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Flexibler Einsatz auf kleinstem Raum

Flurförderzeuge sind längst auf Industrie-4.0-Kurs.

Bild oben: (Foto: © Robert Kneschke – stock.adobe.com)
Der amerikanische Maschi­nen­bauer Eu­gene Brad­ley Clark ah­nt ver­mut­lich nicht, welche Auswirkung die Erfin­d­ung seines Truc­tra­tors nach sich zie­hen würde. Ei­gentlich en­twick­elt Clark den mo­torisierten Wa­gen 1917 nur, um mehr Ma­te­rial (Sand und Guss­roh­linge) in­n­er­halb des Be­triebes, der Bohr­er und Zube­hörteile für die Au­toin­dus­trie pro­duziert, sch­neller zu tran­s­portieren. Doch sein flex­i­bler Lastkar­ren, er gilt als Vor­läufer des Ga­bel­s­ta­plers, stößt sch­nell auf das In­teresse von Be­such­ern des Un­terneh­mens. Ein Jahr später lie­fert die Fir­ma die er­sten Fahrzeuge aus. Mit dem „Tru­clift“ fol­gt 1920 eine Weit­er­en­twick­lung. 1928 kommt der er­ste „richtige“ Clark-Ga­bel­s­ta­pler mit Hubgerüst, der „Truc­tier“, auf den Markt. In Eu­ro­pa spielen Hub­fahrzeuge zu die­sem Zeit­punkt noch keine Rolle. Ihre Ära be­gin­nt in der Al­ten Welt erst mit dem sch­wedischen In­ge­nieur Ivan Lundquist. Er erken­nt während ein­er USA-Reise im Jahr 1946 das Po­ten­tial der Hub­wa­gen. Doch in der Nachkriegszeit fehlen den Un­terneh­men die fi­nanziellen Möglichkeit­en, die teuren mo­torisierten Sta­pler zu kaufen. Das weiß auch der Sch­wede und sucht nach ein­er kostengün­sti­gen Al­ter­na­tive. Das Ergeb­nis sein­er En­twick­lung ist na­hezu je­dem schon ein­mal begeg­net: Die handge­führten Ga­bel­hub­wa­gen, „Ameisen“ ge­nan­nt, tran­s­portierten da­mals wie heute sch­were Las­ten. Sie sind längst auch mit Elek­tro­mo­tor auf dem Markt und der Weg­bereit­er für alle Flur­förder­fahrzeuge (FFZ , kurz: Flur­förderzeuge) in den nach­fol­gen­den Jahrzeh­n­ten. Ihr Ein­satzge­bi­et fin­d­en sie über­all dort, wo Waren pro­duziert, ge­lagert, tran­s­portiert oder umgesch­la­gen wer­den: im Dis­coun­ter, in der Lo­gis­tik- und Lager­branche, im Hand­w­erk, in der Land- und Forst­wirtschaft, im Garten­bau, im Kranken­haus (Bed Mover), in der In­dus­trie oder an Häfen.

Vielfältige Ein­satzge­bi­ete

(Foto: © Robert Kneschke – stock.adobe.com)
(Fo­to: © Robert Kneschke – stock.adobe.com)

Für jedes Ein­satzge­bi­et stellt die Branche ent­sprechende FFZ zur Ver­fü­gung. Für den An­trieb sor­gen Die­sel-, Gas- und Elek­tro­mo­toren. Die Tragkraft be­trägt bis zu 60 Ton­nen. So um­fan­greich wie die Ein­satzge­bi­ete ist auch das Zube­hör der Alleskön­n­er, deren Vorteil in ihr­er Rangier­fähigkeit auf klein­stem Raum liegt. „In­dus­trie 4.0 ist in der In­tral­o­gis­tik mittler­weile auf na­hezu allen Ebe­nen angekom­men. Die Branche hat Soft­ware als eine der wichtig­sten Kom­pe­tenzen für sich erkan­nt. Das zeigt sich un­ter an­derem in der Vielzahl ver­net­zter Lö­sun­gen, aber auch in vielen neuen rein dig­i­tal­en Pro­duk­ten und Di­en­stleis­tun­gen.“ Das erk­lärt Dr. Klaus-Di­eter Rosen­bach, Vor­sitzen­der des VD­MA Fachver­bands Fördertech­nik und In­tral­o­gis­tik, während der Han­nover Messe im April die­s­es Jahres. „Die damit ver­bun­de­nen Möglichkeit­en stellen Her­steller und An­wen­der vor zahl­reiche Her­aus­forderun­gen und Fra­gen.“ Die ge­hen die Her­steller von Flur­förderzeu­gen un­ter­schiedlich an. Etliche bi­eten ihren Kun­den bere­its seit langem kom­plette In­tral­o­gis­tik­lö­sun­gen an. Ihr Ser­vice reicht bis zur sch­lüs­selferti­gen Über­gabe von Lager­hallen mit an­sch­ließen­der War­tung und an­sch­ließen­den Ser­viceleis­tun­gen aller Sys­teme. Der Weg in die völ­lig au­to­ma­tisierte Lagerver­wal­tung ist dabei vorgezeich­net – die In­ge­nieure rech­nen mit der Ver­wirk­lichung in den kom­men­den zehn bis 20 Jahren. Die Bereiche AGV (Au­to­mat­ic Guid­ed Ve­hi­cles) und FTS (fahr­er­lose Tran­s­port­sys­teme) bes­tim­men zuneh­mend die En­twick­lung der FFZ in Kom­bi­na­tion mit sich ständig weit­er­en­twick­el­n­den Pick-up-Robot­er­sys­te­men. An­dere Un­terneh­men besin­nen sich auf ihre Kernkom­pe­tenz und setzen ihr Know-how in der Verbesserung der Fahrzeugtech­nik ein, ohne allerd­ings die tech­nischen An­forderun­gen der Dig­i­tal­isierung zu ig­nori­eren. Für bes­timmte Ziel­grup­pen, et­wa kleine und mit­tel­ständische Untz­erneh­men (KMU), bleiben wohl auch in Zukunft Sta­pler und Hub­wa­gen die Mit­tel der Wahl, um Güter zu be­we­gen, zu lagern, umzusch­la­gen, zu kom­mis­sionieren und zu versen­den. Ger­ade für KMU haben sich die In­vesti­tio­nen in teure Au­to­ma­tisierung nicht geloh­nt. Hyun­dai beispiel­sweise glied­ert seine Ga­bel­s­ta­plers­parte derzeit in den Bereich Bau­maschi­nen ein. Auch Uni­Car­ri­ers bleibt rein­er Her­steller von Flur­förderzeu­gen. Die Un­terneh­men setzen auf die Weit­er­en­twick­lung ihr­er Pro­dukte rund um Sicher­heit, Flex­i­bil­ität und Kom­fort, um so im Wett­be­werb zu beste­hen.

Welch­er An­trieb ist der Richtige?


Im Bereich der An­trieb­stech­nik ge­ht die Ten­denz insbe­son­dere in den klei­nen Tragkraftk­lassen bere­its stark weg vom Die­sel. Benz­in­be­triebene FFZ spielen in Eu­ro­pa kaum eine Rolle. Elek­trische oder gas­be­triebene FFZ ste­hen im Vorder­grund. In den Fokus ger­at­en EU-weit im­mer mehr Ef­fizienz, Ab­gas und Lärm. Welche An­trieb­stech­nik sich durch­set­zt, Bat­terie oder Brenn­stof­fzelle oder eine Kom­bi­na­tion aus bei­dem, ist im Au­gen­blick noch nicht ab­se­h­bar. Bei der Akku-Tech­nik ist der Weg hin zur Lithi­um-Io­nen-Tech­nolo­gie mit ihren Un­terarten vorgezeich­net. Die Akkus sind länger be­triebs­bere­it, lassen sich sch­neller au­fla­den und er­lauben das Zwischen­la­den. Sie sind war­tungsärmer als die Blei-Säure-Bat­te­rien. Im Dreischicht­be­trieb bleiben die elek­trisch be­triebe­nen Sta­pler we­gen der im­mer noch rel­a­tiv lan­gen Ladezeit­en ein Ein­satzhin­der­nis. Im Bereich der Sch­w­er­last­s­ta­pler mit Tragkräften bis zu 60 Ton­nen gibt es derzeit keine Al­ter­na­tive zu den Die­se­lan­trieben. Bei der Wahl der An­triebe (elek­trisch, Die­sel, Gas) der FFZ loh­nt es sich für Un­terneh­men, ge­nau hinzuse­hen. Je nach Ein­satzbereich (in­nen, außen, Un­ter­grund, Ein­satz­dauer) kann sich der Ver­gleich (An­schaf­fungspreis, War­tung, Un­ter­hal­tungskosten) loh­nen. Die Branche der Flur­fahrzeughändler und -ver­mi­eter sie­ht sich auch im Jahr 2017 auf Wach­s­tum­skurs. Die Un­terneh­men ge­hen von einem Ge­sam­tum­satzwach­s­tum von rund drei Prozent ge­genüber 2016 aus. Insbe­son­dere in den Sparten Kun­den­di­enst/Ser­vice und Er­satzteil­han­del wird ein Plus von rund fünf Prozent er­wartet. Die Nach­frage nach Neu- und Ge­braucht­fahrzeu­gen wird das Vor­jahreswach­s­tum wohl nicht er­reichen.
Dirk Heuer | re­dak­tion@­sued­west­falen-ma­n­ag­er.de

Ausgabe 06/2017



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Einfachstes Flurförderzeug: die „Ameise“ (Foto: ©  Alextype – stock.adobe.com)
Einfachstes Flurförderzeug: die „Ameise“ (Foto: © Alextype – stock.adobe.com)