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Business

Druckereien wieder optimistisch

Nach schwierigen Zeiten blicken Druckereien endlich wieder optimistisch in die Zukunft. Das liegt auch an einem gestiegenen Umsatz bei der Printwerbung.

Bild oben: (Foto: © Alterfalter – stock.adobe.com)
Pro­dukte der Druckin­dus­trie fin­d­en sich über­all. Das sie­ht der Bun­desver­band Druck und Me­di­en (bvdm) als Vorteil für die Ge­samt­branche. Dass davon nicht jede Druck­erei pro­f­i­tieren kann und kon­nte, haben die ver­gan­ge­nen Jahre gezeigt, in de­nen viele, insbe­son­dere kleine Be­triebe vom Markt ver­sch­wun­den sind oder von größeren Wett­be­wer­bern über­nom­men wur­den. Das wirkt sich auf die Zahl der Druck­be­triebe ins­ge­samt und deren Beschäftigten aus. Zur Mitte des Jahres 2015 waren 8.584 Be­triebe mit min­destens einem sozialver­sicherungspflichti­gen Beschäftigten bei der Bun­de­sa­gen­tur für Ar­beit reg­istri­ert – drei Prozent weniger als noch ein Jahr zu­vor. Mit 139.146 waren 2,4 Prozent weniger Ar­beit­neh­mer in der Druck­branche beschäftigt als im Vor­jahr. „Dass das Pro­duk­tionsvol­u­men 2015 gleichzeitig ‚nur‘ sechs Prozent un­ter dem langjähri­gen Durch­sch­nitt lag, spricht für eine starke Pro­duk­tionsleis­tung der ex­istieren­den Druck­ereien“, heißt es im bvdm-Jahres­bericht 2015/2016.
Der Ge­sam­tum­satz der Druck­branche be­lief sich laut Statis­tischem Bun­de­samt 2015 auf 21,1 Mil­liar­den Eu­ro und hatte sich damit um rund 400 Mil­lio­nen Eu­ro verbessert. Den prozen­tu­al be­trachtet wei­taus größten Teil machen davon Werbe­mit­tel und Ka­t­a­loge (41,4 Prozent) aus. Allerd­ings herrschte 2015 noch ein enormer Konkur­ren­z­druck in der Branche. Laut An­gaben vom bvdm waren die eröffneten In­sol­ven­zver­fahren im Ver­gleich zu 2014 noch ein­mal um 17 und damit mehr als 15 Prozent gestie­gen.

Hoff­nungsschim­mer Prin­t­wer­bung

(Foto: © Alterfalter – stock.adobe.com)
(Fo­to: © Al­ter­fal­ter – stock.adobe.com)

Zum drit­ten Mal in Folge sind 2016 die Brut­tower­beaus­gaben für Print­pro­dukte gestie­gen. Da­rauf kon­nte der bvdm bere­its im Fe­bruar die­s­es Jahres ver­weisen. Das Markt­forschung­sun­terneh­men Nielsen hatte er­mit­telt, dass rund 10,5 Mil­liar­den Eu­ro in Prin­t­wer­bung in­vestiert wur­den, was einem Zuwachs von 2,6 Prozent ent­spricht. Die Seg­mente Zei­tun­gen (4,9 Mil­liar­den Eu­ro Wer­beaus­gaben, +4 Prozent ge­genüber 2015), Außen­wer­bung (1,8 Mil­liar­den Eu­ro, +7,9 Prozent) und Fachzeitschriften (0,4 Mil­liar­den Eu­ro, +1,7 Prozent) kon­n­ten ein deut­lich­es Wach­s­tum verzeich­nen. Lediglich das Seg­ment Pub­likum­szeitschriften musste mit mi­nus 1,8 Prozent ei­nen Rück­gang hin­neh­men. Nach einem Tief im Jahr 2013 kon­nte sich die Prin­t­wer­bung somit wied­er er­holen und den da­ma­li­gen Stand im ver­gan­ge­nen Jahr deut­lich übertr­ef­fen. Die Wer­beaus­gaben im In­ter­net sind mit mi­nus 4,2 Prozent hinge­gen rück­läu­fig. „Print bleibt ein ge­fragtes und be­währtes Wer­beum­feld, das sich auch im Zei­tal­ter der Dig­i­tal­isierung be­hauptet“, sagte im Fe­bruar Dr. Paul Al­bert Deimel, Haupt­geschäfts­führ­er des Bun­desver­ban­des Druck und Me­di­en. „Ob auf Trage­taschen oder Wand­kal­en­dern, in der Tageszei­tung oder im klas­sischen Anzei­gen­blatt: Wer wahrgenom­men wer­den will, wirbt ge­druckt.“

Er­fol­gs­fak­tor on­line


Zwei wesentliche Trends haben den Markt der Druck­ereien in den ver­gan­ge­nen Jahren be­herrscht und vielen Un­terneh­men das Über­leben gesichert: On­line-Shops und Dig­i­tal­druck. On­line-Druck ist zu einem wichti­gen Wirtschafts­fak­tor der Druckin­dus­trie ge­wor­den. Der bvdm zie­ht dazu Zahlen der Zip­con Con­sult­ing GmbH her­an: „Mehr als 1.950 On­line-Shops er­wirtschafteten 2015 rund 6,1 Mil­liar­den Eu­ro Um­satz im deutsch­sprachi­gen Raum.“ Möglich macht das sich­er ein ho­her Grad an Au­to­ma­tisierung, aber auch hand­w­erk­liche Aus­rich­tun­gen des Druck­gewerbes seien über das Netz enorm er­fol­greich.
In­n­er­halb von sieben Jahren ist der An­teil dig­i­taler Druck­pro­dukte am Ge­samt­markt um fast 108 Prozent gestie­gen. Der bvdm er­rech­nete hi­er quar­tal­sweise Steigerun­gen von 13 Prozent bei Plakat­en und 408 Prozent bei Ka­t­a­lo­gen. Neue Chan­cen für Druck­un­terneh­men lä­gen darin, die zuneh­mende Verzah­nung un­ter­schiedlich­er Me­di­enkanäle ak­tiv zu ges­tal­ten und weit­erzuen­twick­eln. Selbst im Zei­tungs­druck gibt es ein er­stes Beispiel – zugegeben nicht in Deutsch­land – für rein eine dig­i­tale Pro­duk­tion. Mengis Druck im sch­weiz­erischen Visp pro­duziert auf diese Weise den „Wal­lis­er Boten“ – in Nachtschicht auf Maschi­nen, die tagsüber Büch­er, Bei­la­gen und Land­karten ferti­gen. „Ein de­rartiges Pro­duk­tionssys­tem set­zt ein sehr spezielles Geschäfts­mod­ell vo­raus. Für die Mehrzahl der Zei­tungs­druck­ereien dürfte der Off­set­druck noch für lange Zeit die zweck­mäßig­ste Tech­nolo­gie sein“, schätzt der Bun­desver­band Druck und Me­di­en die mit­tel­fristige Markt­lage ein. Aber auch hi­er ar­beit­en die Her­steller an ef­fizien­teren Sys­te­men und stärk­er­er Au­to­ma­tisierung, um bei all­ge­mein weit­er sink­en­den Au­fla­gen Kosten zu sparen.

Her­aus­forderun­gen der Branche


Neben dem ho­hen Konkur­ren­z­druck und der sich ras­ant en­twick­el­n­den Tech­nolo­gie beschäftigt sich die Branche im­mer wied­er auch mit an­deren Her­aus­forderun­gen, die vor allem mit Au­fla­gen und Regeln aus der Pol­i­tik zusam­men­hän­gen. Umwelt­fre­undlichkeit, z.B. be­zo­gen auf Pa­pier­her­stel­lung und ver­wen­de­ten Far­ben, hat die Branche über die Jahre weitest­ge­hend in den Griff bekom­men. Auf­grund der Re­form der EU-Daten­schutz-Grund­verord­nung, die nach jahre­langem Prozess und Über­gangs­frist 2018 endgültig in Kraft tritt, war das Aus für ziel­grup­pen­gerechte Werbe- und Mar­ketin­gak­tio­nen be­fürchtet wor­den. Dazu ist es nun nicht gekom­men. „Der bvdm wird sich bis zum Inkraft­treten dafür einsetzen, dass die Vor­gaben prax­is­nah aus­gelegt wer­den“, ver­spricht bvdm-Präsi­dent Wolf­gang Pop­pen im Vor­wort zum Jahres­bericht 2015/2016 des Ver­ban­des. Eine weitere Her­aus­forderung be­t­rifft nicht den Druck­be­trieb selbst, aber den Fortbe­s­tand viel­er fam­i­lienge­führter Un­terneh­men der Branche: Die Erb­schaft­s­teuer und hi­er insbe­son­dere die ständi­gen Än­derun­gen der Bes­teuerungs­regeln ist dem Bun­desver­band als Dauer­baustelle ein Dorn im Auge. Das Bun­desver­fas­sungs­gericht hatte seit 1995 die poli­tisch ge­woll­ten Regelun­gen für ver­fas­sungswi­drig erk­lärt. Von den jüng­sten Plä­nen wären fam­i­lienge­führte Druck­be­triebe mas­siv be­trof­fen, denn allein der ma­terielle Wert der meis­ten Maschi­nen­parks be­trägt oft mehrere Mil­lio­nen Eu­ro. „Wichtig­stes Ziel ist aus Sicht des bvdm eine mit­tel­s­tands­fre­undliche Lö­sung, die auch der spez­i­fischen Si­t­u­a­tion der Druck- und Me­di­e­nun­terneh­men genügt und damit ver­fas­sungs­fest ist.“

Di­rect Mail Days


Ein Markt­seg­ment, in dem zu­min­d­est Teile der Branche in Zukunft Zuwächse er­warten, sind Pro­dukte im Di­rekt­mail­ing. „Wir sind überzeugt, dass die Zukunft des Brie­fum­sch­lags und der Er­folg des Di­rekt­mail­ing-Seg­ments eng mitei­nan­der verknüpft sind“, heißt es in der Ein­la­dung zu den „Di­rect Mail Days 2017“ beim ve­r­an­s­tal­ten­den Maschi­nen­her­steller Win­k­ler+Dün­ne­bi­er aus Neuwied. „Di­rect Mail wird damit die treibende Kraft in der Brie­fum­sch­lag­pro­duk­tion.“ Das Sym­po­si­um am 28. und 29. Ju­ni bi­etet Ih­nen Vorträge in Deutsch und En­glisch zu Branchen­trends, Wer­be­wirkung des ph­y­sischen Mails, Ap­p­lika­tio­nen und krea­tiv­en Ideen sowie Soft­ware-Lö­sun­gen rund um das The­ma Di­rect Mail. Außer­dem wer­den spezielle Brie­fum­sch­lag­maschi­nen vorgestellt.

Ste­fan Mülders | re­dak­tion@­sued­west­falen-ma­n­ag­er.de

Ausgabe 06/2017