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Business

Engel in Nadelstreifen

Junge Unternehmen wünschen sich oft jemanden an ihrer Seite, der die notwendige Expertise hat und ihnen mit Rat und Tat zur Seite steht. Business Angels sind die Schutzengel für Unternehmensgründer.

Busi­ness An­gels haben zwei Flügel: Un­ter dem einem steckt Kap­i­tal, un­ter dem an­deren Know-how und wichtige Kon­takte. Nimmt ein Busi­ness An­gel ein junges Un­terneh­men un­ter seine Fit­tiche, so pro­f­i­tiert es von dem Kap­i­tal und von der Ex­per­tise des er­fahre­nen En­trepreneurs. Im Ge­gen­zug er­hält dies­er eine of­fene Beteili­gung an dem Un­terneh­men. In der Regel steck­en die jun­gen Un­terneh­men noch in der Seed­phase, wie in­no­va­tive Grün­dun­gen, die beispiel­sweise für die er­ste Pro­duk­ten­twick­lung Kap­i­tal brauchen. „Es lassen sich grund­sät­zlich zwei Typen von Busi­ness An­gels un­ter­schei­den“, berichtet Dr. Ro­land Kirch­hof, Vor­s­tands­mit­glied von BAND, dem Busi­ness An­gels Net­zw­erk Deutsch­land e. V. Die er­ste Gruppe hat ihr ei­genes Un­terneh­men – oft aus dem IT-Bereich – bere­its verkauft und möchte selbst nicht noch­mals grün­den. Die zweite Gruppe bil­den ak­tive Un­terneh­mer oder Be­r­ater, die sich für Grün­der mit in­no­va­tiv­en Ideen en­gagieren. Ge­mein­sam ist allen „An­gel-In­ve­s­toren“, dass sie es span­nend fin­d­en, junge Un­terneh­men wach­sen zu se­hen. Nur in sel­te­nen Fällen sind Alt-Un­terneh­mer ak­tiv oder Un­terneh­mer, die äl­ter als 65 Jahre alt sind. Neben dem Spaß, an der Auf­bruch­s­tim­mung teilzuhaben, spielt auch der fi­nanzielle Fak­tor eine Rolle. „Das ist der un­terneh­merische Im­pe­tus. Denn natür­lich will jed­er Busi­ness An­gel von sein­er Beteili­gung fi­nanziell pro­f­i­tieren“, sagt Kirch­hof. Dabei lässt der Er­folg manch­mal länger auf sich warten, als man denkt. Im Durch­sch­nitt liegt laut Kirch­hof die In­vesti­tion­szeit bei fünf bis sieben Jahren. Und ergänzt: „Bei tech­nol­o­gischen Un­terneh­men dauert es länger.“

Trau, schau, wem


Für die Gewin­n­quote gibt es keine Statis­tik. Geschätzt sind von zehn In­vest­ments zwei wirk­lich lukra­tiv, eins ist im­mer­hin noch gut. Allerd­ings ge­hen vi­er bis fünf von ih­nen schief, hi­er wer­den Ver­luste ge­macht. Da­her kann es sin­n­voll sein, in mehrere Grün­dun­gen zu in­vestieren bzw. sich als Busi­ness An­gels zusam­men­zu­tun und das Risiko auf mehrere Schul­tern zu verteilen. „Ver­lust oder Gewinn lässt sich nicht ohne Weit­eres da­nach ein­schätzen, wie viel In­for­ma­tion­saufwand ein Busi­ness An­gel im Vor­feld des In­vest­ments be­trieben hat oder ob er sich eher vom Bauchge­fühl für das Grün­dung­sun­terneh­men entschie­den hat“, fügt Kirch­hof ein. Die meis­ten Busi­ness An­gels in­vestieren allerd­ings in Branchen, die sie bere­its ken­nen, oder in Geschäft­sideen, deren Ver­triebsstruk­turen ih­nen bekan­nt sind. 50 Prozent der Grün­derun­terneh­men lie­gen im IT-Bereich, auch die Tech­nik-Branchen lie­fern viele neue Geschäft­sideen, die je­doch vor allem im medizinisch-tech­nischen Bereich oft auch mit einem höheren Fi­nanzierungsbe­darf ver­bun­den sind. Eine neue Geschäft­sidee birgt per se ein gewiss­es Risiko. Da­her soll­ten Busi­ness An­gels bei Un­terneh­men, die ih­nen in­teres­sant er­schei­nen, ei­nen Blick auf das Geschäfts­mod­ell, den Busi­ness­plan und den Proof of Con­cept wer­fen. Und natür­lich ge­ht es um den Grün­der oder das Grün­derteam selbst. Die meis­ten Busi­ness An­gels in­vestieren lie­ber in ein Team als in eine einzelne Per­son. „Gemischte Teams aus Frauen und Män­n­ern haben er­fahrungs­gemäß ihre Vorteile“, berichtet Kirch­hof. „In­ter­na­tio­nale Teams sind darüber hi­naus in der Regel risikofreudi­ger und haben mehr Ideen­reich­tum“, fasst Kirch­hof zusam­men. Eben­so wie sich die In­ve­s­toren über ihre Zöglinge in­for­mieren, soll­ten sich auch die Grün­der ein Bild von ihrem Förder­er machen. Denn neben den Busi­ness An­gels gibt es regel­rechte Busi­ness Dev­ils – die sich natür­lich nicht als solche zu erken­nen geben. Mit­glied­er­net­zw­erke für Busi­ness An­gel des BAND sind beispiel­sweise dazu verpflichtet, neue Busi­ness An­gels auf ihre Ser­iösität hin zu über­prüfen. Ge­warnt seien Grün­der, deren vermeintlich­er Busi­ness An­gel vor der ei­ge­nen In­vesti­tion selbst Geld se­hen möchte oder die Mehrheit an dem Un­terneh­men an­strebt bzw. dem Grün­der seine ei­ge­nen Be­r­ater zur Seite stellen möchte. Auch soll­ten sich Grün­der nicht von der In­vesti­tions­summe blen­den lassen – vor allem die Er­fahrun­gen und Kon­takte der Busi­ness An­gels haben oft ei­nen entschei­den­den An­teil am Er­folg eines neu ge­grün­de­ten Un­terneh­mens.

Geschäft­sen­twick­lung


„Es kommt in vielen Fällen vor, dass die Geschäft­sidee mas­siv mod­i­fiziert wird und somit eine neue ent­ste­ht, die dann mithilfe des Busi­ness An­gels umge­set­zt wird“, berichtet Kirch­hof. Busi­ness An­gels wollen ein Un­terneh­men in der Regel nur die er­sten Jahre un­ter­stützen, um dann ihre Beteili­gung wied­er zu verkaufen, um Gewinne zu re­al­isieren. Das Ver­hält­nis zwischen Busi­ness An­gel und sei­nen Schüt­zlin­gen ist ver­traglich geregelt. Hi­er wer­den auch bes­timmte Meilen­steine fest­gelegt, an deren Er­reichen die Auszah­lung des Geldes gekop­pelt ist. An dem op­er­a­tiv­en Geschäft sind Busi­ness An­gels in der Regel nicht in­teressiert, hi­er stei­gen sie nur in äußer­sten Not­fällen ein. Auch lie­gen ihre An­teile meis­tens un­ter zehn Prozent. In­teres­sant ist für sie vielmehr ein Sitz im Bei­rat, wenn ein solch­er in dem Un­terneh­men in­s­tal­liert ist. Um aus­reichend für ihre Be­r­a­tungstätigkeit gerüstet zu sein, fordern Busi­ness An­gels oft ein In­for­ma­tion­s­recht ein. Stan­den Busi­ness An­gels lange Zeit im Anse­hen hin­ter Ven­ture-Cap­i­tal-Ge­sellschaften, so gel­ten sie in Eu­ro­pa und in den USA mittler­weile zu den wichtig­sten Fi­nanzierungsquellen von jun­gen Un­terneh­men, die sich in der Früh­phase befin­d­en. Banken scheuen oft die­s­es Risiko, und Ven­ture-Cap­i­tal-Ge­sellschaften wer­den in der Regel erst dann einge­gan­gen, wenn das Pro­dukt des jun­gen Un­terneh­mens bere­its auf dem Markt ist. Und: In­ve­s­toren er­hal­ten in Deutsch­land ei­nen Förderungszuschuss für eine In­vesti­tion in junge, in­no­va­tive Un­terneh­men in Höhe von 20 Prozent der In­vesti­tion zwischen 10.000 und 250.000 Eu­ro pro Per­son und in Höhe von ein­er Mil­lion Eu­ro pro Un­terneh­men. Vo­raus­set­zung ist, es han­delt sich bei der In­vesti­tion um eine echte risiko- und chan­cen­tra­gende Beteilung durch Kap­i­taler­höhung, die min­destes drei Jahre aufrechter­hal­ten wird. Bis 2016 hält der Bund für den Zuschuss 150 Mil­lio­nen Eu­ro bere­it, die steuer­be­fre­it
sind. Karin Bün­nagel | re­dak­tion@süd­west­falen-ma­n­ag­er.de

Ausgabe 10/2015



WEITERE INHALTE

Dr. Roland Kirchhof, Vorstandsmitglied des Business Angels Netzwerk Deutschland e. insg. V.
Dr. Roland Kirchhof, Vorstandsmitglied des Business Angels Netzwerk Deutschland e. insg. V.