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Business

„Der Umsatz hat sich fast verdoppelt“

Die Consultingbranche hat 2015 ein Allzeithoch erreicht. Und der Verband BDU sieht weiteres Wachstum.

Bild oben: Berater sind gefragte Partner deutscher Unternehmen
Es ist wenig ver­wun­der­lich: Die Dig­i­tal­isierung beschäftigt auch die deutschen Un­terneh­mens­ber­ater in zuneh­men­dem Maße. Laut Kai Haake, Geschäfts­führ­er des Bun­desver­ban­des Deutsch­er Un­terneh­mens­ber­ater (BDU), ist die dig­i­tale Trans­for­ma­tion zurzeit so­gar „das be­herrschende The­ma“ über­haupt. „Die Führungskräfte und Entschei­dungsträger aller großen und mit­tel­ständischen Un­terneh­men in Deutsch­land beschäfti­gen sich in die­sem Kon­text be­son­ders mit dem The­ma Wett­be­werbs­fähigkeit, allerd­ings noch mit deut­lich un­ter­schiedlich­er In­ten­sität. Durch die Dig­i­tal­isierung kom­men alle Geschäfts­mod­elle auf den Prüf­s­tand. Un­terneh­mens­ber­ater un­ter­stützen ihre Klien­ten dabei, die notwendi­gen An­pas­sun­gen durchzuführen sowie die neuen Möglichkeit­en zu erken­nen und zu nutzen. Be­trof­fen seien so­wohl Prozesse und Or­gan­i­sa­tionsstruk­turen sowie die Mi­tar­beit­er­en­twick­lung.

Spitzen­reit­er ist NRW

Berater sind gefragte Partner deutscher Unternehmen
Be­r­ater sind ge­fragte Part­n­er deutsch­er Un­terneh­men

Rund 15.500 Be­r­a­tungs­ge­sellschaften bi­eten laut BDU in Deutsch­land ihre Leis­tun­gen an. „Die Marktsch­w­ergewichte mit mehr als 45 Mil­lio­nen Eu­ro Um­satz kom­men auf ei­nen An­teil von rund 42 Prozent am Ge­sam­tum­satz der Branche“, so Kai Haake. Im ver­gan­ge­nen Jahr ar­beit­eten um die 134.000 Men­schen im Con­sult­ing­bereich. Die Zahl der Be­r­ater be­trägt et­wa 110.000, ein Wach­s­tum von rund drei Prozent. Haake sie­ht seine Branche hi­erzu­lande gut aufgestellt. Un­terneh­mens­ber­a­tung sei in Deutsch­land eine etablierte, wirtschaft­s­na­he Di­en­stleis­tung und werde von Un­terneh­men, Or­gan­i­sa­tio­nen und Ver­wal­tun­gen bei vielfälti­gen Fragestel­lun­gen in An­spruch genom­men. Die konkreten Zahlen zei­gen Reko­rde auf: „Der Branchenum­satz der Strate­gie-, Or­gan­i­sa­tions-, IT- sowie Hu­man-Re­sources-Be­r­ater ist 2015 auf das Al­lzei­thoch von 27 Mil­liar­den Eu­ro gestie­gen. In­n­er­halb von zehn Jahren hat sich der Branchenum­satz fast ver­dop­pelt.“ Tra­di­tionell, so Haake, konzen­triere sich der Großteil der Un­terneh­mens­sitze der Con­sult­ing­fir­men auf die starken Wirtschaft­szen­tren in Deutsch­land. „Der höch­ste An­teil ent­fällt dabei mit 27 Prozent auf Nor­drhein-West­falen. Mit bere­its deut­lichem Ab­s­tand fol­gt das Bun­des­land Bay­ern mit gut 17 Prozent.“ Pro­f­i­tiert vom guten Kon­junk­tu­rum­feld in der Un­terneh­mens­ber­a­tungs­branche haben, so eine Markt­s­tudie des Ver­bands, im ver­gan­ge­nen Jahr die Markt­teil­neh­mer aller Um­satzk­lassen. Dem­nach lag die Spanne in den un­ter­schiedlichen Größenseg­men­ten zwischen 5,9 Prozent und 8,8 Prozent Wach­s­tum. Spitzen­reit­er waren die Be­r­a­tung­sun­terneh­men der Größen­k­lasse 1 bis 2,5 Mil­lio­nen sowie 250.000 bis 500.000 Eu­ro Um­satz. Am un­teren Ende der Skala – mit knapp un­ter sechs Prozent – liegt die Um­satzk­lasse der Un­terneh­mens­ber­a­tungs­ge­sellschaften mit weniger als 250.000 Eu­ro Jahre­sum­satz; in der Regel han­delt es sich dabei um Einzel­ber­ater. „Die Ge­samtheit der großen Markt­teil­neh­mer mit mehr als 45 Mil­lio­nen Eu­ro kommt mit 6,1 Prozent auf ein nur un­merk­lich höheres Seg­mentwach­s­tum“, so die Studie. Und ein Ende des Wach­s­tums scheint zu­min­d­est mit­tel­fristig nicht in Sicht. „Die Markt­teil­neh­mer in der Con­sult­ing­branche er­warten auch für die kom­men­den Jahre weitere Um­satzsteigerun­gen“, weiß der BDU-Geschäfts­führ­er. Am Ende des laufen­d­en Jahres kön­nte gemäß der aktuellen BDU-Markt­s­tudie ein Um­satz­plus von 7,5 Prozent ste­hen. „Eine im­mer kom­plexere Geschäftswelt, sch­nellere Verän­derungs­rhyth­men und neue Tech­nolo­gien wer­den den Be­r­a­tungsbe­darf ab­se­h­bar weit­er er­höhen“, sagt Kai Haake und nen­nt zwei Branchen­beispiele, um dies stel­lvertre­tend deut­lich zu machen: „Die Chemie- und Pharmabranche befin­d­et sich in einem sch­leichen­den Struk­tur­wan­del, der Wett­be­werb mit sch­lagkräfti­gen Un­terneh­men aus den USA und aus Chi­na hat merk­lich zugenom­men. Vom Aus­bau der In­no­va­tion­skraft wird da­her der zukünftige Mark­ter­folg der deutschen Chemie­un­terneh­men maßge­blich ab­hän­gen.“ Beispiel zwei: „Auch die Fi­nanz- und Ver­sicherungs­branche ste­ht durch die Dig­i­tal­isierung vor er­he­blichen Her­aus­forderun­gen. Viel­fach müssen ganz neue Geschäfts­mod­elle ge­fun­den wer­den, um den Rück­gang im bish­eri­gen Stam­mgeschäft durch Erträge in neuen Seg­men­ten zu kom­pen­sieren.“

Gute Chan­cen für Ta­l­ente

Kai Haake ist Geschäftsführer des BDU (Foto: BDU)
Kai Haake ist Geschäfts­führ­er des BDU (Fo­to: BDU)


Das wirkt sich laut BDU-Studie auch pos­i­tiv auf den Stel­len­markt aus: „Die sta­bile und gute Branchenkon­junk­tur sorgt auch weit­er­hin für große Jobchan­cen im Con­sult­ing. Auf­grund der teil­weise zweis­tel­li­gen Wach­s­tum­s­rat­en beim Um­satz sowie der über­wie­gend op­ti­mis­tischen Zukunft­saus­sicht­en forcieren viele Un­terneh­mens­ber­a­tungs­ge­sellschaften im Markt ihre An­stren­gun­gen im Re­cruit­ing.“ Be­son­ders ge­fragt sind demzu­folge Be­r­ater­ta­l­ente, „die neben strate­gischem Denken und an­a­lytischen Fähigkeit­en auch Tech­nolo­gie-Ver­ständ­nis mit­brin­gen. Für die zurzeit bei den Klien­ten viel­fach im Fokus ste­hen­den Dig­i­tal-Pro­jekte benöti­gen die Be­r­a­terin­nen und Be­r­ater zwei Fähigkeit­en in ho­hem Maße: Ken­nt­nisse und Ver­ständ­nis von Dat­en und An­a­lyt­ics sowie das Ta­l­ent, Men­schen durch Verän­derungsprozesse führen zu kön­nen.“ Wie kön­nen Un­terneh­men, auch KMU, von ein­er Un­terneh­mens­ber­a­tung pro­f­i­tieren? „Un­terneh­men suchen aus den ver­schie­den­sten Grün­den die Un­ter­stützung durch ex­terne Spezial­is­ten. So sind beispiel­sweise be­son­ders in mit­tel­ständischen Un­terneh­men die Per­so­n­alka­paz­itäten eng bemessen“, so Haake. Das führe oft dazu, dass spezielles Fach­wis­sen oder Meth­o­d­en­wis­sen im Un­terneh­men grund­sät­zlich nicht ver­füg­bar seien. Darüber hi­naus bringe der Con­sul­tant die Lö­sungskom­pe­tenz aus ähn­lich struk­turi­erten Auf­gaben­stel­lun­gen in ver­gleich­baren Un­terneh­men oder Branchen oder Ideen aus gän­zlich an­deren Branchen mit in das Pro­jekt ein. Und: „Häu­fig gibt es in den Un­terneh­men Problem- und Auf­gaben­stel­lun­gen, die nur ein­ma­lig oder sel­ten be­wältigt wer­den müssen. Verän­derungspro­jekte kön­nen zeitlich klar einge­gren­zt wer­den und machen den kost­spieli­gen Auf­bau von Fach­abteilun­gen mit langfristig wirk­sa­men Per­so­n­alkosten un­nötig.“ Ein let­ztes Beispiel: „Die Geschäft­slei­tung benötigt eine be­trieb­sob­jek­tive und un­ab­hängige Anal­yse beste­hen­der Struk­turen und Prozesse, um kos­ten­treibende oder in­ef­fiziente Fak­toren zu iden­ti­fizieren und ge­gen­s­teuern zu kön­nen.“

Tipps zur Auswahl


Wie soll­ten Fir­men vorge­hen, die (er­st­mals) eine Un­terneh­mens­ber­a­tung beauf­tra­gen möcht­en? Dazu gibt BDU-Chef Kai Haake u.a. diese Tipps: „Zu Be­ginn müssen die Fir­men in­tern selbst Auf­gaben­stel­lung und Zielset­zung der Be­r­a­tung definieren. Zum Beispiel: Auf welchen Un­terneh­mens­bereich und/oder auf welchen Funk­tions­bereich soll sich die Be­r­a­tung bezie­hen (Pro­dukt­gruppe, Mar­ket­ing, Beschaf­fung, Per­so­n­alführung, Mark­tan­teil­er­höhung und so weit­er). Daran sch­ließe sich die Vo­rauswahl von drei bis vi­er Un­terneh­mens­ber­a­tun­gen an, die u.a. von Be­r­a­tungssch­w­er­punkt und Größenord­nung geeignet sind. Das de­tail­lierte Ange­bot sollte vor allem bein­hal­ten: Auf­gaben­stel­lung (Ar­beit­sziele), Pro­jektablauf, Be­r­a­tungs­meth­ode, Zusam­menset­zung Pro­jekt­team, ge­plan­ter Zei­taufwand und Hon­o­rarhöhe sowie Neben-
kosten, Zah­lungsbe­din­gun­gen und Ref­eren­zpro­jekte.
Daniel Boss | re­dak­tion@­sued­west­falen-ma­n­ag­er.de

Ausgabe 07/2016



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