Schließen TEILEN MIT...

RANKINGS
Schließen
Schließen
Management

Den Himmel zu Füßen

Die wirtschaftlichen Möglichkeiten rund um die Drohne werden immer vielfältiger und spezialisierter. Neue Gesetze sollen den Umgang regulieren, die Praxis hinkt jedoch hinterher.

Bild oben: Für viele Unternehmen ist die Drohne die Zukunft Foto: © tostphoto – stock.adobe.com
Der Hype um die unbe­man­n­ten Luft­fahrt­sys­teme (um­gangssprach­lich Droh­nen ge­nan­nt) ist unge­brochen. Auch die wirtschaftliche Nutzung der Flugkör­p­er wird stetig aus­ge­baut: „2016 war das Jahr der Con­sumer-Con­troller. 2017 und die weit­eren Jahre ge­hören der In­dus­trie­droh­ne“, sagt Boris Ber­tram vom Droh­nenser­vice Köln. So groß ist der Trend mittler­weile, dass im April die­s­es Jahres eine neue Luftverkehr­sord­nung in Kraft ge­treten ist, welche die wirtschaftliche Nutzung der Flu­gob­jekte ge­set­zlich vol­lkom­men neu regelt. Doch bis die The­o­rie in der Praxis an­ge­langt ist, dauert es noch.

Von Fo­to­gra­fie bis In­spek­tion

Für viele Unternehmen ist die Drohne die Zukunft Foto: © tostphoto – stock.adobe.com
Für viele Un­terneh­men ist die Drohne die Zukunft Fo­to: © tost­pho­to – stock.adobe.com

Den Ein­satzge­bi­eten der unbe­man­n­ten Luft­fahrt­sys­teme sind kaum Grenzen ge­set­zt. Rel­a­tiv of­fen­sichtlich ist noch die reine Luft­fo­to­gra­fie bzw. die Fil­mauf­nahme aus der Luft. Hi­er nahm der Trend sei­nen An­fang. Doch mittler­weile sind die Op­tio­nen stark gewach­sen. „Das Ein­satzge­bi­et ist im Grunde alles, wo man sonst nur mit ho­hem Aufwand ohne Drohne drankommt“, erzählt Presse­fo­to­graf Gero Helm, der selbst mit Droh­nen ar­beit­et. Das heißt de fac­to: Vom Dachdeck­er bis zum Ar­chitek­ten pro­f­i­tiert jed­er von der neuen Tech­nik. Er­ster­er, wenn er ganz ein­fach die Drohne über das Dach flie­gen lassen kann, statt selbst klet­tern zu müssen, Let­zter­er, wenn er die Vermes­sungsar­beit­en von Droh­nen machen lassen kann. War die In­spek­tion von Win­drädern vor weni­gen Jahren noch eine ge­fähr­liche Auf­gabe für Men­schen, kön­nen heute Droh­nen nach Haar­ris­sen in den Ro­toren Ausschau hal­ten. Ein großes Feld ist nicht zulet­zt auch die Land­wirtschaft, wie Achim Friedl, Vor­s­tand beim Ver­band für unbe­man­nte Luft­fahrt UAV DACH, weiß: „Man kann aus der Luft se­hen: Wie en­twick­elt sich das Wach­s­tum? Wo sind Stellen, die un­ter Wasser­man­gel lei­den? Wo ist zu viel Feuchtigkeit?“ Eine Drohne könne präzise dort dün­gen, wo es nötig ist, statt ein­fach flächen­deck­end zu streuen. Eben­so sei es bei der Schädlings­bekämp­fung. Bis­lang seien Droh­nen in der Land­wirtschaft noch Einze­lan­wen­dun­gen, doch spreche sich so et­was in der Fach­welt herum.
Diese neuen En­twick­lun­gen be­din­gen je­doch auch eine breitere Auf­stel­lung der Droh­ne­nan­bi­eter: „Es wird in weni­gen Jahren ei­nen Mit­tel­s­tand geben, der nicht nur Pi­loten beschäftigt, son­dern auch ei­nen größeren Mi­tar­beit­er­stab, der Dat­en analysiert“, ist sich Ber­tram sich­er. Große Un­terneh­men richteten bere­its ei­gene Droh­nen­abteilun­gen ein. Je spezial­isiert­er die An­forderun­gen wer­den, des­to un­ter­schiedlich­er müssen die Droh­nen auch aus­gerüstet sein. Reicht für das Hochzeits­fo­to eine hochau­flösende Kam­era, braucht es, um Wälder mit Droh­nen nach Borkenkäfern zu durch­suchen, bere­its Mul­ti­s­pek­tral- und In­frarotkam­eras. Muss eine ver­schachtelte Hal­len­decke in großer Höhe in­spiziert wer­den, ist zusät­zlich noch ein starkes Licht und eventuell eine Drohne, die ohne Scha­den in kleine Eck­en flie­gen kann, nötig. Über kurz oder lang wird es al­so eine Vielzahl spezial­isiert­er An­wen­dungs­ge­bi­ete geben.

Keine Zukunft für Paket­di­en­ste

Boris Bertram, Drohnenservice Köln Foto: Boris Bertram
Boris Ber­tram, Droh­nenser­vice Köln Fo­to: Boris Ber­tram


Worin die Ex­perten geschlossen wenig Zukunft se­hen, ist der reg­uläre Ver­sand durch Droh­nen. „Dass Droh­nen in Deutsch­land flächen­deck­end Pakete aus­lie­fern, ist nicht vorstell­bar“, so das harte Urteil von Boris Ber­tram. Da ginge es um Spezial­lö­sun­gen. Muss beispiel­sweise ein Paket zu einem entle­ge­nen Ort auf ein­er Insel oder in den Alpen ge­bracht wer­den, kön­nte die Drohne im Einzel­fall eine Lö­sung sein. Bei allem an­deren stän­den Nutzen und Risiko in kein­ster Weise in ein­er vernünfti­gen Re­la­tion. Sch­ließlich seien Droh­nen sen­si­ble Geräte. Wenn ein Teil aus­fiele, falle das Gerät herun­ter, im sch­limm­sten Fall auf ei­nen Spiel­platz oder Ähn­lich­es. Auch Friedl hält es für un­wahrschein­lich, dass in na­her Zukunft in Deutsch­land Pizzen per Drohne aus­gelie­fert wer­den. Sein Faz­it zu den Paket­droh­nen: „Im Mo­ment se­he ich die­sen Be­darf noch nicht, aber die Frage muss öf­fentlich disku­tiert und beant­wortet wer­den.“ Al­len­falls sei so et­was aber für ländliche Ge­gen­den oder in Me­gac­i­tys, wo das Durchkom­men mit dem Au­to sch­wierig ist, eine Lö­sung.
Ein Schritt in eine neue Rich­tung ist die ak­tu­al­isierte Luftverkehr­sord­nung. Neben vielen an­deren Neuregelun­gen hebt sie die Tren­nung zwischen kom­merzieller und nicht kom­merzieller Nutzung auf, die bis April 2017 gegeben war. Für Un­terneh­men macht sie al­so vie­les ein­fach­er. Aber nicht alles: Wer beispiel­sweise über fremdes Grund­stück flie­gen will, braucht die ex­pl­izite Er­laub­nis des Ei­gen­tümers. Ein Dachdeck­er muss al­so prinzipiell ei­nen großen Mehraufwand be­treiben, um das Dach in­spizieren zu kön­nen, braucht er doch (min­destens) eine Geneh­mi­gung. Friedl entschärft je­doch: Denn mit der neuen Ge­setzes­lage sei es möglich, eine all­ge­meine Be­trieb­ser­laub­nis zu er­hal­ten. Hi­er kön­n­ten auch spezielle Son­der­geneh­mi­gun­gen et­wa für das Flie­gen außer­halb der Sichtweite oder über fremde Däch­er für den Zweck ein­er In­spek­tion gegeben wer­den.
Was in der The­o­rie großartig klingt, ste­ht in der Praxis allerd­ings vor einem großen Problem: „Die Luft­fahrt­be­hör­den wis­sen noch nicht, wie sie mit dem neuen Ge­setz umge­hen kön­nen“, so Friedl. Wie das Ge­setz umge­set­zt wer­den solle, sei im­mer noch nicht fest­gelegt, Bund und Län­der disku­tierten noch. Das Ge­setz, seit April in Kraft ge­treten, kommt al­so nur par­tiell zur An­wen­dung und ist auch von Land zu Land un­ter­schiedlich. So verteilt Bay­ern Be­trieb­ser­laub­nisse weit großzügiger als an­dere Bun­des­län­der. Bre­men hat gar eine all­ge­meine Be­trieb­ser­laub­nis aus­gegeben. Hi­er darf al­so jed­er Droh­nen­flieger sein Gerät auf­stei­gen lassen, wenn er sich an die Eck­dat­en hält. Es gibt al­so noch viel Klärungsbe­darf. „Ich hoffe, dass das bis Herbst die­s­es Jahres noch passieren wird, aber das ist eine per­sön­liche Hoff­nung“, sagt Friedl.

Ein Markt ohne Statis­tik

Achim Friedl, Vorstandsmitglied beim UAV DACH
Achim Friedl, Vor­s­tands­mit­glied beim UAV DACH

Ähn­lich sie­ht es mit dem U-Space-Pro­gramm („U“ für Ur­ban) aus, das von der Eu­ropäischen Kom­mis­sion aus­gear­beit­et wurde. Mit die­sem Pro­gramm soll der mas­sive Ein­satz von Droh­nen bis 150 Me­ter Höhe geregelt wer­den. Bei einem Provider kön­nen An­träge auf ei­nen Droh­nen­flug gestellt wer­den, die dies­er dann ver­wal­tet. Im Jahr 2019 soll es zwar schon zur er­sten tech­nischen Er­probung kom­men, aber bis das Konzept voll funk­tioniert, kann es bis 2035 dauern: „Das ist eine schöne Vorstel­lung, aber noch sind das alles un­gelegte Eier“, so Friedl. Wie sehr die Ar­beit mit Droh­nen noch in den Kin­der­schuhen steckt, zeigt sch­ließlich auch der Fakt, dass es noch keine ver­läss­lichen Statis­tiken zum Ein­satz von Droh­nen in Deutsch­land gibt; wed­er die An­zahl der einge­set­zten Droh­nen ist bekan­nt noch die An­zahl der Un­terneh­men, die mit Droh­nen ar­beit­en. „Die Deutsche Flugsicherung sprach mal von 400.000 Droh­nen als Schätzung“, berichtet der Vor­s­tand. Gesichert sind die Dat­en in­des je­doch nicht. Tech­nisch mö­gen die klei­nen (und großen) Flieger al­so schon weit­er fort­geschrit­ten sein. Noch ste­ht der Markt aber am An­fang sein­er En­twick­lung. Natha­nael Ull­mann | re­dak­tion@­sued­west­falen-ma­n­ag­er.de

Ausgabe 07/2017



WEITERE INHALTE