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Management

Lernen Sie Siegen oder bleiben Sie Loser!

Positives Denken oder Schwarzmalen. Die Formel des Erfolgs ist typenabhängig.

Erfolg definiert jed­er an­ders. Für den ei­nen liegt er im pri­vat­en Bereich, der an­dere as­soziiert damit die Kar­ri­ereleit­er. Den­noch suchen Psy­cholo­gen nach Kon­s­tan­ten des Er­fol­gs. In­tel­li­genz und Ta­l­ent wur­den lange Zeit als die aussch­laggeben­den In­dika­toren für Er­folg ange­se­hen. Mittler­weile weiß man, dass kog­ni­tives Wis­sen für die Schule und das Studi­um rel­e­vant ist sowie auch das Einkom­men damit ko­r­re­liert. Nach der Formel: Je höher der IQ, um­so höher der Bil­dungs­ab­sch­luss und um­so höher das Einkom­men. Doch rel­e­van­ter für den Er­folg sind eine gewisse Hart­näckigkeit und Aus­dauer, um das ei­gene Ziel zu er­reichen. Um am Ball zu bleiben, ist auch der Um­gang mit Nied­er­la­gen aussch­laggebend. Kon­struk­tiv ist es beispiel­sweise, die Nied­er­lage zu analysieren und den Grund fürs Scheit­ern zu fin­d­en. So hat man beim näch­sten Mal die Möglichkeit, es bess­er bzw. an­ders zu machen. In der pseu­do-wis­sen­schaftlichen Psy­cholo­gie hat sich das Cre­do des pos­i­tiv­en Denkens durchge­set­zt: „Glaub fest genug an dich, dann hast du Er­folg.“ Aber ist Er­folg eine Self-ful­filling Prophe­cy? Die Zielset­zung spielt auch eine große Rolle. „Wer all seine Ziel er­reicht hat, hat sie wahrschein­lich zu nie­drig ge­set­zt“, sagte einst Star-Diri­gent Her­bert von Kara­jan. An­der­er­seits soll­ten die Ziele nicht zu ehrgeizig sein, dass sie wiederum ab­schreck­en. In ein­er Studie der Har­vard Uni­ver­si­ty wur­den Ökonomie-Ab­sol­ven­ten bei ihrem Start ins Beruf­sleben nach ihren Zielset­zun­gen ge­fragt. 87 Prozent von ih­nen hat­ten keine klaren Vorstel­lun­gen von dem, was sie er­reichen möcht­en. Zehn Prozent kon­n­ten ihre selbst ge­set­zten Ziele mündlich be­nen­nen, drei Prozent hatte die Ziele so­gar schriftlich fest­ge­hal­ten – in­k­lu­sive Ak­tion­s­plä­nen. Nach zehn Jahren haben sich die Forsch­er das Einkom­men der Ab­sol­ven­ten angeschaut: Die Gruppe, die ohne konkrete Zielset­zun­gen ges­tartet ist, ver­di­ente am wenig­sten. Das dop­pelte Einkom­men hat­ten die Ab­sol­ven­ten, die ihre Ziele im Kopf hat­ten, und um ein viel­fach­es Mehr ver­di­en­ten die Ökono­men mit den schriftlich fixierten Zielen.

Think pos­i­tive?


Im Zusam­men­hang mit Er­folg wer­den als weitere Fak­toren Selb­stver­trauen und Op­ti­mis­mus ge­nan­nt, nicht zu ver­wech­seln mit Schön­fär­berei und Selb­stüber­schätzung. Psy­cholo­gie-Pro­fes­sor To­mas Cha­mor­ro-Pre­muz­ic aus Lon­don stellt so­gar die Th­ese auf: Men­schen mit weniger Selb­stver­trauen seien viel er­fol­greich­er. Und zwar aus fol­gen­den Grün­den: Selb­stzweifel schützen uns da­vor, un­re­al­is­tische Ziele anzus­treben – ein ge­sun­des Mit­tel­maß aus Zweifel und Ver­trauen uns selbst ge­genüber sie­ht der Pro­fes­sor als ein ge­sun­des Maß an. Darüber hi­naus: Wer Selb­stzweifel hat, ist neg­a­tivem Feed­back ge­genüber of­fen­er und kann generell mit Kri­tik bess­er umge­hen. Vor zu pos­i­tiv­en Ge­danken warnt auch Gabriele Oettin­gen, Pro­fes­sorin für Psy­cholo­gie in New York. Pos­i­tives Wun­sch­denken kann dazu führen, dass man nicht mehr die En­ergie auf­bringt, die­sen Traum zu ver­wirk­lichen. Nach dem Mot­to: Wenn wir träu­men, ents­pan­nen wir. Sie fordert dazu auf, sich nach der Zielset­zung auch die Hin­der­nisse klarzu­machen, die es zu über­brück­en gilt. En­twick­elt hat sie dafür die WOOP-Meth­ode (Wish, Out­come, Ob­s­ta­cle, Plan – Wun­sch, Ergeb­nis, Hin­der­nis, Plan). Zunächst soll man sich ein er­reich­bares oder re­al­is­tisch­es Ziel über­le­gen und sich in bun­ten Far­ben aus­malen, dass und wie dies­er Wun­sch in Er­fül­lung ge­ht. Im näch­sten Schritt soll man sich das größte Hin­der­nis, das die­sem Ziel ent­ge­gen­ste­ht, eben­falls vi­suell vorstellen. Dann er­stellt man ei­nen Plan – als let­zter Punkt dies­er Meth­ode –, wie man auf das Hin­der­nis reagieren kann. So hat man in der konkreten realen Si­t­u­a­tion, wenn das Hin­der­nis auf­taucht, eine Lö­sung parat. In die­sem Zusam­men­hang sind Stu­di­en in­teres­sant, die ergeben haben, dass pos­i­tives Denken nur bes­timmten Charak­teren nützt. An­dere Men­schen kom­men weit­er, wenn sie pes­simis­tisch und kri­tisch sind. Aussch­laggebend ist hier­bei die ei­gene Leis­tungs­mo­ti­va­tion. Men­schen, die hoch mo­tiviert sind und keine Angst vor Mis­ser­folg haben, pro­f­i­tieren vom pos­i­tiv­en Denken. Wer wenig mo­tiviert ist, kommt mit neg­a­tiv­en Ge­danken bess­er vo­ran. Die Vor­weg­nahme des Glücks­ge­fühls, wenn das Ziel er­reicht ist, sch­mälert seine Mo­ti­va­tion, das Ziel tat­säch­lich in die Re­al­ität umzusetzen. So hat Oettin­gen fest­gestellt, dass Ab­sol­ven­ten beim Start ins Beruf­sleben weniger Be­wer­bun­gen schrieben, wenn sie sich vorher ide­al­isieren­den Er­fol­gsträu­men hingegeben haben. Da­durch hat­ten sie weniger Jobange­bote und ver­di­en­ten auch weniger als Stu­di­enkol­le­gen, die nicht in Ruhmes-Fan­tasien gesch­wel­gt sind. Vor allem auch Men­schen, die sach­lich und proble­mori­en­tiert denken, haben ein Problem mit dem Cre­do des pos­i­tiv­en Denkens. Ih­nen hilft die ge­dan­k­liche Kon­fron­ta­tion mit möglichen Hin­der­nis­sen mehr, um für den Fall der Fälle ge­wapp­net zu sein.

Eine Frage der Gene?


Der junge Wis­sen­schaft­szweig Gen-Ökonomie ist auf der Suche nach ein­er Er­fol­gs-DNA. Sind Ta­l­ent oder Er­folg vererb­bar? Jan-Em­manuel De Neve, Pro­fes­sor für Eco­nomics and Strat­e­gy in Ox­ford, hat ei­nen Geno­typ ge­fun­den, der es wahrschein­lich­er macht, dass man auf einem Chef­ses­sel lan­det. Kin­der, deren El­tern eine Führungs­po­si­tion in­ne­haben oder -hat­ten, neh­men diese Po­si­tion eben­falls oft­mals ein – so die Beobach­tung. Doch der sozioökonomische Sta­tus, das Um­feld sowie das Net­zw­erk kön­nen eben­so gut aussch­laggebend sein. Den­noch: Das Er­bgut hat Ein­fluss auf unsere Per­sön­lichkeit. Wie of­fen, gewis­sen­haft oder ex­tro­vertiert wir sind, hängt zu 30 bis 40 Prozent wohl von
unseren Ge­nen ab. Er­folg ist sub­jek­tiv. Und es mag einem zu denken geben, dass Sieger dazu nei­gen, ihrem Kon­tra­hen­ten ge­genüber ag­gres­siv aufzutreten, ja, so­gar nachzutreten. Auch das kön­nen Stu­di­en un­ter­mauern. Die eine all­ge­me­ingültige Er­fol­gs-Formel gibt es nicht. Wenn man Kar­ri­ere­bi­o­gra­fien studiert, kommt man zu dem Sch­luss: Kar­ri­ere­lauf­bah­nen sind eher nicht ger­adlinig auf­stei­gend, son­dern wel­len­för­mig mit Nied­er­la­gen und Krisen ge­spickt. Wir wach­sen an unseren Feh­lern oder an sch­wieri­gen Her­aus­forderun­gen – auch das weiß der Volks­mund.

Karin Bün­nagel | re­dak­tion@­sued­west­falen-ma­n­ag­er.de

Reicht allein die Vorstellung von Erfolg?
Reicht allein die Vorstel­lung von Er­folg?

Ausgabe 08/2016



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Erfolgsbiografien haben meist ihre Höhen und Tiefen
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