Schließen TEILEN MIT...

RANKINGS
Schließen
Schließen
Management

„Die Elektromobilität hat sich Kritikern zum Trotz gut entwickelt“

Teil 3 der Serie „Anders denken“: Interview mit Gerd-Uwe Funk, EnergieAgentur.NRW, zur Zukunft der Mobilität

Bild oben: Elektrisch betriebene Fahrzeugflotte: Einige Betriebe setzen bereits darauf
Wie be­we­gen wir uns in Zukunft von A nach B? Wie kön­nen wir das möglichst umwelt-, ge­sund­heitss­cho­nend und flex­i­bel machen? Und wie wirken sich neue Mo­bil­ität­skonzepte auf unsere Ar­beit aus? Der let­zte Teil unser­er Se­rie „An­ders denken“ wid­met sich dem Me­ga-The­ma „Mo­bil­ität“. Wir sprachen darüber mit Gerd-Uwe Funk vom Net­zw­erk „Kraft­stoffe und An­triebe der Zukunft“ der En­ergieA­gen­tur.NRW. Die Agen­tur wurde 1990 als Public Pri­vate Part­n­er­ship ge­grün­det und set­zt im Auf­trag der Lan­des­regierung in­no­va­tive Pro­jekte in ver­schie­de­nen Feldern zum The­ma En­ergie um.

SWM: Koh­len­stoff­dioxid, Fein­s­taub, Stick­stoff – viele Emis­sio­nen be­las­ten unsere Umwelt und auch unsere Ge­sund­heit. Welchen An­teil hat Mo­bil­ität daran?

Gerd-Uwe Funk: Bei den CO2-Emis­sio­nen, die den globalen Kli­mawan­del vo­ran­treiben, hat der Verkehr ei­nen An­teil von rund 20 Prozent. Wesentlich größer ist sein An­teil bei Stick­stoff und Fein­s­taub – und das be­t­rifft uns lokal und kann un­mit­tel­bar unser­er Ge­sund­heit scha­den. Stick­stoff und Fein­s­taub wer­den haupt­säch­lich durch den Kraft­stoff Die­sel verur­sacht, und das ist der Haup­tan­trieb der LK­Ws, die sich in den In­nen­städten tum­meln. Da­her müssen wir in na­her Zukunft zum ei­nen mehr Güter von der Straße auf an­dere Verkehrsträger ver­lagern. Zum an­deren müssen wir weg vom Die­sel, hin zu sau­ber­eren Kraft­stof­fen wie Flüs­sigerd­gas zum Beispiel. Noch reicht die Elek­tro­bat­terie nicht für län­gere Dis­tanzen im Tran­s­port. Man muss aber auch se­hen: Die Elek­tro­mo­bil­ität hat sich Kri­tik­ern zum Trotz gut en­twick­elt. Bat­te­rien wer­den leis­tungs­fähiger, sind leichter und kostengün­stiger als er­wartet. Wir sind erst seit weni­gen Jahren bei der Um­set­zung der E-Mo­bil­ität, und so eine fun­da­men­tale Verän­derung braucht ein­fach et­was Zeit.

Elektrisch betriebene Fahrzeugflotte: Einige Betriebe setzen bereits darauf
Elek­trisch be­triebene Fahrzeugflotte: Einige Be­triebe setzen bere­its da­rauf
SWM: Was be­deutet „Erneuer­bare Mo­bil­ität“ konkret, und wie kann sie umge­set­zt wer­den?

Gerd-Uwe Funk: Erneuer­bare Mo­bil­ität be­deutet konse­quen­ter­weise, dass wir nicht nur umwelt­fre­undliche Verkehrsträger be­nutzen, son­dern dass deren An­trieb­sen­ergie auch aus erneuer­baren Quellen kom­men sollte. Kurz: Wie sau­ber ist der Strom für das E-Mo­bil? Wenn der Strom aus dem Braunkoh­lekraftw­erk kommt, ist die Ge­samt­bi­lanz natür­lich auch nicht so gut. Weitere Säulen der „Erneuer­baren Mo­bil­ität“ sind die ange­sproch­ene Verkehrsver­lagerung der Güter auf Schiene und Wasser­s­traße und die Verkehr­sop­ti­mierung, et­wa durch Shar­ing-Mod­elle, die in­tel­li­gent mit der Dig­i­tal­isierung verknüpft wer­den.

SWM: Damit sprechen Sie das The­ma „Sch­war­m­mo­bil­ität“ an: Was ist damit ge­meint, und welche Rolle wird sie in Zukunft spielen?

Elektrisch betrieben und für kurze Transporte geeignet: Streetscooter (StreetScooter/ Deutsche Post DHL Group)
Elek­trisch be­trieben und für kurze Tran­s­porte geeignet: Streets­coot­er (StreetS­coot­er/ Deutsche Post DHL Group)

Gerd-Uwe Funk: Ge­meint ist damit eine Form von Shar­ing Econ­o­my, die insbe­son­dere die Städte ent­las­ten soll. Die Städte haben alle ei­nen enor­men Park­druck und wollen ei­gentlich weniger Fahrzeuge. Eine Möglichkeit ist al­so, dass Fahrzeuge geteilt wer­den, wie das heute beim Car Shar­ing ja auch schon umge­set­zt wird. Durch die Dig­i­tal­isierung kann die­s­es Konzept noch ver­fein­ert wer­den. So er­fahre ich über mein Smart­phone zum Beispiel: Wo befin­d­et sich in der Nähe ein Car-Shar­ing-Fahrzeug, und wie ist sein Ladezu­s­tand? Welche al­ter­na­tiv­en Verkehrsträger gibt es? Kurzum: Wie er­reiche ich mein Ziel op­ti­mal nach mei­nen Wün­schen? Ein weit­eres wesentlich­es Merk­mal von Sch­war­m­mo­bil­ität ist der ef­fiziente Tran­s­port möglichst viel­er Men­schen gleichzeitig von A nach B, zum Beispiel in Form von dop­pel­stöcki­gen Zü­gen oder wenn Verkehr­swege von Schiene und Straße par­al­lel genutzt wer­den.

SWM: Sie haben nun ver­schie­dene Verkehrsträger ange­sprochen. Wie wer­den sich Au­to, Fahr­rad, ÖP­NV, Bahn und Schiff denn in Zukunft en­twick­eln, und wie wer­den sie verknüpft?

Gerd-Uwe Funk: Beim Verteilen des in­di­vi­du­ellen Verkehr­saufkom­mens auf ver­schie­dene Verkehrsträger sprechen wir vom Mo­dal Split. Hi­er beobacht­en wir in den let­zten Jahren eine Ver­lagerung hin zur stärk­eren Nutzung umweltverträglich­er Verkehrsträger. Ganz groß im Kom­men ist weit­er­hin das Fahr­rad bzw. das E-Bike. Ich selbst kenne einige Pendler, die vom Au­to aufs Fahr­rad umgestie­gen sind und zum Beispiel über ei­nen der neuen Rad­sch­nell­wege zur Ar­beit kom­men. Diese Trassen wird die Lan­des­regierung weit­er aus­bauen, um noch mehr Leute dazu zu be­we­gen. Einige Un­terneh­men ge­hen da auch schon mit gutem Beispiel vo­ran: Lo­gis­tik­di­en­stleis­ter wie DHL mit seinem Tochterun­terneh­men Streets­coot­er GmbH oder UPS et­wa denken über den Ein­satz von Las­ten­fahr­rädern nach, die die Ware auf der let­zten Meile weit­er­tran­s­portieren. Und DHL ist dabei, seine kom­plette Zustellflotte auf Elek­tro­be­trieb umzustellen.

SWM: Was be­deutet diese mo­bile (R)evo­lu­tion für kleine und mit­tel­ständische Be­triebe? Welche Vorteile hat sie, welche Her­aus­forderun­gen bringt sie mit sich?

Gerd-Uwe Funk: Auch kleine und mit­tel­ständische Be­triebe soll­ten ihr Mo­bil­ität­skonzept auf den Prüf­s­tand stellen. Zu den klaren Vorteilen zählt die Förderung der Mi­tar­beit­erge­sund­heit, wenn zum Beispiel Fahr­räder einge­set­zt wer­den. Auch kann Platz für Park­plätze und damit auch Geld ges­part wer­den. Und die Kosten für Elek­tro­fahrzeuge er­weisen sich bei ge­nauer­er Be­trach­tung als mittler­weile er­sch­winglich: Die Bat­teriekosten ge­hen zurück, man zahlt keine KFZ-Steuer, hat keine Kosten für War­tung und Strom, ist wesentlich gün­stiger un­ter­wegs als mit Benzin oder Die­sel. Ein großes Manko ist derzeit noch die un­ter­en­twick­elte Lade­in­fras­truk­tur. Mo­men­tan haben wir rund 6.000 Ladesäulen deutsch­land­weit, und die sind auch nicht für je­den nutzbar, weil sie von ver­schie­de­nen An­bi­etern be­trieben wer­den. Das wird sich aber sehr bald än­dern.

SWM: Wie kön­nen KMUs denn in Zukunft ge­fördert wer­den, wenn sie ein umwelts­cho­nen­des Mo­bil­ität­skonzept haben möcht­en?

Gerd-Uwe Funk: 2017 wird die Bun­des­regierung ein Förder­pro­gramm für eine bessere Lade­in­fras­truk­tur au­fle­gen. Damit sollen 15.000 neue Ladesäulen in Deutsch­land ent­ste­hen. Dann kön­nte es Möglichkeit­en für Un­terneh­men geben, bei der Auf­stel­lung ein­er ei­ge­nen Ladesäule ge­fördert zu wer­den – das loh­nt sich zu prüfen. Eine solche Ladesäule kann ja übri­gens auch mar­ket­ingtech­nisch genutzt wer­den, in­dem man sie sei­nen Kun­den kosten­los zur Ver­fü­gung stellt.

SWM: Her­zlichen Dank für das Ge­spräch, Herr Funk.

Tho­mas Cor­rinth I re­dak­tion@­sued­west­falen-ma­n­ag­er.de

Ausgabe 02/2017



WEITERE INHALTE

Gerd-Uwe Funk, Netzwerk „Kraftstoffe und Antriebe der Zukunft“ der EnergieAgentur.NRW
Gerd-Uwe Funk, Netzwerk „Kraftstoffe und Antriebe der Zukunft“ der EnergieAgentur.NRW