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Titelstory

Externe Dienstleister gesucht

80 Prozent der deutschen Unternehmen setzen auf externe Software-Spezialisten. Ein starker Markt, der qualifizierte Mitarbeiter braucht.

Bild oben: (Foto: ©photon_photo – stock.adobe.com)
Der Markt der Soft­ware- und IT-Di­en­stleis­tun­gen boomt. Schon seit Jahren neh­men bei Mit­tel­ständlern wie Konz­er­nen die dig­i­tal­en Auf­gaben zu, die Dig­i­tal­isierung in den Fir­men er­fasst im­mer mehr Bereiche. Die Ant­wort hi­er­auf geben die Un­terneh­men in sehr un­ter­schiedlich­er Form. Viele beschäfti­gen ei­gene Fachkräfte, an­dere kaufen ent­sprechende Di­en­stleis­tun­gen zu.
Wie stark ex­terne Soft­ware-Di­en­stleis­tun­gen in Form von Pro­gram­mierun­gen, An­pas­sun­gen oder Be­treu­un­gen nachge­fragt wer­den, zeigte im ver­gan­ge­nen Jahr eine repräsen­ta­tive Um­frage, die der Markt­forsch­er „Bitkom Re­search“ im Auf­trag des gleich­nami­gen Branchen­ver­bands Bitkom durchge­führt hat. Dem­nach set­zt die große Mehrheit der Un­terneh­men in Deutsch­land, näm­lich acht von zehn, bei der firmenei­ge­nen IT und Soft­ware auf ex­terne Di­en­stleis­ter.
Bei der Um­frage wur­den Geschäfts­führ­er, Vor­s­tands­mit­glied­er und IT-Leit­er von 1.108 Un­terneh­men aller Branchen mit ein­er Größe ab 20 Mi­tar­beit­ern in Deutsch­land be­fragt. Dabei gaben 82 Prozent der be­fragten Un­terneh­men an, dass sie Teile ihr­er IT-Leis­tun­gen aus­lagern bzw. aus­ge­lagert haben. Am häu­fig­sten wer­den ex­terne IT-Di­en­stleis­ter von Un­terneh­men aus der Tran­s­port- und Lo­gis­tik­branche (86 Prozent) sowie dem Han­del (83 Prozent) in An­spruch genom­men. Am sel­ten­sten greifen Ver- und Ent­sorg­er (76 Prozent) sowie Banken und Fi­nanz­di­en­stleis­ter (77 Prozent) auf IT-Out­sourc­ing zurück. „Für die War­tung der Un­terneh­mens-IT oder zur Lö­sung alltäglich­er Com­put­er­probleme benöti­gen nur wenige Un­terneh­men ei­gene IT-Ex­perten“, un­ter­streicht Bitkom-Ex­perte Frank Früh. Auch seien An­bi­eter von IT-Leis­tun­gen oft bre­it aufgestellt und böten neben ein­fachem IT-An­wen­der­sup­port zum Beispiel Cloud-Lö­sun­gen oder IT-Sicher­heitss­trate­gien an.

Sicher­heit bei Soft­ware und IT-Struk­turen im­mer wichtiger

(Foto: ©photon_photo – stock.adobe.com)
(Fo­to: ©pho­ton_pho­to – stock.adobe.com)

Wie wichtig fach­män­nische Be­treu­ung tat­säch­lich ist, zeigt sich be­son­ders bei der Sicher­heit von Fir­men­dat­en und Soft­ware. Ger­ade den Un­terneh­mer-Ver­bän­den bren­nt eben die­s­es The­ma auf der Seele, weiß Arne Schön­bohm, Präsi­dent des Bun­de­samtes für Sicher­heit in der In­for­ma­tion­stech­nik (BSI). Darum wer­den hi­er auch gerne Ko­op­er­a­tio­nen einge­gan­gen, wie zulet­zt im Ok­to­ber 2017 mit dem Zen­tralver­band des Deutschen Hand­w­erks (ZDH). Speziell bei den Klei­n­un­terneh­men zeigt sich, dass zuneh­mend auch mit­tel­ständische Hand­w­erks­be­triebe zum Ziel von Hack­eran­grif­f­en, Schad­soft­ware, Phish­ing und an­deren Cy­ber­at­tack­en wer­den. Um Hand­w­erk­sun­terneh­men die Rel­e­vanz des The­mas IT-Sicher­heit zu verdeut­lichen und sie in der IT-Präven­tion sowie in der Ab­wehr solch­er An­griffe zu un­ter­stützen, hät­ten sich der Zen­tralver­band des Deutschen Hand­w­erks und das Bun­de­samt für Sicher­heit in der In­for­ma­tion­stech­nik auf diese Ko­op­er­a­tion ver­ständigt, so die Aus­sage der Ver­bände. ZDH-Präsi­dent Hans Peter Woll­seifer sagte hi­erzu: „Längst ist es so, dass auch unsere Hand­w­erks­be­triebe von Cy­beran­grif­f­en be­trof­fen sind, und dass die Schä­den, die da­durch ent­ste­hen, oft sehr kost­spielig sind. Es ist da­her wichtig, dass sich unsere Be­triebe ge­gen solche An­griffe wapp­nen.“ In die­sem Zusam­men­hang trat der ZDH auch der „Al­lianz für Cy­ber-Sicher­heit“ bei, die sich mittler­weile zur wichtig­sten IT-Sicher­heitsini­tia­tive en­twick­elt hat. Sie wurde 2012 vom BSI ins Leben gerufen, zusam­men mit dem Bun­desver­band In­for­ma­tion­swirtschaft, Telekom­mu­nika­tion und neue Me­di­en e. V. (Bitkom). Die Al­lianz hat das Ziel, die Cy­ber­sicher­heit bei deutschen Fir­men und Be­hör­den zu er­höhen und die Wider­s­tands­fähigkeit des Stan­dortes Deutsch­land ge­genüber Cy­beran­grif­f­en zu stärken. Sie richtet sich vor­rangig an Un­terneh­men und Be­hör­den, darüber hi­naus aber auch an son­stige In­sti­tu­tio­nen und Or­gan­i­sa­tio­nenin Deutsch­land. Neben der Bun­de­sebene gibt es aber auch wichtige Län­der-Ini­tia­tiv­en. Hi­er in Nor­drhein-West­falen startete erst kür­zlich eine Ko­op­er­a­tion zwischen dem net­work­er NRW e. V. der eco (Ver­band der In­ter­netwirtschaft e. V.) und dem Lan­deskrim­i­nalamt Nor­drhein-West­falen. „Die Zusam­me­nar­beit des Lan­deskrim­i­nalamts Nor­drhein-West­falen mit dem net work­er NRW und dem eco-Ver­band di­ent dazu, In­ter­net­nutz­er ziel­gerichtet und sch­nell über aktuelle Be­dro­hun­gen im In­ter­net zu in­for­mieren und die Anzeige­bere­itschaft insbe­son­dere bei von Straf­tat­en be­trof­fe­nen Un­terneh­men zu er­höhen“, erk­lärte hi­erzu der Leit­er des Cy­ber­crime Kom­pe­tenzzen­trums des LKA NRW, Dirk Hard­er, an­läss­lich der Un­terzeich­nung der Ko­op­er­a­tion.
Wie wichtig ger­ade diese Lan­desini­tia­tiv­en sind, zeigt ger­ade die in Es­sen be­hei­matete Ini­tia­tive net­work­er NRW e. V., die den di­rek­ten Draht zu Fir­men über per­sön­liche Kon­takte pflegt oder Ve­r­an­s­tal­tun­gen für oder zusam­men mit In­dus­trie- und Han­del­skam­mern, aber auch für die bzw. ge­mein­sam mit den Wirtschafts­förderun­gen der Städte durch­führt. Ein größeres Pro­jekt ist hi­er die „Road­show Cy­ber­crime“ des net­work­er-Vereins.
Der Ver­band eco mit Sitz in Köln en­gagiert sich par­al­lel ge­gen Krim­i­nal­ität im In­ter­net. Konkret ge­ht die eco-Besch­w­erdestelle ge­gen rechtswi­drige In­halte wie zum Beispiel Ge­walt­darstel­lun­gen im In­ter­net vor. Im Bereich IT-Se­cu­ri­ty bi­etet eco für je­den In­ter­net­nutz­er die Möglichkeit, sich über aktuelle Be­dro­hun­gen zu in­for­mieren und sich da­vor zu schützen.

Man­gel an Fachkräften wird zuneh­mend größer

ZDH-Präsident Hans Peter Wollseifer
ZDH-Präsi­dent Hans Peter Woll­seifer


Um mehr Sicher­heit leis­ten zu kön­nen, sind Fach­leute mehr denn je notwendig, aber nicht ein­mal bei den Pro­gram­mier­ern gibt es aus­reichend Fachkräfte, um die Nach­frage am Ar­beits­markt auch nur an­näh­ernd be­friedi­gen zu kön­nen.
Ganz be­son­ders Start-ups lei­den un­ter die­sem Man­gel, denn wenn die Geschäfte gut laufen und das junge Un­terneh­men wächst, stellt sich rasch die Frage nach geeigneten Mi­tar­beit­ern.
Nach ein­er Um­frage des Branchen­ver­ban­des Bitkom un­ter mehr als 250 Grün­dern gibt jedes zweite Start-up (53 Prozent) an, dass bere­its min­destens ein­mal eine Po­si­tion nicht be­set­zt wer­den kon­nte, weil sich kein qual­i­fiziert­er Be­wer­ber ge­fun­den hat.
Vor allem IT-Jobs sind dabei sch­w­er zu be­setzen. Rund zwei Drit­tel der Grün­der (65 Prozent) geben an, dass es be­son­ders sch­w­er sei, qual­i­fizierte IT-Ex­perten einzustellen. 17 Prozent haben Probleme, Ver­triebs­mi­tar­beit­er zu fin­d­en, zehn Prozent se­hen Probleme im Bereich Mar­ket­ing und Kom­mu­nika­tion und nur rund jedes zwanzig­ste Un­terneh­men hat die größten Sch­wierigkeit­en bei der Be­set­zung von Ma­n­age­ment- und Geschäfts­führungs-Po­si­tio­nen (fünf Prozent) bzw. im Bereich Pro­jekt­ma­n­age­ment (vi­er Prozent). „Wir se­hen seit Jahren in der deutschen Wirtschaft ei­nen gravieren­den Fachkräfte­man­gel, vor allem mit Blick auf IT-Ex­perten. Start-ups konkur­ri­eren an dies­er Stelle mittler­weile nicht nur mit großen IT-Konz­er­nen, son­dern mit etablierten Un­terneh­men aus na­hezu allen an­deren Branchen, die ger­ade mit Blick auf das Fix-Ge­halt häu­fig mehr bi­eten kön­nen als ein frisch ge­grün­detes Start-up“, sagt Bitkom-Präsi­dent Achim Berg. „Um­so wichtiger ist es für Grün­der, ein at­trak­tives Paket für Be­wer­ber zu sch­nüren und auch in­ter­na­tio­n­al nach Kan­di­dat­en zu suchen, um nicht in der Wach­s­tum­sphase durch Per­so­nal­man­gel aus­ge­bremst zu wer­den.“ Was die IT-Po­si­tio­nen be­t­rifft, sind bei den Start-ups vor allem En­twick­ler Man­gel­ware. 17 Prozent der Grün­der geben an, dass Back­end-En­twick­ler be­son­ders sch­w­er zu fin­d­en sind, 13 Prozent bek­la­gen all­ge­mein ein Fehlen von En­twick­lern und Pro­gram­mier­ern.
Dass sich der Man­gel durch ver­stärkte Schu­lung und Rekru­tierung von qual­i­fizierten Schu­la­bgängern und Abi­turi­en­ten be­heben lässt, scheint bei der derzeiti­gen In­teressen­lage von Ju­gendlichen nicht unbe­d­ingt wahrschein­lich.
Zwar wis­sen Ju­gendliche, dass Pro­gram­mierken­nt­nisse in der dig­i­tal­en Welt im­mer wichtiger wer­den, aber nur wenige kön­nen schon selbst „co­den“, al­so pro­gram­mieren: Ger­ade ein­mal jed­er zeh­nte Ju­gendliche (elf Prozent) kann ei­gene Pro­gramme schreiben oder Web­seit­en er­stellen, wie eine repräsen­ta­tive Be­fra­gung des Ver­ban­des Bitkom un­ter 10- bis 18-Jähri­gen er­gab.
„Smart­phones und Tablets ge­hören für viele Kin­der und Ju­gendliche wie selb­stver­ständlich zum All­t­ag. Aber nur die wenig­sten wis­sen, wie die Geräte ei­gentlich funk­tionieren“, sagt Bitkom-Geschäft­sleit­er Chris­tian Kulick. Um das In­teresse an dig­i­tal­en Tech­nolo­gien zu fördern, ve­r­an­s­tal­tet der Bitkom Pro­jekt­tage an Schulen, Work­shops, aber auch Fort­bil­dun­gen, die sich gezielt an Schüler, Lehr­er und El­tern richt­en. Dr. Martin St­ef­fan | re­dak­tion@­sued­west­falen-ma­n­ag­er.de

Ausgabe 09/2017



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Bitkom-Präsident Achim Berg
Bitkom-Präsident Achim Berg