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Management

Haftungsrisiken minimieren

Falsche Entscheidungen können Führungskräfte in den wirtschaftlichen Ruin führen, wenn sie nicht über ausreichenden Rechtsschutz verfügen. Dennoch wird das Risiko häufig unterschätzt.

Aus je­dem Feh­ler lässt sich et­was ler­nen, sagt ein Sprich­wort. Für ei­nen Ma­n­ag­er, der durch eine kleine Nach­läs­sigkeit ei­nen im­mensen fi­nanziellen Scha­den verur­sacht, ist das je­doch nur ein schwach­er Trost. Da Führungskräfte im sch­limm­sten Fall mit ihrem vollen Pri­vatver­mö­gen haften, kön­nen falsche Entschei­dun­gen so­gar zum wirtschaftlichen Ruin führen – egal, ob Ma­n­ag­er fahr­läs­sig oder vorsät­zlich han­deln. Teure Feh­leinkäufe, Form­feh­ler bei Kündi­gun­gen, feh­ler­hafte Rech­nungsprü­fun­gen oder un­zureichende Mark­t­a­nal­y­sen wer­den für geschäfts­führende Or­gane somit richtig teuer. „Führungskräfte sind de­shalb gut be­r­at­en, sich rechtzeitig um ihren Rechtsschutz zu küm­mern. An­dern­falls läuft man im Ern­st­fall se­hen­den Auges in im­mense Kosten­risiken hinein“, sagt Dr. Ul­rich Gold­sch­midt, Vor­s­tandsvor­sitzen­der Die Führungskräfte (dFK). Im­mer ge­fragter wird beispiel­sweise die Di­rec­tors and Of­fi­cers Li­a­bil­i­ty In­su­r­ance. „Diese so­ge­nan­n­ten D&O-Ver­sicherun­gen kön­nen von Un­terneh­men für ihre Geschäfts­führ­er, Auf­sicht­s­räte oder lei­t­en­den Angestell­ten abgeschlossen wer­den, um sie ge­gen Haf­tungs­risiken abzu­sich­ern“, erk­lärt Kathrin Jarosch vom Ge­samtver­band der Deutschen Ver­sicherungswirtschaft e.V. Ein­sprin­gen wür­den sie bei fahr­läs­si­gen Pflichtver­let­zun­gen. „Die D&O-Ver­sicherung schützt die ver­sicherten Per­so­n­en damit ge­gen ihr per­sön­lich­es Haf­tungs­risiko und sichert so ihr pri­vates Ver­mö­gen.“

Rechtsschutz greift nicht im­mer


Allerd­ings greifen Rechtsschutzver­sicherun­gen oft nicht in den Si­t­u­a­tio­nen, in de­nen sie benötigt wer­den: „Viele von ih­nen definieren den Ver­sicherungs­fall im­mer noch als Stre­it­fall, so­dass eine An­gele­gen­heit erst vor Gericht lan­den muss, bevor der Rechtsschutzver­sicher­er die Kosten übern­immt. Die gerichtliche Au­sei­nan­derset­zung ist je­doch ger­ade bei Führungskräften eher die Aus­nah­me“, erk­lärt Dr. Gold­sch­midt. So werde man an­stelle ein­er Kündi­gung eher den Aufhe­bungsver­trag fin­d­en. In die­sem Fall wäre es aber möglich, dass der Rechtsschutzver­sicher­er die Kosten­zusage ver­weigert, weil der Aufhe­bungsver­trag für ihn kei­nen Stre­it­fall, son­dern eine ein­vernehm­liche Regelung darstellt. „Auch bei rei­nen Be­r­a­tun­gen zum Ar­beitsver­trag wird sich ein Rechtsschutzver­sicher­er mit ein­er Kosten­zusage sch­w­er­tun.“ Darüber hi­naus sei zu berück­sichti­gen, dass die Rechtsschutzver­sicherung zwar gegebe­nen­falls die Kosten ein­er ar­beit­s­rechtlichen Au­sei­nan­derset­zung übern­immt, nicht aber ei­nen qual­i­fizierten Ad­vokat­en stellt. „Die Rechts­fra­gen, um die es bei Führungskräften häu­fig ge­ht, sind je­doch so speziell, dass man sich damit nur an ei­nen hoch qual­i­fizierten Fachan­walt wen­den soll­te“.

Berufsver­band als Al­ter­na­tive

Dr. Ulrich Goldschmidt, Vorstandsvorsitzender Die Führungskräfte (Foto: DFK)
Dr. Ul­rich Gold­sch­midt, Vor­s­tandsvor­sitzen­der Die Führungskräfte (Fo­to: DFK)


Überse­hen werde außer­dem häu­fig, dass eine Rechtsschutzver­sicherung nur den ge­set­zlichen Ge­bühren­rah­men ab­deckt. Hoch qual­i­fizierte An­wälte wer­den aber in der Regel nur auf der Ba­sis von Hon­o­rarvere­in­barun­gen tätig. In Bal­lungszen­tren kön­nen dann durchaus Stun­den­sätze von bis zu 500 Eu­ro zu­s­tande kom­men. Eine echte Al­ter­na­tive ist da­her die Mit­glied­schaft in einem Berufsver­band, der sei­nen Mit­glied­ern auch den Beruf­s­rechtsschutz gewährt. Da der Markt mit über 50 D&O-Ver­sicherungsan­bi­etern äußerst unüber­sichtlich ist, ist es sin­n­voll, die ver­schie­de­nen Ver­sicher­er anzuschreiben und konkret vorzugeben, welchen Ver­sicherung­sum­fang man wün­scht. „Neben den Kosten soll­ten sich In­teressierte dann vor allem die Ver­sicherungsbe­din­gun­gen ge­nau an­schauen", mah­nt Gold­sch­midt. „Welche Risiken sind tat­säch­lich ab­gesichert? An welchen Stellen steigt der Ver­sicher­er aus? Gibt es eine Selb­st­beteili­gung? Wer­den alle In­s­tanzen in einem Gerichtsver­fahren abgedeckt?“ Auf den Rechtsschutz kom­plett zu verzicht­en, könne „fürchter­lich teuer“ wer­den. Insbe­son­dere dann, wenn es sich nicht um eine angestellte Führungskraft, son­dern um Vorstände oder Geschäfts­führ­er han­delt. „Bei Let­zteren sind der Stre­itw­ert und damit auch die Kosten regelmäßig um ein Viel­fach­es höher“, gibt Dr. Gold­sch­midt zu be­denken. Berück­sichti­gen sollte man auch, dass Führungskräfte in der Regel nicht mehr die Ve­r­ant­wor­tung für die un­mit­tel­bare Aus­führung ein­er Auf­gabe tra­gen, wenn sie diese rechtswirk­sam delegiert haben. In die­sem Fall wan­delt sich die Führungsver­ant­wor­tung von ein­er rei­nen Aus­führungsver­ant­wor­tung in die Verpflich­tung, den richti­gen Mi­tar­beit­er für diese Auf­gabe auszuwählen, die­sen zu be­fähi­gen, die Auf­gabe ord­nungs­gemäß zu er­füllen und ihn zu­min­d­est stich­probe­nartig zu kon­trol­lieren. „Erken­nt eine Führungskraft, dass der Mi­tar­beit­er Feh­ler macht oder gar vorsät­zlich ge­gen Recht und Ge­setz ver­stößt, muss einge­grif­f­en wer­den. Wer dies als Führungskraft un­ter­lässt, wird für ent­ste­hende Schä­den in Regress genom­men und riskiert zusät­zlich sein Ar­beitsver­hält­nis.“

Un­ter­schätztes Risiko

Kathrin Jarosch, Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (Foto: GDV)
Kathrin Jarosch, Ge­samtver­band der Deutschen Ver­sicherungswirtschaft (Fo­to: GDV)

Den­noch werde das Risiko oft un­ter­schätzt, weiß Dr. Ul­rich Gold­sch­midt: „Einige hal­ten sich für unan­greif­bar und sind schon de­shalb der Mei­n­ung, kei­nen Rechtsschutz zu benöti­gen. An­dere wiederum glauben, alle Probleme aus ihrem Ar­beitsver­hält­nis auch ohne an­waltliche Be­glei­tung lösen zu kön­nen. Das ist ein Ir­r­tum, der schon einige sehr teuer zu ste­hen gekom­men ist. Feh­ler, die hi­er ge­macht wer­den, kön­nen in manchen Fällen auch nicht mehr ko­r­rigiert wer­den und zie­hen sich – wie z.B. bei der be­trie­blichen Al­tersver­sor­gung – bis zum Lebensende hin.“ Er­s­taun­lich oft finde sich die Ein­schätzung, dass man sich mit seinem Ar­beit­ge­ber nie­mals streit­en werde, weil das Ver­hält­nis bish­er im­mer gut war. „Eine solche Prog­nose zu stellen, ist ver­we­gen, weil nie­mand weiß, wer in Zukunft die han­del­n­den Per­so­n­en auf Ar­beit­ge­ber­seite sein wer­den, und ob das gute Ein­verneh­men auf Dauer Be­s­tand hat.“ Hinzu kommt, dass man sich ein­fach nicht gerne mit un­er­freulichen The­men wie Stre­it mit dem Ar­beit­ge­ber oder Gerichtsver­fahren beschäftigt. Dabei nimmt der Rechtsschutzbe­darf seit Jahren zu. „Gab es früher in vielen Un­terneh­men die Philo­so­phie, ei­nen Stre­it mit ein­er Führungskraft nicht vor Gericht auszu­tra­gen, ge­hen im­mer mehr Ar­beit­ge­ber dazu über, den Druck zu­min­d­est mit der Dro­hung eines Gerichtsver­fahrens zu er­höhen, wenn man sich von ein­er Führungskraft tren­nen wil­l“, so Dr. Gold­sch­midt. Auch die Zahl der Re­gress­forderun­gen ge­gen Führungskräfte sei deut­lich gestie­gen. „Es gibt keine Anzeichen dafür, dass der Rechtsschutzbe­darf künftig geringer wer­den kön­nte.“

Jes­si­ca Hell­mann | re­dak­tion@­sued­west­falen-ma­n­ag­er.de

Ausgabe 06/2016