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Voll im Trend

In den eigenen, rollenden vier Wänden den Urlaub zu verbringen sorgt nicht nur für zufriedene Reisende, sondern auch für ein stetes Wachstum der deutschen Caravaning-Industrie.

Bild oben: Der mobile Urlaub ist voll im Trend (Quelle: Caravaning Industrie Verband e.V.)
„Cam­p­en ist doch nur was für Leute, die sich kei­nen Hotelur­laub leis­ten kön­nen“, hieß es über viele Jahre hin­weg. Doch diese Zeit­en sind ei­gentlich schon lange vor­bei. Wer sich heute für den mo­bilen Ur­laub entschei­det, muss zualler­erst in­vestieren – und das nicht zu knapp. Und auch einige Camp­ing­plätze kom­men mit Stell­platzge­bühren da­her, die so manch­es Hotelz­im­mer richtig gün­stig wirken lassen. Um­so er­freulich­er ist es für die Car­a­van­ing-In­dus­trie selbst, dass in den er­sten sechs Mo­nat­en eines Jahres noch nie so viele Freizeit­fahrzeuge in Deutsch­land zuge­lassen wur­den wie im Jahr 2016. Ins­ge­samt 37.103 Reise­mo­bil- und Car­a­van-Neuzu­las­sun­gen sor­gen für eine Steigerung von 18,3 Prozent im Ver­gleich zum vorheri­gen Hal­b­jahres-Reko­rd aus dem Jahr 2015. Dabei stellen die 23.855 zuge­lasse­nen Reise­mo­bile die größte An­zahl an Neuzu­las­sun­gen in die­sem Zei­traum. 13.248 Car­a­vans kom­plet­tieren den neuen Reko­rd. „Nach dem Reko­rd­jahr 2015 beschert uns das er­ste Hal­b­jahr 2016 die besten Zu­las­sungszahlen für Freizeit­fahrzeuge, die je­mals in ein­er er­sten Jahreshälfte erzielt wur­den. Wir sind da­her sehr op­ti­mis­tisch, was das Ge­samtergeb­nis des Jahres 2016 ange­ht“, sagt Hans-Karl Stern­berg, Geschäfts­führ­er Car­a­van­ing In­dus­trie Ver­band e.V. (CIVD). Be­son­ders er­freulich ist dies­er Trend natür­lich für die Freizeit­mo­bil-Her­steller. Zusam­men mit dem flo­ri­eren­den In­lands­geschäft und der pos­i­tiv­en En­twick­lung der Ab­sat­zlage auf den Aus­lands­märk­ten, sind sie nun noch bess­er in der Lage zu pla­nen und eine kont­inuier­liche Pro­duk­tion umzusetzen. Die lo­gische Konse­quenz: Die Aus­las­tung der Fer­ti­gungss­traßen und damit die Ef­fizienz kon­n­ten er­höht wer­den. Dass sich diese En­twick­lung auch pos­i­tiv auf die Zulie­ferin­dus­trie auswirkt, ist of­fen­sichtlich, da die Bestel­lung der Zulie­fer­teile weit­er im Vo­raus fixiert und die Los­größen er­höht wer­den kon­n­ten.

Brex­it: Un­ab­se­h­bare Fol­gen

Der mobile Urlaub ist voll im Trend 
(Quelle: Caravaning Industrie Verband e.V.)
Der mo­bile Ur­laub ist voll im Trend (Quelle: Car­a­van­ing In­dus­trie Ver­band e.V.)

Bei all den guten Nachricht­en wer­den auch in der Car­a­van­ing-In­dus­trie die Fol­gen des erst kür­zlich beschlosse­nen Aus­tritts Großbri­tan­niens aus der EU, des so­ge­nan­nte Brex­it, noch nicht ganz ab­se­h­bar sein. Das Ab­s­tim­mungsergeb­nis wird laut Pro­fes­sor Dr. Ste­fan Bratzel vom Cen­ter of Au­to­mo­tive Ma­n­age­ment in Ber­gisch Glad­bach „ins­ge­samt zu einem sch­leichen­den Ex­it der Au­toin­dus­trie von der Insel führen“, da Großbri­tan­nien für die Au­to­mo­bilin­dus­trie in Deutsch­land das weltweit größte Ex­port­land ist. 810.000 in Deutsch­land ge­baute Pkw wur­den im ver­gan­ge­nen Jahr nach Großbri­tan­nien aus­ge­führt. In der Car­a­van­ing-In­dus­trie sie­ht das et­was an­ders aus. Et­wa 2,8 Prozent der Car­a­vans und 3,9 Prozent der Reise­mo­bile der ge­samten deutschen Ge­samt­pro­duk­tion wur­den in den ver­gan­ge­nen fünf Jahren im Sch­nitt gen Großbri­tan­nien ex­portiert – was rund 2.600 Freizeit­mo­bilen im Jahr ent­spricht. Auf­grund des kont­inuier­lichen Auf­sch­wungs in der Branche wird der Brex­it vielleicht zu ein­er min­i­malen Ab­sch­wächung führen – vielleicht aber auch nicht. Für wen der näch­ste Ur­laub nicht unbe­d­ingt in einem fab­rikneuen Freizeit­mo­bil stattfin­d­en muss, son­dern auch in einem ge­braucht­en denk­bar wäre, der wird dies­er Tage sehr wahrschein­lich sch­nell fündig. Denn neben der er­freulichen En­twick­lung der Neuzu­las­sun­gen in die­sem Jahr reg­istri­erte das Kraft­fahrt-Bun­de­samt in Flens­burg 55.914 Be­sitzum­schrei­bun­gen von Freizeit­fahrzeu­gen. Ge­genüber dem Vor­jahreszei­traum ein Zuwachs von 6,9 Prozent. In­teres­sant an dies­er Stelle ist die Tat­sache, dass sich die Reise­mo­bil-Um­schrei­bun­gen (27.193) mit de­nen der Car­a­vans (28.721) na­hezu die Waage hal­ten. Der Markt der neuen Freizeit­fahrzeuge wuchs zeit­gleich um 17,6 Prozent an. „Meist gibt es eine Wech­sel­wirkung zwischen dem Markt für neue Freizeit­fahrzeuge und dem für ge­brauchte Reise­mo­bile und Car­a­vans. Legt der eine Markt zu, nimmt der an­dere ab. Doch in Deutsch­land le­g­en bere­its seit Jahren beide Märkte zu“, erk­lärt Hans-Karl Stern­berg vom CIVD. „Diese En­twick­lung un­ter­streicht klar die im­mer weit­er wach­sende Be­liebtheit der Freizeit­form Car­a­van­ing in Deutsch­land“, so Stern­berg weit­er.

Im Trend: Fahrzeuge bis 3,5 Ton­nen

Ob zu zweit oder mit der ganzen Familie – Campen macht Spaß
(Quelle: Caravaning Industrie Verband e.V.)
Ob zu zweit oder mit der ganzen Fam­i­lie – Cam­p­en macht Spaß (Quelle: Car­a­van­ing In­dus­trie Ver­band e.V.)


Nicht erst seit gestern ge­ht in der Reise­mo­bil-Branche der Trend hin zu Fahrzeu­gen bis 3,5 Ton­nen Ge­samt­masse. Ein­er der Gründe ist der, dass nur in den vi­er EU-Mit­glied­s­taat­en Frankreich, Großbri­tan­nien, Sch­we­den und Deutsch­land Be­sitz­s­tand­s­regelun­gen beste­hen, die es Per­so­n­en mit den gängi­gen Führ­er­schei­nen er­möglichen, auch Kraft­fahrzeuge über 3,5 Ton­nen zu führen. Im Jahr 2014 fielen allein in Deutsch­land 83,1 Prozent aller Reise­mo­bile in diese Führ­er­schein­k­lasse-B-Kat­e­gorie. Die im Jahr 2016 einge­führten Eu­ro-6-Reise­mo­bile mit Ad­blue-Tech­nolo­gie er­leichtern diese Si­t­u­a­tion nicht ger­ade. Das Problem: Sie wer­den gut 40 Kilo­gramm sch­w­er­er als ihre Eu­ro-5-Vorgänger. Was sich nach wenig an­hört, kann am Ende über den Start in den Ur­laub oder zur näch­sten Bußgeld­stelle entschei­den. Was un­ter den neuen Tech­nolo­gien nicht lei­det, ist zum Glück die Sicher­heit. In ein­er ei­gens für die Reise­mo­bile und Pkw-Car­a­van-Kom­bi­na­tion an­gelegten Studie der Bun­de­san­s­talt für Straßen­we­sen wird nachgewie­sen, dass Freizeit­fahrzeuge ver­sch­win­dend ger­ing an Un­fällen beteiligt sind. In Zahlen ausge­drückt: Von 459.704 Un­fällen mit Per­so­n­en­scha­den un­ter Beteili­gung von Kraft­fahrzeu­gen im Jahr 2014 waren 704 Reise­mo­bile und 168 Pkw-Car­a­van-Kom­bi­na­tio­nen beteiligt. „Von den in 2014 ins­ge­samt 2.444 tödlich verunglück­ten Fahr­ern und Mit­fahr­ern waren sechs Reise­mo­bilin­sassen. In ein­er Pkw-Car­a­van-Kom­bi­na­tion kam nie­mand zu Tode. Be­zo­gen auf 100.000 Fahrzeuge im Be­s­tand, be­deutet dies, dass die Un­fall­fol­gen für 3,5 Per­so­n­en in Pkw tödlich sind, während dies bei Reise­mo­bilis­ten nur 1,5 Per­so­n­en auf 100.000 zuge­lassene Reise­mo­bile sind. Ähn­lich­es gilt für die sch­w­er und leicht ver­let­zten Mit­fahr­er. Während 475 Pkw-In­sassen pro 100.000 zuge­lassene Pkw verunglück­en, sind dies nur 81 Reise­mo­bilis­ten und 13 Car­a­van­er in Pkw-Car­a­van-Kom­bi­na­tio­nen“, heißt es dazu seit­ens des Car­a­van­ing In­dus­trie Ver­bands.

Mar­cel Som­mer | re­dak­tion@­sued­west­falen-ma­n­ag­er.de

Ausgabe 08/2016