Schließen TEILEN MIT...

RANKINGS
Schließen
Schließen
Business

Ohne geht gar nichts!

Eine intakte Infrastruktur ist eine wichtige Basis des Wirtschaftslebens. Straßen- und Tiefbauunternehmen sorgen dafür, dass wir in Verbindung bleiben.

Zwischen dem 11. Und 15. Au­gust meldet die In­ter­net­seite www.strassen.nrw.de die Sper­rung von gleich vi­er Au­to­bahn­ab­sch­nit­ten in Nor­drhein-West­falen: die A40 bei Bochum, die Lev­erkusen­er A1-Rhein­brücke, die ja schon seit Langem von Lkw mit einem zuläs­si­gen Ge­samt­gewicht über 3,5 Ton­nen nicht be­fahren wer­den darf, dazu die A46 bei Mönchenglad­bach und die A524 im Duis­burg­er Sü­den. Um den Straßen­verkehr so wenig wie möglich zu beein­trächti­gen, fan­den diese Sper­run­gen am Woch­e­nende (zwischen Don­n­er­s­ta­gabend und Mon­tag­mor­gen) statt und es wer­den auch im­mer Um­lei­tun­gen aus­geschildert. Trotz­dem stellen solche Un­ter­brechun­gen wichtiger Verkehr­swege für die Wirtschaft im­mer eine er­he­bliche Beein­träch­ti­gung dar.

Funk­tionierende In­fras­truk­tur ein Muss


Heute denkt man bei dem Wort In­fras­truk­tur oft zuerst an Bre­it­band-In­ter­net-Verbin­dun­gen, und die „Date­nau­to­bah­n“ gewin­nt ja auch zuneh­mend an Be­deu­tung für Wirtschaft und Ge­sellschaft. Doch ohne ein in­taktes „Of­f­line-Verkehrs­net­z“ ge­ht es ge­nau­so wenig. Ohne Straßen und Schie­nen kom­men die on­line bestell­ten Güter näm­lich über­haupt nicht zum End­kun­den, kom­men Beruf­stätige nicht zu ihrem Ar­beit­s­platz und Reisende nicht zu ihrem Zielort. Ein funk­tionieren­des Verkehrssys­tem war schon im­mer ein wichtiger Gradmess­er für das Zivil­i­sa­tion­s­niveau men­sch­lich­er Ge­sellschaften, wie die Geschichte Wes­teu­ro­pas zeigt, wo das bautech­nische Niveau der Römerzeit erst wied­er zu Be­ginn des 18. Jahrhun­derts er­reicht wurde. Erst die In­ge­nieure der Barockzeit erkan­n­ten wied­er, dass die Dauer­haftigkeit von Straßen und die Tragfähigkeit des Un­ter­baus sowie die Dichtigkeit der Deckschicht zusam­men­hän­gen. Nicht zufäl­lig nahm der Per­so­n­en- und Güter­verkehr in Eu­ro­pa ab dem 18. Jahrhun­dert ei­nen deut­lichen Auf­sch­wung.

Mod­erne Tief­bautech­nik


Wurde im Straßen­bau bis zum 19. Jahrhun­dert vor allem mit Pflasterung und unge­bun­de­nen Deck­en gear­beit­et, ver­langt der mod­erne Straßen­verkehr nach neuen Ober­flächen, die den Verkehr­san­forderun­gen gewach­sen sind. So be­gin­nt man im 20. Jahrhun­dert un­ter Ver­wen­dung von Teer und Bi­tu­men ge­bun­dene Straßen­deck­en zu en­twick­eln, die dank der gleichzeiti­gen En­twick­lung leis­tungs­fähiger Erd- und Straßen­bau­maschi­nen sch­nell und ver­gleich­sweise kostengün­stig zu re­al­isieren sind. In­zwischen sind die so ent­s­tan­de­nen As­phalt­s­traßen all­ge­mein­er Stan­dard. Ihr Auf­bau zeich­net sich in der Regel durch eine Trag-, Binde- und Deckschicht aus, wobei die Dicke des ge­samten Straße­nauf­baus üblicher­weise zwischen zwölf Zen­time­tern bei Wohn­s­traßen und 34 Zen­time­tern bei Au­to­bah­nen variiert. Auch wenn der Straßen­bau be­son­ders stark im öf­fentlichen Be­wusst­sein präsent ist, fin­d­et un­ter und neben den Straßen min­destens ge­nau­so viel span­nende Bautätigkeit statt. Zum Tief­bau ge­hören näm­lich eben­so der Schie­nen­bau, Erd- und Grund­bau, Tun­nel­bau, Rohr­lei­tungs­bau sowie alle Bau­maß­nah­men rund ums Wass­er – vom Schiff­fahrtsweg bis zum Ab­wasserka­nal. Auch in die­sen Bereichen hat sich seit der In­dus­trial­isierung durch neue Bau­ma­te­rialien wie auch durch die tech­nol­o­gische En­twick­lung Wesentlich­es verän­dert. Ger­ade der Tief­bau wurde durch die En­twick­lung mod­ern­er Bau­maschi­nen rev­o­lu­tioniert.

Vielfältige Berufs­bilder


Ar­beit­en im Straßen- und Tief­bau wer­den von Men­schen mit vielfälti­gen Qual­i­fika­tio­nen aus­ge­führt, ange­fan­gen von den pla­nen­den Tief­bauin­ge­nieuren bis zu den aus­führen­den Fachar­beit­ern. Die Bun­de­sa­gen­tur für Ar­beit führt neben Straßen­bauern und Tief­ba­u­fachar­beit­ern zwölf weitere Aus­bil­dungs­berufe auf, darun­ter Ka­nal­bauer, Rohr­lei­tungs­bauer, Brun­nen­bauer und Baugeräte­führ­er, wobei auch alle an­deren Berufs­grup­pen mit der zuneh­mend vielfältigeren Bautech­nik umge­hen kön­nen müssen. Alleine im Straßen­bau ist der Tech­nikein­satz heute er­he­blich: Das reicht von der – zum Teil satel­litenges­teuerten – Las­er-Vermes­sung­stech­nik über die ver­schie­de­nen Erd­be­we­gungs­maschi­nen bis zu Be­ton­misch­ern und Straßen­deck­en­fertigern. Im Tief­bau kom­men dazu noch di­verse Spezial­maschi­nen, z.B. für das Ver­le­gen von Rohren, Bohren von Löch­ern oder Graben von Tun­neln. Durch den weitreichen­den Tech­nikein­satz sind sch­were kör­per­liche Ar­beit­en im Tief­bau heute sel­ten­er ge­wor­den, aber im­mer noch häu­figer als in den meis­ten In­dus­trie­berufen. Dazu kom­men die Be­las­tun­gen durch die Wit­terung. Denn Straßen und Rohr­lei­tun­gen müssen manch­mal auch bei ex­tre­mer Hitze, Kälte oder Re­gen ge­baut wer­den. Ge­genüber vielen In­dus­tri­etätigkeit­en zeich­nen sich Bau­berufe durch mehr Ab­wech­s­lungs­reich­tum aus, haben aber im­mer noch den Ruf eines „harten Män­ner­beruf­s“, was auch der nach wie vor geringe Fraue­nan­teil doku­men­tiert. Der lag 2014 im Hoch- und Tief­bau bei un­ter zwei Prozent.

Im Span­nungs­feld von Staat und Wirtschaft


Ger­ade im Straßen­bau zeigt sich das Span­nungs­feld zwischen den großen staatlichen Auf­tragge­bern auf Lan­des- und Bun­de­sebene. Wobei die hand­w­erk­lichen Be­triebe im Lei­tungstief­bau und Straßen­bau nach wie vor do­minieren, während im Brück­en-, Tun­nel- und Bahn­streck­en­bau bere­its in­dus­triell aus­gerichtete Be­triebe in der Überzahl sind. Allerd­ings ist im Straßen­bau in den let­zten Jahren eine leichte Ab­nahme der Be­trieb­szahlen zu verzeich­nen – und das ob­wohl öf­fentliche In­fras­truk­tur­in­vesti­tio­nen und Tief­bau­um­sätze ins­ge­samt wied­er leicht gestie­gen sind. Grund genug für Vertreter des Bauhand­w­erks, vor den Fol­gen ein­er über­mäßi­gen Un­terneh­men­skonzen­tra­tion zu war­nen. Es dürfe keine um­fassende Zen­tral­isierung von Pla­nung und Auf­tragsver­gabe für den Bun­de­sau­to­bahn­bau geben, damit keine un­zu­mut­baren Mark­tein­tritts­bar­ri­eren für mit­tel­ständische Bau­un­terneh­men ent­ste­hen, erk­lärt der Präsi­dent des Zen­tralver­bands des Deutschen Baugewerbes (ZDB), Dr. Hans-Hartwig Loewen­stein. Eine staatliche In­vesti­tion­sof­fen­sive für die Erneuerung mar­o­der In­fras­truk­tur wird von den Bau­un­terneh­men allerd­ings grund­sät­zlich be­grüßt, denn „eine top aus­ge­baute In­fras­truk­tur ist für den Wirtschafts­s­tan­dort Deutsch­land von her­aus­ra­gen­der Be­deu­tung“, so Franz Keren, Vor­sitzen­der des Straßen- und Tief­baugewerbes im ZDB.
Michael Ot­ter­bein – re­dak­tion@­sued­west­falen-ma­n­ag­er.de

Ausgabe 07/2016