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Management

Arbeiten und Leben@Deutschland 2025

Wie das Arbeitsleben in ein paar Jahren aussehen wird, kann noch niemand genau sagen. Fakt ist: Die Welt ist vernetzt und es spielt (fast) keine Rolle mehr, von wo auf dieser Welt aus Konzepte geschrieben, Kunden angerufen oder Verträge ausgearbeitet werden.

Bild oben: (Foto: © ktsdesign – stock.adbobe.com)
Der Sp­a­gat zwischen Berufs- und Pri­vatleben wird da­durch zu ein­er im­mer größeren Her­aus­forderung und damit auch die Frage nach dem „Wie will ich ei­gentlich leben und ar­beit­en?“. Hört man die El­tern noch re­den von den ehe­mals „besseren Zeit­en“, ver­dre­ht heutzu­tage nie­mand mehr die Au­gen, eher kullert so manche Weh­muts-Träne über die Wange: 40 Jahre in ein­er Fir­ma? Be­trieb­s­rente? So et­was wird es im künfti­gen Beruf­sleben nicht mehr geben.

Die Welt ist ver­net­zt – Dig­i­tal­isierung ist der Me­ga­trend unser­er Zeit

(Foto: ©  ktsdesign – stock.adbobe.com)
(Fo­to: © kts­de­sign – stock.ad­bobe.com)

„Die In­dus­trie 4.0 (überset­zt = Ver­net­zung der Pro­duk­tion bzw. Auf­bau eines in­tel­li­gen­ten Wertschöp­fungsprozess­es) hat mit ihr­er selb­st­ständi­gen Fer­ti­gungss­teuerung von Pro­duk­ten bis zum Jahr 2025 das Potenzial, die Brut­tow­ertschöp­fung in den in­dus­triellen Kern­branchen in Nor­drhein-West­falen um 15,6 Mil­liar­den Eu­ro zu steigern. Gleich­sam beste­hen aber auch Ge­fahren, wenn die Verän­derun­gen der Dig­i­tal­isierung nicht ak­tiv ange­gan­gen wer­den“, heißt es in der aktuellen Studie der Prog­nos AG, die seit 1959 Zukunftss­trate­gien auf Ba­sis neu­traler Anal­y­sen und fundiert­er Prog­nosen en­twick­elt und Entschei­dungsträger aus Pol­i­tik, Wirtschaft und Ge­sellschaft eu­ro­paweit berät. Das The­ma Dig­i­tal­isierung ist seit Jahren hochaktuell und noch im­mer sch­wingt dabei die Sorge nach Ver­nich­tung von Ar­beit­s­plätzen mit. Nicht ganz zu Un­recht – er­lebt die Ar­beit in den en­twick­el­ten Län­dern doch die markan­testen Verän­derun­gen seit Gen­er­a­tio­nen.

Die Weichen müssen jet­zt gestellt wer­den

Die Dig­i­tal­isierung in der Un­terneh­menss­trate­gie in klei­nen und mittleren Un­terneh­men in NRW hat bis­lang keine bis eine nur geringe Rel­e­vanz. Das muss sich drin­gend än­dern, um im na­tio­nalen und in­ter­na­tio­nalen Um­feld nicht kom­plett den An­sch­luss zu ver­passen. Dazu be­darf es je­doch auch bes­timmter Vo­raus­set­zun­gen und Rah­menbe­din­gun­gen, die von der Lan­des­regierung und den Min­is­te­rien geschaf­fen wer­den müssen, denn Wirtschaft und Ge­sellschaft sind auf eine gut funk­tionierende In­fras­truk­tur angewie­sen. Ohne diese ist eine pos­i­tive wirtschaftliche En­twick­lung nicht möglich: Dig­i­tale Netze, Strom-, Gas- und Verkehr­swege und an­dere In­fras­truk­turen sind die Ner­ven- und Blut­bah­nen von Wirtschaft und Ge­sellschaft. Das Land NRW ist durch seine zen­trale Lage im Herzen Eu­ro­pas und sei­nen großen Ex­port­sek­tor dabei in ho­hem Maße mit der Weltwirtschaft ver­bun­den, braucht aber drin­gend eine Auswei­tung sein­er Straßen-, Schie­nen- und Wasser­s­traßen­netze. Die Verkehr­sprog­nose der Bun­des­regierung ge­ht davon aus, dass bis 2030 der Be­darf um weitere 40 Prozent an­stei­gen wird. Stand heute sind die Ka­paz­itäts­grenzen aber viel­fach bere­its er­reicht oder schon über­schrit­ten. „Es braucht für die näch­sten zehn bis 15 Jahre ei­nen Mas­ter­plan zur In­fras­truk­tur“, be­tont Prog­nos in sein­er Studie.

Bil­dung: Wichtig­ste Res­source des 21. Jahrhun­derts

Auch auf an­deren Ge­bi­eten gilt es, rel­a­tiv zügig ge­gen­zus­teuern. In den näch­sten 15 Jahren dro­ht NRW eine Ar­beit­skräftelücke von 640.000 Fachkräften. Das Land muss Maß­nah­men er­greifen, um die aufk­om­mende Lücke zu sch­ließen, wie beispiel­sweise Rah­menbe­din­gun­gen für eine gezielte Zuwan­derung zu schaf­fen, Ar­beit­szeit­en auszuweit­en, Bil­dung­sof­fen­siv­en zu starten und Beschäf­ti­gungschan­cen durch Weiter­bil­dung zu verbessern. Die Fachkräftelücke muss vor allem qual­i­ta­tiv geschlossen wer­den; es müssen ent­sprechende Ange­bote bere­it­gestellt wer­den. Das The­ma „Lebens­langes Ler­nen“ wird eine stärkere in­di­vi­du­elle als auch ge­sellschaftliche Be­deu­tung er­hal­ten, denn für den Einzel­nen sichert es die beru­fliche und damit auch pri­vate Zukunfts­fähigkeit in ein­er im­mer sch­neller agieren­den, im­mer dy­namisch­er wer­den­den Wis­sens­ge­sellschaft.

Weg­weisende Erwach­se­nen­bil­dung am Beispiel Däne­mark

Dass Erwach­se­nen- und Ar­beits­markt­bil­dung ei­gentlich gar nicht sch­w­er ist, zeigt sich am Er­fol­gs­beispiel Däne­mark. Laut ein­er regelmäßi­gen Be­fra­gung, dem Eu­ro­pean So­cial Sur­vey, leben eben dort nicht nur die glück­lich­sten Men­schen der Welt, son­dern auch die zufrie­den­sten. Der Be­griff „Hygge“ stammt von unseren nordischen Nach­barn und beschreibt den Zu­s­tand des Wohl­befin­d­ens. Und Deutsch­land möchte sich gerne vom Hygge-Fie­ber an­steck­en lassen: Rat­ge­ber zum The­ma ge­hen in Buch­hand­lun­gen zuhauf über den La­den­tisch. Aber wie ge­ht denn das zusam­men: Glück, Zufrie­den­heit, Pri­vatleben und Ar­beit? Kaum ein an­deres Land ist so tech­nikaffin wie Däne­mark, die uns um Län­gen vo­raus sind in dig­i­taler Tech­nik und IT. Auch hi­er wied­er: Hygge. Die Dä­nen neh­men sich im­mer wied­er Freiräume, Auszeit­en vom at­tackieren­den, ver­sch­lin­gen­den All­t­ag.

Lebens­langes Ler­nen ist Chance, nicht Kampf

Lebens­langes Ler­nen wie auch der Wech­sel in ein an­deres Berufs­feld ge­hören in Däne­mark zum Leben dazu und wer­den nicht als be­droh­lich emp­fun­den. Allerd­ings passen die staatlichen Rah­menbe­din­gun­gen auch gut zum Hygge-Ge­fühl. Jedes Jahr neh­men rund 20 Prozent aller Ar­beit­neh­merin­nen und Ar­beit­neh­mer an einem Ar­beits­markt-Aus­bil­dungspro­gramm, kurz AMU, teil. Für länger dauernde Aus­bil­dun­gen ste­ht ih­nen dabei 90 Prozent des Lohns zu. Das dänische Sys­tem ist so um­fassend ges­tal­tet, dass für Ar­beit­s­lose z.B. kaum ge­son­derte Maß­nah­men ein­gerichtet wer­den müssen. Die AMU-Cen­ter ge­hen auf in den 1940er-Jahren ge­grün­dete gew­erkschaftliche Abend­schulen für Un- und An­gel­ernte zurück und bi­eten heute rund 2.000 Bil­dungs­gänge an, die zwischen einem und 30 Ta­gen dauern. Sie richt­en sich an Qual­i­fizierte und Un­gel­ernte aus na­hezu allen wirtschaftlichen Bereichen. Dabei ist der Über­gang zwischen Grun­daus­bil­dung und Weiter­bil­dung fließend, die Bil­dungsange­bote für Ar­beit­s­lose sind in das Sys­tem in­te­gri­ert, so­dass diese mit der Beruf­swelt ver­bun­den bleiben.

Deutsch­land­Vi­sion 2030


Eine kurze Zukunfts-Trend-Pronose zeigt der Zukunftswis­sen­schaftler, Publ­izist und Be­r­ater für Wirtschaft und Pol­i­tik, Pro­fes­sor Dr. Horst-W. Opas­chows­ki, auf: 1. 0,5 x 2 x 3-Ar­beitsver­hält­nisse: die Fol­gen der Glob­al­isierung. (Das heißt: Die Hälfte der Mi­tar­beit­er ver­di­ent dop­pelt so viel und muss dafür drei­mal so viel leis­ten wie früher.)

  • 2. Strate­gie der besten Köpfe: die Zuwande rung als Zukunftspotenzial.
  • 3. Leben ist die Lust zu schaf­fen: die Leis tung­s­ex­plo­sion der jun­gen Gen­er­a­tion.
  • 4. Der zweite „De­mo­gra­fische­Wan­del“: die neue Lust auf Fam­i­lie.
  • 5. Die Frauen kom­men mit Macht: Die Ar­beitswelt wird wei­blich­er.
  • 6. Re-Start mit 50: Die Wirtschaft braucht wied­er äl­tere Ar­beit­neh­mer.
  • 7. Come­back mit 65: Zu­ver­di­enst statt Al­ter­sar­mut.
  • 8. Leben­squal­ität bis ins ho­he Al­ter: Wah ver­wandtschaften und soziale Kon­vois.
  • 9. Ge­sund­heit­sori­en­tierung als neue Zu- kunft­s­re­li­gion: Woh­lerge­hen im Zen­trum des Lebens.
  • 10. Gut leben statt viel haben: die Sehn sucht nach dem Sinn.

Der geschäfts­führende Ge­sellschafter der Prog­nos AG, Chris­tian Böll­hoff, drückt es mit den Worten des öster­reichisch-bri­tischen Philo­sophen Karl Pop­per so aus: „Unsere Ein­stel­lung der Zukunft ge­genüber muss sein: Wir sind jet­zt ve­r­ant­wortlich für das, was in der Zukunft geschie­ht.“

Chris­tine El­bel | re­dak­tion@­sued­west­falen-ma­n­ag­er.de

Ausgabe 04/2017