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America first – und was jetzt?

Die USA gehören zu den wichtigsten Handelspartnern der Unternehmen in NRW und bieten auch unter Donald Trump vielfältige Möglichkeiten für gute Geschäfte.

Bild oben: (Foto: Lukas Gojdad – stock.adobe.com)
„From this day for­ward a new vi­sion will gov­ern our land. From this day for­ward it’s go­ing to be on­ly Amer­i­ca first, Amer­i­ca first“ – mit die­sen Worten beschrieb der neue US-amerikanische Präsi­dent Do­n­ald Trump bei sein­er Ein­führungsrede die poli­tische Agen­da der kom­men­den Jahre. Eine Agen­da, die Trump bere­its im Wah­lkampf definiert hatte und die im Aus­land und bei der hie­si­gen Wirtschaft für Ir­ri­tierung sorgte. „Dass aus­gerech­net im Geschäft mit einem der wichtig­sten deutschen Aus­lands­märkte, den USA, so viele Un­sicher­heit­en beste­hen, ist an­gesichts der zahl­reichen in­ter­na­tio­nalen Krisen­herde be­son­ders sch­lim­m“, äußerte sich Gre­gor Berghausen, Haupt­geschäfts­führ­er der IHK Düs­sel­dorf, zur Amt­se­in­führung Trumps.

Amer­i­ca-First Trade Pol­i­cy

(Foto: Lukas Gojdad – stock.adobe.com)
(Fo­to: Lukas Go­j­dad – stock.adobe.com)

Nun mag möchte an dies­er Stelle gerne die Keule aus­pack­en und des Präsi­den­ten Worte mit Satire Marke Böh­mer­mann begeg­nen, doch sin­n­voller ist eine kri­tische Be­trach­tung der wirtschaftlichen Si­t­u­a­tion, zu­mal nichts so heiß gegessen wird wie gekocht. Aber zunächst zum Kern des Problems und Aus­gangspunkt der Trump­schen Rhe­torik. In den ver­gan­ge­nen Jahren haben sich breite Teile der US-amerikanischen In­dus­trie – vorneweg die Au­to­mo­bilin­dus­trie in Chica­go, De­troit oder Pitts­burgh – de­sas­trös en­twick­elt, der Man­u­fac­tur­ing Belt wurde zum Rust Belt. Damit ver­bun­den: die Ab­wan­derung von Ar­beit­s­plätzen ins Aus­land, die ver­stärkt wurde durch das Nor­damerikanische Frei­han­dels­abkom­men (NAF­TA) zwischen den USA, Ka­na­da und Mexiko.
An dies­er Stelle set­zt Trump an mit seinem „7 Point Plan to Re­build the Amer­i­can Econ­o­my by Fight­ing for Free Trade“. Auch wenn sich der Text pro­tek­tion­is­tisch li­est (und viel­fach auch so in­ter­pretiert wird), spricht sich Trump darin in er­ster Linie dafür aus, die Han­delsverträge neu zu ver­han­deln, um Lö­sun­gen zu fin­d­en, die Ar­beit­s­plätze schaf­fen, für höhere Löhne sor­gen und das große Han­dels­de­fiz­it von reko­rd­verdächti­gen 803 Mil­liar­den US-Dol­lar bereini­gen sollen. Be­son­ders die amerikanisch-chi­ne­sischen Han­dels­bezie­hun­gen mit einem De­fiz­it von 367,4 Mil­liar­den US-Dol­lar sind der US-Regierung ein Dorn im Auge. Von da­her möchte diese zukünftig die In­teressen Amerikas im Rah­men der Han­dels- und Wirtschaft­spol­i­tik in den Vorder­grund stellen – ganz im Sinne ein­er „Amer­i­ca-First Trade Pol­i­cy“.
Ohne die Pro­tek­tion­is­mus-Frage an dies­er Stelle beant­worten zu wollen – be­tracht­en wir doch ein­fach die grundle­gende Frage, was die neue amerikanische Wirtschaft­spol­i­tik für uns in Nor­drhein-West­falen berei­thält und welche Möglichkeit­en sich in Zukunft für Un­terneh­men bi­eten.

Die USA und Nor­drhein-West­falen – eine er­fol­greiche Wirtschafts­geschichte

(Quelle: IT.NRW; Deutsche Bundesbank; Statistisches Bundesamt)
(Quelle: IT.NRW; Deutsche Bun­des­bank; Statis­tisch­es Bun­de­samt)


„Die nor­drhein-west­fälische Wirtschaft ist tra­di­tionell eng mit den Vereinigten Staat­en ver­bun­den. Mit einem Han­delsvol­u­men von über 20 Mil­liar­den Eu­ro ste­hen die USA auf Platz sechs der Han­dels­part­n­er“, erk­lärt NRW-Wirtschafts­min­is­ter Gar­relt Duin. „Mehr als 1.600 amerikanische Un­terneh­men sind hi­erzu­lande an­ge­siedelt“, das sind 20,4 Prozent aller US-Un­terneh­men in Deutsch­land, „und un­ter den aus­ländischen In­ve­s­toren stellen die US-Un­terneh­men die meis­ten Ar­beit­s­plätze in Nor­drhein-West­falen“, so Duin weit­er. Der wert­mäßige Be­s­tand aller Di­rekt­in­vesti­tio­nen aus den USA ad­dierte sich in 2014 auf 11,4 Mil­liar­den Eu­ro. Im Ge­gen­zug haben Un­terneh­men aus NRW im gleichen Zei­traum 25,2 Mil­liar­den Eu­ro Di­rekt­in­vesti­tio­nen getätigt. Das klingt so weit ganz gut.
Weniger er­freulich, zu­min­d­est für die USA, stellt sich die Lage beim Han­delsvol­u­men dar. Hi­er ex­portierten Un­terneh­men aus NRW in 2015 Waren im Wert von rund 12,1 Mil­liar­den Eu­ro, während nur Waren im Wert von 8,3 Mil­liar­den Eu­ro im­portierten. Diese neg­a­tive Bi­lanz fin­d­et sich auch im deutsch-amerikanischen Han­del; diese lag 2016 bei mi­nus 49 Mil­liar­den US-Dol­lar. Doch trotz dies­er neg­a­tiv­en Zahlen setzen die USA und ihre Un­terneh­men auf deutsch­es Know-how und Pro­dukte aus NRW. „Wenn Ameri­ka seine Wirtschaft mod­er­nisieren will, wird das nicht ohne deutsche Maschi­nen und An­la­gen ge­hen“, ist sich IHK-Chef Berghausen sich­er.

Von Trumps Wirtschaft­spol­i­tik pro­f­i­tieren


Von da­her ist und bleibt der US-amerikanische Markt eine at­trak­tive Ab­satzre­gion für Maschi­nen­bauer aus NRW. Auch bi­etet der Wirtschaft­s­plan Trumps mit sei­nen In­vesti­tion­spro­gram­men in die In­fras­truk­tur und zu­gun­sten US-amerikanisch­er Un­terneh­men bzw. Ar­beit­neh­mer vielfältige Möglichkeit­en für den hie­si­gen Mit­tel­s­tand und hie­sige Glob­al Play­er. Nicht ohne Grund en­gagieren sich Un­terneh­men wie ThyssenKrupp oder Evonik in den USA. So hat allein ThyssenKrupp in 2016 rund sieben Mil­liar­den Eu­ro Um­satz mit seinem US-amerikanischen Geschäft er­wirtschaftet, während Evonik in den USA auf Shop­ping­tour war. Die Es­sen­er über­nah­men dabei für 630 Mil­lio­nen US-Dol­lar die Kie­sel­säure-Sparte Sil­i­ca von J.M. Hu­ber und für 3,8 Mil­liar­den US-Dol­lar das Spezial­ad­di­tiv-Geschäft von Air Prod­ucts.
Ei­nen weit­eren An­satz für gute Geschäfte bi­etet das Feld der erneuer­baren En­ergien. Zwar gibt es hi­er in den USA bis­lang keine ein­heitliche Pol­i­tik im Um­gang mit sau­ber­er En­ergie, doch haben sich bere­its 29 der 50 Bun­dess­taat­en an­spruchsvolle Ziele ge­set­zt. So möchte Ver­mont bis 2032 drei Vier­tel sein­er En­ergie aus erneuer­baren Quellen gewin­nen; Kal­i­fornien hat sich ein Ziel von 50 Prozent bis 2030 ge­set­zt. Solche Ziele freuen Un­terneh­men wie Eon. Die Es­sen­er ge­hören zu den weltweit größten Be­treibern von An­la­gen und Kraftw­erken zur Pro­duk­tion von erneuer­bar­er En­ergie. Eon ste­ht dabei auf dem US-Markt mit rund 3.200 Me­gawatt Leis­tung für die Hälfte der erzeugten Leis­tung und hat jüngst mit dem Bau eines neuen Wind­parks in Illi­nois be­gon­nen.
Eine dritte Möglichkeit für deutsche Un­terneh­men bi­etet der pri­vate Kon­sum. Dies­er ste­ht in der größten Volk­swirtschaft der Welt für rund 70 Prozent des BIP. Der Kon­sum war dabei in 2016 er­freulich hoch und pro­f­i­tierte vom fal­l­en­den Öl­preis. Deutsche Dis­coun­ter haben das längst erkan­nt und drän­gen den Platzhirsch Wal­mart im­mer stärk­er in die Ecke. So be­treibt Al­di bere­its 1.600 Filialen in den USA und plant, diese Zahl bis Ende 2018 auf 2000 zu er­höhen. Aldis Mark­tan­teil be­trägt derzeit zwar nur 1,5 Prozent, der von Wal­mart liegt bei gut 22 Prozent liegt. Doch während bei den US-Amerikan­ern das Wach­s­tum mit zwei Prozent mehr oder weniger stag­niert, sch­ließt die Konkur­renz aus Deutsch­land mit 15 Prozent Wach­s­tum allein in 2016 sch­nell auf. Auch die Neckar­sul­mer Sch­warz-Gruppe hat den US-Markt für ihre Dis­coun­ters­parte Lidl im Visi­er. Bere­its in die­sem Som­mer möchte das Un­terneh­men 20 Filialen in den US-Bun­dess­taat­en North und South Car­oli­na sowie in Vir­gi­nia eröff­nen. Bis zum Som­mer 2018 sollen dann noch weitere 100 Filialen an der US-Os­tküste dazukom­men.
Der Kon­sum ste­ht auch ab­seits des klas­sischen LEH-Geschäfts für gute Ab­satzmöglichkeit­en, z.B. für qual­i­ta­tiv hoch­w­ertige Pro­dukte made, de­signed oder in­vent­ed in Ger­many. Dabei bi­eten sich für Mit­tel­ständler vom Joint Ven­ture über die 100-prozentige Tochter bis zum klas­sischen Ex­port in die USA vielzäh­lige Möglichkeit­en.
Für Un­terneh­men in NRW bleibt zu hof­fen, dass die USA trotz des Um­baus in ihr­er Außen­wirtschaft­spol­i­tik dem Prinzip der freien Märkte fol­gt. „Wir setzen da­rauf, dass Trump die Vorzüge des Frei­han­dels und of­fen­er Märkte erken­nt. Das liegt im ge­gen­seiti­gen In­teresse der USA und sein­er Wirtschafts­part­n­er, denn kein Land der Welt pro­f­i­tiert so sehr von der Glob­al­isierung wie die US­A“, erk­lärt Wirtschafts­min­is­ter Duin. „Wir wer­den alles tun, um die guten Wirtschafts­bezie­hun­gen fortzusetzen und weit­er auszubauen.“ An­dré Sarin | re­dak­tion@­sued­west­falen-ma­n­ag­er.de

Ausgabe 03/2017