in­volviert sind. Zwischenzeitlich wurde so­gar ge­gen Beteiligte we­gen Be­trugs er­mit­telt.

Er­st­mals An­sprech­part­n­er


Mit der nun er­fol­gten In­sol­venz­eröff­nung ste­ht mit dem In­sol­ven­zver­wal­ter er­st­mals wied­er ein An­sprech­part­n­er zur Ver­fü­gung, der für die Ei­gen­tümerin der Kuhl­mann-Häus­er hand­lungs­bevollmächtigt ist. Ziel sei es nun, ei­nen In­ves­tor zu fin­d­en, der so­wohl die Grund­stücke aus dem Vi­va­con-Konz­ern als auch die Erb­bau­rechte der Im­momerkur­fi­nanz GmbH (beide Köln) er­wirbt, so­dass die Grund­stücke und Erb­bau­rechte in Hän­den des­sel­ben In­ves­tors lie­gen, er­läutert Dr. Nier­ing. Nach mehr­fach gescheit­erten Ver­suchen, die Erb­bau­rechte im Wege der Zwangsver­steigerung an ei­nen neuen Ei­gen­tümer zu über­tra­gen, bi­ete nun das In­sol­ven­zver­fahren die Möglichkeit, endlich eine Lö­sung für die Kuhl­mann-Häus­er zu fin­d­en.

Sport­park Sieger­land


Eine ge­hörige Por­tion „öf­fentlich­es In­teresse“ spielt auch bei ein­er Ende März von der Be­treiber-Ge­sellschaft bean­tragten In­sol­venz eine beachtliche Rolle. Der Sport­park Sieger­land (SPS) in Net­phen bi­etet vi­er Eis­s­portverei­nen mit rund 300 Mit­glied­ern und etlichen Freizeit­s­portlern eine Bleibe und kom­plet­tiert das sportliche Ange­bot mit Fit­nesss­tu­dio, Soc­cer- und Ten­nishallen. 2004 über­nah­men pri­vate In­ve­s­toren den Be­trieb des ehe­ma­li­gen „Hett­lage Freizeit­cen­ter­s“, Ei­gen­tümer des Sport­parks ist die Stadt, mit der die Be­treiberge­sellschaft seit Langem we­gen der Höhe der Pacht über Kreuz liegt. Da sich gleichzeitig auch tiefe Gräben zwischen Bürg­ermeis­ter und ein­er Rats­mehrheit aus CDU, SPD, Bünd­nis 90/Die Grü­nen und FDP auf­tun, ist die ganze An­gele­gen­heit derzeit ziem­lich ver­fahren. Zulet­zt hatte es die Rats­mehrheit abgeleh­nt, die Klage der Stadt Net­phen ge­gen den SPS zu of­fe­nen Pacht­forderun­gen fall­en zu lassen. Kaufmän­nische Feh­lentschei­dun­gen lä­gen in Ve­r­ant­wor­tung der SPS GmbH, be­tonte die lokale Pol­i­tik. Die Be­treiber kon­tern: Nicht nur diese Klage ste­ht im Raum, die Be­treiberge­sellschaft macht ihr­er­seits Scha­denser­satz­forderun­gen gel­tend und verdeut­licht ve­he­ment, dass „der Be­trieb des Sport­parks ohne öf­fentliche Sub­ven­tion nicht funk­tionieren kan­n“.

Rein­hold Häken | re­dak­tion@­sued­west­falen-ma­n­ag­er.de

Ausgabe 04/2017