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Des einen Freud, des anderen Leid

Die Brückentage 2017 drohen so machen Betrieb lahmzulegen. Da ist vorausschauende Urlaubsplanung angesagt.

Bild oben: Brückentage können die Urlaubstage in diesem Jahr verdoppeln (Foto: © Vladimir Voronin – stock.adobe.com)
Alle Jahre wied­er ste­ht sie an: die Ur­laub­s­pla­nung. In die­sem Jahr gibt es zwar kei­nen Tag ge­set­zlichen Ur­laub mehr, aber dafür ei­nen Feier­tag in den al­ten Bun­des­län­dern: den Re­for­ma­tion­s­tag. Er erin­n­ert an den his­torisch (um­strit­te­nen) An­sch­lag Luthers, der am 31. Ok­to­ber 1517 höch­st­selbst seine 95 Th­e­sen zur Erneuerung der katholischen Kirche an die Kirchen­tür zu Wit­ten­berg ge­nagelt haben soll. Die evan­gelische Kirche sie­ht das pos­i­tiv und ge­ht noch ei­nen Schritt weit­er: Zwecks Entsch­le­u­ni­gung und Rückbesin­nung sollte der Re­for­ma­tion­s­tag in die Riege der bun­desweit­en Feier­tage aufgenom­men wer­den. Ar­beit­spsy­cholo­gen teilen die Kirchen­mei­n­ung, wenn auch aus an­deren Grün­den: Weniger Ar­beit­s­tage böten – gekop­pelt mit Brück­en­t­a­gen – mehr Möglichkeit­en zum Ents­pan­nen. Ents­pan­nte Mi­tar­beit­er ar­beit­en pro­duk­tiv­er und nutzen so auch den Ar­beit­ge­bern. Außer­dem führten weniger Ar­beit­s­tage zu gerin­geren Kranken­stän­den.

Kri­tik der Ar­beit­ge­ber

Brückentage können die Urlaubstage in diesem Jahr verdoppeln (Foto: © Vladimir Voronin – stock.adobe.com)
Brück­en­t­age kön­nen die Ur­laub­s­tage in die­sem Jahr ver­dop­peln (Fo­to: © Vladimir Voronin – stock.adobe.com)
Bank­er, etliche Volk­swirte und Ar­beit­ge­berver­bände se­hen das hinge­gen ganz an­ders: Für sie gibt es in der Bun­des­re­pub­lik bere­its jet­zt zu viele Feier­tage. Sie ver­weisen auf ein Absinken der Wirtschaft­skraft. Eine Un­ter­suchung der Bun­des­bank belegt, dass ein Prozent mehr Ar­beit­s­tage im Sch­nitt zu einem An­stieg der ge­samtwirtschaftlichen Leis­tung um 0,3 Prozent führen. Allerd­ings, so schränkt sie ein, lasse der Ef­fekt zum Jahre­sende nach, weil die Un­terneh­men um Weih­nacht­en und Neu­jahr die Pro­duk­tion herun­ter­fahren. Allerd­ings tr­ef­fen die ar­beits­freien Tage die Branchen sehr un­ter­schiedlich: Im Baugewerbe ist ein Ar­beit­s­tag im Win­ter bei Eis, Sch­nee oder Re­gen an­ders zu be­w­erten als im Som­mer. Ganz an­ders sie­ht es im Einzel­han­del aus: Fällt ein Feier­tag auf ei­nen Sam­s­tag, kann das schon zu Um­satzein­bußen führen. Rein statis­tisch min­dern weniger Ar­beit­s­tage generell das Wirtschaftswach­s­tum. Die nicht vorhan­dene Wertschöp­fung an die­sem Tag ge­ht mit in die Statis­tik ein. Allerd­ings wird nicht ver­bucht, dass ein Teil der Ar­beit später nachge­holt wird, so­dass der Ef­fekt so groß am Ende nicht ist. Die rein wirtschaftliche Beurteilung frei­er Tage ist um­strit­ten: Der Blick nach Bay­ern zeige deut­lich, er­widern die Ökono­men der gew­erkschaft­s­na­hen Hans-Böck­ler-Stif­tung, dass dem nicht so ist. In Nied­er­sach­sen werde durch­sch­nittlich drei Tage mehr gear­beit­et als im Freis­taat, die Wirtschaft­sleis­tung sei deswe­gen nicht höher. Den Beschäftigten sind wirtschaftliche Er­wä­gun­gen in der Regel egal. „Glück“ haben in die­sem Jahr alle Ar­beit­neh­mer, denn im Ver­gleich zu den Vor­jahren lie­gen die Feier­tage in die­sem Jahr wied­er be­son­ders gün­stig. Feier­tag-Spitzen­reit­er ist Bay­ern: Je nach Re­gion ste­hen den Beschäftigten in die­sem Jahr bis zu 14 Feier­tage zum „Brück­en­bauen“ zur Ver­fü­gung. An­dere Lan­desteile kom­men „nur“ auf 13 oder gar 12 Feier­tage. Die gibt es auch in Ba­den-Würt­tem­berg und im Saar­land. Aber dann fol­gen bere­its NRW und Rhein­land-Pfalz, deren Beschäftigte auf elf freie Zusatz­tage kom­men. 2017 zählt, im Ver­gleich zu den Vor­jahren, als ein sehr ar­beit­neh­mer­fre­undlich­es Jahr. Im Ver­gleich zum Vor­jahr gibt es in NRW ins­ge­samt drei freie Tage mehr. Wer geschickt plant und seine Ur­laub­s­tage ent­sprechend zeitig ein­gereicht hat, kann das lan­desweit übliche Ur­laub­skontin­gent von 30 Ta­gen mehr als ver­dop­peln.

Be­son­der­heit­en bei der Ur­laub­s­pla­nung

Foto: © jozsitoeroe – stock.adobe.com
Fo­to: © jozsi­toeroe – stock.adobe.com

Allerd­ings – so ganz frei von Zwän­gen ist die Pla­nung nicht: Da sind auch im­mer noch die ge­set­zlichen und be­triebs­in­ter­nen Regelun­gen zu beacht­en. Zwar sind die Ur­laub­swün­sche der Ar­beit­neh­mer zu berück­sichti­gen, aber auch die Be­lange der übri­gen Mi­tar­beit­er. Schutzwürdige In­teressen an­der­er haben im­mer Vor­rang. Schutzwürdig sind aber nicht nur Mi­tar­beit­er mit schulpflichti­gen Kin­dern, son­dern auch die, die in der Ur­laubs­ges­tal­tung nicht frei sind. Außer­dem gilt: Wer noch kei­nen Ur­laub hatte, wird ge­genüber dem bevorzugt, der schon ein­mal Fe­rien ge­macht hat. Allerd­ings kann auch aus drin­gen­den be­trie­blichen Be­lan­gen der gewün­schte Ur­laub­szei­traum nicht gewährt wer­den. Außer­dem sollte min­destens ein Ur­laub am Stück genom­men wer­den. Leh­nt der Ar­beit­ge­ber den Ur­laub ab, muss er dies ent­sprechend be­grün­den. Im Zweifel klärt das Gericht den Fall – unan­genehm für beide Seit­en. In Un­terneh­men mit Be­trieb­s­rat regelt das Mitbes­tim­mungs­recht der Ar­beit­neh­mervertre­tung die Auf­stel­lung all­ge­mein­er Ur­laubs­grund­sätze, -pläne sowie Ur­laub­szeit, falls zwischen dem Ar­beit­ge­ber und den beteiligten Ar­beit­neh­mern keine Eini­gung erzielt wer­den kann. In der Regel ste­ht in der Be­triebsvere­in­barung, wie der Ur­laub gewährt wird. Generell gilt aber: Ei­nen An­spruch auf „brück­en­tags­frei“ gibt es nicht. Die Brück­en­t­age sind ganz nor­male Ar­beit­s­tage. Deswe­gen wer­den sie in der Regel auch fair un­ter den Mi­tar­beit­ern verteilt. Gibt es keine Regel, zählt: Wer zuerst bean­tragt, hat ge­won­nen. Ein­mal gewährten Ur­laub kön­nen Ar­beit­ge­ber nicht mehr zurück­neh­men, es sei denn, der Ar­beit­neh­mer stimmt dem ein­vernehm­lich zu. Nur wenn sch­were Not­fälle dro­hen, kann der Ur­laub wied­er zurückgenom­men wer­den – die Hür­den sind aber sehr hoch ange­set­zt. Gängige Praxis ist in vielen Un­terneh­men im­mer noch das Wind­hund-Prinzip: Wer zuerst bean­tragt, kann die freien Tage ge­nießen. Das kann aber zu Ärg­er in der Belegschaft führen. Ex­perten empfehlen darum, frühzeitig Ur­laub­s­pläne aufzustellen. Sieben op­ti­male Brück­en sind in die­sem Jahr noch zu verteilen: Os­tern (für acht Tage Ur­laub gibt es 16 freie Tage am Stück), Tag der Ar­beit, Christi Him­mel­fahrt, Pf­in­g­sten und der Tag der Deutschen Ein­heit (je vi­er Tage Ur­laub brin­gen ne­un freie Tage), der Re­for­ma­tion­s­tag und Aller­heili­gen (3 Tage Ur­laub sor­gen für ne­un freie Tage) und Weih­nacht­en, gekop­pelt mit Sil­vester (drei Tage Ur­laub er­möglichen zehn freie Tage am Stück). An­gesichts der zahl­reichen Brück­en kön­nte so manch­er sei­nen Ur­laub nicht kom­plett in die­sem Jahr neh­men. Sollte er aber, denn generell gilt: Ur­laub muss im laufen­d­en Kal­en­der­jahr genom­men wer­den. Ur­laub­s­tage dür­fen nur aus­nahm­sweise über­tra­gen wer­den. Stimmt der Ar­beit­ge­ber zu, muss der Res­tur­laub angemeldet und der dann über­tra­gene Ur­laub bis spätestens zum 31. März 2018 genom­men wer­den.

Dirk Heuer | re­dak­tion@­sued­west­falen-ma­n­ag­er.de

Ausgabe 03/2017