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Management

„Eine der agilsten Branchen“

Ob 3D-Druck oder Werkzeugbau 4.0 – deutsche Unternehmen sind auch im internationalen Vergleich sehr gut aufgestellt, sagt der Verband VDWF.

Bild oben: Das geht doch spielend: additiv gefertigte Schachfiguren Quelle: Universität Duisburg-Essen, Lehrstuhl Fertigungstechnik
Manche Tech­nik, die in ein­er breit­eren Öf­fentlichkeit für Auf­se­hen sorgt, ist für Fach­leute fast schon ein „al­ter Hut“. Ein gutes Beispiel ist die Ad­di­tive Fer­ti­gung (von Laien oft als „3D-Druck“ bezeich­net“) im Werkzeug- und For­men­bau: „Seit zehn bis 15 Jahren fließt die Ad­di­tive Fer­ti­gung in Werkzeug- und For­men­bau-Prozesse ein – sei es bei Ein­sätzen mit kon­tur­na­her Tem­perierung, bei per­fori­erten Kav­itäten zur Werkzeu­gentlüf­tung oder auch bei der Um­set­zung von Werkzeu­gen im Leicht­bau“, erk­lärt Ralf Dür­r­wächter, Geschäfts­führ­er Mar­ket­ing beim Branchen­ver­band VD­WF (Ver­band Deutsch­er Werkzeug- und For­men­bauer). Die Ad­di­tive Fer­ti­gung sei in den Me­di­en ein Trend-The­ma, im Werkzeug- und For­men­bau je­doch ein ganz nor­males Fer­ti­gungsver­fahren. So wie beispiel­sweise das Fräsen oder das Erodieren – das übri­gens auch erst vor rund 30 Jahren Einzug in die Werkzeug­mach­er-Be­triebe hielt.

Nach­wuchs von der Hoch­schule

Das geht doch spielend: additiv gefertigte Schachfiguren Quelle: Universität Duisburg-Essen, Lehrstuhl Fertigungstechnik
Das ge­ht doch spie­lend: ad­di­tiv ge­fertigte Schach­fig­uren Quelle: Uni­ver­sität Duis­burg-Es­sen, Lehrs­tuhl Fer­ti­gung­stech­nik

Zum Som­mersemester 2017 bi­etet die Hoch­schule Sch­mal­kal­den in Ko­op­er­a­tion mit dem VD­WF, mit dem In­sti­tut für werkzeu­glose Fer­ti­gung (IwF) der FH Aachen und dem Lehrs­tuhl für Fer­ti­gung­stech­nik der Uni­ver­sität Duis­burg-Es­sen als Bil­dungs­part­n­er ein Studi­um für Ad­di­tive Ver­fahren und Rapid-Tech­nolo­gien an. „Nur die Aus­bil­dung macht uns hi­er in Deutsch­land über­lebens­fähig! Da­her bi­eten wir als VD­WF auch ver­schie­dene Weiter­bil­dungs-Stu­di­engänge an, um in die­sem vo­latilen Markt, mit ständig neuen Tech­nolo­gieen­twick­lun­gen, im­mer vorn dabei zu sein“, sagte VD­WF-Präsi­dent Pro­fes­sor Tho­mas Seul, der ge­mein­sam mit sei­nen Kol­le­gen Pro­fes­sor An­dreas Geb­hardt und Pro­fes­sor Gerd Witt das neue Ange­bot ini­tiierte, bei der Vorstel­lung des Studi­ums. „Im Ad­di­tiv-Bereich sind auf der ei­nen Seite viele Au­to­di­dak­ten un­ter­wegs, die ihren Job richtig und gut machen, auf der an­deren Seite fehlt uns eine generelle Ba­sis, auf die wir uns ver­lassen kön­n­ten – sei es bei der Qual­itäts­sicherung, bei der Tech­nolo­gie­be­w­er­tung und -hand­habung, bei der Nach­wuchs­gewin­nung oder ein­fach auch beim Ein­stellen neuer Mi­tar­beit­er.“ Deutsch­land lebe von der Qual­i­fizierung – nicht nur der Prozesse, auch der Men­schen. „Doch beim The­ma Ad­di­tive Fer­ti­gung hat­ten wir bish­er nicht ein­mal eine Er­s­taus­bil­dung zu bi­eten.“
Dür­r­wächters Ein­schätzung nach wird es im­mer ei­nen Mix von vielen Diszi­p­li­nen geben, mit de­nen Werkzeuge hergestellt wer­den. Ein Trend, der sich derzeit abzeichne, sei, dass es im­mer mehr hy­bride Ver­fahren geben werde. „Ein Um­denken ist da­her notwendig, um in Zukunft eine Pro­duk­tion ganzheitlich be­tracht­en zu kön­nen. Die in­tel­li­gente Nutzung aller Ver­fahren im Ver­bund, einge­set­zt nach Notwendigkeit und Per­for­mance – das ist näm­lich die Kunst, die es für uns Werkzeug­mach­er zu be­herrschen gilt. Wir müssen ef­fizient sein. Auch ger­ade weil unsere Branche von klei­nen und mit­tel­ständischen Un­terneh­men geprägt ist.“

Robot­er kön­nen nicht alles

Ralf Dürrwächter ist Geschäftsführer Marketing beim VDWF Quelle: VDWF
Ralf Dür­r­wächter ist Geschäfts­führ­er Mar­ket­ing beim VD­WF Quelle: VD­WF


Als ein wesentlich­es Stich­wort nen­nt der Geschäfts­führ­er den Werkzeug­bau 4.0. Die­s­es The­ma brenne der Branche auf den Nägeln. „Mit der Au­to­ma­tisierung haben die Men­schen plöt­zlich wied­er die Freiräume, um sich um das zu küm­mern, wozu Robot­er nicht in der Lage sind“, so Dür­r­wächter. Mit der ge­wonne­nen Zeit aus der Au­to­ma­tisierung kön­n­ten Werkzeug­mach­er dort ihre Er­fahrung ein­brin­gen, wo sie benötigt werde. „Die let­zten Jahre waren geprägt von zuneh­men­der Au­to­ma­tion in den Be­trieben. Jet­zt gilt es, ex­terne Res­sour­cen mit einzu­bin­den, um ei­nen ganzheitlichen An­satz zu fin­d­en.“ Er se­he die En­twick­lung sehr pos­i­tiv und sei zu­ver­sichtlich, da viele Be­triebe mittler­weile von der näch­sten Un­terneh­mer-Gen­er­a­tion ge­führt wür­den. Diese sei mit dies­er En­twick­lung und Denk­weise bere­its aufgewach­sen und ge­he damit gän­zlich an­ders um als ihre Vorgänger.
„Es gilt aber auch Fol­gen­des zu be­denken: Die Soft­ware und die Han­dling-Sys­teme sind nicht in­tel­li­gent. In­tel­li­gent wird ein Sys­tem erst da­durch, dass der Werkzeug­mach­er mit der Soft­ware umge­ht. Das ist in allen Bereichen so. Au­to­ma­tions-Sys­teme und CAD-Pro­gramme sind die Werkzeuge, um dem zu helfen, der krea­tive Ge­danken um­setzen möchte.“
Der deutsche Werkzeug- und For­men­bau ist laut VD­WF durch die Au­to­mo­bilin­dus­trie geprägt. „Zuneh­mend wach­sen aber auch in weit­eren Branchen die An­forderun­gen an High­tech-Werkzeuge. Vor allem in der Mediz­in­tech­nik, die auch rein­raum­taugliche Pro­duk­tions­mit­tel fordert, aber auch bis hin zu Haushalts- und Ver­pack­ungs­mit­tel­n“, ergänzt Dür­r­wächter. Und das Span­nende am Beruf des Werkzeug­mach­ers sei ja auch, dass man sich im­mer mit den aktuell­sten Pro­duk­ten beschäftige, die der Markt fordere.
Wie ste­ht der deutsche Werkzeug- und For­men­bau im in­ter­na­tio­nalen Ver­gleich da? Der Ver­bandsvertreter ant­wortet selb­st­be­wusst: „Das Werkzeug- und For­men­bau-Meti­er ist eine der ag­il­sten Branchen.“ Hi­er seien die Deutschen Welt­meis­ter. „Das, was man bei unseren Un­terneh­men an­trifft, ist einzi­gartig.“ Er be­tont die vielen klei­nen und mit­tel­ständischen Be­triebe, die mit ihrem Know-how „Top of the Top“ bei der Me­t­allbe- und -ve­rar­bei­tung seien. Er nen­nt „Un­terneh­mer, die mit Ve­r­ant­wor­tung Mi­tar­beit­er führen, und Fam­i­lien­be­triebe, die mit ihrem Hand­w­erk die In­dus­trie erst be­fähi­gen zu pro­duzieren. Kurz ge­sagt: „Hid­den Cham­pi­ons mit höch­ster In­no­va­tion­skraft.“ Das stößt glob­al auf pos­i­tive Re­s­o­nanz. Deutsche Werkzeuge sind weltweit ge­fragt. So gilt auch für die vielen KMU das alte Sprich­wort: „Lokal han­deln, glob­al wirken“.

Ge­wapp­net für die Zukunft

Der Werkzeug- und Formenbau hat weltweit einen exzellenten Ruf © Thomas Hammer – stock.adobe.com
Der Werkzeug- und For­men­bau hat weltweit ei­nen exzel­len­ten Ruf © Tho­mas Ham­mer – stock.adobe.com

Für die Her­aus­forderun­gen der Zukunft scheint die Branche ge­wapp­net zu sein. Beispiel Dig­i­tal­isierung: Diese habe sich bei den Werkzeug- und For­men­bauern bere­its un­be­wusst etabliert und sei fes­ter Be­s­tandteil der täglichen Ar­beit, so Ralf Dür­r­wächter. „Werkzeug­mach­er leben die As­pekte des 4.0 nicht nur in der Au­to­ma­tion, son­dern auch in vor- und nachge­lagerten Prozessen – bei Part­n­ern und bei Kun­den.“ Das ist übri­gens die Vo­raus­set­zung, um er­fol­greich zu sein. Zu­dem hebt er das Denken und Han­deln in Net­zw­erken her­vor.
Aber Dig­i­tal­isierung sei nicht das All­heilmit­tel. „Nicht die IT wird in Zukunft unsere Pro­dukte in der er­forder­lichen Qual­ität und Spez­i­fika­tion her­stellen – das macht im­mer noch das Stahl­w­erkzeug, das Men­schen mit Maschi­nen bear­beit­et haben. Ohne Werkzeuge und dem damit ver­bun­de­nen Fer­ti­gungsprozess nützen einem die besten Sen­soren und ge­nauesten Dat­en nichts.“ In­dus­trie 4.0 müsse al­so dem Pro­duk­tion­sprozess fol­gen und nicht die Hard­ware der Soft­ware.
„In einem glob­al­isierten Wett­be­werb darf man aber nicht in­ne­hal­ten. Um ef­fizient zu sein und damit auch nach­haltig wett­be­werbs­fähig, muss der deutsche Werkzeug- und For­men­bau beispiel­sweise Prozess­abläufe in der Pro­duk­tion und in der Ver­wal­tung op­ti­mieren. Das gesteckte Ziel heißt: die In­dus­trial­isierung des Werkzeug­baus.“ Daniel Boss | re­dak­tion@­sued­west­falen-ma­n­ag­er.de

Ausgabe 06/2017