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Durststrecke überwunden

Trotz der Energiewende werden Gebäude nach wie vor überwiegend mit Heizöl oder Gas geheizt. Das zuletzt schwierige Geschäft mit flüssigen Brennstoffen hängt von vielen unkalkulierbaren Faktoren ab.

Schon lange ist die Rede vom Ende des Erdöl-Zei­tal­ters. Doch in der Praxis ist das Ende noch lange nicht abzuse­hen. Noch im­mer do­minieren Benzin und Die­sel als Treib­stoff für Kraft­fahrzeuge. Und noch im­mer wird mit Öl und Gas der mit Ab­s­tand größte Teil deutsch­er Woh­nun­gen ge­heizt. Selbst wenn das Erd­gas meist – durchaus prak­tisch – durch die Rohr­lei­tung der Stadtw­erke in den Keller kommt und der Tank­stel­len­markt von eini­gen weni­gen Konz­er­nen do­miniert wird, es gibt sie noch: die Brenn­stoffhändler, die Öl­heizungsbe­sitz­er spätestens zum Win­ter hin mit Brenn­stof­fen ver­sor­gen. Dabei wird un­ter­schie­den zwischen fes­ten Brenn­stof­fen (Holz, Koh­le, Holzpel­lets etc.) und flüs­si­gen Brenn­stof­fen wie Gas und den ver­schie­de­nen Erdöl­pro­duk­ten. Vom Ro­höl her be­trachtet, ist der Markt für Flüs­sig­brenn­stoffe sehr klein – Ro­höl wird an ger­ade ein­mal 14 ak­tiv­en Stan­dorten in Deutsch­land raffiniert. Vertreten wird die Min­er­alölin­dus­trie in Deutsch­land vom Min­er­alöl­wirtschaftsver­band e.V. (MWV). Ihm ge­hören ger­ade ein­mal zwölf Un­terneh­men an, darun­ter BP, Es­so, Shell, To­tal, die rund die Hälfte der Tank­stellen in Deutsch­land stellen. Für den Tran­s­port der leicht brenn­baren Ware zu den Zapf­säulen oder Heizkes­seln sind die Brenn­stoffhändler zuständig, deren Branche über­aus hetero­gen aufgestellt ist. Hi­er gibt es zahl­reiche re­gio­nale Gasver­sorg­er, kom­mu­nale Stadtw­erke oder pri­vatwirtschaftliche Heizöl­händler, die zumeist aus ver­schie­de­nen Tra­di­tio­nen gewach­sene Mischun­terneh­men sind. So ver­tritt der Bun­desver­band mit­tel­ständisch­er Min­er­alölun­terneh­men e.V. (Uni­ti) rund 700 Heizöl­händler bun­desweit: „Als Träger der Ver­sor­gungs­sicher­heit, als un­verzicht­bares Wett­be­werb­se­le­ment und als In­no­va­tions­mo­tor leis­ten die mit­tel­ständischen Min­er­alölun­terneh­men ei­nen wesentlichen Bei­trag für den Wohl­s­tand in Deutsch­land“, wirbt der Ver­band.

Ange­bot und Nach­frage


Die Um­sätze des Min­er­alöl­han­dels en­twick­el­ten sich zulet­zt sehr un­ein­heitlich. Ei­nen pos­i­tiv­en Trend gab es 2014 bei den Kfz-Kraft­stof­fen. In Deutsch­lands Raffine­rien wur­den 18,5 Mil­lio­nen Ton­nen Ot­tokraft­stoffe pro­duziert (ein Plus von 0,6 Prozent im Ver­gleich zum Jahr 2013) sowie 35,6 Mil­lio­nen Ton­nen Die­selkraft­stoffe (+ 2,1 Prozent zum Vor­jahr). Hinge­gen er­lebte der Ab­satz von leichtem Heizöl 2014 mit einem Mi­nus von 15,2 Prozent auf 16,8 Mil­lio­nen Ton­nen ei­nen fast eben­so drastischen Rück­gang wie der Ab­satz von Flüs­sig­gas, von dem mit 2,8 Mil­lio­nen Ton­nen so­gar 15,9 Prozent weniger verkauft wur­den als im Vor­jahr, so die amtlichen Min­er­alöl­dat­en des Bun­de­samtes für Wirtschaft und Aus­fuhrkon­trolle in Esch­born. Das Wech­sel­spiel von Ange­bot und Nach­frage bes­timmt bei flüs­si­gen Brenn­stof­fen un­mit­tel­bar den Preis, wobei die Ab­satzen­twick­lung von ein­er Ver­ket­tung zahl­reich­er, nur sch­w­er vorherse­h­bar­er Fak­toren ab­hängig ist. Kli­ma­tische Verän­derun­gen sind hi­er eben­so aussch­laggebend wie die Wirtschaft­sen­twick­lung an den in­ter­na­tio­nalen Märk­ten. Auch globale Krisen, der en­ergie­poli­tische Wan­del oder die Festle­gung von För­der­men­gen durch die OPEC bes­tim­men den Ro­höl­preis. Hinzu kom­men der Wech­selkurs des Dol­lar oder die Prog­nosen führen­der Wirtschafts-An­alys­ten. Für den End­ver­brauch­er spielen bei dem Heizöl­preis aber auch Steuern eine tra­gende Rolle, wie eine Gra­fik des in Ham­burg an­säs­si­gen In­sti­tuts für Wärme und Oel­tech­nik e.V. (IWO) zeigt. Von 55,77 Cent pro Liter Heizöl ge­hen 33,49 Cent in den Einkauf, rund 15 Cent machen En­ergie- und Mehr­w­ert­s­teuer aus, so­dass beim Brenn­stoffhan­del zulet­zt noch ganze 7,24 Cent pro Liter als Deck­ungs­bei­trag ver­bleiben.

Sel­ten war Heizöl gün­stiger


In Deutsch­land waren flüs­sige Brenn­stoffe schon lange nicht mehr so preis­gün­stig wie aktuell – ein­deutig auch eine Folge der ge­sunke­nen Nach­frage bei zulet­zt ex­trem mil­den Kli­maver­hält­nis­sen. Derzeit lie­gen die Heizöl­preise rund 20 Eu­ro pro 100 Liter gün­stiger als 2014; ge­genüber 2013 spart man so­gar 30 Eu­ro pro 100 Liter. Mittler­weile heizt man mit Öl so­gar deut­lich gün­stiger als mit Erd­gas. Wer al­so seine Heizöl­tanks nicht jet­zt schon rand­voll ge­macht hat, der sollte bei der aktuellen En­twick­lung kurzfristig zu­greifen, denn „die Heizöl­preise be­wegten sich dies­er Tage auf gün­stigem Preis­niveau seitwärts bis vor­sichtig ab­wärt­s“, so das In­fo­por­tal Tec­son. „Es gab rück­blick­end seit 2009 nur einige wenige Tage, an de­nen Heizöl gün­stiger einzukaufen war als zum aktuellen Zeit­punkt.“ Ein Di­a­gramm des IWO verdeut­licht die­sen Trend bei der Preisen­twick­lung sehr an­schaulich. Die klas­sische Öl­heizung er­lebt in der Folge eine Re­nais­sance. Mit 5,6 Mil­lio­nen Öl­heizun­gen wer­den sich in die­sem Win­ter rund 20 Mil­lio­nen Men­schen wär­men, wobei der staatlich ge­förderte Aus­tausch al­ter Öl­heizkes­sel durch in­no­va­tive Öl-Bren­n­w­ert­tech­nik den Ef­fek­tiv­itäts­grad auf bis zu 90 Prozent steigern kann, so der Branchen­ver­band Uni­ti.

Sau­ber, sich­er und preisw­ert


In rund 13 Mil­lio­nen deutschen Haushal­ten sorgt ein gas­be­trieben­er Heizkes­sel für woh­lige Wärme. Seit 1949 ver­tritt der Deutsche Ver­band Flüs­sig­gas e.V. (DVFG) den wei­taus größten Teil der hi­er an­säs­si­gen, vor­wie­gend mit­tel­ständischen Ver­sor­gung­sun­terneh­men in die­sem Teil­markt: „Flüs­sig­gas leis­tet ei­nen un­verzicht­baren Bei­trag zur En­ergiev­er­sor­gung im Wärme­markt als Heizen­ergie, im Bereich Mo­bil­ität als Kraft­stoff, in der Chemie als Roh­stoff und in der In­dus­trie als Prozessen­ergie“, wirbt der Ver­band. Ana­log zur ins­ge­samt rück­läu­fi­gen Ab­satzen­twick­lung im En­ergie­markt ins­ge­samt verzeich­neten auch die 43 Flüs­sig­gas-Ver­sorg­er im DVFG für 2014 ein deut­lich­es Mi­nus. Dafür war je­doch nicht nur das milde Kli­ma ve­r­ant­wortlich. Der Tank­gas-Ab­satz sank auch in­folge der stark ge­sunke­nen Preise für Öl­pro­dukte – um 15,4 Prozent auf 510.000 Ton­nen. Trotz die­s­es drastischen Rück­gangs bleibt Tank­gas je­doch für die DVFG-Mit­glied­er das ab­satzstärk­ste Seg­ment. Der En­ergi­eträger Au­to­gas ver­bren­nt CO2-re­duziert sowie sch­we­fe­larm und ist damit eine umwelt­fre­undliche Konkur­renz zu Benzin und Die­sel. „Ein sau­ber­er, sicher­er und preis­gün­stiger Trend-Treib­stof­f“, so der Ver­band – und mit ca. 500.000 Fahrzeu­gen auf Deutsch­lands Straßen der „Al­ter­na­tivkraft­stoff Nr. 1.“ Allein im er­sten Hal­b­jahr 2015 legten die Neuzu­las­sun­gen für Au­to­gas-Fahrzeuge um 8,3 Prozent zu, die den Markt der al­ter­na­tiv­en Kfz-An­triebe mit 70 Prozent der Fahrzeuge klar do­minieren. Weit abgesch­la­gen sind die 15 Hy­brid- und Erd­gas­fahrzeuge mit 15 bezie­hungsweise 12 Prozent. Die Elek­tro­mo­bil­ität bildet mit lediglich drei Prozent An­teil das Sch­luss­licht des Marktes.

Markt­lage jet­zt nutzen


Tr­ef­fen gün­stige Welt­markt­preise und eine allmäh­lich stei­gende Nach­frage nach flüs­si­gen Brenn­stof­fen aufei­nan­der, ist das die aktuelle Chance der Heizöl- und Gashändler auf ein brum­men­des Jahre­sendgeschäft. Die Durst­strecke der Som­mer­mo­nate mit einem, bis weit in den Herbst vor sich hin düm­pel­n­den Ab­satz ist über­wun­den. Mit dem Win­ter und käl­teren Tem­per­a­turen steigt die Verkauf ge­gen­wärtig
an. Em­rich Wels­ing I re­dak­tion@­sued­west­falen-ma­n­ag­er.de

Ausgabe 10/2015