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Business

Demografiefest, energetisch, innovativ

Architektur und Planung im 21. Jahrhundert.

Bild oben: Kunst, Forschung, kulturelle Bildung – das Dortmunder U (Foto: Jürgen Landes)

Ob Gewer­beob­jekt, In­dus­triean­lage, Städte- oder Land­schafts­bau, im Wett­be­werb der Städte und Re­gio­nen um Un­terneh­men, Schaf­fer, Kon­su­men­ten und Ein­woh­n­er bes­tim­men Ar­chitek­ten und Plan­er die Ges­tal­tung unser­er Lebens- und Ar­beit­sräume. Sie pla­nen unsere Schulen, ges­tal­ten Plätze und ganze Brach­land­schaften und schaf­fen mit prak­tischen Gewer­be­baut­en ein an­genehmes Ar­beit­sk­li­ma. Mal ver­steckt hin­ter der Fas­sade des Bauher­ren oder hochgelobt und deko­ri­ert mit in­ter­na­tio­nalen Preisen, ste­hen Ar­chitek­ten und Plan­er heutzu­tage vor großen Her­aus­forderun­gen und Auf­gaben.
Doch wer­fen wir zunächst ei­nen Blick in die Branche. Laut Statis­tik der Bun­de­sar­chitek­tenkam­mer waren bei den ins­ge­samt 16 Ar­chitek­tenkam­mern in Deutsch­land zu Jahres­be­ginn 2014 mehr als 129.000 Ar­chitek­ten, In­ne­nar­chitek­ten, Land­schafts- sowie Stadt­plan­er einge­tra­gen. Bei einem Pla­nungsvol­u­men von 8,5 Mil­liar­den Eu­ro wurde dabei eine jähr­liche Bau­summe von 240 Mil­liar­den Eu­ro be­wegt. Zu­dem ist das Geschäft­sk­li­ma bei freischaf­fen­d­en Ar­chitek­ten laut ifo-Ar­chitek­tenum­frage vom zweit­en Quar­tal 2014 bestens. Kurz: „Der Branche ge­ht es so gut wie nie seit der Wied­ervereini­gung“, erläutert Dr. Tho­mas Wel­ter, Bun­des­geschäftsführ­er des Bunds Deutsch­er Ar­chitek­ten. „Wir er­leben seit 2008 eine sehr ro­buste kon­junk­turelle En­twick­lung, nichts­des­totrotz ste­ht die Branche dabei auch vor her­aus­fordern­den En­twick­lun­gen.“

Kunst, Forschung, kulturelle Bildung – das Dortmunder U (Foto: Jürgen Landes)
Kunst, Forschung, kul­turelle Bil­dung – das Dort­mun­der U (Fo­to: Jür­gen Lan­des)


Her­aus­forderun­gen für Ar­chitek­ten und Plan­er


So wer­den Pro­jekte auf­grund der An­forderung an En­ergie­ef­fizienz und De­mo­gra­fie sowie der Zu­nahme von tech­nischen Nor­men im­mer an­spruchsvoller. Die­sen An­forderun­gen sind viele Ar­chitek­turbüros – 80 Prozent der Büros beste­hen aus weniger als 4 Per­so­n­en – struk­turell nicht gewach­sen. „Die Kom­plex­ität der Auf­gaben wird für Ar­chitek­ten, Land­schafts- und Städte­plan­er langfristig dazu führen, dass Büros größer wer­den müssen, um mit ein­er größeren Belegschaft den vielfälti­gen An­forderun­gen auch langfristig gerecht wer­den zu können“, so Dr. Wel­ter.
Zukünftige Her­aus­forderun­gen lie­gen vor allem in den Pla­nungsprozessen. Diese wer­den sich in den näch­sten 10 bis 20 Jahren auf Ba­sis der durchge­hen­den Dig­i­tal­isierung in na­hezu allen Pla­nungsschrit­ten von der Idee bis zur Schlüsselüber­gabe verändern. So wird sich in Zukunft z.B. die Rei­hen­folge der Pla­nungsschritte ändern. „Das heute noch durchaus übliche 2D-Mod­ell wird zukünftig vollständig durch das wesentlich de­tail­liertere 3D-Mod­ell erset­zt wer­den. Ver­schie­dene Pla­nungsschritte wer­den dann zum Teil früher berück­sichtigt wer­den als heute üblich“, erläutert Dr. Wel­ter. Wo heute noch eine ein­fache Tür im Mod­ell einge­plant wird, wird diese in Zukunft mit ihren kom­plex­en An­forderun­gen im vollständig dig­i­tal­isierten Mod­ell mit viel mehr In­for­ma­tio­nen dargestellt wer­den. Dies führt in der Konse­quenz dazu, dass Ar­chitek­ten in der Pla­nungsphase viel früher mit Fachin­ge­nieuren und an­deren Gew­erken zusam­me­nar­beit­en müssen, um den An­forderun­gen an De­mo­gra­fie, Nor­men oder En­ergie­ef­fizienz gerecht wer­den zu können.
Die Zu­nahme der An­forderun­gen führt dabei auch zu mehr Zielkon­f­lik­ten. Un­ter­schiedliche An­forderun­gen an Gebäude und Pro­jekte be­din­gen heute viel spezial­isiertere Pla­nun­gen. „Ein Gebäude kann nicht zeit­gleich beste en­er­getische Werte haben, de­mo­gra­fie­fest sein, eine her­aus­ra­gende Ges­tal­tung be­sitzen und zu­dem kostengünstig sein. Die un­ter­schiedlichen An­forderun­gen un­ter ei­nen Hut zu brin­gen wird für Ar­chitek­ten und Plan­er wesentlich kom­pl­iziert­er“, ergänzt Dr. Wel­ter.

Der Kö-Bogen mit saniertem Dreischeiben- haus – Beispiele gelungener Stadtplanung (Foto: HPP Architekten)
Der Kö-Bo­gen mit saniertem Dreischeiben- haus – Beispiele gelun­gen­er Stadt­pla­nung (Fo­to: HPP Ar­chitek­ten)


Nor­drhein-West­falen lebt Ar­chitek­tur kli­mafre­undlich

Dr. Thomas Welter, Bundesgeschäftsführer des Bunds Deutscher Architekten (Foto: BDA)
Dr. Tho­mas Wel­ter, Bun­des­geschäfts­führ­er des Bunds Deutsch­er Ar­chitek­ten (Fo­to: BDA)


Und so ste­ht auch die Ar­chitek­tur-Branche in Nor­drhein-West­falen ge­genwärtig vor zwei großen Auf­gaben­feldern. „Ein­er­seits gilt es, unsere ge­baute Umwelt auf die Fol­gen des de­mo­gra­fischen Wan­dels auszuricht­en; zum an­deren müssen unsere Bauw­erke stärk­er auf das Ziel des Kli­maschutzes aus­gerichtet wer­den. Beide Bereiche wer­den als ‚Su­perthe­men‘ die näch­sten Jahre do­minieren und in viele Pla­nungs- und Bauprozesse hinein­wirken“, sagt Di­pl.-Ing. Ernst Uhing, Präsi­dent der Ar­chitek­tenkam­mer Nor­drhein-West­falen.
Zwar konzen­tri­ert sich die Diskus­sion um den de­mo­gra­fischen Wan­del mit sei­nen As­pek­ten Schrump­fung und Al­terung der Ge­sellschaft sowie Mi­gra­tion noch vornehm­lich auf das Seg­ment des Woh­nungs­baus und auf den öffentlichen Raum. Den­noch gilt es auch im In­dus­trie- und Gewer­be­bau da­nach zu fra­gen, in­wieweit beispiel­sweise Ar­beit­s­plätze bar­ri­ere­frei ges­tal­tet wer­den und auf die be­son­deren Bedürfnisse älter­er Mi­tar­beit­er aus­gerichtet wer­den können. Das bezie­ht sich auf die körper­liche Be­las­tung, auf die Zugänglichkeit, auf Ruheräume, op­tische und akustische Sig­nale und vie­les mehr. Die Ar­chitek­tenkam­mer Nor­drhein-West­falen disku­tiert hi­er alle Fra­gen rund um das Pla­nen und Bauen im de­mo­gra­fischen Wan­del in den kom­men­den drei Jahren in­ten­siv mit ihr­er Ak­tion­s­platt­form „NRW lebt“. Neben Diskus­sio­nen und öffentlichen Ve­r­an­s­tal­tun­gen wer­den dabei auch in­no­va­tive Beispiele für den baulichen Um­gang mit den Fol­gen der de­mo­gra­fischen En­twick­lung vorgestellt.
Im In­dus­trie- und Gewer­be­bau spielt dage­gen eher die Frage nach der en­er­getischen Op­ti­mierung von Gebäuden eine her­aus­ra­gende Rolle. „Die Nutzung re­gen­er­a­tiv­er En­ergien hat sich ger­ade im mit­telständischen Wirtschafts­bau viel­fach bewährt, muss aber weit­er vo­rangetrieben wer­den. Ob Block­heizkraftw­erk, Wärmepumpe oder Pho­to­vol­taik: Der kom­pe­ten­ten Be­r­a­tung des Bauher­rn durch Ar­chitektin­nen und Ar­chitek­ten kommt eine entschei­dende Funk­tion zu, und zwar so­wohl im Neubau­bereich als auch bei der Mod­er­nisierung des Baube­s­tan­des“, so Uhing. Ar­chitek­ten be­tracht­en ein Gebäude stets als en­er­getische Ein­heit und können so – an­ders als Ange­bote aus dem Hand­w­erk – eine ganzheitliche, um­fassende Be­r­a­tung sich­er­stellen, die dem Bauher­rn eine langfristige Per­spek­tive für sein Bauw­erk und eine solide Grund­lage für seine Kostenkalku­la­tion gibt. Gute Beispiele für Möglichkeit­en, beim Gewerbe- und In­dus­trie­bau den Kli­maschutz zu beacht­en und zu­gleich ges­tal­terisch zu überzeu­gen, präsen­tiert die Ar­chitek­tenkam­mer Nor­drhein-West­falen im Rah­men der „Kli­ma­Ex­po.NRW“, welche in die­sem Jahr als Deka­den­pro­jekt von der
Lan­des­regierung ges­tartet wurde.
Genug Ar­beit al­so für die rund 31.000 Ar­chitek­ten, In­ne­nar­chitek­ten, Land­schaft­sar­chitek­ten und Stadt­plan­er in Nor­drhein-West­falen. Die gute kon­junk­turelle Lage macht sich auch auf dem Ar­beits­markt für Ar­chitek­ten be­merk­bar: Nach eini­gen Jahren der Flaute haben die Büros wied­er gut zu tun, in eini­gen Re­gio­nen unseres Lan­des wer­den Ar­chitektin­nen und Ar­chitek­ten ge­sucht. Die ‚Ar­chitek­ten­liste‘ der Ar­chitek­tenkam­mer Nor­drhein-West­falen bi­etet die Möglichkeit, Ar­chitek­turbüros nach ihren Tätigkeitssch­w­er­punk­ten zu se­lek­tieren. Ger­ade für Bauher­ren und In­ve­s­toren aus dem Mit­tel­s­tand loh­nt sich die Zusam­me­nar­beit mit Ar­chitek­ten und Stadt­plan­ern. „Fir­men­sitze, Verkaufsstätten sowie Pro­duk­tions- und Lager­hallen sind schon lange nicht mehr reine Zweck­baut­en, son­dern Aus­druck der Cor­po­rate Iden­ti­ty. Dazu gehören ökol­o­gische Ve­r­ant­wor­tung und ökonomische Ver­nunft in gleich­er Weise wie soziales Be­wusst­sein und ar­chitek­tonische Qualität“, resümiert Uhing.

An­dr&ea­cute; Sarin | re­dak­tion@­sued­west­falen-ma­n­ag­er.de

Ausgabe 08/2014