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Namen und Nachrichten

Mode hat Online-Probleme

Insolvenzgeschehen in Südwestfalen: SinnLeffers setzt auf Eigenverwaltung, SAM und Ostermann auf das Prinzip Hoffnung

Bild oben: Sinn-Leffers: Hauptsitz in Hagen
Die Krise der Tex­til­branche hat ein weit­eres Opfer ge­fun­den: Die Mod­ekette Sinn­L­ef­fers mit Sitz in Ha­gen hat nach 2008 erneut ei­nen In­sol­ven­zan­trag for­mulieren müssen und will sich in Ei­gen­ver­wal­tung sanieren. Das Geschäft in den bun­desweit noch 22 ver­bliebe­nen Filialen (nach 46) soll zunächst un­eingeschränkt weit­er­laufen. „Um das Un­terneh­men dauer­haft wett­be­werbs­fähig po­si­tionieren zu kön­nen, ist eine leis­tungs- und fi­nanzwirtschaftliche Sanierung im Wege eines ges­teuerten In­sol­ven­z­plan­ver­fahrens in Ei­gen­ver­wal­tung er­forder­lich“, teilte Sinn­L­ef­fers mit. „Wir sind überzeugt, dass durch die Ei­gen­ver­wal­tung der Fortbe­s­tand gesichert ist und der Großteil der vorhan­de­nen Ar­beit­s­plätze er­hal­ten wer­den kan­n“, erk­lärte Geschäfts­führ­er Frie­drich-Wil­helm Gö­bel. Wichtig sei für das Un­terneh­men, sch­neller und flex­i­bler auf Mod­e­trends reagieren zu kön­nen, um auch ge­gen den On­line-Han­del ge­wapp­net zu sein. Damit bestätigt Gö­bel den Mei­n­ungstrend der Branche: Bil­li­gan­bi­eter und insbe­son­dere der On­line-Han­del machen dem sta­tionären Einzel­han­del das Leben mehr als sch­w­er. Als Sanierungs­geschäfts­führ­er berief das Un­terneh­men den Düs­sel­dor­fer Recht­san­walt Tho­mas Kluth, vor­läu­figer Sach­wal­ter ist Rolf Wei­d­mann von der Görg-In­sol­ven­zver­wal­tung aus Es­sen. Nach ei­ge­nen An­gaben beschäftigt das Un­terneh­men noch 1.259 Mi­tar­beit­er. Sinn­L­ef­fers war 1997 durch die Fu­sion aus den Tra­di­tions-Mod­e­häusern Sinn und Lef­fers ent­s­tan­den. Von 2001 bis 2005 ge­hörte das Un­terneh­men zum Es­sen­er Kars­tadt-Quelle-Konz­ern und wurde dann von der Deutschen In­dus­trie Hold­ing (DIH) über­nom­men. 2013 er­warb die Fam­i­lie Wöhrl aus Nürn­berg das Un­terneh­men und etablierte es in die Un­terneh­mens­gruppe mit 60 Mod­e­häusern, mehr als 4.000 Mi­tar­beit­ern und einem Um­satz von mehr als 600 Mil­lio­nen Eu­ro. Wöhrl ist mittler­weile eben­falls in die Schie­flage ger­at­en und bean­tragte An­fang Septem­ber die Eröff­nung eines Schutzschir­mver­fahrens nach §270b der In­sol­ven­zord­nung.

SAM-Gruppe

Sinn-Leffers: Hauptsitz in Hagen
Sinn-Lef­fers: Haupt­sitz in Ha­gen

Auch die Pro­duk­tions­ge­sellschaften der Men­den­er SAM-Un­terneh­mens­gruppe, die „sam Schulte GmbH + Comp.“ sowie die „SAF Ar­ma­turen Gmb­H“ in Leipzig, haben In­sol­venz bean­tragt. In Men­den sind 130 Mi­tar­beit­er, in Leipzig 80 Mi­tar­beit­er beschäftigt. Die Ver­triebs-Ge­sellschaft und die Ge­sellschaften in Öster­reich sind von der In­sol­venz nicht be­trof­fen. Das Un­terneh­men fertigt Ar­ma­turen-, Ac­ces­soire- und Spiegelse­rien für den Bad­bereich und ist damit auch in Ho­tels und auf Kreuz­fahrtschif­f­en vertreten. „Trotz pos­i­tiv­er En­twick­lun­gen sind die bei­den Pro­duk­tions­ge­sellschaften in Liquid­itätssch­wierigkeit­en ger­at­en. Der vor­läu­fige In­sol­ven­zver­wal­ter Dr. Jan Janßen und sein Team haben sich in­zwischen ei­nen Über­blick über die wirtschaftliche Si­t­u­a­tion und die Markt­stel­lung der Un­terneh­men ver­schafft und se­hen gute Chan­cen für eine Sanierung und Er­hal­tung. Da­her wer­den die Be­triebe mit dem Ziel der Sanierung fort­ge­führt“, heißt es in ein­er Erk­lärung des Un­terneh­mens. Ge­spräche mit Lie­fer­an­ten und Di­en­stleis­tern wür­den die rei­bungs­lose Pro­duk­tion und Be­lie­fer­ung der Kun­den sich­er­stellen, heißt es weit­er aus dem Un­terneh­men. Schon im Vor­feld seien Ge­spräche mit potenziellen In­ve­s­toren für die SAM-Un­terneh­mens­gruppe aufgenom­men wor­den. In­teressen­ten für die Über­nahme des Geschäfts­be­triebs hät­ten mittler­weile Über­nahme-Ab­sicht­en bekun­det, so­dass „alle Beteiligten von einem Fortbe­s­tand des Un­terneh­mens aus­ge­hen“, beruhigt die Geschäfts­führung.

Os­ter­mann

Eine Zukunft soll es nach dem Willen der Geschäfts­führung auch für die Os­ter­mann-Un­terneh­men (60 Mi­tar­beit­er) in At­ten­dorn, Ennest und Fin­nen­trop geben (Os­ter­mann GmbH und OMR Os­ter­mann Me­t­all- und Rohrech­nik GmbH), die Ende Septem­ber In­sol­venz an­mel­den mussten. Das 1983 ge­grün­dete Un­terneh­men wird in zweit­er Gen­er­a­tion von Tho­mas Os­ter­mann geleit­et und pro­duziert als Kfz-Zulief­er­er Rohr- und Biegeteile als Kom­po­nen­ten und auch als kom­plette Bau­grup­pen. Das Un­terneh­men soll im Zusam­men­hang mit ein­er gescheit­erten Ver­lagerung nach Len­hausen in fi­nanzielle Schie­flage ger­at­en sein. Ge­gen die dabei in­volvierte ehe­ma­lige Haus­bank läuft ein Klagev­er­fahren.

Rein­hold Häken | re­dak­tion@­sued­west­falen-ma­n­ag­er.de

Ausgabe 08/2016