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Business

Intelligente Gebäudevernetzung

Gebäudeautomation gewinnt an Dynamik.

Energie­ef­fizienz, Fer­nüberwachung, Kom­fort­gewinn – Ge­bäudeau­to­ma­tion ist für In­dus­trie und Im­mo­bilienbe­sitz­er eines der in­teres­san­ten The­men im Port­fo­lio der prak­tischen An­wen­dung von In­dus­trie 4.0 im Be­triebs­ablauf oder der Pro­duk­tion. Eine in­tel­li­gente Ge­bäude­v­er­net­zung trägt dazu bei, dass sich Kom­fort, Sicher­heit und En­ergie­ef­fizienz gleicher­maßen steigern lassen – so­wohl in den ei­ge­nen vi­er Wän­den, dem Smart Home, als auch in Büro- und Fab­rikge­bäu­den, der Smart Fac­to­ry. Die Märkte rund um das The­ma Ge­bäudeau­to­ma­tion haben in den ver­gan­ge­nen Jahren stark an Dy­namik ge­won­nen. Grund dafür sind u.a. zwei Me­gathe­men unser­er Zeit: die En­ergiewende und der de­mo­gra­fische Wan­del. So kann Ge­bäudeau­to­ma­tion dazu bei­tra­gen, ein Pri­vathaus oder ein Gewer­beob­jekt en­ergiewen­de­fähig zu machen – sei es z.B. durch die Gewin­nung von En­ergie aus erneuer­baren Quellen wie So­lar und Wind, die Speicherung über­schüs­siger En­ergien oder den Ver­brauch von selb­sterzeugter En­ergie. Der de­mo­gra­fische Wan­del wiederum macht es er­forder­lich, den Men­schen die Möglichkeit zu geben, möglichst lange selb­st­ständig und ohne Ein­bußen von Leben­squal­ität in den ei­ge­nen vi­er Wän­den leben zu kön­nen. Hi­er kön­nen zahl­reiche Funk­tio­nen eines smarten Ge­bäudes eine wichtige Hil­festel­lung bi­eten. Ge­bäudeau­to­ma­tion kann aber auch auf an­dere Bereiche wesentlich Ein­fluss neh­men, die auf den er­sten Blick nicht un­mit­tel­bar damit zusam­men­hän­gen. Ein Beispiel hi­er­für ist das The­ma Elek­tro­mo­bil­ität: Das Elek­troau­to kann an ein in­tel­li­gentes En­ergie­m­a­n­age­ment-Sys­tem im Ge­bäude angeschlossen wer­den und nachts mit der ge­speicherten, über­schüs­si­gen En­ergie aufge­la­den wer­den, die tagsüber mithilfe von So­lar­pan­els auf dem Dach ge­won­nen wurde. Ex­em­plarisch aufgezeigt wer­den die Möglichkeit­en der Ge­bäudeau­to­ma­tion im E-Haus des Zen­tralver­bands der Deutschen Elek­tro- und In­for­ma­tion­stech­nischen Hand­w­erke (ZVEH).

Das E-Haus


„Das E-Haus ist ein Muster­beispiel dafür, wie die En­ergiewende mit einem vernünfti­gen En­ergie­m­a­n­age­ment funk­tionieren kan­n“, erk­lärt Di­pl.-Ing. Lothar Hell­mann, Präsi­dent des ZVEH. „Wichtig ist dabei, dass die Steigerung der En­ergie­ef­fizienz nicht et­wa Ein­bußen bei Kom­fort und Sicher­heit be­deutet. Das Ge­gen­teil ist der Fall. Diese As­pekte kön­nen par­al­lel verbessert wer­den und machen smarte Ge­bäude für eine sehr breite Ziel­gruppe at­trak­tiv.“ So bi­etet das E-Haus auf ein­er Fläche von 100 Qua­drat­me­tern in punc­to Kom­fort einige an­schauliche Beispiele. Licht, Fen­ster, Heizun­gen, Home En­ter­tain­ment – all diese Bereiche und Funk­tio­nen lassen sich au­to­ma­tisch steuern, und das von allen Or­ten der Welt. Möglich machen dies mo­bile Steuerg­eräte wie Smart­phones und Tablet-Com­put­er. Ihre zuneh­mende Ver­bre­i­tung in den ver­gan­ge­nen Jahren trägt eben­falls zum Auf­sch­wung der Ge­bäudeau­to­ma­tion bei. Die An­wen­dun­gen im E-Haus lassen sich zu­dem auch via Smart Watch und per Sprache steuern. Let­ztere Möglichkeit ist ger­ade für äl­tere Men­schen at­trak­tiv, die weniger tech­nikaffin sind. Sie pro­f­i­tieren auch von ein­facheren Be­dienober­flächen bei den Steuerungs­geräten, wie sie im E-Haus zum Ein­satz kom­men. Zu­dem ver­fügt das Haus über Sen­sor­fußbö­den und ein so­ge­nan­ntes In­ak­tiv­itäts-Mon­i­tor­ing. Die­s­es meldet per Notruf, wenn sich eine Per­son un­typisch lange ohne Be­we­gung an einem Ort in der Woh­nung aufhält. Ei­nen weit­eren Fokus lenkt das E-Haus auf das The­ma Sicher­heit, wenn es et­wa darum ge­ht, Ein­brüche zu ver­hin­dern. So kann man beispiel­sweise die Ge­gen­sprechan­lage über das Smart­phone aus dem Büro oder dem Ur­laub be­di­e­nen. Auch sind Web-Cams und Alar­man­la­gen über mo­bile Endgeräte anzus­teuern. „Doch Sicher­heit hat noch eine zweite Kom­po­nente – näm­lich beim The­ma Daten­schutz“, weiß Hell­mann. „Häu­fig wird die Frage gestellt, ob Smart-Home-Sys­teme vor Hack­ern geschützt sind. Hi­er muss man dif­ferenzieren: Bei vielen Cloud-ange­bun­de­nen Plug-and-Play-Lö­sun­gen wer­den tat­säch­lich massen­haft Dat­en ins In­ter­net ge­sen­det. Meist ist in die­sen Fällen auch ein Kun­denkon­to beim An­bi­eter er­forder­lich, über das per­so­n­en­be­zo­gene Dat­en er­hoben wer­den. Dann kann es auch mit dem Daten­schutz sch­wierig wer­den.“ An­ders ver­hält es sich je­doch bei den Lö­sun­gen, die vom E-Hand­w­erk in­di­vi­du­ell umge­set­zt wer­den. Die Fachkräfte sind für das The­ma Daten­schutz sen­si­bil­isiert. Deswe­gen wird es bei allen An­wen­dun­gen und In­s­tal­la­tio­nen be­dacht und umge­set­zt. So be­hält der Kunde auch stets die Ho­heit über seine Dat­en.

Die E-Hand­w­erke

Schlafzimmer im E-Haus mit Sensormatte zum Inaktivitätsmonitoring (Foto: ZVEH/Schmidhuber)
Sch­lafz­im­mer im E-Haus mit Sen­sor­matte zum In­ak­tiv­itäts­mon­i­tor­ing (Fo­to: ZVEH/Sch­mid­hu­ber)


Die E-Hand­w­erke sind im Markt für in­tel­li­gente Ge­bäude­v­er­net­zung der wichtig­ste und er­ste An­sprech­part­n­er für Un­terneh­men, weil sie ein breites Fach­wis­sen be­sitzen, per­sön­lichen Kon­takt zu ihren Kun­den pfle­gen, Ser­vice vor Ort an­bi­eten und in­di­vi­du­elle, kun­den­spez­i­fische Lö­sun­gen en­twick­eln. Sie kön­nen dabei auf eine weitreichende Ex­per­tise so­wohl auf dem Ge­bi­et der Elek­trotech­nik als auch in der In­for­ma­tions- und Kom­mu­nika­tion­stech­nolo­gie zurück­greifen. Eine Er­run­gen­schaft, die sich aus der Ver­net­zung der drei Fachge­bi­ete in­n­er­halb der let­zten Dekade en­twick­elt hat und die den Trend zum fachüber­greifen­d­en Tech­nolo­gi­e­trans­fer im Sinne der In­dus­trie 4.0 bestätigt. „Die E-Hand­w­erke sind für die ent­sprechen­den Pla­nun­gen und In­s­tal­la­tio­nen die Spezial­is­ten – in en­gem Schul­ter­sch­luss mit den Part­n­ern aus der In­dus­trie“, so Hell­mann. Für Ei­gen­he­imbe­sitz­er – aber auch für Mi­eter und Gewer­be­treibende – rückt das The­ma Ge­bäudeau­to­ma­tion auf der Agen­da im­mer weit­er nach oben. Volle Auf­trags­büch­er und eine pos­i­tive Stim­mungs­lage bei den E-Hand­w­erken bezeu­gen das Ver­trauen der Kun­den in die Branche. Dies hat auch die aktuelle Kon­junk­tu­rum­frage des ZVEH im Früh­jahr 2016 ergeben. 94,6 Prozent der be­fragten Be­triebe beurteilen ihre aktuelle Geschäft­s­lage pos­i­tiv, über 61 Prozent – und damit fast zwei Drit­tel – stimmten so­gar für „gut“, die übri­gen für „be­friedi­gend“. Lediglich et­was mehr als fünf Prozent votierten für „sch­lecht“. Der Geschäft­sk­li­main­dex stieg auf ei­nen Wert von 77,8. Der Best­w­ert aus dem Jahr 2015 wurde damit übertrof­fen.

Her­aus­forderun­gen der Dig­i­tal­isierung

Smartes Badezimmer (Foto: ZVEH/Schildheuer)
Smartes Badez­im­mer (Fo­to: ZVEH/Schild­heuer)

In Zukunft wird das The­ma Ge­bäudeau­to­ma­tisierung weit­er an Be­deu­tung gewin­nen. Ein ganz wesentlich­er Treiber hi­er­für ist die Dig­i­tal­isierung. Dabei han­delt es sich um die be­deu­tend­ste und weitreichend­ste En­twick­lung der ver­gan­ge­nen Jahrzeh­nte. Sämtliche Pro­duk­tion­sprozesse, Ar­beits­abläufe, Ser­vicean­forderun­gen oder Kun­den­er­war­tun­gen än­dern sich in einem ras­an­ten Tem­po. Um dem stand­hal­ten zu kön­nen, ist Au­to­ma­tion, ger­ade im Ge­bäude­sek­tor – so­wohl pri­vat als auch gewer­blich -, ein ganz wichtiger Fak­tor. „Ge­mein­sam müssen wir uns den Her­aus­forderun­gen der Dig­i­tal­isierung stellen. An manchen Stellen ist dabei ein Um­denken er­forder­lich: Denn der Kunde er­wartet künftig nicht mehr ein Pro­dukt im klas­sischen Sinne, son­dern vielmehr eine per­fekte Di­en­stleis­tung. Und diese kön­nen wir nur dann lie­fern, wenn alle Markt­teil­neh­mer sich auf ihre jew­eili­gen Kernkom­pe­tenzen konzen­tri­eren und diese best­möglich nutzen und zur An­wen­dung kom­men lassen“, sagt Hell­mann. Ge­bäudeau­to­ma­tion ist in ein­er ras­an­ten En­twick­lung auf dem besten Weg, uns­er Leben, unsere Umwelt und unsere Ar­beit nach­haltig zu verbessern und damit unsere all­ge­meine Leben­squal­ität und unsere Pro­duk­tiv­ität noch weit­er zu steigern.

An­dré Sarin | re­dak­tion@­sued­west­falen-ma­n­ag­er.de

Dipl.-Ing. Lothar Hellmann, Präsident des ZVEH
Di­pl.-Ing. Lothar Hell­mann, Präsi­dent des ZVEH

Ausgabe 08/2016