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Wasser- und Energieerzeugung sichern Arbeitsplätze

Dabei stehen die Versorgungsunternehmen vor großen Herausforderungen.

Bild oben: Der kommunale Offshore-Windpark nordwestlich von Borkum ist seit September 2015 am Netz (Foto: Trianel)
Wass­er ist ein kost­bares Gut. Die Wasser­w­erke der Re­gion schaf­fen es er­fol­greich, hoch­w­ertiges Trink­wass­er für NRW herzustellen. Dank ihr­er In­no­va­tio­nen wer­den sie weltweit geachtet. Auch die En­ergiev­er­sorg­er im Land ge­hen mit der Zeit. Die mod­ern­sten kon­ven­tionellen Kraftw­erke sind hi­er zu fin­d­en. Doch die Un­terneh­men an Rhein und Ruhr, Wup­per und Lippe, Sieg und Lenne ste­hen vor großen Her­aus­forderun­gen. Die jüng­ste Un­ter­suchung der Stif­tung War­en­test zeigt: Das Trink­wass­er in der Re­gion ist gut, die Wasser­w­erke sor­gen für gute Qual­ität zu einem gün­sti­gen Preis. Was die Ver­brauch­er nicht se­hen, sind die stetig stei­gen­den An­forderun­gen an Deutsch­lands sich­er­stes Lebens­mit­tel. Brun­nen reichen in den Bal­lungs­ge­bi­eten schon lange nicht mehr aus, um die Trink­wasserver­sor­gung in den Bal­lungs­ge­bi­eten zu sich­ern. Neben dem Ober­flächen- und Grund­wass­er nutzen die Wasser­w­erke die Flüsse, um Trink­wass­er zu pro­duzieren. Das Mül­heimer Ver­fahren zur Wasser­auf­bere­i­tung gilt heute weltweit als Vor­bild. In den ver­gan­ge­nen Jahrzeh­n­ten wurde es im­mer weit­er verbessert. In der neuen Es­sen­er An­lage wird die vorhan­dene Wasser­auf­bere­i­tungsan­lage (WAA I) mit Ozo­nung, Flock­ung und Sch­nell­fil­tra­tion zusät­zlich um Ak­tivkoh­le-Fil­tra­tion, physikalische Ent­säuerung und Des­in­fek­tion mit UV-Licht er­weit­ert. In An­we­sen­heit von NRW-Umwelt­min­is­ter Jo­hannes Rem­mel wurde am 27. April 2016 das neue Ver­bund­wasser­w­erk von Gelsen­wass­er und den Stadtw­erken Es­sen of­fiziell sein­er Bes­tim­mung übergeben. Rund eine Mil­lion Men­schen pro­f­i­tieren nun von der verbesserten Trink­wasserqual­ität.

Neue Her­aus­forderun­gen

Der kommunale Offshore-Windpark nordwestlich von Borkum ist seit September 2015 am Netz (Foto: Trianel)
Der kom­mu­nale Off­shore-Wind­park nord­west­lich von Borkum ist seit Septem­ber 2015 am Netz (Fo­to: Trianel)

Doch trotz des sehr ho­hen Qual­itäts­s­tan­des sollte man sich nicht zurück­leh­nen. Auch wenn die Kläran­la­gen im­mer bess­er wur­den und das Ableit­en von in­dus­triellen Ab­wässern abgenom­men hat, kom­men neue Her­aus­forderun­gen auf die Wasser­w­erke zu: Der Kli­mawan­del zeigt bere­its heute seine Auswirkun­gen: Starkre­gen macht den Wasser­w­erken eben­so zu schaf­fen wie weit­er an­stei­gende Arzneimit­telkonzen­tra­tio­nen – vom Herz- bis zu Rönt­gen­mit­teln, von Antibi­oti­ka bis zu Hor­mo­nen. Aber auch Reifenabrieb, Ni­trate aus der Land­wirtschaft, Nano­par­tikel aus Plas­tik oder neue eingesch­leppte Par­a­siten wollen her­aus­ge­fil­tert wer­den. Sie fall­en dank im­mer besser­er Anal­ysemeth­o­d­en in den La­boren auf. Dazu kommt, dass die un­ter­schiedlichen Stoffe auch noch mitei­nan­der reagieren kön­nen und so neue Verbin­dun­gen ent­ste­hen. Der Wasserver­sorg­er RWW sie­ht derzeit „kei­nen Hand­lungsbe­darf, da unsere Ro­h­wasser­re­ser­ven, Auf­bere­i­tungsver­fahren und die Netze so beschaf­fen und gesichert sind, dass der Kli­mawan­del keine Auswirkun­gen auf die Qual­ität des Trink­wassers hat“. Dank der Ver­fahren­stech­nik wür­den auch künftig Par­a­siten, Viren und Bak­te­rien sich­er über die Auf­bere­i­tung nach dem Mül­heimer Ver­fahren ent­fer­nt. Gängige Arzneimit­tel aus dem Ro­h­wass­er seien nach der Be­hand­lung im Trink­wass­er nicht mehr nach­weis­bar. Allerd­ings wäre es generell bess­er, wenn Arzneien bere­its an der Quelle, al­so in Haushal­ten, Kranken­häusern etc., gar nicht erst an­fall­en wür­den. Vor allem die Ent­sor­gung über­flüs­siger Arzneien durch die Toi­lette müsse nicht sein. Sie kön­nen sehr viel problem­los­er über die Apotheke oder den Haus­müll ent­sorgt wer­den. Pos­i­tiv be­w­erten die Wasserver­sorg­er, dass Bun­des­tag und Bun­des­rat noch vor der Som­mer­pause das Frack­ing-Regelungs­paket ver­ab­schiedet haben. Die neuen Ge­setze sor­gen dafür, dass sämtliche Frack­ing-Vorhaben in Einzugs­ge­bi­eten von Trink­wassergewin­nungsan­la­gen und Wasser­schutzge­bi­eten generell nicht durchge­führt wer­den dür­fen. Die Ver­hand­lun­gen zum Dünge­pakt mit den deutschen Bauern dauern noch an. Die Wasserver­sorg­er mah­nen die Bun­des­regierung, die ent­sprechende Wasser­schutzrichtlinie ent­sprechend zu än­dern. Ziel ist, weniger Ni­trate in die Gewäss­er ge­lan­gen zu lassen.

Dringlich­stes The­ma: En­ergiewende

Mülheimer Verfahren zur Trinkwasserproduktion: Neben vielen Filtern durchläuft das Wasser auch den Ozongenerator, der chemische Verbindungen auflöst und Parasiten abtötet (Foto: Trianel)
Mül­heimer Ver­fahren zur Trink­wasser­pro­duk­tion: Neben vielen Fil­tern durch­läuft das Wass­er auch den Ozon­gen­er­a­tor, der chemische Verbin­dun­gen au­flöst und Par­a­siten abtötet (Fo­to: Trianel)


Vor neuen Her­aus­forderun­gen ste­hen auch die En­ergiev­er­sorg­er: Die Auswirkun­gen des Un­bundlings haben sie er­fol­greich umge­set­zt, nun ste­ht die En­ergiewende ganz oben auf der Agen­da. Doch der Weg dahin ist um­strit­ten. Auf wenig Ge­gen­liebe stößt das Strom­markt­ge­setz (Strom­marktG), das der Bun­des­tag im Juli beschlossen hat. Die En­ergiev­er­sorg­er se­hen den angekündigten kon­sis­ten­ten marktlichen An­satz nicht. Sie kri­tisieren, dass das Ge­setz zahl­reiche Aus­nah­mereglun­gen en­thält. Das führe an­s­tatt zu weniger zu stei­gen­der Reg­ulierung. Grund dafür sei der sch­lep­pende Net­zaus­bau. Als Näch­stes ste­ht die EEG- Re­form an. Die Un­terneh­men der Branche fürcht­en auch hi­er wied­er zahl­reiche Aus­nah­meregelun­gen zu ihren Las­ten. Auf der Erzeuger­seite ar­beit­en die En­ergiev­er­sorg­er heute mit den weltweit mod­ern­sten An­la­gen. Zu ih­nen ge­hört das Trianel Koh­lekraftw­erk Lü­nen, das nach fünf Jahren Bauzeit im Dezem­ber 2013 den Be­trieb auf­nahm. Nach rund zweiein­halb Jahren Prozess­dauer ist die grund­sät­zliche Frage nach der im­mis­sionsschutzrechtlichen Geneh­mi­gungs­fähigkeit des kom­mu­nalen Koh­lekraftw­erks am Lün­er Stummhafen seit Mitte Juli die­s­es Jahres gek­lärt. Das Kraftw­erk er­füllt nach An­sicht des Gerichts die gel­ten­den im­mis­sionsschutzrechtlichen, na­turschutzrechtlichen und arten­schutzrechtlichen Vor­gaben. Eine Re­vi­sion hat das Gericht nicht zuge­lassen. Lü­nen gilt als eines der mod­ern­sten und ef­fizien­testen Steinkoh­lekraftw­erke der Welt (Hier­bei han­delt es sich um eine Klage des BUND, die das OVG Mitte Juli abgewie­sen hat und den Kraftw­erks­be­trieb als solch­es nicht berührt hat). Auch in Sachen En­ergie­speicherung – das Zukunft­s­the­ma – en­gagieren sich die Un­terneh­men. Derzeit ste­hen auch in NRW Wasser­speicherkraftw­erke auf dem Plan. Eines davon soll im Kreis Höx­ter in Os­t­west­falen ent­ste­hen, damit künftig erneuer­bare En­ergien ge­speichert wer­den kön­nen. Erneuer­bare En­ergien ge­hören längst zum Port­fo­lio der Ver­sorg­er. Die Wind­parks an Land und im Wass­er erzeu­gen heute mehr En­ergie als alle deutschen Atom­kraftw­erke. Hochaktuell ist auch das The­ma in­tel­li­gente Stromzäh­ler. Denn eine der Sch­lüs­sel­her­aus­forderun­gen der En­ergiewende ist es, den Stromver­brauch und die Pro­duk­tion durch eine weit­er stei­gende An­zahl auch klein­er Stromerzeu­gungsan­la­gen (So­lar/BHKW) zu synchron­isieren. Dazu benöti­gen die Ver­sorg­er mehr Dat­en, denn die klas­sische Ver­brauch­skurve von einst ist längst
über­holt. Dirk-R. Heuer I re­dak­tion@­sued­west­falen-ma­n­ag­er.de

Ausgabe 09/2016



WEITERE INHALTE

Das Rohwasser durchläuft zahlreiche Filter und Säuberungsschritte, bevor es in die Wasserleitungen gepumpt wird (Foto: Trianel)
Das Rohwasser durchläuft zahlreiche Filter und Säuberungsschritte, bevor es in die Wasserleitungen gepumpt wird (Foto: Trianel)
Das Gaskraftwerk in Hamm sorgt für eine sichere Stromversorgung (Foto: Trianel)
Das Gaskraftwerk in Hamm sorgt für eine sichere Stromversorgung (Foto: Trianel)
Das Kraftwerk Lünen gilt als eines der modernsten und effizientesten Kohlekraftwerke der Welt (Foto: Trianel)
Das Kraftwerk Lünen gilt als eines der modernsten und effizientesten Kohlekraftwerke der Welt (Foto: Trianel)