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Management

Beistand in bitteren Zeiten

Nach einem Großbrand gilt es, die unternehmerische Handlungsfähigkeit so schnell wie möglich wiederzugewinnen. Hierauf können Sie sich vorbereiten.

Bild oben: (Foto: Shutterstock)
In regelmäßi­gen Ab­stän­den bericht­en Presse und Fernse­hen über spek­takuläre Scha­denereig­nisse in In­dus­trie- und Han­del­sun­terneh­men, wie et­wa Feuer-, El­e­men­tar-, Maschi­nen- oder Pro­duktschä­den. Un­terneh­mens­führung, Lei­tung­sor­gane und alle an­deren Mi­tar­beit­er wer­den hier­bei mit völ­lig unge­woh­n­ten Proble­men und Fragestel­lun­gen kon­fron­tiert, welche die oh­ne­hin schon knap­pen zeitlichen und per­son­ellen Res­sour­cen ex­trem be­las­ten. Dabei sind die Entschei­dun­gen, die in den er­sten Ta­gen nach Scha­denein­tritt un­ter Zeit­druck und zum Teil auf Ba­sis un­zureichen­der In­for­ma­tio­nen zu tr­ef­fen sind, entschei­dend für die op­ti­male Be­wäl­ti­gung und Reg­ulierung des Scha­dens. Der typische Großscha­den in In­dus­trie und Han­del ist ein Feuer- oder El­e­mentar­ereig­nis (z.B. Über­sch­wem­mung oder Erd­beben) und set­zt sich zusam­men aus dem ei­gentlichen Sach­scha­den (Teil- oder To­talscha­den) an Ge­bäu­den, tech­nischen Ein­rich­tun­gen und Vor­räten und der hi­er­aus re­sul­tieren­den Be­triebsstörung, dem Un­ter­brechungsscha­den. Darüber hi­naus fall­en regelmäßig scha­denbe­d­ingte Kosten an, die nicht un­mit­tel­bar der Wieder­her­stel­lung oder Wiederbeschaf­fung di­e­nen, et­wa für Aufräu­mar­beit­en oder für Sachver­ständi­gengu­tacht­en. Eine struk­turi­erte, pro­fes­sionelle Scha­den­bear­bei­tung ist entschei­dend für die möglichst sch­nelle Wieder­her­stel­lung der Pro­duk­tions- und Lie­fer­fähigkeit und damit für den Er­halt bzw. die Wied­er­er­lan­gung der Präsenz im Markt. Um die hi­erzu notwendige Ko­or­dinierung aller Maß­nah­men sicherzustellen und das Risiko von Feh­lentschei­dun­gen, Missver­ständ­nis­sen und Verzögerun­gen zu min­imieren, ist ein (im Ide­al­fall bere­its präven­tiv ge­bilde­ter) Krisen­stab er­forder­lich, der un­mit­tel­bar nach Scha­denein­tritt die Si­t­u­a­tion ein­schätzt, Hand­lungsal­ter­na­tiv­en prüft, in­tern und ex­tern angemessen und ein­heitlich in­for­miert, Strate­gie und Vorge­hen festlegt, Zuständigkeit­en in­tern und ex­tern verteilt und let­ztlich die Um­set­zung der entschie­de­nen Maß­nah­men kon­trol­liert und ggf. ko­r­rigiert. Neben Feuer­wehr, Ret­tungskräften, Pol­izei und di­versen Be­hör­den (Umwelt, Brand­schutz, Wass­er-, Bau- oder Gewer­beauf­sicht) ist der Sach- und Be­trieb­sun­ter­brechungs-Ver­sicher­er über den Scha­denein­tritt zu in­for­mieren. Ge­genüber den Me­di­en ist zunächst Zurück­hal­tung ange­bracht.
Kern­the­men des un­verzüglich stattfin­d­en­den er­sten Scha­denge­spräch­es mit dem Ver­sicher­er sind:


  • Scha­denzeit­punkt
  • Scha­de­nur­sachen, soweit schon bekan­nt be­trof­fene räum­liche und pro­duk­tion­stech­nische Bereiche
  • Auswirkung des Sach­scha­dens auf Pro­duk­tions- und Lie­fer­fähigkeit
  • Klärung, welche Bereiche nicht pro­duk­tions­seitig beein­trächtigt wer­den notwendige, so­fort einzulei­t­ende Sanierungs- und Schutz­maß­nah­men
  • denk­bare Besch­le­u­ni­gungs­maß­nah­men, Pro­vi­sorien, Ausweich- und Fremd­bezugs-/Fer­ti­gungs­möglichkeit­en
  • er­ste grobe Ein­schätzung der Sach­scha­den­höhe und der Wieder­her­stel­lungs­möglichkeit­en und -dauer
  • Entschei­dun­gen zum Bei­rats- oder Sachver­ständi­gen­ver­fahren zur ver­sicherung­stech­nischen Scha­den­er­fas­sung und Abrech­nung
  • Au­flis­tung der notwendi­gen Un­ter­la­gen wie Han­del­s­reg­is­ter- und Grund­buchauszüge, Re­vi­sion­satteste von elek­trischen An­la­gen und Brand­schutzan­la­gen (au­to­ma­tische Löschan­la­gen u.Ä.), Grun­drisse, Fließsche­ma­ta, An­la­genkarteien, Wertgu­tacht­en, let­zte G+V. usw.
  • Auswirkun­gen auf Umwelt und Nach­barschaft (ev. Scha­den­er­satz­forderun­gen Drit­ter, In­volvierung des Haftpflicht-Ver­sicher­ers)

In den fol­gen­den Ver­hand­lun­gen mit dem Ver­sicher­er oder ggf. einem Ver­sicher­er-
kon­sor­ti­um und den jew­eili­gen Sachver­ständi­gen sind u.a. fol­gende Fra­gen zu klären:


  • Wer­den Ge­bäude und/oder Pro­duk­tion­san­la­gen un­verän­dert aufge­baut/beschafft?
  • Gibt es wesentliche bauliche, tech­nische, brand­schutztech­nische Än­derun­gen auf­grund be­hördlich­er Au­fla­gen oder un­terneh­merisch­er Entschei­dun­gen?
  • Gibt es Stan­dortverän­derun­gen?
  • Welchen Ein­fluss haben diese Verän­derun­gen auf Scha­den­höhe, Re­para­tur- und Wiederbeschaf­fungszeit­en?
  • Welche Sanierungs- und Bau­fir­men, welche Maschi­nen­lie­fer­an­ten wer­den zur Ange­bots­ab­gabe aufge­fordert und dann beauf­tragt?
  • Kann die Be­triebsstörung in Zeit und Höhe ge­min­dert wer­den durch Zukauf von Ware, Ar­beit­szeit- und Frachtzusch­läge, son­stige Besch­le­u­ni­gungs­maß­nah­men und pro­vi­sorische Re­para­turen oder durch Ver­gabe von Fer­ti­gung an Dritte?
  • Ergeben sich durch diese Maß­nah­men auch Nutzen­s­tif­tun­gen für das Un­terneh­men über den ver­sicherten Rah­men hi­naus (z.B. nach Scha­de­nende oder Ablauf der Haftzeit)?
Für die Er­fas­sung der bei der Scha­den­be­he­bung an­fal­l­ende Kosten- und Beleglawine und damit die voll­ständige, sch­nelle und ver­tragskon­forme Abrech­nung des ver­sicherten Scha­dens bi­etet sich z.B. fol­gende Sys­te­m­atik an:


  • Anzule­gende Kon­ten für die Sach­scha­densabrech­nung:
  • Ge­bäud­ere­para­tur/Wieder­her­stel­lungsaufwand
  • An­la­gen­re­para­tur/Wieder­her­stel­lungsaufwand
  • Vor­räte (RHB zu Wiederbeschaf­fungspreisen, halb fertige Waren zu Her­stel­lkosten, Fertig­ware je nach Ver­trag zu Her­stell- oder Verkauf­spreisen)
  • son­stige Kosten wie Aufräum-, Ab­bruch-, Ab­fuhr-, De­poniekosten, Kosten für Sachver­ständige und Gu­tacht­en u. a.
  • Zu berück­sichti­gen sind Frem­drech­nun­gen und ei­gene Per­so­n­al- und Ma­te­rialkosten, je­doch ohne Kosten für alle Besch­le­u­ni­gungs­maß­nah­men, die in den Be­trieb­sun­ter­brechungsscha­den ge­hören.

Er­mittlung des Be­trieb­sun­ter­brechungsscha­dens:

  • Zeiträume des Pro­duk­tionsstill­s­tan­des und der Min­der­leis­tun­gen, Min­der­er­löse und Min­der­men­gen auch nach Ende der Re­para­tur und Wied­er­in­be­trieb­nahme, max. bis zum Ende der vere­in­barten Haftzeit (z.B. durch Kun­den­ver­luste oder Preiszugeständ­nisse)
  • be­trof­fene Pro­dukte/Fer­ti­gungs­linien
  • Pro­duk­tions­men­gen im ungestörten Be­trieb vor Scha­denein­tritt
  • Ist-Pro­duk­tion im Scha­denzei­traum
  • Aus­fall­men­gen je Pro­dukt
  • Er­löse und Deck­ungs­beiträge je Pro­dukt im ungestörten Be­trieb
  • Be­s­tandsverän­derun­gen bei Roh-, Hilfs- und Be­triebsstof­fen, halbferti­gen und ferti­gen Waren
  • evtl. im Sach­scha­den er­wirtschaftete Ei­gen­löhne (z.B. durch zur Re­para­tur beigestelltes und über den Sach­scha­den bezahltes Per­so­n­al)
  • Kosten für Pro­vi­sorien und Besch­le­u­ni­gungs­maß­nah­men

Entschei­dende Fak­toren für den Um­fang bzw. die Höhe der Er­sat­zleis­tung sind richtige und be­darfs­gerechte Ver­sicherungsbe­din­gun­gen (z.B. Haf­tungs­lim­its, Haftzeit­en, Selb­st­be­halte, Risiken aus Lie­fer­ket­ten) und Ver­sicherungs­sum­men so­wohl im Sach- wie auch im Be­trieb­sun­ter­brechungs-Ver­sicherungsver­trag. Zu geringe Ver­sicherungs­sum­men führen zwangs­läu­fig zur Un­ter­ver­sicherung und damit zu evtl. gravieren­den Kürzun­gen der Entschädi­gung. Natür­lich kann dies­er Bei­trag nur ei­nen Über­blick über die Vielzahl der bei der kom­plex­en Scha­den­er­mittlung und -abrech­nung rel­e­van­ten As­pekte sein. Entschei­dend für die grund­sät­zliche Er­satzpflicht und den Um­fang der Entschädi­gung sind Ab­gren­zun­gen von er­satzpflichti­gen und nicht er­satzpflichti­gen Scha­de­nur­sachen, -auswirkun­gen und-kosten (z.B. durch nicht scha­denbe­d­ingte Verän­derun­gen, Verbesserun­gen oder Leis­tungssteigerun­gen der Pro­duk­tion­san­la­gen und Abläufe oder durch Vorteile, die sich über den Rah­men des Ver­trage hi­naus für das be­trof­fene Un­terneh­men ergeben). Es ist sich­er deut­lich ge­wor­den, dass – wie ein­gangs er­wäh­nt – die tech­nische und ver­sicherung­stech­nische Ab­wick­lung eines Großscha­dens eine be­son­dere Be­las­tung für das Un­terneh­men ist. Ex­terne, fachkundige und er­fahrene Un­ter­stützung durch Sachver­ständige, aber auch durch den tech­nischen Ver­sicherungs­mak­ler ist hi­er außeror­dentlich hil­freich. Un­terneh­men, die bere­its von Großschä­den be­trof­fen wur­den, wer­den dies bestäti­gen.

Ausgabe 05/2017



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